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Der nationaldeutsche Jude · 1926-03-01 · Nr. 3/4 (März/April 1926) · p. Seite 12

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 3/4 (März/April 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Was in blinder Zerstörungswut jg dieser Hinsicht in Versailles gesündigt worden, nur andeutungsweise zu schildern, ginge weit über den Rahmen dieses Vortrages binaus. Nur eines fei in diesem Zusammenhang erwähnt: Europa, dessen Handel noch am Schlüsse des vorigen Jahrhunderts, etwa - . des Welthandels ausmachte, iit in seiner Wirtschaftskraft furchtbar geschwächt, sozusagen balkaginerl: es wird die alte Poütion in Jahrzehnten nicht zurückgcwinnen. Deshalb bleibt der Belitz k o I o n i a i e r Absatzmärkte um io mehr eine Lebensfrage für Deutschlands Handel! — — — Aufgabe des deutschen. Kaufmanns mutz es >ein. in; Äuslandsvcrkchr aufklärend?iT wirken, zerrissene Fäden wieder zu knüpfen: insbesondere die freundschaftlichen Beziehungen mit den Ausländsdeutschen, die sich vom Multei iand vielfach zurückgcietzt glauben, wieder herzustellen. — Aufgabe unserer Regierung, diese Tätigkeit mit allen Kräften zu unterstützen. Das Unheil von Versailles wetimmachcn ist freilich keine deutsche. Hk eine europäische Angelegenheit — wenn auch Unersahrcnbeit und Chauvinismus noch verhindern, datz diele Vinicnwabrheit zum Gemeingut der Kontinental-Bevölkerung 'wird..,— — — Wir aber wollen aus einer historischen Erinnerung Mut schöpfen: „Wirtschaftliche Veritäirdigung war schon oft die Grundlage für politisches Verstcheij," , Aus dem deutschen Zoll Verein entstand das Deutsche Reich.' — Und io lassen Tie mich mit.dem innigen Wunsche schlictzen, das; es wenigstens den jungen kaufmännischen Berufskollegen vergönnt sein möge, eine durch eiserne Willenskraft, durch Tvarlamkeit und Redlichkeik.zu neuer Blüte gelangte deutsche Volkswirtschaft noch zu erleben!! 7 Viicherschau. - t i. „Jüdische Weltfinanz?" von Richard Lewinsohn ■ :u; o r ii si s.H o f f m a n n H' Campe Verlag. Berlin- Hamburgs. Die Behauptung von einer angeblichen jüdischen Welt singnz Hl ein . Vorwurf, der bei allen Auseinandersetzungen mit. den sogenannten „Völkischen" über die Hudensrage eine besondere Rolle spielt. 'Tie will nicht eigentlich besagen, dasz. die Tuden nur reiche Leute unter sich hätten. ..sondern sie läuft darauf hinaus, datz eine gewisse Oberschicht jüdischer Kapitalisten eine sogenannte goldene Internationale bilde und durch enge Verbindungen untereinander eine geheime, aber umio einflutzreichere 'Weltmacht darstelle. Um zu einer io irreführenden Ttellungnabme zu'gelangen, mutz man aus völkischer Teile nicht nur Erscheinungen des Wellwirlschafts lebeneinseitig deuten, sondern auch durch Verdrehungen von Tatsachen oder — mit Vorliebe — von Aussprüchen jüdischer Persönlichkeiten selbst den Beweis für die Richtig keil der 'Angriffe zu führen suchen, Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhänge ~ das Wort Walter Rathenaus von den „Dreihundert Männern, von denen jeder jeden kennt, welche die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents leiten". Datz Rathenau mit diesen dreihundert Wirtschaftsführern nicht ' etwa nur oder auch nur Haupt sächlich Huden gemeint bat. sondern datz er lediglich auf die Machtstellung des internationalen Kapitals im All-' gemeinen Hinweisen wollte, das wird von gegnerischer Teile geflissentlich verschwiegen. Und es nützt angesichts der Ver ' hctzthcil und Leichtgläubigkeit der breiten Massen gar nichts. . mit ungeheurem Wortschwall'immer wieder , die Haltlosigkeit dieser Anwürfe zu beteuern, wenn man nicht gleichzeitig in der Lage ist. an Hand von unbestreitbaren Tatsachen' un widerlegliche Beweise zu führen. I Das unternimmt nü» ein so guter Wirkschaftskeiiucr > wie Richard L e w in ro h n .. denen Bich „Die Um - i ichichtung der europäischen Vermögen" kürzlich berechtigtes Aufsehen erregte, und der in feinem neuen Buch „Hü buche Weltfinanz" mit aller Deutlichkeit und mit dem reichen Wissen, das dazu nötig