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Der nationaldeutsche Jude · 1926-09-01 · Nr. 9/10 (September/Oktober 1926) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 9/10 (September/Oktober 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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"TT“ 'P»' - 5 - gefühl: das deutsche. Wir wollen, wie unsere Väter, in Deutschland und für Deutsch, land leben und sterben. Mögen andere ein Reich in Palästina begründen —: uns zieht nichts nach Asien". An W'lhelm Schwaner (18. August 11916): „Mein Volk sind die Deutschen, niemayd sonst." An denselben (-'3. Januar 1916): „Du sprich st von meinem Blut und Stamm'. selbst einmal von meinem Volk und : i einst die Juden! M i t i h n e n v e r» bindet mich das, was jede!» Deutschen mit ihnen verbindet, die Bibeldie Erinnerung und die Gestalten des Alten und NeuenTesta - ments." Die deutschen Juden sind Rathenau „ein deutscher Stamm, wie Sachsen, Bayern oder Wenden", und bezeichnend ist es, daß er forlfährt: „ O e st - l i ch e Juden gelten mir iv i i jedem anderen Deutschen als Russen, Pol e.n oder Galizier, West juden als Spanier oder Franzosen" (II. S. 220)., Wir erleben in unseren Tagen nicht allzu selten, daß Personen ursprünglich gleicher Einstellung nach schlimmen Ersahrungcn glauben, sich dies ihr Deutschgefühl aus dem Herzen reißen zu können, und daß sie, verzweifelnd an der Möglichkeit ihrer Eingliederung in die deutsche Volksgemeinschaft, in aller Stille oder auch laut und sogar mit einem gewissen Aplomb ihren Uebertritt zum Nalionaljudentum, verkörpert im modernen politischen Zionismus, vollziehen. Dem Ressentiment dieser Vcrärgerungs- oder VerzweiflungSzionisten steht als leuchtendes Vorbild, wie es nur eine geschlossene Persönlichkeit zu geben vermag, das unbeirrbare Deutschbemutztsein Raihenaus gegenüber: „Ich fühle deutsch und werde mich nie von meinem deutschen Volke trennen." (An G. H., 6. August 1918.) „Vertreibt man mich von meinem deutschen Boden., so bleibe ich deutsch, und esäudcrt sich nichts." (An Schwaner, 23. Januar 1916.» Und das schreibt derselbe Mann, der sich voll bewußt ist, daß ein großer Teil der Angriffe gegen ihn nicht dem Mensche», dem Industriellen, dem Volkswirlschaftler, dem Politiker, sondern dem Juden Rathenau gelten, Angriffe, deren brutalnaivster Ausdruck sich Band I S. 219 in den Worten eines Gegners mitgeteilt findet: „Wenn dieser Raihenau uns geholfen hat, so ist es eine Schande und ei n. A c rg e rn i s". Ralhcnau bemerkt dazu vornehm und resigniert: „Christus hätte das nicht verstände n". ' In der Tat, Lessings Klosterbruder dürfte nach solchein Ausspruch Walther Raihenau die gleichen Worte zurufcn, mit denen er von eigenem schlichten Glaubcnsstandpunkt aus de» weisen R a t h a n zu ehren glaubt: „Ihr seid ein Christ! — Bei Gott, Ihr seid ein Christ I Ein bess'rer Chlist war nie." Aber, so dürfen wir jüdische» Deutschen mit Stolz hinzufügen, auch ein besserer Deutscher war nie Vor allem hat Raihenau an Deutschland und an Deutschlands Zukunft fest geglaubt. Zwar hatte er weit eher als wir anderen vorausgesehen, daß auf eine siegreiche Beendigung des Krieges nach der Marneswlacht nicht mehr zu rechnen war, zwar ivüßte er schon früh, daß Deutschland sich aus einen langen Krieg einzurichtcu und für Fehler zu büßen habe, vor allem auch, daß das Schwerste „hinterher" kommcn würde. Seine unerschütterliche lleberzeuguug aber war, „daß uns Deutschen letzten Eudes nichts g e s ch c h e nk a n »". Klar sieht er aber voraus, daß erst die Nos kommen muß als das einzige Mittel, das: uns zusammenschwcißt und das edle Metall e m p o r l ä u t ert". „Nach dem Kriege .. . senkt, sich langsam über Europa die N o t. Wir werden s ch w e r a n dieser Zeit zu trage» ffaben, aber sie nv i r d die Probezeit sein. Wer dann lebt, sich Hoffnung und Liebe bewahrt, stark und begnadet ist, der ivird das, was Sie und ich ersehnen, vielleicht nicht erleben, wohl aber besiegeln helfen . . . Lassen Sie uns treu dem Lande unserer Zu ku n ft dienen, auch wenn iv ir es nicht betreten." Ihn deckt der Rasen: sein Erbe haben wir Ueberlebenden zu verwalte»; es fordert Ausharren und Mitarbeit. An Zahlreichen Stellen seiner Briefe kehrt das zuversichtliche Bekenntnis wieder, daß sein Glaube und seine Hoffnung auf Deutschland nicht gebrochen find. Auf dem Höhepunkt aber seiner glühenden