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Der nationaldeutsche Jude · 1926-11-01 · Nr. 11/12 (November/Dezember 1926) · p. Seite 15

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 11/12 (November/Dezember 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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•vj wir I .M l Wf »B .. "!»' .W.I'B» c sätze aufstellte, die Kollenscher dahin zusammenfaht: ,,U m > jeden Preis aber mutzte vermieden werden,! das; in Orten, in denen nur nationale Listen, deutsche und! polnische, aufgestellt wurden, die Juden an der Wahl als deutsche oder polnische Parteigängerteil» n ahmen. Gerade diese Betätigung in einem fremdnationalen Sinnet!) war es. die wir durch unsere Arbeit. vermeiden wollte». Es sollte in keinem Fal'le dazu kommen, datz die Juden im Kampf gege-u das Polentum als die Wortführer deutsch nationaler Gruppenund Verbände auftraten". <S. 91.) Um jedes Mihverständnis auszuschlietzen, hebt der Verfasser selbst in einer Anmerkung hervor, dah die Bezeichnung „deutschnational" damals nicht etwa im Sinne „der politischen Partei, die heute jenen Namen führt", gemeint war (S. 39): „deutschnational" bedeutet also im damaligen Sprachgebrauch der Beteiligten das gleiche, was wir heute unter..nationaldeutsch" verstehen, die gefühlsmätzige und kulturelle Bindung an das deutsche Volk ohne Rücksicht auf die parteipolitische Einstellung des Einzelnen. In dem Aufruf vom Februar 1919, den Kollenscher im Wortlaut abdruckt wird es noch klarer gefatzt: „Uns Nationaljuden war unser e Parole im Nationalitätskampfe gegeben: sie lautet: Jüdisch." <S. 129.) Und in einem der letzten Sätze seines Buches, vor den im Wortlaut milgeteilten Dokumenten, heiht es von den „deutsch-polnischen Juden". die schliehlich, wie Kollenscher selbst, die ehemalige Provinz Posen verlassen haben, wörtlich: „W as uns alle aber immer wieder z u s a m m e n f ü hr e n mutz, das kann nicht Deutschtum und nicht Polentum sein, sondern nur der (bedanke des Klal Jsrae!."•) Dr. Kollenscher hat selbst im- Jahre 1920 Posen - verlassen. Er ist. wie schon erwähnt wurde, nach Berlin übergesiedelt. Diesen Aufenthaltswechsel rechtfertigt er selbst vor seinen Lesern mit folgenden Worten: „Als ich am 6. August 1920 das Land verlieh, hatte unsere Politik nicht an Mitzerfolgen Schiffbruch gelitten, sondern ihre Fortsetzung war nur deshalb unmöglich geworden, weil die Menschen fehlten, von denen und für die sie hätte getrieben werden können." <S. 124.) Einige Sähe vorher klagt er beweglich über die „unaufhaltbare Abwanderung der Juden selbst, die schliehlich jede Aufrechterhaltung einer Organisation und einer geordneten Tätigkeit <d. h. des jüdischen Volksrats) unmöglich machten." Was können wir d e u t s ch f ü h l e n d e n Juden zu diesen Bekenntnissen sagen? Wir können nur unserem tief st en Bedauern darüber Ausdruck geben, dah die Ersppe „deutsch-polnischer" Juden, die im „j livischen Volks rat" ihre berufene Vertretung und in Herrn Dr. Kollenscher ihren Führer sah, ihre „unaufhaltbare Abwanderung" zu uns nach dem Westen gerichtet hat. Wir hätten unseren polnischen Nachbarn diesen Bevölkerungszuwachs aus vollem Herzen gegönnt! ' Dieses Urteil bedeutet keine Verurteilung der Person des Herrn I»r. Kollenscher. Es ist