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Der nationaldeutsche Jude · 1926-05-01 · Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926) · p. Seite 11

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Ortsgruppe Wien. Sprechabend vom 27. April 19 2 6. Anwesend waren zahlreiche Gäste, insgesamt etwa 40l> Personen. Freie Anssprache über beliebige wichtige Themata. Zuerst sprach Herr Professor Stransky über ..Rassentheorien, Rassenvermengung und die Gegenwart". Seine rein wissenschaftlichen Feststellungen wurden mit grobem Beifall ausgenommen. Es folgte eine Aussprache der Mitglieder. Herren pkil. Lang. Dr. S enefeld (Brünn), Dr. Ehn ünd Hornik-Harden, über den „Keren Hajessod". Herr Hornik-Harden trugdann über den ..Judenstaat" vor und bezweifelte auf Grund seiner Untersuchungen Theodor Herzls Priorität sowohl in Gedankcngängen als auch Begründuitgen und Hilfsmitteln. Vielmehr gebühre diese einem im Jahre 1883, also 15 Jahre vor Heyls Auftreten, in Odessa wirkenden und in ganz Südruhland sehr beliebten Arzt Dr. Leon P i n s k e r, der seine Ansichten tn einer Broschüre (Berlins „Autoemanzipation" niedergelegt und den ersten Zionisten-Kongretz lange vor Herzl, nämlich 1884, zu Koittowitz einberufen habe. Interessant sei auch eine Artikel-Gene aus dem Jahre 1882—84, die ein Schnftsteller Mose» Löb L i l i e n b l p m in der Petersburger Jüdischen Zeitung „Razkojet" herausgegeben habe und die damals schon genau die Pläne der Besiedelung Palästinas behandelt hätten. Auch die Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues untere den Juden in Palästina und Syrien (Chovave Zion). 1683 begründet, habe aktive zionistische Politik getrieben. Die Ausführungen erregten grobes Interesse. auch bei den anwesenden Zionisten, die sich zwar ablehnend verhielten, über zusagten. genaue Feststellungen in der Prioritätsfrage zu veranlassen. — Herr Ferdinand Brück Suberte sich noch in stellenweise recht humorvollen Wendungen über die Behauptung des „Tag", nach welcher Herr Hornik- Harden erzählt habe, die Juden wären schon mit den Germanen zusammen auf Bärenhäuten gelegen, und versprach im Anschkub daran spätere Darlegungen über den wirklichen Zeitpunkt der Einwanderung von Juden in unser Land. Rych einer Abschiedsrede des Obersten Heikler, der nach Rutzland geht, trennte man sich unter Absingung des Deutschlandsliedes in der Hoffnung, sich im Herbst in vervielfachter Anzahl wieder zu treffen. Die Mitglieder der Ortsgruppe Wien treffen sich ganz zwanglos jeden Dienstag und Freitag im Freien. Wahrscheinlich wird die Stadtpark-Meierei gewählt werden, jedoch wollen Anregungen an Herrn Fred Hornik-Harden, Wien IX. Schultz-Stratznitzkygasse 12/14, gegeben werden? Ortsgruppe Breslau. Mitgliederversammlung vom 27. April 1926. Redner Herr Pfarrer Lic. Dr. Haack: „Die Zukunft Deutschlands und das Judentum." Wir hoffen, diesen mit grobem Beifall aufgenommenen Vortrag, sei es im Original, sei es als ausführliches Referat, demnächst in diesem Blatte zum Abdruck bringen zu können. Die Versammlung war gut besucht, es waren trotz Wetterungunst etwa 150 Personen anwesend. Eine Aussprache fand nicht statt. Rednerkursus i Der nächste Kursusabend findet Donnerstag. 20. Mai, abends 8 Uhr pünktlich, bei Herrn Sanitätsrat Dr. Peyser, Charlottenburg. Grolmanstr. 