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Der nationaldeutsche Jude · 1926-09-01 · Nr. 9/10 (September/Oktober 1926) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 9/10 (September/Oktober 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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l!- 4 Interessen sichern können, oder ob cs möglich sicht auf die religionspolitische Einstellung des solche Gruppe zu unterstützen, bei der wir Wahrung der' deutschen Belange gewiß sind, l «eile zu sichen und dein einzelnen Mitglied«: nähme zu überlassen, wäre eine Feigheit, wäre Teulschtum. i t, ohne R inzelnen njenigstens nbeteiligt die Stelluja Lerrat ü<f» i in nne der zur gam Aus Walther Rathenaus Triefen. Lon vr. Alfred Peyser.') In einem Briefe an Wilhelm Schiranex,!>en .Herausgeber der Germanenbibell mit dem Rat jenoiu t otz gröhier Perschicdcnartigkeii des ^Siandpunktes cii e lebenslange. Freundschaft verband, heißt es (25. Januar 1! 1.6) hei einer Erörterung der sogenannten Rassenfrage: „Zwist!en edler rnd unedler Besinnung unterscheide auch ich, und mi Entschied, nheit. Doch nie werde ich diese Gegensätzlichkeit! ein Blute , usckircibeit: denn dadurch würde ne unheilbar zur V irbestimmu ng und zum Schicksal. Ich glaube an die Kraft des g iten Millers; das Unedle ist. irrendes Wollen, und kein Augenblick ist ror zu spät, um einzulenken. Jedes Blut i t des gutm Willens fähig." Was die Gleichberechtigung der Juden urd den Anjliscmirismus anbelrint, so ist auS seinem Frn »werke „? presstone^", das er später prcisgab, feine Stell» ngnahme Üelannt. Sie ist trotz seines Abrückens von seinen l Jugendbich sachlich die gleiche geblieben. Er legt einen min! estens eber sp großen Wert »vie auf die „Abwehr" auf die „liinkeht". 'Sr sagt: „Warum das Buch „Impressionen" mir frc nd geivord;n ist? Weil cs mehr Negation enthält, als'men em heutig m Denken enlipricku. Der Judenaufsay mar als Mahnung gedacht: in der unglücklichsten Stimmung meiner trübsten Zsit wurde er zur Anklage . . ." Wie nützlich wjire man so fein wie Rathenau zwischen Mahnung ui unterscheiden lernen würde! Tann würde nie! aus heißem Herzen zur Einkehr nickhnt. als ,,jü bischer Aiitisemil' verickiricen werden. An anderer Stelle vern ißt er zwekeiilivreckiendes Aerhalten des dcurschen Judentuns in seiner Gesamtheit, und schreibt an l)r. Alfred Apfel (-11. Jinuar,f011»: „Wenn die deutschen Juden sich über die Lo.renlhaltung bürgerlicher :'ieckile beklagen, so sollten ne bedenken, das sie oils Gesauilhcit bisher so gut wie nichts unternommen hiben, um d m es, weitn und Ankla ze jeder, qer zu wo >l ch Staat zu einer Aendernng seiner Judenpolitik Dieser Ausspruch ist vieldeutig, 'inan geht aber wenn man ihn nicht so auffaßt, ajs fordere er gcnauiilen jüdi'ckien Einheitsfront auf, die durch Forderungen durchzusexen bemüht sein solle, sonte ivie einen früheren Ausspruch von ihm, daß nämlih in Deutschland mit der Emanzipation die Psticht Hallen, ein „Vertrauen zu rechtfertigen", und daß Heu der jüdischen Deutschen dafür zu sorgen habe, einige Perantwortungslose dies Vertrauen tauschte^ der Gesamtheit zurückgewiesen zu werden. Das Ansinnen, zum Christentum überzutreten,! ist auch dn Ralhenau öfter gestellt worden, er hat es stets mit Selbst versländlichkeit abgelehnt «Brief an Professor v Schmoller, 8. Mai 1017) und sagt darüber (an Bjöniion, 14. Jc nuar lOlflh: „I ch habe mich nicht taufen lassen de- Aposto l i k u m s wege n." Ter ethische Gehalt des ( hristentucks war ihm durchaus verehrungswürdig, gegen die chri tliche Kirch bestimmen." nicht fei il, einer fo* Kampf ihre m ähnlich die Jud m ibernomm m die Gesan tdaß niiht ohne v,n lichkeit, gegen den Begriff staatskirche lehnte sich auf. Ebenso aber auch gegen das Vorwiegen' von Geseyesvorschriften in gewissen jüdischen Religion In einem Schreiben an Rabbiner l)r. Ludwig (Hi. September 1017) heißt es: „Eiitscheiden ist lediglich die Frage, ob das I seinem religiösen In halt nach als so frei angesehen werden kann, daß ei weder durch Kirchenvorfchriften n Ritualgesetze beschränkter Monothe ihm Raum hat. Meine eig mi e n P u n d E r w ä g u n g e n veranlassen mich, zu bejahen, und ermöglichen mir-da Verbleiben im Kreise der kulture *i Auszug aus meiner Arbeit: „Judentum und Deutschtum