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Der nationaldeutsche Jude · 1926-07-01 · Nr. 7/8 (Juli/August 1926) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 7/8 (Juli/August 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 \ ' — ich habe fei den Führern des Nationaldeutschen Verbandes durchweg keine Verleugnung ihrer jüdischen Abstammung gesunden —, aber er wird zugleich bewußt deutsch denken und deulsch fühlen. lDucuntuata volentern, nolentem trahunt! Das Schicksal führt den, der den rechten Willen hat, den der nicht will, zieht es nach, sich. [ Das gilt auch in her Frage des Judenutms im Rahmen demschcr Zukunft. Wir sind des Glaubens, daß sich auch die Judenfrage. freilich langsam, zuin Nutzen deritscher Zukunft läsen wird. In schwerster deutscher Zeit sprach Fichte die honnunc svollen Worte: „Die Morgenröte der neuen- Welt ist schon am ebrochen und vergoldet schoir die Spitzen der Berge und bildet ,or den Tag. der da kommen -soll." Mit. solcher Hofinungsfri udigkeit wollen wir getrost an die Arbeit deutscher Zukunft geh;n! __ Wie Lhi'odorLejsing zum Zionisten wurde. llm die uns gegenüber so beliebten Mißverständnisse von vornherein nicht aurkommen zu lassen, sei betont, daß wir das Benehmen I er Hannoverschen Studenten mit Entschiedenheit verurteilen. Sie haben sich nicht allein, wie cs iin Studentenjargon heißt, „erheblich vorbeibenommen", wer Augenzeugen der Vorgänge gesprochen hat, weiß, daß die Sache in der' Tat so schlimm ivar.s wie anscheinend sensationell aufgemachte Zeitungsberichte sie dcjrstellten. Tie Verurteilung dieses Verhaltens findet man durchaus nicht nur auf der politischen Linken. Paul Fiechter schreibt in bet „Deutschen Allgemeinen Zeitung", die, Studenten wären, gern!e weil Lessing Jude ist, verpflichtet gewesest, mit den nobelster Mitteln zu kämpfen, außerdem: „man daif dem . Gegner nichi die Möglichkeit geben, eine an sich gute Sache durch das häßliche Schlagwort Antisemitismus zu diskreditieren". Ter „Teutsct enspiegcl" urteilt noch schärfer. „Eine an,sich gute Sache" . . . ist sie das wirklich^ Wir hatten urspr inglich nicht, die Absicht, -lins mit dem Fall Lei sing zu beschäftigen. Wie schwer mußte'es nicht schon sein, in dem hinüler und herüber der Meinungen ein gewissenhaftes Urteil zu genftnnen. Zudem befallen sich genug Berufenere mit Im Gegensatz zu Pros. Driesch, der im „Bcrt" eine Lanze für Lessing, den Philosophen, den Vorgänger liner Tagebla bricht und zum „Teulichenspiegel", in dem ihm ein wissenschaftlicher G« gner erhebliche Qualitäten zubilligt, steht Fechter, der cbsitso gr zu dem harter einen ernstha der L e s s.i n der Vergeller Samuel N a Herrn Profei Börsenzeitung E.-V.-Zcjtung gangen und Schreibweise mdlich in der Methode und vornehm in der Form Urteil kommt, daß wir in L e s s i n g nicht mehr ften Philosophen, der die Tingebeherrscht, sondern nur einen espritvollcn Titetlanten vor uns haben, der mir ihnen hielt. Aber auch dies liegt abseits von unserem Arbeitsgebiet. Selbst eine einivandsfreie ' Kenntnis des Menschen Lessing hätte uns nicht vermocht, zu ihm -tellung zu nehmen. Andere haben dies freilich getan. Thomas Manns bis zu Wut und Ekel gehende Verurteilung 'scheu Persönlichkeit wurde-bei dieser Gelegenheit heit entrissen. Ein jüdischer Deutscher, Herr aus Dresden, ist in einemonenen Brief ah or Leising in Hannover, den die „Berliner ' vom 17. Juyi lhi’*) abdruckt, nachdem die seine Aufnahme abgelehnt hatte, scharf vorgehat besonders Hessings in antisemitelnder. gehaltene, stellenweise im mauschelnden Dialekt geschriebene Polemik gegen Samuel L u b l i n s ki gegeißelt. Der Mensch L e s s i n g hat überraschend wenig Verteidiger ge-- funden. Ter 2 ui: eLessing geht uns gleichfalls nichts an. — In der 2 ü d i s ch e n Z e r t u n g f ü r L st d e u t s ch l a n d (Nr. L4, l l. Juni lOLtih hat er seii^ Stellung zur'^Judenfrage" zu präzisieren versucht und auf frühere Ausführungen in feinen Werken verwiesen. Tjaß er Zionist ist. erfuhren wir schon vorher. - Nun aber veröffentlicht Lesung unter der Ueberschrift „Gerichtstag über mich selbst" eine'kurze Selbstbiographie, in der es in Bzug auf sein Verhältnis zum Judentum nach Nr. l:>7 der 2.T.A. heißt: „2ch wuchs auf als ein Knabe aus rcligiös-indiffereniem E ternhaus. Die Eltern waren beiderseits 2uden. Aber es hatte schon unter den Vorgeschlechtern christliche und aristie Elemente gegeben. Ein Großonkel war englischer Er: biichof-Kardinal. Ter Berliner Zweig der Familie war mit Nachkommenschaft aus Götthold Ephraim Lessings Familie rersippt und wollte von jüdischer Abstammung nichts» wiiien. Ein Großonkel war leidenschaftlicher Antisemit; ebfnso ein Bruder der Mutter. Als