Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 9/10 (September/Oktober 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- s - unserem Standpunkt aus zum Protest herausfordernd Schon glaubten wir Herrn Holländer ganz und gar in unsere Anschauungswelt einlenken zu sehen, als wir in seinem Artikel die folgenden Sätze lasen: '..Bin ich ein Anhänger des jüdischen Volkes mit dein Wunsche einer hebräischen Kultur für mich und meine Familie, mit, dem Endziele, mein Vaterland Palästina als Iüdijchnationaler möglichst bald zu erreichen, und dort im jüdischen Volk das für das ganze jüdische Volk der Erde erstrebte politische und kulturelle Zentrum zu schaffen, so mutz ich es verstehen, und kann es vielleicht auch nicht mißbilligen, wenn ein von deutschen Unternehmern gegründetes Werk, das der deutschen Volkswirtschaft, der deutschen Kultur und den deutschen Interessen dienen soll, lieber einen nichtjüdischen als einen jüdischen Bewerber annimmt. Wie sich Herr Blumenfeld die innere Stellung eines im deutschen Staatsdienste beschäftigten jüdisch-nationalen Beamten vorstellt, kann bei seiner Einstellung keine Frage sein. Es würde doch von außerordentlichein Werte sein, wenn er einmal öffentlich erklären würde, wie man gleichzeitig an leitender Stelle die wahren Iuteresseu der deutschen Kultur, des deutschen Staates und der deutschen Zukunft wahrzunebmen imstande ist. wenn man sich nicht zu dem deutschen Volke zugehörig und mit seiner Zukunft innig verbunden fühlt." Ausgezeichnet — diese Worte könntest genau ebensogut in unserem „Nationaldeutschen Juden" gestanden haben: sie decken sich voll inhaltlich mit den Gründen, aus denen heraus wir hier schon des öfteren gegen gewisse hohe, preußische Regierungsbeamte Stellung genommen haben, die ihre Äemter im Bereiche des Innenministeriums mit einer ausgesprochenen Agitationsarbeit für die jüdisch-nationale Heimstätte in Palästina, für die Ausbreitung der hebräischen Kultur, und namentlich für die Abdrängung der jüdischen Jugend in Deutschland in das zionistische Lager derer um BlumOnfeld zu vereinbaren wissen. Aber Herr Holländer schließt seine Betrachtungen da, wo wir in ihrer Wiedergabe stehen geblieben waren, nlit folgenden weiteren Sätzen ab: ..Wir haben gegen diese Beamten nicht», weil wir wissen, daß sieben Zionismus ganz anders auffassen als Herr Blstmenfeld. Aber da hier einmal der Präsident der Zionistischen Vereinigung gesprochen hat, so möge er uns auch auf unsere Anfrage antworten und einmal darlegen, wie auf Grund seiner schon oft vorgetragenen Auffassung über die Pflichten eines Angehörigen des jüdischen Volkes ein jüdisch-nationaler, auf Blumenfeldscher Grundlage stehender Beamter in Deutschland möglich ist, um so mehr, als unter Umständen sehr wohl die Interessen der öffentlich rechtlick gesickerten Heimstätte in Palästina mit deutschen Interessen zusammenstoßen können." Herr Blumenfeld braucht sich der' Beantwortung dieser Frage nicht durch neue Beschimpfungen der Männer des C. V. zu entziehen. Er kann, ohne der' Wahrheit zu n rhe zu treten, erwidern, daß ein Uyterschied zwischen dem Zionismus. wie er ihn auffaßt, und demjenigen der Herren Goslar und Genossen nicht eristiert, es sei denn in der Einbildung von Leuten, die die Wahrheit nicht leben wollen. Wohl ist Herr Goslar nicht in Verlegenheit, wenn er seinen Zionismus und sein deutsches Nationaigefühl miteinander in Einklang bringen soll, aber wer sich nicht mit bloßen Wortklaubereien ab'pci'en lassen'will. zum mindesten nicht in Dingen, wo es sich um Begriffe wie Volk und Vaterland handelt, der wird schwerlich auch nur den geringsten sachlichen Unterschied zwischen dem berühmten KulturzionisMus des Leiters der Amtlichen Preußischen Pressestelle und dem Zionismus „auf Blumenfeldscher Grundlage", wie Herr Holländer sich ausdrückt, zu entdecken vermögen. In Wahrheit Nt ja Herr Goslar z. B. unermüdlich für den Zionismus des Herrn Blumenfeld tätig: vertritt ihn in Wort und Sckrift. wo immer er nur Gelegenheit dazu hat — Herr Holländer aber redet sich ein oder versucht wenigstens anderen einzureden, daß hier ein tiefgründiger Unterschied vorhanden sei. über den der E. V. bei seiner Gesamteinstellung zum Zionismus nicht hinwegsehen dürfe. Wir begreifen schon, daß der C. V. mancherlei Gründe hat. Hirse Legende von der Wesensverschiedenheit des einen und des anderen Zionismus möglichst lange aufrecht zu erhalten, aber die Tatsachen sprechen doch schon heute so deutlich gegen sie. daß er gut daran täte, sich auch von dieser letzten Illusion endlich noch frei zu macken. Nock tiefer kann er ja. nach den Erfahrungen von Erfurt, im Ansehen der Blumenfeld-Gemeind^ ohnediesnicht mehr sinken. Gilt er ihr doch bereits als eine Organisation des „entjudeten Judentums", als eine' -Gesellschaft von nicht nur jüdischer, sondern auch hon menschlicher Minderwertigkeit. Viel schlimmer sind wir natiönäldeütscke Juden von den Mannen des Herrn Blümenfeld schließlich auch nicht behan-' d«lt<-worden! Klassenwahlrecht für Palästina. Die alle Streitfrage der Einführung einer pi rlamen tarischen Vertretung für Palästina ist, nach einem Bericht der „Kölnischen Zeitung" aus! Jerusalem jcht von arabischer Seite neu aufgerollt worden^ Vorgeschlagen wird die Bildung eines Unterhauses mit 28 Abgeordnete!. wobei auf 25 000 Bewohner ein Abgeordneter komnit. oas 22 Mohammedaickr. 