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Der nationaldeutsche Jude · 1926-05-01 · Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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wurde.) Ungeheure ischwicrigkeltcil iuacht auch die Atbcilerfrage. Die Arbeitslosigkeit ist groß, und Möglichkeiten, sie dauernd zu beheben, sehen auch die maßgebenden zionistischen Stellen nicht. (Redner verliest Zitate aus zionistischen Zeitungen.) Die juygen Menschen, die in Deutschland für den Zionismus eingefangen werden, lockt man gewöhnlich mit der Aussicht auf Betätigung in der Landwirtschaft, auf fröhliche, tö cherliche Arbeit auf eigener Scholle. Die Wirklichkeit sieht ,>anz andeis auS. Von der deutschen zionistischen Jugend-Organisation „Blau-weist" arbeiteten nach einem Bericht der „Jüdischen Rundschau" vor wenigen Monaten ganze 30 Menschen in der Landwirtschaft. Die anderen muhten, soweit sie überhaupt Arbeit hatten, sogenannte schwarze Arbeit tun, Strastenbau, teilweise in entwürdigendster Abhängigkeit von englischen Aufsehern. allenfalls^ soweit nicht arabische Arbeitskräfte vorgezogen wurden, Bauarbeiten in der widerwärtigen Schieberstadt T e l Aviv, dem „Potemkinscheis Herjngsdorf", wie cs der Zionist H o l i t s ch e r genannt hat. Herr l)r. Bloch hat die Zahl der heute in Palästina lebenden Juden auf etwa 160 000 Menschen angegeben. Diese Angabe ist nach den mir zugänglichen Berichten zu hoch. Es sollen nur etwa 140 000 sein. Aber mag nun die eine oder die andere Zahl richtig sein, von diesen 140000 oder selbst 160 000 Juden leben 42 000 in Tel Aviv als Krämer, kleinbürgerliche Gewerbetreibende und Duodez-Unternehmer, ein anderer erheblicher Teil ist froh, wenn er schwarze Arbeit findet, ein anderer Teil ist arbeitslos, rin Teil entfällt auf den sehr umfangreichen Apparat der zionistischen Organisation, und nur der bescheidene Rest arbeitet aus dem Lande. Die Leistungen, die diese Landarbeiter vollbracht haben, sind unvergängliche Heldentaten. Sie haben ans den Sümpfen des Emek Jesreel unter Aufopferung ihrer Gesundheit und zum Teil ihres Lebens eine Reihe von fieberfreien, meist blühenden Siedelungen geschaffen. Aber sehen Sie sich die von Herrn vr. Bloch selbst mitgebrachte Karte an. Die alten Siedelungen, die bis 1922 entstanden sind, erscheinen dort anders gefärbt, als das zwischen 1922 und 1925 erworbene Land. Die Karte zeigt deutlich, dah dieses in den letzten Jahren erworben» Gebiet seht gering ist gegenüber dem früher erworbenen. Die Lösung ist, dast die Araber sich gegen die zionistische Einwanderung zusammengeschlossen haben und dah der Landkauf ins Stocken, fast schon zum Stillstand gekommen ist. Nur gelegentlich sind von irgendeinem verschuldeten Bey „hinten herum" noch ein paar Dunam zu kauft«. Und alles Land, das in den letzten Jahren erworben ist. liegt im Emek, in der früher für unkullivserbar gehaltenen Malariagegend. Diese Sümpfe zum Kulturland umzuschaffen, waren die Juden, war die Jugend, die man aus Europa dorthin gelockt hat, gut genug. Mit der letzten Anopheles-Mücke, die ausgerottet wird, dürste auch der letzte Jude nach Palästina gekommen sein. Die Araber werden ihren Einfluß und England wird seine Macht zur Sperrung der Einwanderling zu brauchen wiffe». Palästina wird, mögen auch die optimistischsten Schätzungen sich erfüllen, niemals eine nationale Heimstätte der Juden sfin. Es wird stets nur einen geringen Bruchteil der schätznngswssise 15 Millionen Juden der WelÜ von denen mehr als ein Zehntel allein in New Aort lebt, ausjnehmen können und, solange England an der Herrschaft ist. aufnehmen wollen. Damit kommen wir zu dem. waS für uns deutschfühlende Juden das eigentliche Patästina-Problem ist. Für uns selbst ist dieses Problem keine Vaterlands-, nicht einmal eine Aufenthaltsfroge. Wir würden nicht nach Palästina auswandern, auch wen« dieses Land ein Paradies auf Erden wäre. Deutschland mit allem, ivas an ihm mangelhaft sein mag. ist unsere Heimat und f o l l .es b l e i b en. , Aber für andere Juden mag der Fall nicht so klar liegen, und hier wird die zionististische Agitation zur Gefahr. Der Zionismus will alle Juden der Welt geistig nach Palästina orientieren, aüch diejenigen, die bei bestem Willen niemals Aussicht hätten, dorthin zu gelangen.' Das bedeutet Entfremdung gegenüber den Völkem, in denen und mit denen .heute die Juden leben. Ein anderer sogenannter Zionist, der Sozius des vorher erwähnten Berliner Rechtsanwalts, hat vor wenigen Tagen nach dem Bericht eines zionistischen Korrespondenzbüros wörtlich gesagt: „Können auch nicht alle Juden aus dem 15 Millionen-Volke in Palästina leben, so ist es doch ihre Aufgabe, durch geistige und seelische Verbindung mit Palästina eine Diaspora des Lebens zu schassen. Dies