ich mündig wurde, ließ man mir die Wahl, zu welcher Konfession ich gehören wollte. Und ich wählte durchaus nur aus Bequemlichkeit die evangelische. Gerade damals aber kam es mir zum Bewußtsein, was es heißt, als Jude geboren zu sein. Unter meinen Schul- und Studiengenoffen hatte ich nicht als solcher zu leiden. Aber nun sah ich unter diesen Gefährten zum ersten Male sich „antisemitische" Neigungen erheben. Ich schämte mich dann, bei dergleichen nicht zu widersprechen. Andererseits wußte ich ja aber fast nichts vom Judentum. Da hörte ich um 1900 zum ersten Male vom „Zionismus" und stieß auf ein selbstbetontes, würdebereites Prinzip. Ich wurde nun zwar an meiner deutschen Wesensart nicht irre, aber ich empfand es als geschmacklos, deutsch sein zu wollen: ich fühlte ja, daß man mich abdrängte und ausstieß. Die Entscheidung aber brachte der mächtigste der Götter. Ein Mädchen aus altem Preußenadel schenkte dem namenlosen Studenten fanatische Leidenschaft und verstieß, als ihre Militär- und Junkersippe, stolz auf Verwandtschaft mit dem Hohenzollernhaus, die bürgerliche und judenblütige Verbindung ablehnte, folgerichtig ihre ganze alte Tradition. Beide wurden nun Freiwild. Die Folge davon war, daß meine junge Frau und ich, allen zum Trotz, begeisterte „Zionisten" wurden, daß . unsere Kinder jüdische Namen bekamen, und daß ich nunmehr erst offiziell zum Judentum übertrat oder besser zurücktrat". Auf diese Auslassungen müssen wir allerdings als nationaldeutsche Inden und Feinde des zionistischen MitläufertumS eingehen. — Schon die Form gibt zu denken. Was drängt sich nicht alles in diesen wenigen Zeilen zusammen! Christliche und arische Voreltern, ein englischer Erzbischof-Kardinal, Gotthold Ephraim Lcssing unter den Voreltern und in der Sippe, nun gar noch der Zuwachs durch Verschwägerung mit altem Preußenadel und dessen Verwandschaft mit dem Hohenzollernhaus! Hätte sich, was gesagt, werden mußte, nicht schlichter fassen lasien? Und sollte Paul Fechter nicht vielleicht ein wenig recht haben, wenn er meint, es handele sich hier um den „typischen Fall eines schauspielerischen Menschen?^ Aber ganz zweifellos hat er in einer anderen Hinsicht recht, in dem Punkt, auf den es uns als nationaldeutschen Juden einzig und allein ankommt, er hat recht, wenn er ausruft: „Im Fall Lessing . .. steht hinter dieser geistig-seelischen Halbheit auch eine menschliche". Keinem von uns ist es je eingefallen, echten Zionisten zu bestreiten, daß sie als volle und ganze Menschen und Charaktere angesehen zu werden verdienen. Tausendmal haben wir betont, daß alle Verwirrung, die der moderne Zionismus unter jüdischen Deutschen anstistet, nicht von ihnen, sondern von ihren Mitläufern ausgeht, die sich, wie das auch anderswo zu sein pflegt, äußerlich noch „ausschließlicher" gebärden als die Vollwertigen, innerlich aber halb und zwiespältig sind. Darum ist es uns erwünscht, die Richtigkeit unserer Ansicht an dem Beispiel eines' prominenten Mitläufers dartun zu können, als den sich Theodor L e s s i n g nach seinem eigenen Geständnis nunmehr offenbart hat. Wir klagen nicht an, wir stellen nur fest. Ter Fall L e s s i n g ist — nmtatis mutandis — gar nicht so einzigartig, wie er in der oben mitgeteilten Aufmachung dargestellt werden soll. Unter die üblichen Dutzendfälle eingereiht, würde der Hergang ungefähr s o aussehcn: Der junge jüdische Herr Soundso hat sich ohne innere Ueberzeugung taufen^laffen, hat nach kurzer Zeit bemerkt, daß er sich zwischen zwei Stühle gesetzt hat, sich unbehaglich gefühlt und nach einem Milien gesucht, in dem man ihn für voll nahm. Zu dieser Zeit verliebte sich nun gar noch außerdem eine christliche junge Dame in ihn, die Familie leistete den üblichen Widerstand. Aus Verärgerung sagte Herr Soundso: Ihr wollt mich bloß nicht haben, weil ich von jüdischem Herkommen bin (obwohl natürlich in diesem oder jenem Falle sehr wohl auch persönliche Gründe mitsprechen können), nun werde ich euch 'zum Trotz mal das Jüdischste machen, waS es augenblicklich gibt; ich werde „begeisterter" Zionist, gebe meinen Kindern jüdische Vornamen (auf diese Tatsache scheint gerade Lessing einen besonderen Wert zu legen), und meine deutsche Wesensart, an der ich nach wie vor nicht zweifle, soll mich nicht weiter dabei stören-— Welch Unterschied zwischen dieser Mischung von Ressentiment mit sekundärer und gequälter gedanklicher Konstruktion und dem selbstverständlichen in der ganzen Wesensart verankerten Zionsglauben des echten Zionisten! Aber je unechter Motive und Handlungen, um so wort- und geistreicher die Auslasiungen in Versammlungen und Presse. Man lese nur, waS Herr

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