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Der nationaldeutsche Jude · 1926-09-01 · Nr. 9/10 (September/Oktober 1926) · p. Seite 10

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 9/10 (September/Oktober 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Die sprungbereite oftjüdische Jotettigenz. In einer Besprechung . von Adolf Kirchere Engländer" Buch in der Frankfurter Zeitung vom 4. September 1926 berührt Tberregieriuigsrat Hans Goslar ,,uch die Andeutungen, die der Berfasser des Buches in dem Kapitel über Lord Reading tRufus Jsaaes) bezüglich der C Stellung der Juden im britischen Königreich mit eingeflochtm hat. Danach gebe eS eine eigentliche Juden frage, doii außeir gesehen, in England, dasjüdischen Talenten seit der Lmanzipation der Juden freie Bahn lies? und jüdische Leitungen auch im öffentlichen Dienst bereitwillig anerkannte u id aus- -eichgete. nicht. "..Oder noch nicht — fügt Goslai hinzu: ...Denn wie es. in Zukunft werden wird, ob d'cr ita ie Ansturm all der zahlreich sprungbereit stehenden Intelligenz aus den Reihen der erste», in England erzogenen jungt» oft jüdisch et diene ration, ob ihr Eindringen in die öffentlichen und freie» Benife des nur an einen ziemlich geringen Prozent! ah von Juden gewöhnten England sich ohne Reibungen villziehen wird, muh der Gang der Ereignisse lehren. 'Bei allem Bertraucn aus den „Takt" der Engländer müssen hi, r histo rische Analogien zur vorsichtigen Beurteilung mahnen." - ■>. . ' j ’ Also auf deutsch gesagt: Der Ansturm der sprungh e r e i t d a >t e h e n d e n o st j ü d is ch e n I n t e I l i g t n z aus die öffentlichen und freien Berufe kanni nach Goslar.^ zur Folge haben, daß da. wo liberale Ge'ianunz und talto-olle.- Perhalten des „Wirtsvolkes" eine Judenfrage bisherj angeb lich nicht aufkommen lieh, Reibuügcn mit dem „Gststooll" ""udenseinen unsere 1 öniiten, opn de,n Belkes Dandel Goslar verantgegen — 10 — entstehen, die es auch in England zu einer frage bringen müssen. Herr G o s l a r traut al,i> oitjüdischen Freunden Eigenschaften-au, die -seine und Glaubensgenossen in England in di: Lage bringen mit dem Antisemitismus Bekanntschaft .zu machen, sie bisher dank dem gesunden Sinn des englischen bewahrt geblieben sind. Sollte cs aber zu diesem der Dinge in England komme», dann würden Herr und die Seinen gewiß nicht die Ditjudcn. für ihn wörtlich machen, sondern in erster und letzter Reih^ die Unduldsamkeit, den blinden iHaß und die real tiönüre Gesinnung der neuen britischen Generation ankämpfen, ruhmreichen Tradition ihrer toleranteren Vorfahren und gar unwürdig erwiese. Hand auf Herz. Herr Glauben Sie wirklich, das der Antiiemitis-.nus b e in Deutschland so sehr ins Kraut geschossen wäre die „sprungbereite ostjüdische Intelligenz", die sozusagen aus criler Hand über Deutschland gekommen ist'? die der sich ganz Goslar: n n s ohne Professor Lessing als Ziynistenwerber. vor f >r da Wie die Prager Blätter melden, wurde feifor Theodor Lessing aus Hannover zionisNfchen D i st r i k t k o m i 1 e e in Prag am 9. Dktober begiimende und etwa vier Wochen Bortragskournec verpflichtet. Er wird seine P» in den zionistischen Be reinen größerer Stäbe Tschechoslowakei halten. — Mit dem wissenschcf Forschungsauftrag, den der preußische Kultusminister Lessing als- Pflaster auf seine im Kampf mit der oerschen Studentenschaft erlittenen Wunden' zugedacht scheint man'sich danach Zeit zu lässen. Fragt sich nn lange Herr Lessing es bei den Zionisten.aushalten w Proi dem eine uerndc orträge e d c r tlichen Herrn )a»nohatte, r. wie fab. D. Leo Guttfeld. llnser Verband hat einen schweren Verlust crlittcii.?Iin IJi. September d. I verstarb zu Berlin an bin'Folger eines Herzschlages das Mitglied u n s er e s Hauptvorstandcs, Herr »ausmanir Leo 6) u t t f e I d, im' 0U. Lebensjahr,. Leo Gnttfcld hat sich in frühere» Jahren lebhaft a» dem deutschen politischen Leben betätigt, zner^alsMitglicü verdeutsch, freisinnigen Partei, für die er namentlich während der Dahlen in seiner ostpreußischen Heimat wirkte, später als Mitg ied der Deutschen Volks-Partei. In den Jahrcn l!MH—var er Stadtverordneter in Berlin. Er war ein echte Sohn der ostpreußischen Erde. Deutsche Gesinnung und Vaterlandsliebe war ein Gruudzug seines Wesen-?. Und schon lai ge vor Begründung unseres Verbandes ivirkte er im Sinne unserer Grundsätze. Mit jugendlicher