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Der nationaldeutsche Jude · 1926-09-01 · Nr. 9/10 (September/Oktober 1926) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 9/10 (September/Oktober 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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■^r~~ - 6 - ■i JKaMU i« Auch die Schwächen des Volkscharakters gelten ihm als Erziehungsgegenstand <11 71). Der. Auslese der Lehrer und ihrer äußeren Sicherstellung mißt er deswegen l esondere Bedeutung bei. Er hat ja auch eindrucksvoll zur den scheu Ing >nd gesprochen und sein „Jugendsegeu" aimct gottesdieustlichdWeihe. Weniger Zuversicht hat er zu der Wirksam eit von Vereinen und Versammlungen, die ihm ein verbrauchtes Mittel unserer Epoche scheint, dagegen schätzt er die Wii kung der geeigneten Einzelpersönlichkeit auf den Nächsten u id auf kt« ine Kreise mit Stecht hoch. ein. „Ter unmittelbare Verkehr mit Massen, auch wen» sie gebildeter sind als per Durchschritt, verlangt eine Verdeutlichung und Typisierung, der nur der Fanatiker oder Volksredner sich ganz hingeben kann".' lAn Wilhelm Schwancr, 17. Juli 1014.) Er selbst war sich irohl bewußt, daß er dazu nicht tauge, und hat alle A lerbistunx en, zuin Teil schmeichelhaftester und ehrenvollster Art die ihm in dieser Hinsicht gemacht wurden, standhaft abgelehnt ein Zeick en, daß er nicht jenen ungesunden Ehrgeiz besaß, den Gegner ' hm nachsagten, sondern berechtigtes Selbstbewußtsein, Gefühl seiies eigenen Wertes. Außerdem sah er aber auch seim Stellung in der deutschen Leffcntlichkeit mit unerbittlicher Klarheit, den einen war und blieb er der „Jude", im Parlamei t hatte r ian seine volkswirtschaftlichen Ideen „verhöhnt", große Unlernehmerverbände agitierten durch Flugblätter und Wanderreiner gegen ihn, feine unbestechliche Wahrheitsliebe, die Konzessiv len an alte und neue Machthaber verbot, hatten i)n gewissermaßen zwischen die Parteien gestellt. lAn Frau Elise P eß, li>. Dezember 1‘JIS.) „Mein Glaube und ineine Hotsnung an Deutschland ist nicht gebrochen, und ich selbst intziehe rrich dem Lande nicht, doch fühle ich, daß zu der Entfremd mg zwischen den bürgcrlicheir Kreisen" und mir. die einq Folge meiner Schriften war. eine neue Entfrenidung getreten ist. Dib Alien sahen in mir die Revolution, die Jui gen in nir die Reaktion. Da die Wahrheit meist in der Milte liegt, so mag es sein, daß mir das Unglück widerfahren, ist. dev Wc hr--- heit zu nahe zu kommen, und diese Berührung ist tets/gcfchrlich." Auch vls er dann nach schiveren Bedenk n dpS hohe Staatsamt übernahm, hat er sich in vielen Aeußerunoen als einen Mann bezeichnet, der seine Aufgabe darin sicht, für cine kurze umschriebene Zeit so zu arbkiten, daß seinen Nachfolgern die Wege geebnet seien, nicht oaber als einen Mansi, icm daran gelegen war, auf Maffcn -gestützt, die Macl t zu. ülernchmcn. i Tie Wirkung auf Einzelmenschen ' ist das Gejeinmis der Rathcnauschen Persönlichkeit. Das Rätsel, wie es möglich war. daß ein Mann, der mit den führenden Ge stern seiner Zeit in lebendiger Berührung stand, Jahrzehnte hi idurch diese Bezichrmgcn zu pflegen vermochte, obwohl es sich i verwiegend um einen Austausch diametral entgegengesetzte Ansichten handelte, löst sich, wenn mau^einmal die achtunge volle Fhrm beiücksichiigt,. in der Rathenau dem Gegner zu antwovten pflegt; mib zum anderen erfühlt, ivie alles, was?vo > ihm ausgeht, von Geist und Seele durchtränkt ist. Zur Ahnenfrage. — I. Vorbemerkung. In Nr. 7.8 unseres Mitteilungsblattes plauderte Rosenberg über „Ahnen". Er stellte der rein auf der Abstammung fußenden Bestimmung des „Ahne ein geistiges und gefühlsmäßiges Ahnentum entgegen; ben nationaldeutsch fühlenden Juden das Rech! in 2< kulturellen Sinne die großen Persönlichkeiten d Vergangenheit auch seine eigenen Ahnen zu nennen crschicu im Gewände eines scherzhaften natürlich denen — Gesprächs, das der Verfasser mit einem ni Freunde, einem Lberregierungsrat, zu führen vor Gestalt des L dcrrcgierungsrats ist, nicht ohne Beim! zelner Züge einer freundschaftlichen Lerulkung in leiten, nach lebendem Master geformt. Mit der nachfolgenden Fortsetzung des Gespn sich der lebende Lberregierungsrat selbst zum Wort, es ihm gern, denn nichts kann für uns, die wir suchen, aufschlußreicher sein, als „ Reflerwir dieser Art, mag auch der Reflex, abgclcnkt von Empfindlichkeit, nicht ganz in der ursprünglichen ein t: An cr Tie I )r. B r