Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 7/8 (Juli/August 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Streiflichter. Der Zionismus befindet sich in einer Krisis. Wenn wir nationaldculschen Juden schon seit langem immer und immer wieder darauf hingewiesen haben, dah nicht nur die zionistische Betätigung in den westlichen Ländern infolge ihrer mangeln» den Konseauenz brüchig ist. sondern dah auch in Palästina selbst die Krise des politischen und wirtschaftlichen Zionisnms von Tag.zu Tag wächst, so 'glaubte man das nn gegnerischen Lager als unerheblich abtun zu können. Heute sind wir in der erfreulichen Lage, festzustellen, dah der Führer der zionistischen Weltorganisation. Professor Dr. Chaim Weizmann, mit der bei ihm natürlichen und verständlichen Zurückhaltung unsere Behauptungen bestätigt. Weizmann ist nalen Vortragsreise auch nach Berlin hier vor einem grohen Zuhörerkreis Palästinas gesprochen. Mit Eifer idealistischen Schwung, der jeden wahren Aber nicht nur „zwischen den Zeilen", sprachen und offen hat der zionistische Führer einem Pessimismus Raum gegeben. Wenn ein Mann auf seiner internatiogekommen und hat über den Aufbau natürlich und dem Zionisten auszeichnet, sondern ganz ausgegewissen Weizwie mann erklärt, dah es im zionistischen-Lager keinen grundsählichen Meinungsunterschied über vas zionistische Programm, wohl aber „einen Unterschied hinsichtlich des Ausmahes an Verantwortung, das auf dem einen oder anderen lastet", gibt, dah „nur Demagogen heute eine unbegrenzte Einwanderung prediaen" können, dah es „beschämend für uns ldie Zionisten) ist. dah Elemente, die sich durch die Arbeit ihrer Hände produktiv ernähren können, in den Städten beschäftigungslos umhergehcn". — wenn das alles ein so prominenter Zionist sagt, dann wird auch dem Unkundigen klar werden, wie es in Wahrheit um Palästina bestellt ist. Es lmt lange gedauert, bis man von zionistischer Seite so nüchterne Worte gehört hat. man bat lange auf das Zugeständnis gewartet, das. nach dem Bericht der „V o ssi sche n Z ei tu n g". Weizmann in Berlin gemacht hat: „Es heiht nicht mehr. Demagogie und Propaganda treiben, sondern abwagende Politik". Wenn es das seht „nicht mehr" heiht. ' dann muh es doch einmal so geheihen haben, und alles Schönrednertum der zionistischen Demaaogen ändert daran nichts. Wenn man sich jetzt eines. Besseren besonnen hat, daiin ist es uns an denn unsere Arbeit und unser Erfolg hängt zionistischen Methoden ab: aber man wird sachliche Basis finden, auf der die notwenzwischen den Zionisteli und uns ausgetragen Ebrlich gesagt, wir glauben nicht recht daran, s Mahnungen bei den Kronemann, Zweig, irgend etwas fruchten werden: warten sich gleichgültig nicht von den dann doch ein, digen Kämpfe werden können, dah Weizmanii Klee und Genossen wir aber ab! I Die trüben Wolken am Horizont des zionistischen Optimismus werden zahlreicher. Selbst die „Jüdische Rundschau ", deren Geschäft es doch ist, den Palästina-Aufbau und die zionistische Bewegung in möglichst rosigem Lichte erscheinen zu lassen, sagt in einer schwachen Stunde: „Welche Wandlung in den Stimmungen! Eine tiefe Depression hat sich aller bemächtigt. Feinde, die wir genug haben, frohlocken schon.. Sie sehen den Zionismus durch Niederlagen geschwächt, entkräftet und seiner grohen Bedeutung beraubt. Und unsere Freunde sind kleinlaut, ihr Interesse an unserer Sache iit schwächer geworden". Eine ungewohnte Tonart! Dazu stimmt allerdings'ganz die überraschende Reserve des zionistischen Wanderdicbters Arnold Zweig, bei dem man sonlt die höchsten Tubatöne gewohnt Nt. der aber jetzt in einem Prager Vortrag erklärt bat. datz die ZionNten keineswegs die Aufrichtung eines Nationalstaates wünschten, sondern, dah Palästina ..nur als jüdisch-arabisches Kemeinwcsen" entstehen könne. Wendung im Zionismus? A<h nein, notqedrunaener Rückzug angesichts der stärkeren Wirklichkeit, koniunkturmähiae Ausnutzung einer an sich unangenehmen Situation! Darüber täuschen auch die geschwollenen Antworten der ..Jüdischen Rundschau" auf die nüchternen, die ..zioni'ktische Realität" sehr klar herausarbeitenden wiederholten Ausführungen der „Frankfurter Z e i t n n a" nicht hinweg/ Natürlich ilt cs den deutschen Zionisten sehr unanaenebm, dah ein grohes Blatt, dack der Sympathie mit uns natianaldeutschen Juden aewih nicht verdächtig ist. die zionistikme Ideologie so schonungslos zerpflückt: das Keschrei auft zionistischer Seite beweist, dah die Pfeile der „F r a n k f n c r Zeitung" ins Schwarze getroffen haben. dah ihre „grohe Politik" kläqwcnigstens, in Deutschland noch sich reden zu machen. Wenn der Sehen die Zionisten ein lich scheitert, so versuchen sie immer möglichst viel von miherdem Herr Dr. Klee. Berliner Reoräsentantensibunaen der Kelegenheit darauf