anzuerkennen: der Mann hat den Mut, er selbst zu sein. Wäre er wirklich, wogegen er sich an anderer Stelle verwahrt, ein „utilitaristischer" Politiker, so hätte für ihn nichts näher gelegen, als zu schweigen und zu hoffen, datz seine, des heutigen deutschen Staatsbürgers, damalige nationaljüdisch: Wirksamkeit gründlich in Vergessenheit geriete. Statt dessen hat er „nach langem Zögern" sein Buch im Jahre 1925 der Oeffentlichkeit übergeben, in der Ileberzeugung, dah „die Geschehnisse dieser Ileberganqszeit der Vergessenheit entrissen werden müssen". Wir stehen mit Achtung und Verständnis vor solchem Bekennerdrang. Niemand kann weiter davon entfernt s;in als wir, in das Zetergeschrei der judenfcindlichen Presse cinzustimmen, die sich nach ihrer Weise — sie hat das gleiche Verfahren oft genug an uns selbst geübt — auf dieses Fressen stürzt und aus dem Verhalten einer einzelnen Gnippe ihre verallgemeinernden Schlüsse auf das Wesen der Juden in ihrer Gesamtheit zieht. Aber.niemand kawn uns verwehren, aus dem Bekennerbuch eiires ehrlichen Jüdischnationalen die naheliegenden Schlüsse zu ziehen, die sich für den Wert oder Unwert des jüdischnationalen Bevölkerungsteils innerhalb der Gesamtheit unserer deutschen Bevölkerung ergebe». vr. Mar Kollenscher hatte in den Tagen des Posener Zusammenbruchs keine grötzere Sorge, als die Anerkennung einer eigenen jüdischen Nationalität durchzusetzen: die bewutzten Deutschen, die ihre Vertretung >m deutschen Volksrat fanden, bezeichnet er selbst als „fremdnational". Und die gleichen Leute, die heute, auf ihr formelles Staatsbürgerrecht pochend, in unserem Deutschland sitzen, die hier Anwälte des deutschen Rechts, zu in Teil deutsche *) „Gemeinschaft Israels." Regierungsbeamte sind, sträuben sich mit Händen und Fützen dagegen, wenn man sie selb st innerhalb des deutschen Volks als „fremdncktional" betrachtet, wenn man ihnen die Fähigkeit abspricht, innerhalb de, deutschen Na Non in führenden Stellunlcn zu wirken! Derselbe 1>r. Mar Köllen scher, der dieses Buch schrieb, gehört heute zum Vor st and der Berliner Jüdischen Gemeinde: man sagt, dah er vv r l in e r . n seinen zionistischen Freunden und von verbündeten Orthidoccn dazu ausersehen ist, bei nach st er Gelegen hei sitzenden der Gemeinde gewählt ,uri Vorzu u erden. Der F re m d n a 1 i o n a I e als! Vertreter einer deutschen Gemeinde! Spüren Herr Köllens her und seine Anhänger wirklich.nicht selbst, wie unmöglich die sstellung ist. in der sie sich heute mit grötzter Zähigkeit zu behaupten suchen? Damals, als sie in Hose» die Neutralität gegenüber Deutschen wie Polen verkündeten, als sie sich neben dic deutsche und die polnische Nation als Fremde zu Fremden stellten, damals folgten sie ihrem cch!(n Gefühl, damals handelten sie konsequent. Es wäre lächerlich, einem Mc nNe wie Herrn 1)r. Kollenscher zumute» zu wollen, datz e ’ fühlen solle wie wir. datz er fühlen solle wie die vielen jüdischen Deutschen, die damals, als Kollcnsch'r den jüdischen Volksrat s^chuf, ohne einen A ugenblick des Bedenkens sich um den deitschcn Volksrat scharten. Aber datz-diese gefühlsfremden Mensche» es wagen, uns Deutschen >n unsere deutschen Angelegenheiten hereinzureden, datz sie uns zu muten, soga i-fc-rc Führerschaftzu ertragen, das ist nicht mehr