Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1926-05-01 · Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6682492-5438659-5438796--200-4871414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wieder darauf hingewiesen worden ist. dah der Verband die nationaldeutsche Gesinnung nicht für seine Mitglieder in Erbpacht genommen hat), wir wollen auch gern in gewissen jüdischen Organisationen mit Zionisten Zusammenarbeiten, aber nicht in einem Verein, dsten Satzungen unbeirrt« Pflege deutscher Gesinnung verlangen. Es ist unbegreiflich, dah der C. B. es ablehnt, die Frage zu beantworten. ob es wahr ist, was eines seiner eigenen Hauptvorstandsmitglieder (nicht etwa Hen vr. Naumann. wie es immer dargestellt wird) behauptet, dah der C. V. Hunderte von Zionisten zu Mitgliedern hat. darunter solche in führender! Stellung. Es ist unverständlich, wenn der l. Vorsitzend« des L. V. aufs entschiedenste Stellung nimmt gegen did Beteiligung am Keren hajessod. wenn die C. V»-Zeitung aus dem zionistischen Handbuch über den Keren hajessod beweist^ dah dieser „die Basis aller zionistischen Finanzierung" ist. wenn Herr Cohn, Dessau auf der o»,**»,*a*t4**,‘» »I», wvim vw»; mit vci „Kinc oeurcyuiiu, u/ic uic ua ^tuuuiiuiuei Hauptversammlung erklärt, auch er habe^. Juden, den Zionismus zerschmettere". — Die Schlubsatze gt, dah mit dem Keren hajessod doch die meinem Gedächtnis verblieben, lauteten: „2m Ch nationaljüdische Ziele verfolgt werden, und wenn trotzdem Herr Cohn-Dessau seine Unterschrift unter dem Aufruf für den Keren hajessod nicht chrückzieht und gleichwohl, ebenso wie verschiedene andere Unterzeichner des Aufrufs. Mitglied des Hauptvorstandes des T V. bleibt, und wenn endlich un Antrag Frank lauf der! Hauptversammlung) gegen das Eintreten führender Persönlichkeiten im C. V. für den Keren hajessod aus taktischen Gründen zurückgezogen werden niuhte und nur ein Antrag milderer Tonart gegen den Keren hajessod — allerdings mit übrrwiegender Majorität — Annahme finden konnte. Geradezu grotesk mutete es den Schreiber dieser Zeilen an, dah es selbst im Vorstand des Landesverbands Grob-Berlin 1926 nicht möglich war. eine Entschliehung durchzubringen,; weil in ihr die Billigung der vom Hauptvorstand für die Landesverbandswahlen 1925 ausgegebenen antizionistischen Wahlparole den Kernpunkt des Vertrauensvotums für den Hauptvorstand bildete. Ich bin ebenso wie die führenden Männer im V. n. d. 2. davon überzeugt, dah die wirklich leitendien Männer des C. V. genau so nätionaldeutsch gesinnt sind wie wir. aber aus Vereinspolitik wagen sie es nicht, ihre andersgesinnten Mitglieder vor den Kopf zu stoben, um sie nicht zu verlieren, obwohl gerade die fehlende Gleichartigkeit der Gesinnung der Vereinsmitglieder die Stohkraft nach auhen (hei der Bekämpfung des Antisemitismus) aufs schwerste gefährden muh. Weniger Mttglieder wäre mehr. Solange Taktik und Leisetreterei verhindern. dah die im 2anuar 1925 eingeschlagene Politik des C. V. gradlinig fortgesetzt wird, solange Männer wie Cohn- Dessau. Förder, Eoldmann im Hauptvorstand sitzen, solange die Frage betreffs Zionisten in führenden Stellungen nicht eindeutig beantwortet wird, sollte es für einen nationaldeutsch empfindenden 2uden unmöglich sein, in irgendwelchen Grennen des C. V.s aktiv mitzuarbeiten. Sobald aber der C. V. wirklich ein Verband