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Der nationaldeutsche Jude · 1926-11-01 · Nr. 11/12 (November/Dezember 1926) · p. Seite 10

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 11/12 (November/Dezember 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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T - - 10 r „Juden gegen Juden". Lin Wort für ehrliche Antisemiten. Von Mar Naumann. Die .Abwehr des Antisemitismus" im Zinne anderer jüdischer Vereinigungen gehört nicht zu den Aufgaben unseres Verbände-:'. Wir fiilfc stets davon ausgegai gen. der „Antisemitismus" nicht aus der Weit geschafft wild, ir dem man sich den einzelnen Antisemiten oder eine antisemiische Gruppe vorknöpit. ihnen Verbrechertum oder unheilbar! Geisteskrankheit vorwirft und im Anschlüsse daran dem Erstaunen darüber Ausdruck gibt, warum cs überhaupt Antise nitismus gebe. Selbstverständlich wissen auch wir kräftig dreinzuschlc gen, wo uns anliscmiii'chcs 3t üpeltu in mit der Slbsicht persönlicher Kränkung cntgegenlritt. Aber wir bekämpfen auch in d esen Einzelfälleu nicht so sehr den Antisemitismus, als das Rüpellum. da-:- ja auch dort bekämpienswert ist,- wo es sich »licht zufällig gegen Hilden wendet. Dem Antisemitismus sei ist, h. der stille von ganz verschiedenartigen und verschiedet wertigen Vorurteilen und Stimmungen, die man mit dem u ischarfen Worte „Anlisemstismiis" zusaminrnzufaffen versucht, kl nn man nicht durch .Bekämpfung", durch Raufhändel, Belei )igungsklagen. gefühlsselige Dctlainationen und verstaubte wis enscuaft- Iid c Dokiriiicu begegnen. Wir müssen hjneingreisen. ns »olle -Men ch.mleben. müssen die Gründe der Erscheinungen diej zusamnien den .Antisemitismus" ausmachen, zu erforschet suchen, dürfen dabei einer ernsthaften Zelbstprüfung nicht ins dem Wege gehen und müssen uns vor allem klar sein,! atz pian — wir wiederholen einen oft von uns gebrauchten Am druck — «rankheilen nicht heilt, indem man an den Symptome! herUmdolioit, sondern nur, indem man den Sitz des Uebels angijeift. Ent'prechend dieser unserer Anschauung gehen mir ruhicen Ausciiianderseizungen mit ehrlichen Antisemiten, und solche Ehrlichen gibt es unter den sogenannten oder vermein klickten Antisemiten in Hülle und Fülle, nicht aus dem Wege, in» Gegenteil. wir freuen uns, wenn uns Gelegenheit zu solchcm Erörterungen, gegeben wird. Tenn der Sitz des Uebels, aus Pein alle die häßlichen Symptome unseres, täglichen Erlchens ^sich entwickeln, ist unserer Ueberzcugiuig nach der auf beide bestehende Mangel an g e g e'n s e i t i g e m V e rst ä die aus beiden Seiten bestehende V o r e i n g e n o heit, die cs zu Aussprachen überhaupt nicht kommen jedes Zusgmmeiurencn von Menschen aus den beides lichen" Lagern im ungünstigen Falle zum? Krawall lund' im günüigsteu Falle zum Austausch eisiger Höflichkeiten werden lsitzt. Bei unseren jüdischen Slaini^icsgenosscn wird unser Verhalten gegenüber den „Antisemiten" natürlich' meist perkqnnt oder geiliisentlich entstellt. T^p Schcnia ist ebenso einfach wie prakli'ch. Lehnt ein Nichljude unsere Bestrebungen ab, > so scherschüttet man uns mit Hohn^und Spott, weil wir uns wieder einmal vergeblich „angcbicdcrl" und dafür „die wohlvcsrdieütcn Futziritler geerntet haben. Erklärt aber ein Nichtjude,! der Pen als anliseiniiisch geltenden Kreiien nahesteht,-unsere Bcstvebungen für.aussichtsreich und begrützcnswert, so begeifert nian Uns, weil wir verworfen genug sind, uns „von Antisemiten lopen zu lassen". Wir bezweifeln keinen Augenblick, datz auch jdie heutige Erörterung nach der einen oder' nach der [antxjrcn Richtung gegen uns ausgebeinet werden wird, möglichermeise nach beiden Richtungen gleichzeitig, was für manches jüdische Publizisten eine Kleinigkeit ist. .! In der „ T eu ts ch c n Z e i t u n g " vorn 7..T'ezemt>cr lV26 tNr.stttib» findet sich ein längerer Aussatz „Juden igegjcn 2 u 6 en " aus der Feder des Herrn Otto v. S ch l l i y g. Er knüpft an die törichten Redensarten an, die in der „W t l t am Montag" im Anschlüsse an unsere letzte Versammlung gemacht worden sind tvgl. „Echo der Presse"), und fährt dann wörtlich fort, wie folgt:; „Wir sind den Bestrebungen der nationaldeutscheji Jupen abhold.' Wir halten sie nicht nur für aussichtslos ich oaterländischen Sinne, sondern auch für verwirrend utid irreführend. Aus dem Verhalten dieses verhältnismäßig kleiyen Verbandes werden sicher ganz falsche Schlüffe auf tue Gesamtheit des Judentums in Deutschland gezogen. Andeilerseits ehren wir aber den Geist, in dem, die Politik oes Verbandes nalionaldcutscher Juden wurzelt und empfinden darüber hinaus lebhafte Teilnahme für'die Tragik in dpm Schicksal vieler seiner Mitglieder. Es unterliegt für uns äar keinem Zweifel, daß. Tausende von Juden in Deuchchlchid ihren