hinwies. Zionisten keine Ausländer seien, aus dem Osten ihre komme, so können neidisch! R'lser im Streit in allen wieder einmal bei vassendah die Oltjuden für die __ _ sondern dah im Gegenteil .sittliche, physische und moralische Kräft" wir nur hinzufügen: Wir sind nicht Interessant ist, was die monistische ^Leipziger Jüdische Zeitung' über den Fall L es sin« zu sagen weih. Sie behauptet nämlich, dah dieser Fall Lesung weder eine Sache der Staatsautorität, noch der politische» Auseinandersetzung. noch der akademischen Freiheit, noch des Taktes oder der guten Erziehung sei, sondern für sie handelt es sich hier um einen n'a ck t keinen Zweck, so argumentiert der e n Machtkampf. Es habe gar ziger Jüdischen Zeitung" autoritativen Zwangs nahnahmen Studenten vorzugehen unz die Macht, der brannt ist, könne erst stellen sich die Herren U. A. w. fl. sondern die Austragung desi Kampfes zwischen Juden und ihren Gegnern entendgültige. Klarheit schaffen. Wie einen solchen Kampf• eigen lich vor? RohIieb. <Don Friedrich Leitartikler derj „Le > p - mit Vorhaltungen und gegen die aufsässigen Die Lösung des Linaijchriflproblems. v. O p P e l n - B r o n i ho w s k i. Im März-Aprilhefk dieser Zeitschrift habe ich eingehend über die Sinaifunde rnd die sich an sie knüpfenden weltgeschichtlichen Probleme berichtet. Schon in der Kmtroverse zwischen dem Aegypto ogen Sethe und dem Semitologei^ Grimme, die im Dezember v. Js. in der Bordrasiatisch- .------ - -n <j3etijn s, anfand. stell» letzterer . seine These vom semitiichen Uralphabet der Sinai-Inschriften durch Heranziehung der alt-thamudischen tmidignitischen) Schrift auf -eige sichere Grundlage stellen Wierde. - Das. ist nunmeht erfolgt in seiner Schrift ./Die Lösung des Sinaiproblems" (Münster in Wests.,! Aschendorffsche Verlag« buchhandlung). Diese alt thamüdische Schrift steht der Sinaischrift weit näher als die phönizische: sie scheint sich u imitteldar aus ihr entwickelt zu haben, wogegen die phöniziscie manch» Abweichungen zeigt, die sich vielleicht daraus erklären, dah die Phönizier, ein typisches Handels- und Veriuittlervolk, auher der Sinaischrift auch andere Schriftelemente letwa aus Kreta und Zypern) verwendet haben. Bestätigei sich die gelehrten Untersuchungen Grimmes — wofür natürlich nur die Scmitologen zustänbig sind —, so erhält seine Deutung der Sinai-Inschriften, ihrer Buchstabenfolge und - »edeutung, eine neue Stütze, und die Aegyptologen werden es aufgeben müssen, dies Problem als ihr un intastbare; Sonde bereich zu beanspruchen. Die Hauptsache bleibt dann freilich immer noch die stark umstrittene Deutung der Inschriften selbst, deren Ueberführung nach Berlin oder, soweit dies nickt möglich ist, .einwandfreie Reprol uklion hoffentlich bald gelingen wird. Die Fragen, die sich dank Grimmes Arbeiten dara > knüpfen, sind fpr die Geschichte des jüdischen Volkes und der ganzen Kulturmenschheit von grösstem Belang. i Aus fcent Gerichlsfaal. Vor dem Amtsgerich Verhandlung in der Be mann gegen Herrn Dr. fachen! sind unseren Les 100,—: RM. Geldstrafe Charlottenburg fand am 4. Juni d. 3i. eidigungsklage des Herrn Dr. Nau- Samuel < Schriftleiter der Jüdischen Zeitunlg für Ostdeutschla id) statt. Die zugrundeliegeiiden Tat rn bekannt, Dr. Samuel wurde zu verurteilt und Dr. Naumann von der Widerklage frcigesprochcn. Dtf. Naumann wurde die Befugnis zugesprochen, Ostdeutschland zu tufung eingelegt. das veröf Urteil in entlich^n.. Bcz c>e In der Centralverein der Gemeinderabbiner Leipzig die unter der „Nationaldeutsl von unserem jetzigen V Peyser. veröffentlichte unserem Dr. Mai Rar macht,.dah er wegen oersc) kränkungen das Schöffen und dadurch innerjüdische öffentllilhen Verhandlum hat hierauf in Nr. 9 hat hierbei festqestellt, Zeit genau das Gleiche g in seinem Artikel öffentl ii dieses Verhalten des l)r. , „ein Vorgehen. seligen Tartuffe Dr. Eoldmann hat eine Gegenerklärung ver „die eigentliche Angriffs i st d hert', während er die gleiche E Mitteilungsblattes mit szeitung vom 5. August 1925 hatte Herr ivr. Felir Gold mann in eichnung: Juden und ihre Lästerer" erbandsoorsitzenden, Sanitäfsrat Dr. Streitschrift besprochen, und hierbei mann besonders zum Vorwurf gewedener persönlicher öffentlicher Ehrengericht Eharlottenburg bemüht habe Angelegenheiten zum Exgensland einer unseres Mitteilungsblattes erobert, und der Jüdischen Zeitung Beide Herren haben für Begemacht habe, Herr Di einiger an den datz Dr. Goldmann vor Pan habe, was er Herrn Dr. Naumann ch zum Vorwurf gemacht habe, und Goldmann bezeichnet als: das doch etwas allzusehr erinnere". »arauf in Nr. 43 der C. V , ösfentlicht, die mit.den Wort« n, schloh: Grundlage des gegen mich gerichteten mnach eine grobe lli wahr- Peyser «Zeitung iiklärung an die Schriftleitung unseres Bitte um Veröffentlichung sandte. der