nationaldeutscher 2uden sein wird, der e r eigentlich zu sein berufen war, werden wir keinen Grund mehr haben, unseren Sonderoerband aufrecht zu erhalten und werden unsere Kräfte wieder der Arbeit des C. V.s widmen können. Herr Dr, irdisch Leb me vom anderen Ufer. Ernst 2 oerges weilt nicht mehr unter den en. Der Verband der nationaldeutschen 2uden verliebt in ihm einen Freund, dessen Mithilfe über ein blohes 2ntereste am Verbände weit hinausging durch dieses Mannes Hochherzige und weitschauend« Art, Menschen und Dinge zu betrachten. — 2ch glaube ihn nicht besser ehren, zu können, jetzt, da er nicht mehr unter uns ist, als durch Rückerinnerung an seine Freundeshilfe, durch Wiedergabe von Aeuherungen, deren fast nüchterne Prägnanz bewirkten, dah sie mir im Gedächtnis haften blieben. Sätze, die sich nun aneinanderreihen und zum Bilde formen wollen. — Es war seine Art?-Tatsachen mit dem selbständigen Geiste des Forschers unbestechlich ty» durchdringen, zu utnfaffen, bis sich ihm der Tatbestand in scharf umrissenen Worten befestigte. Aber mehr als der^Aurift war es der Mensch, der Zusammenhänge begrifflich/zu estigen suchte, um — mit den Mitteln eines universellen 2 Dissens — Welt und Menschen von allen Seiten her immer wieder zu erleben und zu lieben. So nannte Dr. 2oerg/s wiederholt den Verband nationaldeutscher 2uden: „Die/einzig richtige Konsequenz." Und jene Sätze, die sich mir zum Bilde rundeten und die einem Referate entstammen, das er am 4. November 1925 an einem der Verbandstage hielt, bestätigen, erweitern, unterstreichen diese seine ständige Rede von der „einzig richtigen Konsequeiy . die im Verband« nationaldeutscher 2uden zum Ausdruck kommt. Wenn nun diese Sätze, dem Vergessen entrissen, vor uiw stehen, so mögen sie. dem Sinne des Verstorbenen entsprechend, ohne Kommentar durch sich selber sprechen, aber für unser Bewuhtsein, dem Scheinwerfer gleich. Weg und Ziel unserer Bestrebungen rundum belichten. 2rnes Referat enthielt die historische Betrachtung des Deutschen und Christen, der die Entwicklung des 2udentums an Vergangenheit und Zükunft studiert hat. um „unter Berücksichtigung allgemeiner Ent Wicklungsgesetze Zukunftsmöglichkeiten zu ermessen". Der Redner entwickelte diese Zukunftsmöglichkeiten, wöbe ihm. wie so oft, 2ntuition einen durchdringenden Weitblick gab» und sagte: „Vielleicht wird in einigen 2ahrtausendeu ein Mittelding zwischen alttestamentlichen 2uden und Deutschen sein — wenn es dann noch 2uden gibt." — „Die Zipnisten fühlten die starke ziffermnähige Abnahme der 2uden in den nächsten 2ahrhunderten, was aus ihrer Ueberbetonung des völkischen 2udentumr hervorginge." — „Die Zionisten", so sagte Dr. 2oerges, „greifen nach dem letzten jüdischvölkischen Halt." Die Tatsache der Emanzipation wa' dem Redner ein Ereignis, und aus ihm las er die „Wucht" ab, mit der „eine Bewegung, wie die der Rationaldegtschen aber. Christentum ist zurzeit eine starke Sehnsucht ngch Regeneration" und: „Die Nationaldeutschen 2uden, wollen die Ewigkeitswer e des 2uden retten" . . . „dieses sei ihre intensive Bejah»» g des 2udentums." (!) 