Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 11/12 (November/Dezember 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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englischen Protektoratsherrschaft fühlbar machen. Die „Phantasien vom reinen Judenstaat" sind also auszugeben. Palästina kann nur eine „leoantinische Schweiz, ein Zweisprachenland" sein, in dem zwei zum Glück nahe verwandt« Nassen „brüderlich" leben müssen. Dahin führt nicht nur das Kantsche Sittengebot, sondern auch die nackte Realpolitik. Anfangs ist der Widerstand des Arabcrtums gegen das jüdische Siedlungswerk zwar grob und nicht ungefährlich gewesen, und andererseits sind bei den jüdischen Siedlern nationaliftisch-kapitalistische Tendenzen hervorgetreten. Man hat die Juden zum Herrenvolk, die Araber zur dienenden, frohndenden Unterschicht machen wollen. Aber diese „Drachcnsaat" ist nicht aufgegangen, und somit ist auch eine „jüdische Vesper" nicht mehr 3» befürchten. Die Juden sind zwar einstweilen in der Minderzahl, und da, sie betreffs der Kindererzeugung ihre „europäische Mentalität" mitgebracht haben, werden sie auch in absehbarer Zeit in der Minderzahl bleibe», aber die Araber sind unter sich gespalten, und die grobe Masse ihrer Landnnd Arbeiterbevölkerung, die von den jüdische» Sichlern lenit uizd von den jüdischen Gewerkschaften im Lohnkampf unterstützt wird, ist in ein besseres Verhältnis zu.de» Juden gekommen. Zudem hält England das Ländchen mit seine» Schiffsgeschützen, Tanks, Fliegern und sonstigen Machtmitteln im Zaum. Eine „arabische Gefahr" besteht also nach der Meinung der Vortragenden nicht mehr. Was den Kapitalismus betrifft, so verurteilte er zunächst den Grundstückswucher und die Raffsucht jüdischer Bodenspekulanten in der neuen Hafenstadt Tel Aviv -mit erfreulicher Offenheit und mit einer Schärfe, wie man sie sonst nur auf gegnerischer Seite hört. Und obwohl selbst Sozialist, stellte er. ohnesie zu lösen, die bange Frage, ob die Lohnpoli it der jüdischen Gewertsck-aften nicht das Aufkommen neuer Betriebe lähme und die Lebenshaltungskosten der Arbeiter vcrtcure. Denn schlicblich sei es doch nicht der Unternehmer, sondern der Konsument, d. h. die grobe Masse der Arbeiterschaft, die die Aufträge schaffe, und seien die Löhne zu hoch, so seien auch die Waren zu teuer; die Aufträge stockten und die Betriebe erlahmten. Nicht ohne Spott schilderte der Vortragende die „Ueberorganisation" der Gewerkschaften, die. von europäischen Begriffen erfüllt und. bis an die Zähne gerüstet und gepanzert, einem eigentlich gar nicht vorhandenen Jndustriekapitalismus gegenüberstehen, denn die paar inländischen Fabriken sind an den Fingern herzuzählen. Die Macht der Tatsachen zwingt die Gewerkschaften denn auch manchmal, in Lohnfragen ein Auge zuzudrücken und sich mit geringen Löhnen abzufinden, um die Eristenz der Betriebe nicht in Frage zu stellen. Der einzige wirkliche Kapitalismus in Palästina ist der Bodenkapitalismus der christlichen Syrer, der kurdischen und türkischen- Grobgrundbesiher, die aber ihren Grundbesitz gern für gutes Geld an den Keren Hajessod verkaufen. Damit ging Professor Oppenheimer zur Landwirtschaftsfrage über, die für ihn der Kernpunkt des Siedlungsproblems in Palästina bleibt. Ein Land, so sagte er, lätzt sich weder kaufen noch erobern: cs muh mit dem Pfluge erobert werden. Ein kaufkräftiger Bauemstand ist der Hauptabnehmer für Industrie und Handel, die ohne ihn keine Lebenskraft haben. Eigenartige Worte aus dem Munde eines Sozialisten, der