Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 5/6 (Mai/Juni 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Unleugbar 4ft, daß die sogenannte Judenfrage wie ein AU, auf Deutschland lasier. Sie' fälscht die mnerpolitischen Verhältnisse, sie diskreditiert außenpolitisch. Von dem, was 1 Juden als Einzelpersonen zu leiden haben, wollen wir heute schweigen, vielmehr nur vom Wohle unseres deutschen Vaterlandes sprechen. Wem dies am Herzen liegt, der mutz an der allmählichen Lösung des Problems Mitarbeiten. Diese kann der völkische Antisemitismus ebensowenig bringen wie der völkische Zionismus, oder glaubt jemand, daß Austreibung, Stellung unter Fremdenrecht, auch wenn sic möglich wären, Deutschland zum Heil dienen würden? Glaubt jemand, daß die Aufforderung zur freiwilligen Auswanderung, auch wenn Palästina den überwiegenden Teil der Juden aufzunehmen imstande wäre, auf Gegenliebe stoßen würde? Ein Judenstaat in Palästina von nennenswerter Bedeutung müßte sich orientalisch einstellen und mehr nach der asiatischen als nach der europäischen Seite tendieren. Gewisse Kreise leugnen das, weil es ihnen unangenehm ist, und neuerdings helfen sie. sich zdamit, diese .Ganzen" im Gegensatz zu uns „'Halben", daß Pqlästina eine Art-— „Welt-Schweiz" bilden würde, also: „wtder — noch" oder „von beiden etwas", was uns jüdischen Deutschen bekanntlich nachgesagt wird und nicht gestattet ist. Aber wie dem auch sei: eine verbleibende nationale Minderheit in Deutschland wäre in jedem Falle ein fühlbarer Pfahl im Fleisch, weilihre Orientierung nach einem außerhalb Europas gelegenen Mutterlande allmählich unvermeidbar würde. Tie Stimmen, die auf einen künftigen Kampf gelb gegen weiß als Zukunftsproblem Hinweisen. haben volles Recht auf Beachtung. Wie stellt man sich in Deutschland eine etwaige künftige Lage vor, wenn Bruchteile der Bevölkerung vorhanden wären, di« in solchem Kampfe nicht unbedingt zuverlässig wären? Nein, Deutschland wird -'ein'übier Dienst erwiesen, wenn man seine jüdische Bevölkerung verantwortungslos auf einen Weg zu locken versucht, der diesem auch nur entfernt ähnlich ist. Darum liegt Kampf gegen den ' agitatorischen Zionismus im deutschen Interesse. . Nur ein Mittel bleibt: ruhige, ernste, wohlwollende Verständigungc-arbeit. Michel nennt das Wort Asfiiyilation ein „blechernes", erbärmliches, und er hat recht. Es geht um das „Mitschwingen in den Takten des großen deutschen Geschehens." Wer Uns auf dem Wege dahin aufzuhalten sucht, der ist nicht allein unser Gegner, er versündigt sich auch am Wohle Deutschlands. Schuleindrücke sind lebensentscheidend. Ebenso schlimm wie der antisemitische Lehrer, der die Kinder schon im harten Alter verbittert, ist der zionistische Agitator, der sie in seine Kümpie hincinzerrt und in Verwirrung stürzt. Das zielbewußte Verhalten des Einzelnen ist hier so wichtig wie hie durchdachte organisierte Arbeit. Was die letztere betrifft, so haben große jüdische Organisationen zwar manches geleistet, es aber gerade in Bezug auf die Erkenntnis der Gefährlichkeit des Zionismus für die Berständigungsarbeit. lange . an der nötigen Entschiedenheit fehlen laffdn. , Auch wit der Haltung des Eentralvereins können wir uns so lange nicht einverstanden erklären, bis nicht eine entschiedene innere Säuberung von Elementen erfolgt, die mit dem Zionismus zu paktieren geneigt sind. Papierene Entschlüsie nutzen hier nichts, wenn man, dem einzelnen gegenüber dann doch ein Auge zudrückt. Unsere Entschiedenheit in dieser und in manch anderer Beziehung hat dem Verbände nationaldeutscher Juden bekanntlich erbitterte Feindschaft eingetragen. Das kann uns aber nicht abhalten, unsern Weg unbeirrt weiterzugehen. Achtung vor jeder Weltanschauung, so auch vor der zionistischen, ist selbstverständlich, aber jede restlose Hingabe an eine Idee erfordert nun doch einmal den ganzen Menschen, und so rufen wir den Zionisttn zu: geben Sie dein Zionismus Ihren ganzen , Menschen und lasten Sie deutsche Tinge von solchen besorgen, die sich deutschen Dingen restlos hingeben wollen. Das systematische Hinein tragen der zionistischen Agitation in die Familien jüdischer Deutscher ist anmaßend diesen gegenüber, zugleich aber auch rin Angriff auf das Wohl des deutschen Vaterlandes. Alle drutsch eingestellten jüdischen Organisationen müssen solchem Treiben schonungslos entgegentreten. Und nun die Einzelpersonen. Jeder von uns kann in seinem Kreise dafür wirken, daß Erziehung und Verkehr, alle Formen des Zusammenlebens sich nach wie vor deutsch ab? - spielen. Tie Religion ist kein Hindernis. Es gibt genug