3 Christen und, 3 Juden als Volks »ertreter bedeuten würde. Daneben ein Obezhaus. je zur Hälfte vom Volke zu wählen und vonj ber Regierung zu ernennen.. Gegen diese Vorschläge wird von jüdischer Seite eing> wendet, daß es nickt angehe, an eine „Gruppe der Bevölkermg unbeschränkt die Herrschaft auf Koste» derjenigen gela igen zu am, deren Interessen die Mandatsmacht besonders zu schützen e und denen außerdem der gegenwärtige Wählst md des Landes zu dauken sei. Die jüdische'Bevölkerung träge die Hauptlast derVAbgaben, außerdem bestehe der gröste Teil derer, die die'mohammedanischen Abgeordneten zu wählen haben, aus des Lesens unkundjgen und politisch ring, schulten Leuten. Also bliebe am besten alles beim alten. „Alles das sind Einwände," bemerkt dazu die „Kölnische Z itung", „die man gut wird verstehen können, und man kann cespannt sein, wie England sich ^wischest ihnen hindurchfinde! > wird. Aber bemerkenswest ist doch, daß in Palästina die Juden, die man die Demokraten der!!Welt genannt hat, für ein Klassenwahlrecht eintreten." >' Die Krisis im deirtfchen Zionismus. Be > j b:1 05 sti» s > st Auf der Erfurter Delegiertentagüng der Zio Vereinigung für Deutschland scheint es diesmal recht zugegangen zu sein. Felir Rosenblüth, der der zionistischen Erekutive, sprach von der schweren in der Palästina sich augenblicklich befinde, und den Zionisten gab er rundheraus zu verstehen, daß sie sich, sie nach Pa l ä st i n a auswandern wollten, daran q müßten, dort ein fremdes Milieu vorzufinp im Gegensatz zum ostjüdischen Auswanderer, der dort vertrautes Milieu antreffe: — nämlich« eben diese jüdische Element, das er als das herrschende bez und dem die deutschen Zionisten sich nicht zu assiist' versuchen sollten. Im übrigen sei Palästina ein s o z i sches Land, und dem deutschen Zionismus werde gelingen, wenn er diesen Charakter des Landes ve wolle, sich gegenüber den bestehenden Machtverhältnisser Zusehen. Der O st j u d e habe eben die Fähigkeit. Verhältnissen anzupassen, und erlebe deshalb nicht wirtschaftlich eK ata st rophen wie der Wes Der deutsche Zionist hat sich also in st in a dem herrschenden Ostjudentum unt ordnen, das sogar Herr Rosenblüth als ein f r e Element bezeichnen mußte. Nach der Krisis in Palästista unterhielt man sich dann über die Krisis im deutfl>en Zionismus. Damit machte Herr Kurt Blumenfi ld. der Vorsitzende d:r Zionistischen .Vereinigung für Deutschland, den Anfang, u »d aus der Versammlung heraus scheint es Angriffe auf die Politik 'der Bereinigung nur so gehagelt zu haben. Diese Kritik wurde auf die Haltung der „Jüdischen Rundschau" zugespitzt. bit man nannte, während man das Präsidium der Vereinigung meinte. Man dürfe nicht, hieß es. Leute ihrer Stellung zum Zionismus ^heftig angreifen und zeitig von ihnen Geld für die zionistische Bewegung Die jüdische Bourgeoisie werde von Blumenfeld während es ebenso notwendig sei, zur Sowjetrepubli lung zu nehmen. Ein anderer Redner empfahl der wirksam werden Zu lassen, aus dem heraus das Erf sozialistische Programm entstanden sei. Ein w^aen gleich- _ Lehmen, änge griffen, Stel- Geist lrter igtomm entstanden >ei. Ern dritter. wieder verlangte, daß die konfessionellen Konseauenz, n aus dem Zionismus gezogen würden, und bedauerte, daß Vlumenfeld nur gegen die liberalen Juden des Central lereins gesprochen habe, aber nicht von den orthö doren Juden,. die dem Zionismus ebenfalls ablehnend gegenüber f änden. Im ganzen traten fünf Parteigruppen innerhclb der deutschen Landesorganisationen hervor mit recht weit ruseinandergehenden Einstellungen in politischen und religiösen Fragen. Selbst die glühchide Begeisterung des Herrn B l u -! m e n f e l d für die Weltanschauung des Asiaten-! tu ms konnte nicht verhindern, daß die Gegensätze zwischen, dem westlichen und dem ^östlichen Judentum auch in dieser Versammlung immer wieder ausbrachen, in der übrigens auch über Bevorzugung der Araber durch die englische Mandatarmacht geklagt wurde, ebenso wir über die Anlage ä g pptischen Geldes in Palästinas mit dessen Hilfe man mit der zionistischen Arbeit in Konkurrenz treten wolle. SZ ging es drei Abend. i istiichen lebhaft rtreter Sriiis, tschen soweit efoöhnen e» — :in ihm - 04t - i icknete, Nieren listi - nicht Ländern durchallen leicht i u d e, alä - e r z u - m d e s Tage lang vom frühen Morgen bis zum späten Man kann danach wohl begreifen, daß die Leitung der Deutschen Zionistischen Verödung zum mindesten in Empfindungen entgegensieht. Vereinigung i Deutschland der mit Zukunft sehr genischten ihrer