Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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aussetzung für eine wirklich politische Aktion war bei vr. Herzl das- Volksbekenntnis, und sein jüdisches Erlebnis drängte sich zusammen in den Satz: Wir sind ein Volk, ein V-olk, ein Volk! Auf diese Grunderkenntnis gestützt, schuf er das Instrument für den Eintritt in die politische Welt: die zionistische Organisation. Eine eigene jüdische Politik, das war der Grundgedanke, und der Zweck wurde niedergelegt auf dem ersten Zionistenkongreß in Basel durch daS zionistische Programm-: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Diese Gedanken sind die Grundlage der moralischen Judennot. Heraus aus dem Ghetto und heraus aus der unwürdigen demoralisierenden Judenlage und Selbstbesinnung auf das eigene Sein'und den eigenen Wert. Die Materielle Judennot trieb zu einer Lösung dieser Frage, vr. Herzl sah weitsichtig voraus, daß sich die Tore für 'eine jüdische Einwanderung eines Tages in allen Ländern schließen müßten, solange es kein Land gebe, in das Juden als Juden einwandern können. (Das Problem der jüdischen Wanderungen.) Die jüdische Welt in Westeuropa empörte sich gegen diese Erkenntnisse und nannte die Zionisten Utopisten und Phantasten. Ein erbitterter Kampf setzte um den Zionismus ein, und unsere Kraft lag nur darin, Erkenntnisse über die Judennot zu vermitteln. Bis zum Kriege und bis in den Krieg hinxin war Palästina für d^ie Zionisten eine Idee und ein zu verwirklichendes Ideal, für me Gegner eine Utopie, eine Phantasie und eine Gefahr. Nach dem Jahre 1017 wurde Palästina eine jüdische Realität, und in die Probleme dieses realen Palästina will ich Sie in folgendem einführen. Die politische Entwicklung des jüdischen Palästina ist gekennzeichnet durch die Balfour-Deklaration von 1017, durch die Alliierten-Konferenz von 1913 und durch die Völkerbunds- Ratssitzung von 1922, in der das Palästina-Mandat für England ratisiziert wurde. In dem Bericht des ersten High-Commissionar von Palästina, Sir Herbert Samuel, an die englische Regierung, ist das allgemeine Material über seine fünfjährige Amtszeit enthalten. Von Wichtigkeit für das Kennenlernen der politischen Entwicklung sind ferner die Völkerbundsralssitzungen der Mandats-Kommission in Genf während der 5. und 7. Session. England hat ein Interesse daran, daß Palästina aufgebaut wird. Das Interesse der Juden geht, in dieser Beziehung Hand in Hand mit dem Interesse Englands. Tie politische Lage in Palästina ist ruhig und geordnet, überhaupt wenn man die umliegenden Länder des vorderen Orients zum Vergleiche heranzieht. Tie arabische Frage spielt in der jüdischen Politik in Palästina eine wichtige Rolle. Dabei sei sogleich betont, daß sie weit mehr eine politische Frage ist, als eine Frage des Zusammenlebens von Juden und Arabern in Palästina. Von einer pan-asiatischen oder pan-mohamedanischen Bewegung kann keine Rede sein! Seit der Zerstörung des arabischen Staatenbundes, den der Khalif Hussein zu bilden unternahm, ist die arabische Welt desorganisiert und zersplittert, und die einzelnen arabischen Stämme werden getrennte Entwicklungen nehmen. Als Mac-Donald in England ,Premierminister war. wurde Hussein nach Cypern verbannt, und die arabischen Stämme unter Emir Abdallah oder Jbn Saud oder die Drusen werden schon aus national-ökonomischen Gründen andere Entwicklungen nehmen müssen, wie z. B. die Araber Palästinas. Bei dem täglichen Aufbauwerk der Juden werden die palästinensischen Araber immer freundlicher und die antijüdische und antizionistische Hetz-Propaganda verliert immer mehr an Boden. Das zionistische Kolonisationswerk stellt im Gegensatz zu einer Eroberungs- und Nutzungs-Kolonisation eine Siedlungskolonisation dar, in dem der Versuch gemacht wird, nicht nur das Land auszunutzen und die Eingeborenen auszubeuten, sondern jüdische Menschen an^ »siedeln. Aus diesem Grunde spielt die landwirtschaftliche Kolonisation eine besondere Rolle im Rahmen der Beste )lung Palästinas, (vr. Arthur Ruppin: Die landwirtschaftliche ^Kolonisation der Zionistischen Organisation in Palästina. Verlag her Aufbau 1925.) Das Mandatsland Palästina uiyfatzt Land, wovon über 1 Million Dunam i erheblicher Prozentsatzves Landes stell bauendes Gebirgsland. Von dem in ai Lande gehören über 66 Größ-Gru»..,.