mit europäischen Verhältnissen so eng vertraut ist! Für Deutschland und England, deren Bevölkerungsüberschutz von Industrie und Handel leben muh, die den Grotzgrziydbefitz zur Ernährung ihrer Jndustriebevölkerung und die Weltwirtschaft I zum Absatz ihrer Jndustrieerzeugnisse brauchen, treffen sie J gewih nicht zu. eher für Frankreich, offenbar auch füs den ..Provinzwinkel" Palästina, der weder Kohlen noch Erze besitzt. Wie steht es nun aber mit dem jüdischen Bauernstand? Rach einer sehr feinen Analyse der drei. Stufen: Landarbeiter. Bauer und Gutsverwalter, ihrer notwendigen Eigenschaften und ihrer Aufgaben, schilderte der Vortragende die bisherigen Siedlungsversuche und Erperimente, die groben und kleinen Siedlungsgenossenschaften und die dorfweife angesiedelten selbständigen Bauern. Von den groben Genossenschaften. die nach kommunistischen Grundsätzen eingerichtet sind, rückte er energisch ab. Sie kosten nur Geld, rentieren sich aber nicht. Man will daher mit dieser Methode brechen. Minderwertige Leistungen, eine auf Freiheit pochende Willkür. Anarchie und der völlige Mangel einer Leitung kennzeichnen sie. Man baut alles mögliche durcheinander an oder läht Felder brach liegen; die Wirtschaftsgebäude verfallen, die Ställe gleichen denen des, seligen Auqias usw. Man denke sich, sagte er. sechzig Dilettanten, von denen nur zehn ihre Instrumente leidlich spielen, ohne Kapellmeister eine Symphonie Beethovens aufführend! Günstiger lautete sein Urteil über die ähnlich „organisierten" kleinen Genossenschaften, die wenigstens aus tüchtigen Landarbeitern bestehen und schlecht und recht fortkommen. Er schlug dann die Wiederaufnahme der Versuche mit Siedlungen auf kooperativer Grundlage, d. b. mit Abstufung von Rechten und Pflichten je nach der L e l st u n g., vor. die er selbst vor dem Knege in Palästina unternommen hat. und die er jetzt mit Salomon Dyk auf einer früheren Staatsdomäne — in der Nähe von Berlin — mit Erfolg fortsetzt. Schliehlich ging er zu 'den selbständigen Bauernwicischasten über, die von allen, tüchtigen Landarbeitern geführt werde» und alles in allem noch die besten und lebenskräftigsten zu sein scheinen. In einem Musterdorfe Rahalal, an dessen Stelle vier bis fünf arabische Dörfer durch die Malgria untcrgegangen sind, ist die Malaria jetzt völlig verschwunden. Freilich kranken alle diele Sied lungen an dem Mangel tüchtigen Nachwuchses: tzlbst die wirtschaftlich selbständigen Bauern nehmen keine Lehrlinge an. sonder» behelfen sich mit Familienangehörigen, derei Tauglichkeit Zufallssach: ist. Wie aber soll man Paläsuna mit dem Pfluge erobem, wenn der Nachwuchs fehlt? Professor Oppenheimer machte diesbezüglich Vorschläge, die < uf Anstellung von Lehrlingen hinzielten. Im ganzen ergibt sich also ein primitives, gencinwirtschaftliches oder kleinbäuerliches Wirtschaftssystem, wie wir cs im alten Europa seit langem haben, dessen Zukunft jedoch mangels geeigneten Nachwuchses nicht einmal sicherge teilt ist. Dies Ergebnis ist im Sinne des Zionismus rcd)t magq, und Oppenheimer bezweifelte selbst, oh er ein richtiger Zionist sei. Aber zum Schlüsse stimmte er doch in die Fansaccn der Wassermannschcn Vorrede-ein, indem er das Sildlungs- - werk in Palästina als „Sendung seines Volkes", als „Funke, der zum Lichte wird," ja als „neue, reinere und stärkere Organisation" pries, die der ganzen Welt zum Porbilhe dienen und „soviel Glück; Freiheit und Gleichheit, gls a»f Erden möglich ist," schaffen. werde. Hier kam der Pferde futz der zionistischen Ideologie