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Der nationaldeutsche Jude · 1926-11-01 · Nr. 11/12 (November/Dezember 1926) · p. Seite 9

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 11/12 (November/Dezember 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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- 9 - Der Zionist als Preußischer Ministerialdirektor. . Der als Jüdischnationaler und als besonders gehässiger Gegner unseres Verbandes bekannte bisherige Ministerialrat vr. Badt ist Preußischer Ministeriald i r e k t ö r und nunmehr offizieller Leiter der Abteilung für Preußische Verfassung im Preußischen Ministerium des Innern geworden. Dies« Abteilung ist die gleiche, von der u. a. an der Entscheidung des Ministeriums über den — mit zionistilchenOrdnungswidrigkeiten begründeten — Einspruch gegen bi« Gültigkeit der letzten Repräsentantenwahlen der Berliner Jüdischen Gemeinde milgewirkt wird. Praktisch hat sich durch die Ernennung des Herrn Dr. Badt zum Ministerialdirektor, abgesehen von Titel und Gehalt, gegenüber dem Zustand, der schon seit geraumer Zeit bestand, nichts geändert. Herr Badt leitet die Verfassungs- Abteilung schon längst, bisher! als sogenannter „Dirigent". Mehrfache innerhalb des letzten Jahres gemachte Versuche, ihm auch zu der offiziellein Stellung eines Ministerialdirektors zu verhelfen, sind gescheitert. Die jetzt vollzogene Ernennung fällt zeitlich mit dem Wechsel in der Person des Ministers zusammen. Kritischer Bemerkungen vom eigenen Standpunkte aus wollen wir uns enthalten. Was wir über Herrn vr. Badt denken, ist bekannt. Es gerade anläßlich einer Titelverleihung und Gehaltserhöhung von neuem auszusprechen, besteht kein Anlaß. Einige-, was über ihn mit Rücksicht aus neuest« Leistungen zu sagen ist. finden unsere Leser in dem Aufsatz von Sanitätsrat vr. Peyser „Die Zionisten auf der Landesverbandstagung" in dieser Nummer unseres Blattes. I Nicht uninteressant ist die Form, in der die Ernennung des Herrn vr. Badt von der Presse ausgenommen worden ist. In den zionistischen und anderen jüdischen Blättern angrenzender Richtungen ist natürlich die Beförderung als großer Erfolg „des Judentums" mit hellem Jubel gefeiert worden. Wir durften uns an Reminiszenzen atzs der Studienzeit und dem Militärleben des Beförderten sowre an dem Anblick seines Lichtbilds erfreuen. Daß die Ernennung in der Herrn vr. Badt parteipolitisch nahestehenden Tagespresse (Herr. Badt ist Sozialdemokrat) begrüßt worden ist, bietet nichts Auffälliges. Das gleiche gilt davon, daß die sonstige Tagespresse, von der Deutschen Volkspartei! nach rechts, die Beförderung abfällig als sozialistisches Parteimanöver beurteilt hat. In den ruhigen, der politischen Mitte zuneigenden Blättern ist dabei aus die Eigenschaft des Herrn Badt als Zionisten hingewiesen rrorden. Radikal-judenfeindliche Zeitungen haben natürlich auch diesen Anlaß zu! verallgemeinernden Ausfällen gegen die Gesamtheit der Juden benutzt. Bemerkenswert ist die Stellung des Zentrums. In unserer letzten größeren Veranstaltung behauptete ein zionistischer Redner, das Zentrum sei mit der Ernennung des vr. Badt zum Ministerialdirektor durchaus zufrieden. Demgegenüber ist ein Bericht interessant, der uns unmittelbar vor Schluß dieses Blattes über eine Sitzung des Preußischen Staatsrates zugeht. Nach dem offiziellen Zentrums-Orga», der ..Germania" (Rr. 376 vom 11. Dezember 1926) hat zunächst Herr Dr. Steiniger von der „Arbeitsgemeinschaft" die Ernennung des Herrn vr. Badt als eine „Ohrfeige fürden Staats¬ und R e i ch s r a t" bezeichnet. Im Anschlüsse daran hat der Zentrumsvertreter vr. Beizer erklärt, das Zentrum habe die Ernennung des Herrn vr. Badt „mit Mißbehagen" ausgenommen. „Mißbehagen" (ciispiacere) ist bekanntlich der Ausdruck, den der Papst in seiner mild abgetönten Form zu verwenden pflegt, wenn ihm etwas ganz und gar nicht paßt. Man kann aus der Verwendung gerade dieses Ausdrucks gewisse Schlußfolgerungen darauf ziehen, mit welcher Freude dl? Ernennung des Herrn Vr. Ä a d t in Zentrumskreisen begrüßt worden ist. > M. N. Konflikt« in jüdischen Gemeinden. In der „Frankfurter Zeitung" war am 19. No-; vember (zweites Morgenblatt Rk. 862) folgende Drghtmcldung i aus Beuthen O.