gesetzeslreue und deutschgesinnte Familien, die es von jeher so halten, und noch mehr, die es nicht anders kannten, bis der agitatorische Zionismus daran ging. Religionsausübung und sein sogenanntes Volkstum irreführend miteinander zu veriitische». — Jede jüdische Einzelperson soll aber auch dem nichtjüdischen deutschen Volksgenossen gegenüber in würdiger Weise ein Faktor der Verständigungsbereitschaft sein. Darüber ist ja in Reden'und Schriften des Verbandes nationaldeutscher Juden genügend gesprochen, das ist ja auch bereits in hoffnungsvollster Weise in nutzbringende Taten umgesetzt worden. Aber wir erwarten, daß allmählich von der anderen, der christlichen Seite her sich doch noch viel mehr Pioniere Vorarbeiten, und diesen rufen wir zm daß es sich in unserer Abwehr der von den Zionisten organisierten. Flucht aus dem Deutschtum durchaus nicht mehr um eine sogenannte innerjüdische Angelegenheit handelt, sondern daß Deutschlands Wohlergehen durch sie ernstlich gefährdet wird, weil sie die Judensrage' verschärft und unlösbar macht, weil sie dem Deutschgedanken wertvolle Kräfte abwendig macht, weil sie an der Vergröberung der öffentlichen Meinungskämpfe mit die Schuld trägt. Darum sollte man mit dem wohlwollenden Verhalten gegen solche Zionisten, die diese Agitation zu ihrein Hauptarbeitsgebiet gemacht haben, aufräumen und sich diese Herren wiederholt und gründlich darauf ansehen, was sie mit ihrer Agitation anrichten. Erfreulicherwsise haben ja führende Blätter wie neuerdings die Frankfurter Zeitung und die Neue Rundschau auf einem Einzelgebiete den Anfang gemacht. Sie haben gezeigt, was es mit den goldenen Bergen auf sich hat, die unserer Jugend im künftigen Palästina verheißen werden. So etwas sollten nicht allein Juden lesen und verbreiten, sondern alle Männer und Frauen, denen es init Deutschlands Aufstieg ernst ist. Man sollte auch zionistischen Einfluß auf Verwaltung und Unterricht, in Presse und Politik in seiner Gefährlichkeit erkennen und würdigen. Ich höre sie schon schreien, die bekannten Herren, die sich immer persönlich getroffen fühlen, wenn man sachliche Dinge ernsthaft bespricht: Denunziation! Wie kann > man glauben, ernsthafte Menschen mit solcher Beschuldigung irre zu führen? Es ist das volle Recht eines Jeden, in breiter Oeffentlichkeit zu begründen, daß und warum er Persönlichkeiten, die an der Flucht anderer aus dem Deutschtum Mitarbeiten, also die Verantivortung mitzutragen haben, nicht für berechtigt hält, sich an anderer Stelle als Förderer dieses selben Deutschtums ansehen zu lassen. Wo Weltanschauungen gegen Weltanschauungen käwpfen, da fallen Opfer, aber wir leben der Hoffnung, daß diese Opfer nicht mir sein' werden. Der zionistischen „Flucht in die Romantik" steht das „Meistern der Wirklichkeit" durch die nationaldeulschen Juden gegenüber. Es geht ruhiger, allmählicher vor sich als das Agitieren der Zionisten. Lärm und Tumult wird immer nur von außen in unsere Arbeit hineingetragen. Wir verharren treu im Deutschtum. In unserem zähen Ringen zählt jeder Einzelne. Er kann zur Keimzelle werden und Segen für viele stiften, er kann aber auch als Schwächling unberechenbaren Schaden anrichten, denn selbst das kleinste Steinchen ist ja imstande, eine verheerende Lawine ins Rollen zu bringen... Das Palästina-Problem. Referat von Von vr. Werner Bloch. Anlaß des heutigen Abends ist das Referat von Herrn Peiper „Die Wahrheit über Palästina". An diesein Abend wurde der Vorschlag gemacht, ein sachliches Referat von mir über Palästina und seine Probleme zu hören, und ich wist mich heute dieser Aufgabe unterziehen. _ Das Palästina-Problem existiert als Ziel und Sehnsucht seit dtzr Zeit, als Juden aus Palästina auswanderten, als man ihnen in die Diaspora mit auf den Weg strengnanonale Religionsgesetze gab, die ein jüdisches Leben im Galuth erhielten und deren Inhalt nicht zuletzt durch die Palästina-Sehnsucht bestimmt wurde. Im Wandel der Zeiten nahm das Palästina- Problem verschiedene Formen an und die Auslegungen jüdischer Religion machten Palästina selbst häufig zu dem Streitpunkt der Meinungen. | Das engere Palästina-Problem, das uns heute interessiert, datiert seit der Zeit, als in der allgemeinen und in der jüdischen Oeffentlichkeit der Kampf um den Zionismus begann und als die Worte Zionismus und Antizionismus" bestimmte Begriffe in der Terminologie jüdischer Fragen und jüdischer Politik wurden. ~ 1 Durch die geniale Konzeption Dr. Herzls wurde aus der religiösen Zionsidee eine politisch-nationale Renaissance-Bewegung des jüdischen Volkes. Die grundlegende Erkenntnis und Vor- I .