Vaterlandsliebe zeigt ihn das Schreiben an seinen schwedischen Freund vr. Poul Bjerre (Dezember 191*8), das dann arch in einer schwedischen Tageszeitungabgedruckt worden ist. Bjerre hatte in einer Schrift zwar seinem tiefen Gefühl fü Deutschlands Tfagik Ausdruck gegeben, aber seiw Schicksal als verdient bezeichnet. Ihm tritt Rathenau mit der Warmherzi, keit entgegen, die er an dem Schweden vermißt. In stammi nden Worten führt er ihm das Unmenschliche seines Standpunktes vor Augen! „Wer! ein Volk kennt, das keine Fehler hat oder begeht, der werfe den ersten St >in". Er weist ihm die unerhörte Grausamkeit der Friedens »edingungen nach, und da sein Gegner es ür gut befunden hälfe gegen den Deutschs» Rattzenau an den Julien Rathenau zu appellieren, antwortet ei ihm Y „Du bringst es über das Herz, mich ms das Schicksal' meiner Ahnen im heilige,i Lande, meiner „Russe", wie Du Dich auslstückst, zu verweis ,n. Eine hagadische Sage erzählt: Nach Jerusalems Fall stieg Rahel. die holdselige Mutter unseres Stammes, aus dem Grabe, saß am Rande de: Landstraße und sah wüinend ihre Kinder in die Knechtschaft ziehen. So gedenkt die Sage des Todes.eines Volkes. Ich f eifich, und meinesgleichen, da hast Du reicht, wir leben, doch wir sind nichts anderes als Glieder dinier Nation, wir find deutsche. Doch mif uns Lasten zivei Jahrtausende des Schmerzt s. und wenige von uns können je von ganzem Herzen heiter se n. W i l l st D u d a m i r d i e Sorge um mein deutsch:s Vaterland mildarn, daß Du mir die Schnieizen meiner Välcr^vor Aitgen hältst?" .Und als es dann zum bitleren Ende kam. war Walther Rathenau finer derjenigen, die nicht wehrlos um Waffenstill-- stand bitten, sondern unter Waffen über den Frieden verhandelt wissen wollten. Am 10. Oktober 1918 schreibt er an Blallin: ,„Heute handelt es s i ch m e i n e s E r a ch t e n si u m, die Ergebung auf Gnadc und Ungnade. Schlimmeres kinnte nicht kommen, auch wennder Feind i in 8 a n d e stünde, und ich glaube, Ilr v tz al ler K enn tn is der S i t u >, t i o n gerade aufGuund meiner L esprechungen'ir den letzten dreuTapxn,. daß wir so weit noch nicht sind". „Das eigene Volk wehrlos machen," schrieb er noch lange danach (an Fräulein LoreK., 26. Roven ber 1919), „erscheint mir aber als ein schweres 1 »recht, auch wenn es scheinbar den Krieg beendet. Scheinbar? denn auch heu le ist der Krieg licht zu-End.e; und! die Tausende, die in Oe st erreich st erben undibei uns sterken werden, die sterben noch am Kriege d er Weh jrl o sen." Gerade d eser Standpunkts ebenso auch seine Bekäntpfung der Kriegsschuldlüge haben ihm in Kreisendie ihn irrtümlich als einen drr ihren ausehen zu dürfen glaubten, v»ele Gegner gemacht. -Kennzeichnend ist auch Rat Henaus Bewertung des unter Waffen stehenden deutschen M rischen. An" Dr. V. Storz schreibt er sn den Wirren der Dizembertage 1918: „Tr!> dem die Gefahr der Anar : o tz ■ cf) i e noch nicht behoben des ben ist, tritt! Beruhigung uilid ein).Stärkung vorhandenenKräfteverhältnisses in demsel Matze ein, wie gesunde Elemente von derFront zurückkehren und sich an die Stelle der B unsm ■ ler undEtappenleute s, tzen". Den Mangel an Nationalg.efühl beklagt! er bitter: „Menschlich ist es rührend, national ist es zum ^Verzweifeln, daß i it Jammer und Schmach!Zestc ge-feiert werden . . ." 1 (21» Fräulein Lore K.. Neujahr 1919), ebenso: tTiefbetrübend ist der Mangel an N a ti o n a l g e f u h l überall. Deutschland wird zerrissen und ehrt sich kaum dar in." (Au Frau Christine Mertel. 3. Jai uar 1919). „Was Ih ien sicherlich so nahe geht wie mir, ist daö abgleitende Bewegen nach?er Seit e-m a t e r i e l l e r Ei n z el i n t er es se n, der Mangel an nativ na ein und idealem Vorstellun i sverm ögen." (An Professor l)r. Karl Joel, 6. Januar 1919.) Freilich, blind für Schwächen im Volkscharakter war d eser scharfblickende Mann nicht. Eben oHe er bei seinen j ü d i - scheu Stammesge nassen eststellte (vielleicht beeinsbißt von Schopenhauer, der von mangelnder verecunclia sprich): „Eine der bedenklichsten Charaktergefahren der heutigen Juden ist Respektlosigkeit, die nicht zu verwechseln ist mit freiheitlicher Gesinnung..." (Au Philippstrin, 30. Juli 1916), beklagt e - au seinen deu, scheu Volksgenossen: „Dies köstlithe, wahrhas e Volk hat ke nen-entscheidenlen F r e i h e i t 8 s i n n."

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