Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 9/10 (September/Oktober 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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i'f* ”T' imm> 'i — 7 - im Pfeffer — Ihrer unterbewußten Einstellung zu nc» sutres allemancks entspmngen ist. Die Tatsache, daß Sie zwei Personen — oder vielmehr eine Person und eine Persönlichkeit — des Stiles kreiert haben, wie ich es mit meinen schwachen Kräften anzudeuten versuchte, werden Sie ja kaum bestreiten können. Und diese reizvolle Zeichnung hätte doch keinen Sinn, wenn die beiden nicht eben Typen sein sollten. Denn was sollte Sie schließlich veranlaffen-." Der andere war nicht mehr zu halten: „Aber ich versichere Sie-—." 1 „Tun Sie das nicht! Denn wenn . Sie etwa versichern wollten — was Sie mir stark vorzuhaben scheinen, — daß Sie nicht beabsichtigten, den Typ der Ihnen so sympathischen christlichen Deutschen abzumalen, sondenr daß Sie in der Tat nur mich persönlich lyeinten, so würde das die Sache kaum verbessern. Denn dann müßte ich Ihnen ja morgen zwischen >0 und 1l den Herrn im Cut schicken, der Sie fragen würde, ob Sie beispielsweise übermorgen früh um 5L — nach einer kleinen llnterhaltung init einigen gleichgesinnten Freunden — ein bißchen in den Grunewald, Jagen 21, 500 m westlich von Kilometerstein 19 komme» könnten. Bruno, ich sehe Sie schon förmlich dastehen!“ Der Doktor raste zum Fenster. Sein Gast lachte kurz auf: „Tja, mein Lieber, eine faule Sache. Eine sehr faule Sache. Scylla oder Charybdis, Zwiebel oder Meerrettich. — Was im übrigen meine Empfindlichkeit anbetrifft, so bin ich natürlich empfindlich. Sie vielleicht nicht? Sie können nur den ungewöhnlichen Grad meiner Sachlichkeit bewundern, wenn ich die Angelegenheit zunächst mal unpersönlich betrachte.: Ich beabsichtige indessen keineswegs, etwa auf den Flügeln dieser Empfindlichkeit vor Ihrem angeblichen tlrema probanctum auszurücken." 1 „Angeblichen???" I „Angeblichen!!! Denn ich sehe durchaus nicht, daß es für den nationqldeutschen Jpden ein Problem, genannt „die Ahnenfrage". gäbss, das im Wege Ihrer Beweisführung zu lösen wäre. WaS wollen Sie „uns Ariern" denn beweisen?! Um die biologischen Fakten der Ihnenfrage handelt es sich Ihnen nicht. Die stehen ja auch einigermaßen fest. Die immerhin noch ortsübliche Bewertung der Tradition — bei Christen wie Juden — beabsichtigen Sie keineswegs zu zerstören. Also was? Daß wir nicht dafür können, wenn wir — gegebenenfalls — Vorfahren hatten, die aktiv an dem Aufbau deutscher Vergangenheit und damit deutscher Gegenwart teilgenommen Habels Daß wir — gegebenenfalls — dadurch keinen Vorrang haben vor denen, die, von ihrem bewußten.Deutschtum innig durchdrungen, nicht gleichartige Verbindung mit den Werken der deutschen Vergangenheit haben? Daß es courtS und mahlerisch gesagt, im Reich der Idee keine Erbansprüche gibt? Diese offenen Türen beabsichtigen Sie doch schwerlich einzutreten. Und wenn Sie das nicht beabsichtigen, was bleibt dann eigentlich? Bitte schön: Sie begeben sich ins Metaphysische, angeregt vielleicht schön durch den ersten Satz „dieses Bertram" — der außer Karl May und einem Ullsteinbuch auch in meiner HauSbibliothek sich vorfindet —, daß alles Gewesene nur ein Gleichnis sei. Sie hätten das auch schon bei Goethe haben , fönnen, aber der Bertram paßt Ihnen im weiteren besser. ' Seine Geschichls- Philosophie ist weder unbestreitbar noch unbestritten, aber Hassen wir dos beiseite. Stellen wir fest, daß sie Ihnen geeignet erscheint, um Ansprüche aufzustellen. Nun sagen Sie mir bitte: weshalb erscheinen die Ihnen so bedeutsam? Sie können sich auf jenem Wege, sozusagen chemisch, selbstverständlich jeden gewünschten Zusammenhang mit der Vergangenheit Herstellen. Meinen Segen haben Sie. Aber wozu diese Verlauft a l 1 st n g? Kann Ihnen denn dadurch Ihr Anteil an der deutschen Gegenwart — ethisch gesehen — und die damit nicht nur ermöglichte, sondern sicher ge st eilte Einflußnahme auf eine deutsche Zukunft irgendwie wertvoller oder tiefer begründet Werden"). Man könnte meinen, die selsmademanship d e S Juden, der sich! wie Sie es ausdrückten — etwas duster, nebenbei bemerkt —I das Deutschtum der Gegenwart ehrlich erobert hat, müßte Ursache größeren Stolzes sein, als die immerhin konstruierte Verbindung mit der Vergangenheit. Und sie müßte vor Anwandlustgen bewahren, die leicht — bitte gehen Sie nicht an die Decke — für Snobismus gehalten werden könnten."