u n o k örperlichen, ^"-Begriffs nahm für spruch, im deutschen Plauderei frei erfunrithtjüdischen rjgibt. Tie chung ein- Aeußerlichqchs meldet Wir geben Erkenntnis ungen" r gewissen Richtung zuruawirke». Hören wir zunächst, waö unS der ehrliche Freund vom Anderen Ufer zu sagen hat, und versuchen wir dann. auS Rede/ und Gegenrede herauszuschälen, was dem ernsthaften Höref als Ergebnis verbleibt. M. N. ll. Ahnen. (Eine Reflexwirkung, beobachtet^ von Lberregierungsrat Or. Mar Warnack.) Ter Lberregierungsrat legte das Blatt, in dem er. soeben seire Unterhaltung mit dem Doktor gelesen hatte, auf den Tis h zurück, schob sein Einglas vorgeschriebenermaßcn unter die erhöhte Braue und besah sich den ein wenig triumphges hwellt im holzgcschnitztcn Schteibstuhl lehnenden Gastfreund so genau, als sähe er ihn in den zwanzig Jahren ihrer Bekarntschaft zum ersten Mal bei Heller Beleuchtung. „So also sehen Sic uns!" sagte er dann langsai l und Mit Nachdruck. Sein Gegenüber machte erstaunte Augen: „Was soll . . . wieso . . . verzeihen Sie schon, aber Sie müssen ein bißchen deutlicher werden. Was heißt „sehen" und Mls heißt „uns"?" ■ „Das fragen S i e mich? Aber Bruno! Ein Mann wie S e weiß doch nicht nur, w a 8 er schreibt, sondern auch, warum er was schreibt." . „Das »ohne Zweifel," versetzte der Doktor kühl und etwas <m n oben herab. „Troydcni bleibt mir Ihr Ausruf bis auf m fiteres dunkel." „So. : Dann will ich mich bestreben, ein weniges Heller zu werden. Ich gehe dabei natürlich methodisch vor — der T ürokrat hat das so an sich — und sage mir: was ich eben lc s, fleht nicht in d»c B. Z, sondern im offiziellen Nachrichtenb att des Verbandes nationaldeutscher Juden. Dieser Umstand fs ziveifellos geeignet, mich etwas stutzig zu machen. Denn si weit ich sehe, hat dies Ihr geschätztes Organ weder eine Aätselpcke, noch eine Witzspalte, noch ein Feuilleton. Was d:in steht, hat einen Zweck im Rahmen Ihrer Bestrebungen, nicht wahr? Entweder wollen Sie Ihren Gegnern oder Ihren? »Hangern oder sich selbst was klar machen. Schön. Ich kann a so annehmen, daß auch Ihre reizende kleine Plauderei nicht nur erheitern will, sondern daß sie etwas bezweckt. Und et hindert mich durchaus nichts, weiterhin anzunehmen, daß dseser Zweck zunächst mal eine Typenschilderung ist." 1 „Wahrhaftig! Herallit der Dunkle", murmelte der klein): vktor. . „I woher! Nich im jeringstcn jarnich — um in dem mir n Ihnen eigens auf den Leib geschriebenen Jargon zu reden, er Jhte Darbietung in ihrer Gänze auf' sich wirken läßt, tjb — je nach Veranlagung — durchaus den Eindruck haben inen oder müssen, daß es Sie zusörderst mal gekitzelt hak. treu Freunden den Ihnen noch sympathischsten Typ des ichtjüdischcn Deutschen" — Marke nicht Philo-, nicht Antiiiit, sondern „einfach Mensch" — in Reinkultur, und zwar Wege des Vergleichs vorzuführen. Das haben Sie denn jauch ganz reizend gemacht, mein Bester: Naturgetreu wie Brehm stellen Sie dem feinen, geistreichen, Verstandesschärfen, tiesgebildeten Juden mit der spielenden Dialektik in bengalischer Beleuchtung den im ganzen trotteligen, aber Ihnen so begreislrchermeise sympathischen andersgläubigen Deutschen gegenüber, der die mangelnde Geistigkeit natürlich ganz vergeblich hinter Hchnoddrigkeit zu verstecken sucht und sich im ganzen als ein Kerl präsentiert, der — kurz gesagt — zu seinem Monokel paßt. Und der denn auch zum Schluß nichts anderes tun känn. als verwirrt und geschlagen das Feld mit dem Versprechen zu räumen, sich der künstlichen Höhensonne jüdischdeutschen oder deutsch-jüdischen Verstandes noch einige Stunden im stillen Kämmerlein aussetzen zu wollen. — „„So sind se, die Gojim"", dürfte der von Ihnen in die Unterhaltung eingeführte Herr Cohn. Eier en xrc», befriedigt und nicht ohrie Schmunzeln gesagt haben. — Es beliebt mir, auf den Gedankens zu kommen, daß das Loch eine recht' lehrsame Geschichte auch für unsereincn sein könnte." , Den Doktor schien starr und tat tief beleidigt: „Das also habest Sie sich, weil Sie persönlich empfind», lich sind und eine — zugegeben — Anulkung nicht vertragen können, als einziges aus meinem Geschichtchen herausgepickt?" „Oh. nicht als einziges — das andere kommt noch — über freilich als das Hauptsächliche. Wobei es mir abermals beliebt, dahingestellt sein zu lasten, ob Ihre anziehende Schilderung Ihrer belvußten Absicht, oder — und da läge das Häslein

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