-S. zu lntn: „Der seit mehr als zwei Jahren andauernde Konflikt! zwischen zugewanderten Ostjuden und o r t s a n - | süffigen Mitgliedern der Synagogengemeinde in König s h ü t t e hat Wt eine entscheidende Wendung genommen. Aus Grund der Wahlen zur Synagogengemeinde haben im j Laufe der Zeit die zugezogenen Ostjuden die absolute - Mehrheit im Repräsentantenkoklegium erreicht und, nun > mit allen Mitteln versucht, die einheimische hochentwickelte > Judenschoft zu terrorisieren und östliche Zustände «inzuführen, | wobei der Gemeinde eine radikal-polnische Note aufgedrückt werden sollte. Dieses intolera-nte Auftreten > der in jeder Beziehung zurückgebliebenen Ostj . juden zwang den über Oberschlesiens Grenzen hinaus durch'! feine Forschungsarbeiten auf dem Gebiete des Judentums > bekannten und geschätzten Oberrabbiner vr. Goldschmidt, i seine Königshütter Stellung, die er über 25 Jahre bekleidet > mmm hatte, aufzugeben und nach Breslau zu übersiedeln. Seit zwei Jahren ist diese Stelle verwaist, da keine Möglichkeit bestand, «in Einvernehmen mit den Ostjuden zu erzielen. Finanzielle Belange drängten jedoch zur Lösung des Konflikts. Rach erbitterten Kämpfen haben sich jetzt die deutschen Juden entschlossen., aus der Gemeinde auezutreten und die prachtvolle Synagoge den Eingewanderten zu überlassen. Die Erbitterung bei den deutschen Juden, denen dieser Schritt ungemein schwer fiel, ist außerordentlich. Man hofft zwar immer noch) auf eine gütliche Bereinigung des Konflikts, was aber kaum möglich sein wird, da die Ostiuden nicht darauf verzichten werden, ihre Mehrheit im Repräsentantenkollegium geltend zu machen. Die Haltung der Ostjuden, die bei den Gemnndewahlen, wo sie keine eigene Liste aufzustelken in der Lage waren, die strengste Parole ausgaben, für eine ausgesprochene polnische Parte i zu stimmen, wird von den polnischen Behörden natürlich gern gesehen." Eil für Sin ähnlicher Konflikt ist aus Chemnitz zu Dort setzt sich die Jüdische Gemeinde aus rund 1200 und 2400 nicht-deutschen Juden zusammen. Ein Wahlrecht hat bisher dendeutschen Juden die in der Gemeinde gesichert. Die Zionisten kämpfen kratisjerung der Gemeinde, für Gleichstellung alli für Frauenwahlrecht usw. Der Gemeindevorstep Georg Mecklenburg, sieht sich genötigt, zionistischen Führer eine scharf abweichende^Haltil nehmen und löird daraufhin von ihnen wegen öffensli leumderischer Beleidigung verklagt. In mehr stündiger Verhandlung muß das Gericht sich jüdischen Angelegenheiten befassen. Ergebnis: Her bürg wird freigesprochen, weil er sich gegen Richtung in Kampfstellung befunden und deshalb ir nehmung berechtigter Interessen Die unterlegenen Zionisten beabsichtigen, au rufungsinslanz mit dieser Sache zu befassen. ehand noc» berichten, deutschen ungleiches- Herrschaft Demor Juden, er, Herr legen die ng einzuicher vrrals zehni nit diesen Mecklenne andere W a h r - eit habe, die Besprr In einer zionistischen Protestversammlung. 19. Oktober in Chemnitz abgehalten wurde. ' anderen aüch Herr vr. Soloweitschik. Der „I Rundschau" zufolge leistete er sich dabei die ‘ die jetzt in Chemnitz scheinbar herrschende jüdische die Jugend nicht auf ihrer Seite und damit d e im eigenen Hause. Herr Soloweitschik hier also jüdische Kinder als die Feind» jüdischen Eltern, weil sie angeblich in gewisse Grundfragen anderer Meinung sind als ihre Erzeug die Berechtigung, in Angelegenh.iten der deutsch maßgebend mitzusprcchcn in Deutschland, namens de schlagender und. überzeugender nachgewiesen werdeji, hier purch Herrn Soloweitschik geschehen ist? Hetzreden nicht-deutscher Agitatoren sollen deutsch und Mütter sich widerspruchslos g lassen? Dr. Mar Naumann und di« Magdeburger J> ftizaffär«. die am ch neben d ischen Bemerkung, hicht habe * Feind bezeichnet ihrer t jüdischen er. Kann e n Juden CfflJbcn lind laiche Vatgr e f a l l e n S. B. agssitzung ich ^esa^t Die I. T.. A. (Jüdisch: Telegraphen-Agentur) perbreitete am 22. Oktober folgende Erklärung: Herr vr. Mar Naumann schreibt uns: .Mach Ihrem Bericht über die gestrige Land: hat der völkische Abgeordnete Körner erklärt, daß hätte, „die Magdeburger Sache sei lediglich als e ne des versipptcn Judentums aufzufassen". Ich lege W»t auf -die Feststellung, daß ich etwas derartiges weder den» Wortlaut noch dem Sinne nach gesagt oder geschrieben habe. Herr Körner hat offenbar nicht a »s meinem eigenen Artikel zitiert, der in der „Berliner Bör! enzeitung" unter der Ueberschrift „Der Fall Dsagdeburg. eine Volksgefahr" erschienen ist. sondern aus einer Glosse l es „Vorwärts". in der meine Ausführungen völlig u r r i ch t i g wiedergegeben sind. Mein Aufsatz in der ..Berliner Börsinzeitung", der lange vor dem formellen Al schluß des ■ Verfährens geschrieben ist, wollte dartun, daß aus de n Magdeburg» Fall eine „Volksgefahr" entstehen konnte, wil man in eine IRcchtsangelegenheit politische- Tendenren hineingetragen hat, und daß in dieser Hinsicht von rechts- und linksstehenden Politikern, von Juden und Nichtjuden, gesündigt worden ist. Im übrigen ist in dem Artikel schin damals meine feste Ueberzeugung von der Unschuld der Herren Haas, Reuter und Fischei mit sehr klaren Worten ausgesprochen und gegen-die vün den Herren Kölling und Tenholt beliebte Form der Untersuchung scharf Stellung genommen. Ich bemerke schließlich, daß m m dem Artikel lediglich meine Privatmeinung wiederaegben habe und daß diese Meinung mit meiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden nichts Zu tun hat." _•

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