Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 1-3 (Januar/Februar/März 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6682492-5438663-5438806--270-4871481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 <3n dem Blatt des „Reichsbundes jüdischer Zrontsoldaten", der früher einmal „Vaterländischer Bund jüdischer Zrontsoldaten" hieß, schlägt ein Mitglied des Bundes vor, ^die Zudeu möglichst dem (ordentlichen deutschen) Gerichte fernzuhalten". Lr wünscht für Beleidigungssachen, ja selbst für bürgerliche Rechtsstreiligkeiten „jüdische Schiedsgenchte und Ehrengerichte-, denen sich „alle Zuden unterwerfen" sollen. Der Vorschlag knüpft unmittelbar an die erfreulichsten Ueberlieferungen des Ghetto an. Damals gab es jüdisches Schiedsgerichte, die nach Talmud- Recht urteilten, und unsere Väter strebten mit allen Kräften dahin, vor dem ordentlichen deutschen Richter ihr Recht;u finden wie jeder andere deutsche Volksgenosse, heute sind wir schon wieder so weit, dah deutsche Zuden freiwillig )um Ghetto - Gericht rurürkstreben. Rur so fort, Zhr tüchtigen Organisatoren! Wenn man Luch den Willen läßt, werden eines Tages di^ jüdischen Sondergerichte wieder Zwangsgerichte sein, und auf Luch wird stch der Staat berufen, wenn er Luch von den deutschen Gerichten fortweist. Uebrigeus — der Herr, von dem dieser sinnreiche Vorschlag ausgehl, ist ein im Berliner Landesverband führendes Mitglied des Lentralvereins deutscher Staatsbürger1 jüdischen Glaubens. , * Aber das alles sind Kleinigkeiten.. Daneben arbeitet „man" sielbewußt an der „inneren Befriedung des deutschen Judentums". Was bedeuten diese Worte? Ganz einfach — die Einheitsfront der Züdischnationalen mit allen übrigen Luiden. Man verhandelt geheimnisvoll hinter sorgsam verschlossenen Lüren, setzt jeder neugierigen Frage dumpfes Schweigen entgegen, und eines Tages werden wir' vor der vollendeten Tatsache stehen. Der Aufbau der englischen Kolonie Palästina, zweifellos heute die größte Sorge der „unbeirrt Deutschen", ist der äußere Anlaß. Die Züdischuationalen machen der Form halber ein paar belanglose Zugeständnisse und lachen sich ins Fäustchen. Das Ziel aber ist die „jüdische Einheitsfront, der Zusammenschluß aller deutschen Zuden, auch derer, die durchaus nicht Zionisten genannt werden wollen,;u einer „befriedeten Gefühlsgemeinfchaft", einem freiwilliger! Ghetto größten Maßstabes. Welch ein Pressen für die „unbeirrt Deutschvölkischen", denen so vson „tüchtigen Zuden" ihr schon etwas briichiger Antisemitismus neu organisiert wird. Uebrigens — die Herren, die über diese „Befriedung", mit den Zionisten verhandeln, sind die führenden Vorstandsmitglieder des Lentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Deutschfühlende Zuden, wollt 2hr weiter mit ansehen, daß Luch das von Euren Vätern gebaute Haus der deutschen Freiheit und Gleichberechtigung von jüdischen Händen über dem Kopfe abgerisien wird? Wollt 2hr warten, bis man die Steine;um Bau neuer Ghettomauern verwendet?! Wachet auf! Roch ist es nicht zu spät. Pocht mit fester Hand an die verschlossenen Türen, hinter denen Euer Deutschtum an Zionisten und Antisemiten verhandelt wird! Deutsche sind wir, nicht nur deutsche Staatsbürger, sondern deutsche Volksgenossen, und wir wollen es hleiben. Wehrt Luch gegen die nichtji dischen Antisemiten, aber wehrt Luch auch gegen die jüdischen Ghettofreunde l Sie sind heute der gefährlichere Feind, sie sind die Organisatoren des Antisemitismus ( I