Staaisbürgcipstichtcn in jeder Weise gerecht^werhen und in ihrer Art durchaus deutsch Scslen! d ni i s, m IN fn - läßt lind .fe nddenken und l>»ipfindf». Nicht selten finden wir unter ihnen deswegen auch scharfe Antisemiten. WaS be agt aber diese Tatsache für die Judenfrage? So wie wir ie auffaffen, nicht das geringste. Es handelt sich doch wirk ich nicht darum, das uns das jüdische — in der Hauptsache'außerdem ostjüdische — Gauner- und Verbrechertum über dsn Kopf wächst, dann wäre der jüdische Hohn voll berechtigt über die jämmerliche Schwäche, die nicht einmal dieses Gesintels ohne - eine Volksbewegung Herr werden kann. Worauf es in Wahrheit ankommt, das ist: der Vetjudung nnscreb Volkes einen Damm zu setzen, dem ausschlaggebenden Einfluß der Juden auf unser sittliches, wirtschaftliches und politisches Leben ein Ende zu bereiten. Selbsterhaltung und Notwehr sind deutscherseits die Triebfedern dieses Kampfe«. Wir wollen unser eigenes Leben leben, und das ist nicht nur unser gutes völkisches Recht, sondern auch unsere heilige völkische Pflicht, denn wir haben die feste Ueberzeugung, daß verjudete Deutsche unbedingt minderwertig sind linbT verkommen müssen." Später folgen die Sätze i „Unser sittliches Leben, unsere Wirtschaft und unsere Politik bestimmen nahezu allein Juden. Das ist nicht das Hirngespinst eines Vcrwlgmigsivahns. das ist greifbare, jederzeit erweisliche Tatsache. Zum Erreichen einer solchen Machtstellung haben aber viel weniger die jüdischen Schmutzfinken und Spitzbuben etwas igetan, als vielmehr die rein menschlich achtbaren Juden beigctrogen." . und: „Kein einziger Jiidc hat in deutschen Angelegenheiten bestimmend mitzusprecf en und wäre er ein jüdischer Goethe und Bismarck in einer! Person!" Wir wollen vorweg sagen, worüber ja für jeden, der uns wirklich kennt, kein ernsthafter Zweifel bestehen kann, datz wir diese Ausführungen fachli Trotzdem halten wir sie auseinanderzusetzen, den» f, für völlig schief und verfehlt halten, für wert, uns ernsthaft mit ihnen wir verkennen nicht, daß hier ein Antisemit spricht, der trotz seiner antisemitischen Gesinnung ein ehrlich nach Wahrheit Eichender Mensch ist. Ein Mensch, der mit einer ihn befreundenden und in sein Gedankensystem nicht passenden Erscheinimg innerlich ins Reine zu kommen sucht. Datz er schließlich j keine andere Lösung findet, als zum Ausgangspunkt seiner Gedanken zurückzukehren und sein ursprüngliches, zeitweise durch unsere Bestrebungen erschüttertes Vorurteil in die Form seiner unlogischen Schlußfolgerung zu kleiden,. ändert nichts daran, daß tvir schon den V e r s u ch,. zu unserem Wirken eine andere als rein gefühlsbetonte Stellung zu gewinnen, als Zeichen persönlicher Ehrlichkeit und Gutz-^ Willigkeit begrüßen. Ein!Mann, wie Otto »..Schilling, verdient es, daß man ihn weder, wie er es von einer änderen Gruppe von Juden in seijiem Aufsatz voraussagt, als „Idioten, Strolch usw.", noch alss „einseitig und verrannt" absertigt, sondern daß man ihm ehflich und ernsthaft antwortet. Tie Antwort selbst ijjt freilich einfach genug. Herr Otto v. Schilling macht dxn logischen Fehler, den man eine „petitio principii“ nennt, d. h. er nimmt als feststehend vorweg. was er erst beweisen sollte. Für ihn steht fest, daß „deutsche und jüdische Weltanschauung gegen einander steht wie Feuer und Wasser, sowie daß die Verjudung unbedingt unseren seelischen und sittlichen Tod herbeiführt". Mit Verlaub, woher meiH Herr v. Schilling dies? Er trifft eine Feststellung, die mit Sicherheit uur getroffen werden könnte, wenn im Laufe einer recht, langen geschichtlichen Epoche erweislich der jüdische Einfluß wirklich überwiegend und der „seelische und sittliche Tod" des deutschen Volkes bereits eingetreten wäre. Das letztere ist jg glücklicherweise nicht der Fall und die deutschfühlenden Juden, i von denen wir Mitglieder des Verbandes nationaldeutscher Juden nur eine aktivistische Gruppe sind, hegen den festen Glauben, daß dieser seelische und sittliche Tod niemals eintreten wird. Aber wenn er dennoch einlräte, welche Anhaltpunkte hätte Herr v. Schilling dafür, daß es wirklich gerade die Juden wären, die an ihm die Schuld tiügen? Er sagt: „Ob fremde Völker ihre Juden verdauen können, ist uns ganz gleichgültig, wir vertragen sie jedenfalls nicht". Wenn das wahr wäre, welch ein Armutszeugnis wäre es für das deutsche Volk! Herr v. Schilling wird uns zugeben, daß die im „Ring-Verlag" erscheinende Zeitschrift „Gewissen" es nicht minder gut mit dem deutschen Volke meint, als er selbst, und daß sie von „jüdischem Geiste" völlig frei ist. In tiefer Zeitschrift lesen wir! (Nr. 47 vom 22. November 1926) im Anschlüsse an die Würdigung einer antisemitischen Pöbelei des „Bayrischen Vaterland" wörtlich:

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