! Natürlich ging der Doktor doch an dse Decke. Beinahe wenigstens: > ') Bon u n S gesperrt. Die Schriftleitung MÜ r mmp „Dc s ist denn doch unerhört!" Panse. Dann mit! eisigem Hohn lind nicht ohne Bitterkeit: „Ich habe mir erlaubt, was ich mein! e, durch einige Beispiele deutlich zu machen. Ich darf wohl an» ehinen, daß ich auch damit nicht verstanden worden bin." „Dich", meinte der andefe gemütlich, „ich wollte, gerade darauf k mimen. Ich halte Jhse Beispiele für sehr nette! dialektische Uc iungcn. Dahingegen! finde ich nicht, dah fiej für Sie. sprechen. Sie paffen auch nicht in Ihre metaphysischen Gebankengänge. Zum Beispiel Ihre Hugenotten. Wenn ^ich nicht irre — ich muß schon ein bißchen joberlehrerhaft werden —I wurde das Edikl von Nantes so um 1380 aufgehoben. Damals kamen diese tre »herzigen Franzosen z i uns, noch unter: dem großen Kurfürsten, der ein Land mit anderthalb Millionen Einwohnern hinterlies. Sie kamen als Sie iler, Bürger. Künstler. Gelehrte, Soldater, Adel, sozial gegliedert wie ihre neuest Landsleute, mit ihnen verbunden durch dis damals mächtigste Band des gleichen gekenntnisses. Sie ordneten sich, mit Eenem Armen empfangen, in das gesellschaftliche Gefüge ihres neuen Landes ein. Nicht einuml die Sprache bot dabei ein yennenswertes Hindernis. Sie^kamcn in eine» werdenden Staat, dessen Aufbau sie wescutlichi beeinflußtest, dessen Ideologie sie schaffen halfen. Sie waren in diesem Sinne Ahnen deii Altsn Fritz, und ich würde hochstwahrscheirlich garnicht grinsen, wenn der Enkel Ihres Hugenotten von 1793 sich, wie mit jmen, so auch mi! ihm ahiienmäßig verbunden fühlte. — Noch weniger scheint n ir das „Kraftwerk" in I hren Kram zu pass, n. N »türlich, meine Lampe brennt 'nicht he ler als Ihre, wei mein Großvater, usw. Aber vielleicht -4 Ihr Beispiel ifl an sich ein bißchen unbrauchbar, aber wir müssen es ja iuy ichon so .nehmen wie es ist — vielleicht also komme ich auf den Gedanken, daß die beiden Lampen überhaupt nicht brennen stiürde i, wenn ' mein Gi oßvater nicht usw. . . . Aber daS nur yebeniiei. Ich wollte rur sagen, daß mir Jlre Beispiele aus dem Rahmen Ihrer Lctrachtungsweise zu fcllen scheinen. Dahingegen —" „Mein Gott! Noch waS?'! „Jo", lachte der Oberregie! ungsrat, „noch >uas, und zwar kommen wir jetzt an den Moment, wo der Frosch ins Wasser springt und buchstäblich sein L ben riskiert: Bei näherer Betrachtung bringen Sie nämlich zum Schluß Ihr Problem selbst um, ind;m Sie vollständig auch aus Ihrer ethisch an Konstruktion fallen. Der böse Anti einit, giftgeschwollen w e er ist. würde sich das nicht entgehen lassen, sondern hiocherssreut auf den Schenkel klatschen und rufi n: „„Da habt Ihr sie! Ihr da» jüdische Pferdefüßcher?"" DUe Sachch ist t ie: Sie handeln von dem jüdischen Dertschen, der sich sein Dertschtum über tausend innere und äußer» Hemmungen hinweg ehrlich erhobest hat. Dann aber, nachdem.sie den! ung ücklichen Arier. Mit dem Sie sich voriges Mal so nett unterhielte i, völlig auf den Sand gesetzt haben, reiben Sie "sich Verschmitzt die Händchest und sagen: „.Man kann deutsche Gegenwslrt nicht verschenken, ohne deutsch^ Vergangenheit und mit in den Kauf zu geben"". <ki. ei. mein Lieber! dal könnte halten! frage: man doch für eine höchst bemerkenswerte „Wendung" Was würden Sic mir wohl artworteii, wenn ich S , , . Wer ist denn der „nian", der auf einmal deutsche Gi genwart verschenkt? Also? Weri" '■ Rrrrrrrrr! macht das Tel'son. Der Doktor nchm den Hörer auf: „Ja ... Wer? ... Meyer ... hm „Meyer", knurrte der Mono elmann, „was heißt M,yer? .. Meyer wird Ihnen im übrige» -was husten . . .- der Mann hat auch nichts, zu verschenken . . Na, ich sehe, schüft fängt an . .-. Schade . . . AlSdann: Grüß Gijtt. mein Lieber! Handkuß an die Gnädigste. ZerVu»!" Sprach's, nahm seinen Hu :, ging und verschwand. II Was sind uns Ahnen? Ein Nachwort von Max Naumann. Es ist kein dankbares Unternehmen, witzigen G, ein ganz unwitziges Nachwort qnzuhängen, Aber in dt> haften Wortgefecht über die Ahnenfrage verbirgt sich Ernst, persönlicher und sachlicher^ und neben den vielen die keinen Spaß verstehen, gibt jeS leider noch mehr, l Ernst verstehen. Darum muß sich von Zeit zu Zeit williger Schulmeister finden, der lehrhaft ausdeuket, ernste Moral der scherzhaften Fabel steckt. Den persönlichen Erstst wollen wir nicht nehmen. Wir wissen so gut, wie die Verfasser der besi all: am Zukunft l ^sprächen ’ rn spatzallerlei Menschen, e keinen ein freiwo die Izu ernst den GeuaiN