ist auch die Aufgabe der deutschen Juden und der deutschen jüdischen Gemeinde." Der Leiter der Zionistischen Bereinigung für Deutschland hat davon gesprochen, dast die Juden in Palästina sich in dieasiatische Welt ein ordnen mühten. Aqhiiliche Worte, teilweise in noch viel schärferer Form, sind von änderen Zionisten gefallen. Diese Aussprüche, im Zusammenhang betrachtet. zeigen unS, rbohin die Reise geht. Sie führt Nicht in das gelobte Land, das Nur einem winzigen Bruchteil der Iudenheit erreichbar fein wird, .aber sie führt in die geistige und seelische Entfremdung.!in die Vertiefung der Gegensätze zwischen den Juden und den Völkem der Länder, die man auf zionistisch „Galuth", die Fremde nennt, sie führt dazu, dah diese sogenanntsn Galuth-Völker systematisch dazu getrieben werden, den Juden, und zwar schließlich jeden Inden, als Fremdkörper rsnd damit als Feind zu betrachten, sie führt in letzter Linie zurück ins G h e t t o. . * " ' Wir deutschfühlenden Juden haben nicht nur dar Recht, wir haben die Pflicht gegen uns selbst, gegen unsere Kinder und gegen unsere nichtjüdischen Volksgenoffen, diese Entm ckelung zu verhindern. Wir köitnen und wollen niemandem ein Hi idernis in den Weg legen, der aus seinem tiefsten Gefühl her ms zu einem jüdischen Volke strebt und dieses Gefühl auswirkt, indem er selbst nach Palästina geht oder, soweit ihm dies nicht nöglich ist, sich als Fremder unter Fremden taktvoll zurückhält. Aber wir wehren uns mit gsöhter Energie gegen diejenigen Z: misten, mögen sie nun echte Zionisten oder wie unsere zionistischen Rechtsanwälte, Regierungsräte usw. im Gmnde verkappte Zwischenschkchtler sein, die daran arbeiten, unsere deutsche Jugend jüdischer Abstammung gewaltsam aus der deutschen Heil laterde zu entwurzeln und durch das Trugbild eines jüdischen Palästina in die geistige und seelische Fremde zu locken. Wir haben nichts gegen den Palästina-Aufbau, wenn er von wirklich überzeugten Zionisten auf eigenes Risiko, mit eigener Kraft, und auch mit eigenem Gelbe geleistet wird. Wir bedauern die Selbsttäuschung dieser persönlich bewundernswerten Idealisten, aber wir laffen sie chren Weg gehen, .wie sie uns den unsrigen, den deutschen Weg gehen taffen mögen. Was wir 4» ekämpfein, ist nicht der Palästina - Auf bau, sondern der P.a l ä sl i n a - R u in »i e l und der Palästina- Schwindel. In diesem Kampfe werden wir uns durch keine Verkennung und Verketzerung irremachen laffen. Eduard Meters „Eindrücke von Palästina". Von Friedrich v. O p p e l n - B r o n i k o w s ki. Ein Vortrag über . Palästina von einem Manie von der.geistigen Fülle. Tiefe und Weite. Eduard Meyers, der selbst grundlegende Werke über die altjüdische Geschichte geschrieben hat. ist zweifellos ein Ereignis. Der ^Savl des Logcnhaüses in der Kleiststrabe, wo er gehalten würbe, war denn auch überfüllt. Es mag vielleicht befremden, dah er im Kreise der Zionistischen Vereinigung stattfandj denn gerade Eduard Meyer, ein konservativer Mann, hat sich in seinem „Ursprung des Christentums" (Bd. III, 127) ziemlich scharf über „.die eigenartige Doppelstellur g der lüdischen Gemeinden, halb als Volksgenossen, halb als Fremde", ausgesprochen und hinzugefügt: „Die voll! Konsequenz ldieser Doppelstellung) zieht heute der Zionismus". Jedenfalls aber konnte man bei dieser Grundein tellung Meyers auf unvoreingenommene „Eindrücke von Pa ästina' rechnen, die dadurch umso entscheidender sein mußte ,. Besonders wertvoll war leine geographisch-geschichtliche Nethode, die objektive Mahstäbe lieferte. Eine breite, fruchtbare Küstenebene, so führte l r aus, dehnt sich von Tyrus bis Gaza. Gleichlaufend mit ilir zieht Jich die tiefe und breite Iordcmspalte (mit dem fruc>tbaren Becken des Sees Genezareth) bis zum Toten Meere. Diese wasserreiche Niederung hat aber für Palästina nie bii Roll« gespielt, wie das Niltal für Aegypten: heute ist sie (bis , ------ „ - -- auf die Oase von Jericho) fast verödet. Zwischen Niederungen erhebt sich das Gebirge von Iuda und Ephraim mit seinem bis zur Küste streifenden Auslaufes, dem Karmel, den die Ebene Jesreel von dem galiläischen > Hügel fand abtrennt. Auch hier (in Jesreel und Galiläa) iw fruchtbares Ackerland. Ebenso bilden die Südabhänge des Gebirges von Juda nur scheinbar eine steinige Wüste: bei Regenfällen im Frühjahr (eswa alle 3 Jahre) liefern sie ergkbigo Ernten. Das Gebirge selbst dagegen ist eine zerklüftet« Wüstenei. E. Meyer verglich es mit dem Thüringer Wald — ohne Bäume. Wie in vielen südlichen Ländern ist dank der planlosen Waldabholzung und der „Freizügigkeit" der (Ziegen, die den jungen Nachwuchs zerstören, jede Humusschi ht von den Regengüffen längst sortgeschwemmt, und es wir » lang-

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