--— diesem Land noch außerordentlich viel Brachland vorhanden ist. Dem Jüdischen Nationalfonds, 1902 als Spendenfonds der Zionistischen Organisation zwecks nationalen Bodenerwerbs in Palästina gegründet, gehöret» 250(00 Dunam Land, die in Erbpacht an jüdische Siedler gegeben sind. Der andere größere 28 Millionen Dunam : jüdischen Hände» ist. Ein : Wüste dar und nicht zu beibischen Händen befindlichen iidbesitzern, so daß auch von Teil jüdischen Landes gehört der JCA, der Rest privates oder einzelnen jüdischen Gesellschaften. Nach der BevölkerungSzählung auS dem Jahr 1922 gab es zirka 500 000 Mohamedaner, zirka 100 000 Juden, zirka 74 000 Christen und! 9 500 kleinere Gemeinschaften. > Die jüdische Einwanderung betrug 1919 2 605 Menschen. 1924 17 872 Menschen, und sie betrug bereits vom 1. Januar bis 30. Juni 1925 1833$ Menschen. Bon dieser Zeit an können wir mit einer monatlichen Einwanderungvor, zirka 3000 Juden nach Palästina rechnen, eine Zahl, die im Monat März zurückgegangen, ist auf 2100. Nehmen wir eins fünfprozentige Rückwanderung auS Palästina au — bei jeder Ueberseewjqnderung rechnet man mit 15 prozentigeri Rückwanderung! — und schätzen wir die Zahl der Juden nach dein Kriege in Palästina aüf 95 000. so leben etwa heute 160 000 Juden in Palästina. Mit dem Wachsen der jüdischen Siedlung in Palästina wächst auch die Absorbtionsfähigkeit für eine größere Immigration, And so darf man wohl mst einer jüdischen Einmandening für das nächste Jahr von 40 000 Juden vechnen. Dennoch muß die Einmandening nach den Aufbau-Möglichkeiten und Eristenzmöglichkeiten der Einwandemden geregelt werden. Palästina ist ein Aufbauland und kann nicht ein Nachtasyl für obdachlose Juden darstellen. Wir brauchen vorb rreitete Menschen, die in produktiven Bemfen ausgebildet, das Land in des Wortes echter Bedeutung erobem wollen. J 1 Die landwirtschaftliche Kolonisation konzentriert sich im wesentlichen auf drei! Gebiete: 1. die jüdischen Kolonien um Jaffa herum, die faftj ausschließlich Pflanzungskolonie » darstellen, 2. die 'jüdischen Siedlungen in Schomron, wl heute besonders die JKA kolonisiert, und 3. die jüdische Kolonisation im Emek Jesreel und in Galliel. (An Hand einer Palästina- Karte werden nähere Exläuterungen über die landwirtschaftlichen Kolonien gegeben.) 35)efonberS zu betonen blinbt noch, daß es gelungen ist. den Typus des jüdischen Bauern zu schaffen, der in Palästina eine gaisiz neue Gestalt jüdischen Lebens wird. Junge Juden haben den Kampf mit Steinen. Wüste und Malaria ausgenommen und -haben aus einem Nichts durch Arbeit blühende Gärten geschaffen. (Wegen der landwirtschaftlichen Möglichkeiten überhaupt wird auf daS Gutachten von Professor Mead verwiesen, abgedruckt bei vr. Ruppin a.,a. O.) Die städtische Kolenisation konzentriert sich heute im vesentlichcn auf Tel-Aviv, Haifa und Jerusalem. T e l - A v i a stellt trotz vieler, nicht zuletzt! ästethischer Mängel, eine jüdische l eistung ersten Ranges da. Die Stadt zählt heute zirka 450(0 Einwohner und ist vom Straßenfeger, Droschkenkutscher b s zum ersten Bürgermeister jüdisch und — hebräisch! Damit ei r Wort über die Bedeutung dtzs Hebräischen. In Palästina ist h:bräisch die nationale lebendige Sprache. Es gibt ein-hebräisches Schubwerk, eine hebräische Presse und eine hebräische Litera ur. — Haifa wird eine^Ztzkunft haben durch seine günstige Lage. Dort wixd der Hafen) gebaut werden und eö wird H »ndels- Umschlagsplay sein zwischen der europäischen Welt und Transjordanien und Mofful! (Petroleum). j! Um Ihnen einen Keinen Begriff von der xn d u st r i e l l e n Arbeit und der st ä d i i s ch e n A r b e i t e r sich a f t zu geben, seien die wichtigsten Fabriken genannt und! die Organisation der jüdischen „Baugilde* Solei-Boneh. Die Zemeutfabrik Nescher bei Haifa hat bin Aktienkapital von 300000 L »nd beschäftigt aber 300 Arbeiter. Die Oelfabrik Schemen be Haifa hat ein Aktienkapital vön 250000 L und beschäftigt 230 Arbeiter. Die Ziegelbrennerei Silikat bei Tel-Aviv hat.ein Aktie» kapital von 100 000 L und beschäftigt 120 Arbeiter. 4- Der „Solei- Boneh" hat seit seinem Entstehen bis zum September 1925 Aufträge von über 1 Million Pfund ausgeführt und des häfligt monatlich über 2000 Arbeiter. Die Einnahmen hcs Palästina -Aufbau-Funds,. Keren Hajessodj die ausschließlich dem Kolonis»tionswerk in Palästina dienen, betrugen bis zum 31. Mär; 1926 2 266 876 L. Sie Healität eine Welt Boden achtem 1» Clltingen. <;ft Das ist in Kürzö eine Darstellung über Palästim sollen aus der Darleg mg entnehmen, daß Zionismus ' geworden ist. Daß Inden mit Einsatz ihrer ganzen Kn jüdische Zukunft, bauen und daß wir vor der gesamtes» uns daran machen, e ne eigene Leistung auf eigenem zu schaffen. Mit Liebe und dennoch, wie ich glaube, n habe ich mich bemühi, vor Ihnen die Palästinafrage rollen. Daß Juden j,trotz allem" diese Leistung vollbsri ist die große Hoffnung, die ich in die Judenheit setze. l k