also schliehlich doch zu!» Vor schein. Was aber helfen der Welt, was helfen bstonders dem übervölkerten Deutschland mit seiner verwickeltet Wirt . " schaftslage solche Urväter-Rezepte? Und wenn schon, warum inüsscn gerade die deutschen Inden ihre „Ehre" darnnsctzeii. sie in dem fernen Palästina zum Nutzen Englands zu verwirklichen? - Sieh, das Gute liegt so nah! Für die Ostjuden mag dse Uebersiedlung nach Palästina eine wirkliche Befreiung aus unerträglichen Vcrhäitni sen sei», und sollte sie trotz der Kleinheit des Landes in grohem Matze gelingen, so hätte selbst Deutschland den Vortei davon, dah der Druck der ostjüdischcn Einwanderung nachlätz. Abgr für unsere einheimischen Jude,? Warum kolonisiere i unsere Salonzionisten nicht lieber in Mariendorf, statt so lärmend für den Keren Hajessod zu werben und dadurch so uiel Unfrieden zu stiften? Man szge nicht, das sei ui möglich. In den Dörfern meiner hessis, je» Heimat sah ich oft Rebekka am Brunnen stehen und jüpische Leute Viehzucht treiben. Und jüdische Kolonisten gus! Wien haben es nickt unter ihrer Würde gehalten, sich! vom Groben Kurfürsten in Brandenburg ansiedeln zu lassen. Betrachtet man überhaupt dessen Siedlungswerk suwje das des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm l. und Fried ichs bes , Groben, so erkennt -nzan, datz hier schon vor Jahrh inderten mit weniger Lärm und üblen Nebengeräuschen und mit ganz anderen praktischen Ergebnissen ein viel gröberes Werk gelungen ist. Beim Tode Friedrichs des Groben bef and die Bevölkerung Preutzens zu einem Drittel aus Siedlern und deren Nachkommen. Etwas mit diesen Völkerwanderungen irgendwie Vergleichbares ist nur in Amerika, neuerdi ngs auch in Griechenland geleistet' worden. Man braucht sich nur in die gelehrten Werke von Beheim-Schwarzbach und Stadelmann zu vertiefen, um die Grütze dieser Leistung zu ermessen. Die Lektüre dieser Werke wirb also .für siedlungsk» dürftige deutsche Juden aufschlutzrcichcr und, ermutigender sein, als die aller zionistischen Programmschriften. Sie zerstöri zugleich die gerade in radikaljüdischen Kreisen genährte und c eglaubte Legende von den fluchbeladenen Hohenzollern. M ären sie wirklich so fluchbeladen, wie diese Geschichtsklitterung es vor>- gibt, so wären nicht Menschen aller Stände und alle: Rassen, einschliehlich der Juden, in solchen Scharen eingewan>er1 und hätten nicht in Preutzen soviel Glück, Freiheit und Gleichheit gefunden, als es auf Erden möglich war und ist. Nachwort der Lchrifkleituug. Wir haben dem hochgeschätzten Verfasser des vor Berichts gern das erste Wort gegeben, trotzdem wir wuht sind, datzmanches, was er aus Eigenem anffi als Ausdruck rein, persönlicher Anschauungen gelten jeden unserer Leser, wie auch sein politischer Standpfn mag. mutz es voik grötztem Wert sein, zu erfahren, zionistischer Vortrag auf einen politisch rechtsstehendlei von „Antisemitismus" himmelweit entfernten Nichtjudje Wir nationaldeutschen Juden selbst Müssen die die es sich handelt, noch unter einem anderen Gesichf sehen. Der Vortrag Franz Oppenheimers war der ihm zuhören durfte, ein Erlebnis. Hier sprach und durch ehrlicher Mensch, dem es inneres Bedü die Wahrheit zu bekennen. Er war sich voll dem diese Wahrheit nur seine Wahrheit ist, datz man auch unter anderen Gesichtspunkten ansehen kann u Umständen ansehen mutz. Die wirtschaftliche ditehenden uns best, nur u. Für nkt fein wie ein n, aber n wirkt, ge, um swinkel fir jeden, in durch rfnis ist, fitzt, datz e Dinge chd unter Seite des Oft mim i äm