42/43, statt. Der Gegenstand der Besprechung lautet: ..Nationaldeutsche jüdische Jugend und ihre Umwelt!" Wir bitten dringend um rege Beteiligung unserer Mitglieder und ihrer Kinder. Die Leitung hat Herr Zeimann übernommen. Neuanmeldungen kitten wir an die Geschäftsstelle des Verbandes zu richten. Jedem Kursusabend wohnt ein Hauptvorstandsmitglied bei. Fpngengrppp«. Wir bitten die Verbandsmitglieder dringend, ihre Jungen im Alter von.13—18 Jahren an den Wanderfahrten und Heimabenden unserer Jungenaruppe teil-' nehmen zu lassen. Meldungen nehmen der Führer. Herr stuck. meck. Reinhard Wolfs, Charlottenburg, Dernburgstrabe 46. oder die Geschäftsstelle gern entgegen. Ein Zusammenschlutz aller unserer Jugendgruppen einschlieblich des Rednerkurses ist in Aussicht genommen. ttfchtes. Reichrwirtschastsgerichtsrot Dr. Ernst Ioeraer f. Wiederum hat der Tod eine Lücke in die Reihen unserer christlichen Freunde gerissen. Dr. Ernst Joerges. den Besuchern unserer Sitzungen als ständiger Gast und wirksamer Redner bekannt, ist am 19. Mäy ganz plötzlich einem Herzschläge erlegen. Ein seltsam tragischer Hfall will es. dab seine Angehörigen in seiner Tasche eine Antwortkarte auf eine Einladung des Verbandes mr öffentlichen Versammlung am 24. Mürz fanden, in der er schrieb: „Ich komme bestimmt, wenn ich nicht vorher einen Herzklaps kriege." Das Schicksal hat Ernst gemacht aus dem Scherze des anscheinend kraftstrotzenden Mecklenburgers. In diesen Blättern, in denen er erst unlängst mit tiefgehendem Verständnis für unsere gute Sache geschrieben hat, seiner zu gedenken, ist uns eine Ehrenpflicht. Der Verband wird diesem echten deutschen Manne, her reiche» Wissen mit Schlichtheit und niemals verletzendem H»mor verband, ein treues Andenken bewahren. Frau Fraenkel-Eisner gedenkt feiner an. anderer Stelle dieser Nummer unter: „Vom anderen Ufer." | Zum Fall Man. Herr Sunitätsrat Dr. Peyser hatte dem Vorsitzenden des E. V. in wiederholtem Schriftwechsel mitgeteilt, dab er im Gegensatz zu dem Hauptvorstande des C. D. die Angelegenheit Man durch das Gutachten! von drei Herren, auf Heren Auswahl er keinen Einflub hatte und das von mabgebgnden Leuten als verfehlt angesehen wird, nicht für erledigt halte, und die Bitte ausgesprochen, im C. D- Blatt mitzuteilen, dab er seine Anschuldigungen aufrecht erhalte. bis ein unparteiisches Schiedsgericht oder ein ordentliches Gericht gesprochen habe. Diesem Ersuchen hat das C. V.-Blatt zwar nicht entsprochen, dagegen teilt es in der ihm eigenen vieldeutigen Stilistik eine erfreuliche l Tatsache mit, nämlich: „Herr vr. Man hat sich nun doch endlich entschlossen den Strafrichter anzurufen", worauf wir bekanntlich schon allzu lange warten. Hoffentlich kommt die bei dem Amtsgericht in Karlsruhe inzwischen erhobene Privatflage recht bald und gründlich zum Austrage, damit die Oeffentlichkeit restlos über den wahren Sachverlalt aufgeflärt wird. Bis dahin mag die Angelegenheit, auf die auch Herr Dr. Caro in der vorliegenden Rümmer in qnderem Zusammenhänge eingeht, für die Leser dieses Blattes ruhen. Wattun und wie man Versammlungen zu fprestgen per» sucht. Bei unserer öffentlichen Versammbmg am 24. März dieses Jahres erschien 'eine Anzahl von Reichsbannerleuten. Als ihr! Führer gebärdete sich ein Herr, der sich sowvhl durch Körperfülle als auch, durch selbstbewutztes Wesen au-zeichnete und gewichtig in der ersten Reihe, just gegenüber dem Redner-, pult, Platz nahm. Vor Beginn der Versammlung wurde er Herm Dr. Näumann vorgestellt, der ihm auf sein - Frage, ob der Verband nicht im Gegensatz zur „schwarz-rot-goldenen" eine „schwarz-weitz-rote" Einstellung habe, wahrheitsge näh antwortetc, dab der Verband zwar parteipolitisch nertral sei, aber bckanntermatzen Demokraten in grober Zahl und auch eine Anzahl Sozialdemokraten neben Volksparteilern gi seinen Mitgliedern zähle. Als mir zufällig der Name diests etwas auffälligen Herm genannt wurde, schöpfte ich sofo rt einen bestimmten Verdacht, denn es handelte sich um eiren mir zwar persönlich völlig unbekannten Herm, mit dem ich aber vor den Wahlen zum Landesverband in einem für ihn recht unliebsam auslaufenden Briefwechsel' gestanden hatte. Es war mir nämlich damals von angesehener Seite berichtet worden,, dieser Herr habe in einer vorbereitenden Versammlung erklärt, ich hätte in einer völkischen Versammlung gegen die Juden unter den „Novemberverbrechern" gesprochen. (??) Nun hatte ich niemals eine völkische Versammlung besucht, niemals diesen oder einen ähnlichen Ausdmck gebraucht und habe es natürlich nicht unterlassen, dieser Verleumdung sofort und energisch nachzugehen^ Telephonisch und brieflich zi r Rede! gestellt, leugnete der Herr und redete sich darauf ht aus, erj habe nicht behauptet, ich hätte in einer völflschen tV nfammlung gesprochen, sondem Völkische hätten sich auf e ne de^! artige Aeutzerung von mir berufen, was gleichfalls unwahr sein mutzte. Mein Gewährsmann erhielt seine ers e Mit-! teilung demgegenüber aufrecht. Ich begnügte mich ober zunächst und unter Vorbehalt mit der Erflämng, die Aeutzerung habe nur so gelautet, wie der Herr sie zugab. weil :r nämilich in Aussicht stellte, uns in bestimmter Fttst sein Material! zugänglich zu machen, falls er es nämlich fände. 'Run, er! hat es nicht gefunden-, und es bedurfte eines eingeschriebenen Briefes vom 12. Januar 1925. der an Deutlichkeit nichts! zu wünschen übrig Netz unh jederzeit veröffentlicht werden kann, um den Herrn zu weiteren Aeutzerungen zu veranlassen, die sich aber auf ein trauriges Hin- und Heneden besc»ränften und uns bewogen, uns nicht weiter mit einem solcher leichtfertigen Verbreiter unwahrer Nachrichten zu befassen. — Nun satz er — ein Jahr später — da. in voller Lebensbreite. und ich fragte mich nicht ohne Grund: „Wat wull de Kierl?" Richtig, schon reichte er während der D skussion einen Zettel ju uns hinauf mit einer Frage, die zu meiizrm Vortrag, den die Leser ja in dieser Numntzer finden, so ungefähr patzte wie die Faust aufs Auge: sie lautete rämlich: „Wie steht der Verband zur republikanischen Staat iform?" Das war ihm zwar nun schon von Herrn Dr. Nunnann vor der Versammlung mündlich und erschöpfend beailtwortet worden, aber der Zettel wurde trotzdem, in der Absicht, nach Schlutz der Diskussion die Frage im genannten Sinne Nar und unzweideutig zu beantworten, von dem Vorsitzerden bereit gelegt. Inzwischen aber schien der Herr zu ürcbtenJ dab seine wahren Absichten nicht schnell genug veiwirflicht werden könnten, denn trotz lebhaften Meinungsaw tausches verlief bisher alles geordnet: er benutzte irämlich eben von anderer Seite gestellten Schtuhantrag zur Anzweifli ng des Abftimmungsresultats. zu lärmender Geschäftsordnung« debatte, in der er brüllend das Wort ergriff, ohnees oon Vorsitzenden erhalten zu haben, scharte dann seine Freustde vor dem Podium um sich, um mit „Hoch, hoch, hoch!", . Rieder.

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