Begeisterung schloß er sic> dann unmittelbar nach der Gründung unserem Verbände a», in dem er die Erfüllung seiner eigenen Ziele sah, und arbeitet,: unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit zuerst' als einfach,s Mitglied, seit Jahren als Vorstandsmitglied, an'dcn Verbandsauf-' gaben mit. In seiner graben, rkngekünstcllen und ziilklaren Art war er. uns bei f,| mancher verantwortungsvollen Entsch-idlng ein kltiger, erfahrener Berater und zuverlässiger Wegweise,, desien Worte stets Beachtung fanden. Die Lücke, die er hilterlassen, wird schwer zu fülle» sein. Um 20. September Ifand unter großer Beteiligung (anweserd waren n. a. der Abgeordnete Kopsch und der Stadtveror niete l)r. Künz) im Nrcmalorium Gorichtslraße die Einäscheiung statt. Oie Grabrede hielt ihm der Reichstagsabgeordnetc Dr: Bi cm er, sein langjähriger Freund, der liebevoll seine Persi »lichkcit und Wesensart zeichnete und besonders seinen Jdca ismus und seine kerndeutsche Art pries. Dann sprach unser V e r b a n d s v o r s i tz e n d e r, Justizrat 2 i e g in a n n. namens des Verbandes warme Dankes- Abschicdswortc. Wir tverdcn unseren Leo e>> n 11 f c I b , dieses Musterbild nationaldeulschen Juden, nicht vergessen. G. S. l)r. und eine ) Rudolf Lucken. Im Alter von mehr als b,0 Jahren ist Rudolf Eucken. .ihilosoph. dahiugegangen. Sein Gedankcnwcrk vom Slandktx der Fachwiüeujchaft z» ivüidigen, sind wir nicht berufen, wollen nur'sagen, wie wir den Menschen Rudolf der PNI, Wi: Euskcn sahen. Er war ein Idealist, aber nichts weniger als ein wclticr Träumer. Seine Anschauung des großen Weltgeschehens un > des llcine» Erdcnlebens mar metaphysisch und diesseitig^ zu, leick». Sie wurzelte in der heiligen lleberzengung, daß unser g zu jene»'anderen Bezirken, die wir Menschen nur ahnen fe». durch Arbeit in der Wirklichkeit unserer Tage gcnnen werden muß. Die „T a t w c l t" heißt die Zeitjchrist, von dem Bunde seiner Anhänger herausgegeben wird. >er W, dü wc di. Und weil Rudolf Eucken ein Tatmensch ivar, blieb er stets gl,ichzeiiig ein Weltbürger und ein N a t i o n a I d e u t s ch e r. S, ine Füße standen fest auf dem Boden der über alles geliciten deutschen Heimat, i Seine Gedanken ninkreisten den Erdbal und stiegen empor in jene Sphären, die jenseits unseres D instgürtelS liegen. So war Rudolf Eucken, der Mensch und Philosoph. 'Uns w i r er in e h r. Er ivar ein erklärter Freund u > s er e r Bewegung. In einer Reihe von Briefen hat er bis. in die letzte Zeis herein uns mehrfach ausgesprochen, deß er unseren Weg füri den richtigen hielt und die „tüchtige in d tapfere Gesinnung der nationaldeutschen Inden", unser „liutiges und eifriges Wirken" mit „aufrichtiger Sympathie begleitete". Vor einigen! Jahren hat er. noch' ohne damals uifere Bewegung zu kennen, seine Auffassung der Judenfrage ni d. ihrer LösungSmöglichkcitcn mit fast genau de» gleichen & orten ausgesprochen, die in unseren grundlegenden Schriften z> finden sind. Insbesondere die Trei-Schichten-Einteilung warde von ihm aus eigener Erkenntnis im wesentlichen wörtlich so verkündet,.wie wir sie unserer Arbeit zugrunde gelegt h, den. Ter Erfolg des Bckenntnisies für ihn selbst war natürli h, daß er von beiden Seiten her angcfallen wurde. Viele I ldcn erklärten ihn für einen Antisemiten, viele Nichtjuden für einen Philosemiten. Gr"hat gelächelt und ist seinen Weg mnter gegangen. Eine Schar von Bewunderern hat sich ihm angeschlosien, d,r „Eucken-Bund." Er ist, wie fast jeder „Bund", kein ganz einheitliches Gebilde geblieben. Mancher Mitläufer fand sich eir, der die Gedanken Rudolf Euckens nicht im Tiefsten verst md und dem die Verehrung für die herzgewinnende Persönlichkeit des „Meisters" das Wesentliche war. In einzelnen Gruppen des Bundes entfernte man sich schließlich recht weit ui in dem, was Rudolf Eucken selbst gewollt hatte. Ein Achtzigjchriger hat nicht mehr die feste Hand, die nötig ist, um die Geißel zur Tempelreinigung zu schwingen. So durften hier u id dort „völkische" Stammtischdenker in seinem Namen sc »alten. So zog sich mancher wertvolle Mensch, der früher begeistert mitgewirkl hatte, enttäuscht zurück. Was aus dem Eucken-Bund nach dem Tode des „Meisters" nterden mag, wird die Zukunft lehren. Rudolf Eucken selbst rd sein Werk sollen nicht vergessen werden. M. N. _ 1' i i ■

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