1— ri. Aehnlich wie grohe Geister aller Seiten in einzelnen Aussprüchen bei der Nachwelt fortleben, so scheint hi r ein Freund der Nationaldeutschen 2uden in dem Wah heitskern fortzuleben^ den obige Worte betgen. Mir scheint erner, dah in dem Mähe wie wir diese Worte im Herzen bew ihren, sie uns helfen, die Gegenwartsaufgaben weittragend zi vertiefen. Denn es ist, als wollte Freund 2oerges - gleichsam zum zweiten Male, nun erst recht, nun erst für immer; unter uns sein als „Stimme vom anderen Ufer". Charlotte Fraenkcl-Eis n er. Verbaudsnachrichlen. Wechsel im Verbandsvorsitz. Herr Dr. Naumastn hat wegen angegriffener Gesundheit und beruflicher Ueberlastung den Vorsitz des Verbandes niedergelegt und als seine > Nachfolger den bisherigen 2., stellvertretenden Vorstzenden. Sanitätsrat Dr. Alfred P e y s e r. empfohlen. Desse > Wahl zum Vorsitzenden ist in der Vorstandssitzung vom D. April dieses 2ahr«s erfolgt. Eine besondere Ehrung für unseren verdienstvollen Begründer," dessen Mitarbeit dem verbände dadurch erhalten werden soll, dah Herr Dr. Naumann ständig Sitz und Stimme im engeren Vorstand behält, wird vorbereitet. Die dahingehenden Anträge an die Hauptversammlung sind — davon sind wir überzeugt — der f eudigen Zustimmung aller Verbandsmilglieder sicher. , Oeffentliche Versammlung vom 24. März 192k. Vor-! trag Sanitätsrat Dr. Peyser: . L i e Flucht ais dem, Deutschtum, eine deutsch« Gefahr." Tie Versammlung war äuherst stark besucht. Ueber 700 ilersoneir befanden sich im Saat, einige hundert muhten wegei lleberfüllung umkehren. Den frei gehaltenen Vortrag findr n unsere Leser auf Seite 2 dieser Nummer in nachträgl« »er Bearbeitung. An der Aussprache beteiligte sich zunä< >st Herr Rechtsanwalt Dr. E ronemänn, der zum Erstai nen der Versammlung, nachdem er Herm Dr. Naumann kur» vorher in der Art beschimpft hatte, wie dies, der Vortrag des Abends bei der Schilderung zionistischer Kampfesmethoden geihelt, denselben Herm Dr. Naumann persönlich seines allergröhten Respektes versicherte. Dem Vortrage gegenüber legte er den bekannten zionistischen Standpunkt dar, nach dem alles, was nicht jüdisch-national ist, sich gewissermaßen versteckt, sozusagen eine Maske vominntrt. Was »er Vortragende unter „Pseudo-Zionismus" verstehe, habe! er nicht begriffen. Es gebe nur «in 2udentum, einen Zionismus, dieser sei die Bewegung der 2ungen, während veraltete Ansichten. wie die astimilatorischen. als asthmatisch zu bezeichnen seien: Asthma aber sei keine Weltanschauung. Herr!de Laporte, ein christlicher Besucher, erwies sich als stark be-, fangen in Rastentheorien. Er fand Widerspruch, am er mit ' dem ihm anscheinend selbstverständlichen Begriff ,.Gastvolk" Operierte, aber Beifall, als er in den Menschheitsideen eines Lazams die Brücke fah, die Christen und 2uden! auch in Deutschland zueinander führen müsse. Herr, Rechtsanwalt Dr. Älankenfeld forderte ein Eingreifen des i Staates dem Zionismus gegenüber, Herr Rolf Meyer, den ängab, früher in der völkischen 2ugendbeweaung gestanden tu haben, verwahrte sich dagegen, dah das Wort „deutschvölnsch" von 2uden geradezu im beleidigenden Sinne verwandt werbe, und schlug vor, wenn der Jude fordere, dah man ihn kennen leme, dann möge er sich auch bemühen, die wertvollen Elemente unter den Deutschvölkischen verstehen zu lernen. Seine! Ansicht, dah es möglich sein müsse, sich beiderseits ist gemeinsamer Versammlung nutzbringend auszusprechen, wurde aus der Versammlung heraus stark bezweifelt. Herr G l a s e r lZionist), der die Ausführungen des Vorredners als .Puber-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.