Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 7/8 (Juli/August 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Lessing, dem eS. nebenbei bemerkt, nach eigenem Geständnis gar keine wichtige Frage bedeutef, ob der Zionismus erfolgreich sein wird oder nicht, darüber in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" schreibt, und man rbird wiederum Fechter recht geben, dost ihm „das Wort nicht Ausdruck inneren Besitzes, sonbern Vorbau vor innerem Nichtbesitz ist". Auch das klingt wie eine Anklage, ist aber wiederum nur! eine Feststellung. Wenn hier etwas anzuklagen ist, dann ist es der Jndifferentismus des Elternhauses. Dieser kann sich nicht allein aus jüdische, er must sich auch auf deutsche Dinge bezogen haben, denn sonst hätte der Sohn das Hauses schon mit der Muttermilch das selbstverständliche Gefühl eingesogen, wohin er gehört nach Religion, wohin nach Volkszugehörigkeit, und nicht erst nötig gehabt, auf dem Umweg über einen doppelten Glaubenswechsel, von denen der eine ebenso unschön wirkt wie der andere, zu der beklagenswerten Einstellung zu kommen, ein „Wollen" auf Gnmd logischer Gedankenarbeit vermöge es. innere Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaft und Vaterland maßgeblich zu bestimmen. Nun möge Herr L es sing zwar das alles, soweit seine eigene Person in Frage kommt, mit sich selbst ausmachen. Aber er leite aus seinen eigenen, wenig beneidenswerten und zu gewissem Teil höchst individuellen Erfahrungen nicht etwa dos Recht her. Behauptungen auszustellen, die so aussehen, als ob er ihnen Allgemeingültigkeit zusprechen wolle. Wenn er als überzeugungslos getaufter Jude es als geschmacklos empfand, „deutsch sein'zu »vollen", so kann man das verstehen; seine Halbheit kam ihm eben mit der Kraft des schlechten Gewissens störend in den Weg. Wir nationaldeutschen Juden und die vielen Tausende, die sich noch immer nicht offiziell so nennen, aber genau so denken und fühlen ivie wir. lehnen es jedoch ab, mit diesem bewußten „Wollen" unser selbstverständliches und unbezweifelbares Deutschgefühl identifiziert zu sehen. Und was die Charakterisierung der zionistischen Bewegung als der einzigen betrifft, bei der Herr L e s s i n g würdevolle Selbstbetontheit gefunden haben ivill, so glauben wir, daß die deutsch fühlenden Juden jeder. Richiuiig, wenn sie sich offen und srei als das bekennen, was sie sind» cs an Würde gleichfalls nicht fehlen lassen. Wir beneiden die Zionisten! nicht um diesen Zuivachs ihrer Bewegung wie auch nicht um die zahlreichen anderen, die nicht so ausfallend vor die große Oeffentlichkeit treten, aber wo man sie kennen lernt und zu analysieren in die Lage kommt, unschwer als Pseudozioniste», Mitläufer. Berärgerungsprodukte kenntlich werden. Sie gerade jfinb unsere lärmendsten Widersacher. und da mag es uns trösten, daß für manchen von ihnen gilt, was der mehrfach zitierte Fechter von Th. L e s s i n g sagt: „Die ganze Affäre bekommt, sobald man sich den Mann, um den sie geht, näher ansieh«, eine leise Komik." A. P. Politisch frei — sittlich verbunden. Von Sanitätsrat vr. C. S. E n g e l. In der Nr. der C -V.-Zeitung vom LI. Mai 1026 wird einer „Tie Putschpläne" übcrfchriebencn llmfragc ein Artikel von „L. H." als Nachschrift angehängt, aus dem einzelnes ineincr Ansicht nach einige Bemerkungen verdient. Der Artikel schließt mit dem Satz: „Mögen uns die' Völkischen hassen, wir sind solchen Haß gewöhnt." Vorher schreibt der Autor: „Wir deutsch«» Juden werden unsere Pflicht nickt vergessen, wir werden in Hkciie unserem deutschen Vatcrlande dienen, und wir werden deswegen seine treuesten Söhne sein, weil wir mit aller Macht und mit jedem nur möglichen Nachdruck uns bekannte Putschpläne aufdecken und uns unserer Haut wehren." An einer anderen Stelle schreibt er von dem Geist der Universitätslehrer: „Mail denke an die klägliche Anzahl derjenigen wahren deutschen Männer,' die neulich den Mut gehabt haben, sich für linser heutiges Reich einzusetzen. Wer eine Liste derjenigen, die die damalige Erklärung nicht unterschrieben haben, gegen die Liste der Deklaranten anfertigen würde, würde, sehen, wie die Masse der Universitätslehrer z»,»n mindesten nicht den Mut hat, sich für etwas Gutes und Heiligseinsollendes besonders herauszustellcn." Weiter oben ist zu lesen: „Festgcstellt wird werden, daß kein Mittel, soweit es gesetzlich einigermaßen zulässig iit, verabscheut wird, um jüdischgesinnte Personen, d. h. solche, die für unser heutiges Deutsches Reich eintreten, unmöglich zu machen “ „Es würde sich lohnen, eine Zusammenstellung aller der Zirkel anzufertigen, denen an jedem Tage des Jahres der Haß und Rachedurst gegen unseren deutschen Staat und seine Regierung und damit notwendigerweise gegen die Juden gepredigt wird." hat mit den p o l i t i land gar nichts zu bot für jeden Juden, die zu befolgen, mag das Land Wer, ohne Sinn und Ergebnis der Umfrage zu ilenneit, solche Formulierung' liest, könnte glauben. L. H. habe vergeffen, daß unter den etwa 63 Millionen Einwohnern Deutschlands kaum 1 % jüdischen Glaubens sind. Da etwa die Hälfte der Einwohner Deutschlands im-Reichstage durch Abgeordnete vertreten wird, welche die heutige Verfassung verteidigen, hat diese also etwa 30 Millionen Verteidiger, hat es aikso, gar nicht nötig, sich von einem Teil der in Deutschland liebenden etwa V2 Million Juden noch besonders verteidigen zii lasten. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß mancher von diesen Verteidigern der heutigen Verfassimg gar keinen Wert darauf legt, daß es so scheinen könnte, als wenn dwse sich gerade auf die Juden stützen niüffen. Die wenigen hunderttausend Juden, die noch dazu vornehmlich in ivenigen Großstädten zusammenwohnen, wären eine schwache Schutztruppe für «ne Verfaffung. Dazu kommt, daß, wie die letzten Repräseritanlenwahlen gezeigt haben, ein großer Teil dieser Juden — * 2, ber jüdischen Wähler Berlins — zionistische Interessen habe >. An- Hänger des heutigen Staates können zudem ebenso juden kindlich eingestellt sein, wie Gegner der heutigen Verfassung Vera »lassung haben können, nicht antisemitisch zu sein. Aus alledem dürfte einleuchten, daß derjenige, des «»Aufgabe es ist, das Judentuin gegen seine Feinde zu ver cidigen, diesem eine schlechte Verteidigungsstellung gibt, »venu er das Judentum und seine Bekenner ohne weiteres einer pclitischen Partei einreiht. Wo geschossen »vird, wird wieder gc schonen. Wenn umvidersprochen alle Juden als Parteigänger de cjenigen Kreise bezcich»»et werde»», welche für hie neuen Verhältnisse eintreten. dann darf man sich nicht wundern, daß sie in ihrer Gesamtheit eine bequeme Zielscheibe für die Anhänver-der anderen Parteien sind, »vslche mit diesen neuen Verh »lstiissen nicht übereinstimmcn. Das Judentum als s > Ich es l ch e n K ä »n p f e n i y Deutscht u n. Von altersher »st es ein Ge- Gcsetze des Landes, in hem er lebf, . _ nonarchisch, republikanisch oder sonstwie regiert werden. Die parteipolitische Einstestung eines Juden ist jedoch seine private Aiiäelegenheit. Es gibt in De» tschland keine „jüdische" Partei. Wenn uns Juden Mitbürger gruppet» und Parteien unsere Bürgerrechte entziehe» wollen, dann habet» »vir uns selbstverständlich mit allen Mitteln dagegen zu »vehren. Was geht 'uns aber dabei die Einstellung der Universität^, lehrer zum heutigen Staate an? Das ist doch eine Angelegenheit, die der Staat mit seinen Universitätsbeamten auszufechten hat. Glaubt der Verteidiger der jüdischen Interessen in der C.-V.-Zei'ung, den Interessen der Juden, welche, mi diesen Universitätökreisen in Berührung stehen, zu dienen, wem: er von der „kläglichen Anzahl derjenigen wahren deutschen Männ >r usw." spricht? Was gibt ihm das Recht, zu behaupten, daß „d e Masse der Universitätslehrer zum mindesten nicht den Mut >at, sich für etivas Gutes und Hieiligseinsollcndes besonders heraus? zustellen?" Wer hat den Verfasser ermächtigt, gewissl rmaßen als Vertreter der jüdisches Deutschen, die Universiti tslehrer barüber zu belehren, warum er sie nicht als „ivahre deutsche Männer" ansprechcn kann? lind da wundert man s ch. daß selbst von sehr »vohlwollcnden Seiten, über Anmaßung geklagt wirb? Wenn »vir nicht angegriffen »verden »vollen, dann dürfen »vir nicht selbst in solcher Weise andere angreifen. : Ler sich dazu berufen fühlt, »nag es selbst in seinen» eigenen Ran ien tun. Daß die deutsche Bevölkerung durch-Vorgänge, über die hier nicht zu sprechen ist. zur Freude ihrer Feinde, n zw« sich hoffende Hälften zerrisse» worden ist. müßle einen Vertreter der jüdischen Interessen v ranlassen, daran zu arbeiten, daß die Juden als solche möglichst der känipfenden Linie fern gehalten »verden. Sie haben, »vie die univahren Behauptung:»» über ihr Verhalten im-Kriege ben eisen, auch dann noch gerad» genug Feinde in.Deutschland. Dadurch aber, daß die Julien als Ganzes zu Unrecht zu einer Partei gestempelt werden, sind sie gewissermaßen zum Kanonenfutter für die sich Bekämpfenden geworden. Uns durch angreifende Bemerkungen neue Feind» zu machen. sollen »vir Juden geiviß permeiden. Auch kann es uns Juden, »vie ich im Gegensatz zu den Ausführun »en des oben genannten Autors bekenne, gar nicht gleichgüliig sein^ daß „die Völkischen uns Haffen". Caligula, dessen Lirblingswort ja bekanntlich die Wendung war: „Mögen sie mich hass«»"s fügte sofort hinzu: „wenn sie mich nur fürchten". Durck Furcht hielt er seine Feinde eine Zeitlang ab. ihm zu schadn. Daß aber die Juden besonders gefürchtet werden, kann man nicht be, Haupt«». Auch daß „»vir uns unserer Haut wehren". >vi d kaum Furcht erivecken. Ain wenigsten Eindruck schließlich di rfte die Bemerkung machen. — die von Böswilligen sogar als Drohung 1j v *