lächert lich, das ist tief traurig. Und noch trauriger ist es, wirklich deutsch fühlende Inden finden, die nicht aus Uebereinstimmung, sondern aus der dreimal verfluchten' Gleichgültigkeit, die den Krebsschaden unsere; iünerjüdischen Lebens darstellt, di- Herrschaft der „F ne m d - üationalen" hin nehmen, als mühte es so sein. Wenn das Buch des Herrn Kollenscher dazu öeiträgt. einen Teil dieser Gleichgültigen aus dem Schlaf zu rütteln, dann sei dem Verfasser dafür gedankt, datz er sein. Taten von 1919 heute nach so vielen Jahren selbst „der Vergessenheit entrissen" hat. '). l. N. „Wohin IreiödvJuda?' Bon Ernst Berg. Dgskus- Verlag Emil Krug, x^ipzig, 1926,) Mindestens ebenso/intcressant wie dieses Buch elbst ist die Aufnahme, die es im jüdischen Kreisen gefunden hot. Wir bedauern, dah uns nicht der Raum zur Verfügung steht, um einige „einschlägige" Kritiken im Wortlaut unseren Lesern bekauntzugeben. Die vgllige - Verständnislosigkeit g« genüoer dem. was an der Iudeufrage das Wesentliche ist, lommt i» den Beurteilungen, die von der jüdischen Presse, diesem Be ind, zu , iht sein furcht Dar kbarkeit Gleise zu werden, gerade ersässcr au mit Berg »schling ze Ab zwischen kcnntnis eines ehrlichen Menschen zuteil geworden einem wahrhaft niederschmetternden Ausdruck. Ernst Berg ist jüdischer Abstammung. Er wZ, Buch „seinen jüdischen Vorfahren i» E,hrs und Dankbarkeit". Diese Ehrfurcht und hindern ihn allerdings nicht, die Dinge in seiner sehen, und diese Weise ist, das ntutz offen festgestellt auch die Anschauungsweise weiter »ichtjüdischer Kreise - derjenigen Kreise, in denen der gehässige, in Vorurteilen befangene und grundsätzlich verallgemeinernde „ÄnüsemPismus" keinen Boden findet. Vieles von dem, was der sieht und mit klaren Worten ausspricht, stiinmt gcis unserer eigenen Betrachtungsweise überein. E r» st ist, wie wir selbst, der Ansicht, datz die ewige Ver und Beschönigung augenfälliger Tatsache;,, das lenken vom Wesentlich:» nur die Vcrstäudigi , nationaldeutschen Nichtjuden und Juden erschwert, wegn nicht völlig unmöglich macht. Aber der Verfasser des Buches geht weiter als wir. Wie weit er geht, prägt sich schon in dem Titel, besonder aber im Schlüsse seines Buches aus. I» dem letzten Ab ätz der Schrift, in deni er die Folgerungen aus seinen Erkenntnissen zieht, heitzt es wörtlich: „Der Jude liebt sein deutsches Vaterland: cs wird ihm kein Opfer kosten, sich dem deutschen, Wesen anz rpassen, soweit chjes - in Menschenkräften steht: er wird auch willig darauf verzichten, sein Volkstum nach der physische > Seite zu erhalten und zu erneuern, aber, sind Körper und Geist nicht untrennbar verbunden, besteht nicht die Gesa;r. datz man mit dem physischen Judentum auch zugleich das geistige Judentum opfere? Oder säll der Jude sich aifgeben. soll er sich selbst aus -dem .Wege räumen, damit andere Völker leben können, soll er feine» Glauben, seine eligiöse Ueberlieferunq, seine göttliche Sendung vergessen? Wir antworten: Ja. denn es ist Zeit zu sterben! ^cr ewige Jude, der seit Jahrtausenden i;> Elend und (^hmach über die Erde geht, darf nicht noch einmal eine Völkjrwende überleben, darf nicht noch einmal zum Gespött Neuauf geschossener Völker werden." datz sich innerer

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