ist Walther Rathenaus Briefen" in den „Mitteilui gen dec jüdischen R e f o r m g e m e i n Ire zu Berlin", ttr. 4, 5, (, 1926. ' " Der Verfasser. ein Gesü jl Riten urd richtungei. Rosenthnl für m i lh dentum ogmenreiner, ch d>ur<) smus in i f u n g e r e Frag e urch da S en un > religiösen Einheit . . ." Und weiter (an Professor M. Schncidewin,5. November J017): „Sei der praktischen Wahl des Bekenntnisses ist entscheidend... die Freiheit, die eine allgenieine Glaubens- -Vereinbarung g e st a t t e t." An Pastor E. Schaeffer schreibt er (14. Februar 1920): „Das Judentum oder vielmehr die prophetische Verkündigung ist. obwohl viele ihrer Bekenner es nicht wissen, keine Kirche, sondern eine G e i st e s r e l i g i o n." ' Und wcnn/r dann im Sinne des Entwicklungsgedankens fortfährt: ' „I h r D a s e i n k a n n niemals abgeschlossen werden...". so wird, wer auf dem Standpunkt der Jüdischen Reformgemeinde steht, danach das Recht haben, Rathenau als Gesinuungs. genossen zu betrachten. Mit Energie wendet er sich gegen das, was man heutzutage jüdische Einheitsfront nennen würde, und antwortet Leopold Sander (25. August 1018): „Mag angebliche jüdische Solidaritätnoch so sehr von übelwollender Seite behauptet werden; in Wirklichkeit besteht sie nicht und darf sie nicht besteheh; über eine Gemeinschaft der religiösen Vergangenheit und Gegenwart geht die j ü d i s ch e B i u d u n g nicht hinaus." Interessant ist es in diesem Zusammenhang, wie er an gleicher Stelle sagt, daß wir in der Oeffentlichkeit jüdischen Schädlingen gegenüber „eine deutsche Verantwortung, aber keine jüdische" tragend während in religiöser Beziehung <Brief an l)r. P A.. Himmelfahrtstag 1017) der schöne Glaube zu Recht bestehen bleibt: „Ganz Israel i st für jede Seele verantwortlich, und jede.Seelei st verantwortlich für ganz Israel." Diese tiefgehenden Unterschiede klar, vor Skigen zu haben, ist wegen der herrschenden Begriffsverwirrung besonders wichtig. Wer sie nicht ohne weiteres zu erkennen vermag, denke bei der religiösen Verantwortung an die Pflichs der Eltern ihren Kindern, der Gemeinde ihren Mitgliedern gegenüber, bei der sozialen, daran, daß z. B. das Auftreten verantwortungsloser Demagogen jüdischer Herkunft ausschließlich den Deutschen ohne Rücksicht auf das Bekenntnis angeht und daß nichts falscher wäre, als hier von seinen jüdischen Stamniesgenossen zu verlattgen, sie möchten „sich zurückhaltck", weil der betreffende Schädling ja „auch" Jflde sei. > Derselbe Mann, der seinem Freunde Wilhelm Schwaner schreibt (80. April 1018): „D u weißt, daß ich die Geschichte und Ehre meines Stammes und Namens Hochhalte", der mit Stolz auf die Genies hinweist, die dieser Stamm hervorgebracht hat. und die er in den ragenden Persönlichkeiten von Moses. Christus. Spinoza und auch in Karl» Marx gipfeln läßt, obwohl er besten Lehre, den Marxismus, sachlich scharf bekämpft („Orthodoxie des Marxismus", „auf einer antiquierten Wirtschaftsordnung beruhend". II. S. 121); dieser selbe stammesbeivußte traditionsstolze Jude lehnt mit Entschiedenheit die zionistische Formulierung einer jüdischen „Nation", den Gedanken an ein jüdisches „Volt" ab. In einem Briefe an Frau K. H. (8. Januar 1920) spricht er sich „gegen die Rückkehr des Judentums zu einem S t a a t s s y st e m ^Zionismu s)" aus: „Diese Rückkehr bedeutet einen Anachronismus von mehreren Jahrtausenden." Einige Zitate aus seinen Briefen spiegeln seinen Standpunkt klar wider. An vr. Karl Scheffler (10. Oktober 1917): „. . . für mich steht es fest und selbstverständlich da, daß ein anderes Nationalitätsgefühl als das deutsche für einen gebildeten und gesitteten Juden nicht bestehen kann. Ich wüßte keinen, der mir lbegegnet wäre, der seine , S t a a ksz u g e h ö r i g k e i t anders empfunden hätte als ein Bayer, Sachse und Ost Preuße. ... ich halte alle R a s s e n t h e o ri e n für Zeitspiel erei und kenne nur eins, was Völker zu Nationen, Nationen zu Staaten macht: die Gemeinsamkeit des Bodens, des Erlebnisses und Geistes."^ An Rechtsanwalt vr Apfel (16. November 1918): „Die überwältigende Mehrzahl der deutschen Juden, unter ihnen viele, deren Vorfahren seit ungezählten Jahrhunderten in Deutsch/ land leben, hat nur ein einziges National-

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