iit. die wirtschaftlichen Beziehungen jüdischer und michljüdischer Kapitalisten klarlegt. Er kommt zu deni für jeden -vernünftigen Menschen selbst- : verständlichen Ergebnis, datz jenes Gerede von einer ...jüdisären Weltfinanz" jeder Grundlage entbehrt. Ausgehend von der Entwicklung der materialistischen Geschichtsauffassung, + die keineswegs spezifisch jüdisch iit. sondern im ganzen wirt-! ichaftlichen Denken unserer Zeit eine ungeheure Rolle spielt, gelangt er zur Tchilderung der engen Verknüpfungen zwischen Politik und^Wirtschaft und zu der überragenden Rolle, die vor allen Dingen dem internationalen Industriekapital zufällt. Er erbringtden strikten Beweis dafür, datz gerade in der Grotzindustrie die Huden in kaum bemerkenswerter Zahl vorhanden sinh und datz gerade von den nichtjüdischen Wirtschaftlern, viele Fäden zu den Hndustrixn der benachbarten, ja der gegnerischen Völker laufen. Mit reichhaltigem Material wird die Behauptung belegt, datz ein einziger Mann, wie 2. P. Morgan, über einen viel ' gröseren Einflutz verfügt, als alle jüdischen Kapitalisten zusamit^z. Daneben finden sich Statistiken über die grötzten Veriimien der> Welt, die sich fast ausnahmslos in den Händen von Richtjudcl; vereinigen. Datz der jüdische Anteil auch an len Kriegsgewinnlern nicht etwa verhältnismätzig grotz iit, andern' datz alle Huden Deutschlands gegen den einen 2 t i n n e s geradezu verschwinden, wird mit einer Fülle von Kenntnissen und mit bewundernswerter Anschaulichkeit dargelezt. Manchmal artet die Darstellung in eine kleine Wir schaftsgeschichte aus, was gelegentlich die klare Linie des Buches uberflüstigerwcise abbicgt und die tlebersicht- 'lichkeit beeinträchtigt. Aber zur Kenntnis speziell des deutschen Wirtschaftszustandcs nach der Inflation und zur Verdeutlichung des jüdischen Anteils an der Wirtschaftsgcstaltung iit pas 'Buch von grotzem praktischen Wert. Wünschenswert wäre ein tieferes Eingehen auf die vinchologische Fundierung der antisemitischen Anschauungen gewesen und ferner die nachdrückliche Betonung der innigen Verbundenheit.! die auch in wirtschaftlicher Beziehung zwischen jüdischen und stichtjüdischen Deutschen besteht. Gäbe das Buch auch dies, so wäre es nicht nur ein brauchbares apologetisches Hnnzmincnt, sondern darüber hinaus eine willkommene Ilntetstützung für diejenigen Huden gewesen, die nicht nur i Widerlegung bestimmter Vorwürfe, sondern wahre Ver- I ständigüngsarb<it für nötig halten, um der antisemitischen Verhetzung die! Wurzeln abzugraben. . II. Messjas-LeAeiideii von M i ch a Josef bin G o r i o n. «Verlag Alcrander Fischer in Tübingen.» Wer in bissen Legenden, die aus dem 'Nachlatz des Verfassers heraus-gegeben sind, etwa die Verherrlichung des j ü - d i s ch n a t i o n a I e n Messianismus undirgendwelche Bestehungen zur zst o n i st i s ch c n Bewegung rennutet, wird enttäuscht sein. Die Uebersetzcrin sagt im 'Nachwort, datz der messianische Gedanke doppelten Ursprunges sei: einerseits komme das streben nach politischer Befreiung in ibin zuin Ausdtuck, andererseits verkörpere er eine religiöse 2 ehn iuckL- Das Legenden Bändchen ist nur dem religiösen Mesiias gewirfnet. Die einzelnen Legenden sind weder poetisch besonders schön, noch i't die 2amml»ng nach irgendwelche»; originellen Gesichtspunkten vorqenommen. Immerhin gewährt das Buch den Einblick in eine Gedankenwelt, die manchem Leier gerade wegen ihrer Frcmdhgit^nicht unintez/ ciiant: sein mag.! III. „Der Zudi". Tondcrhcft: Antisemitismus und jüdisches Volkstum. «Hüdischer Verlag, Berlin NW7, Dorotjhecnitr. 35.) Die von M a r t i n B u b c r gegründete und in zionistischem Geilte geführte Zeitschrift: „Der Jude", die schon sanft entschlafen war, ist eigens deshalb zu einem 2onderheft neu belebt worden, um jüdische und nichtjüdische Männer der Gegenwart übet das Problem des Antisemitismus und feine Beziehungen zu;tz jüdischen Nationalismus ihre 2vrüchlcin sagen zu lassen. Man mutz anerkennen, datz die Beiträge des Heftes sich im grotzen und ganzen auf einem erfreulichen Niveau halten und datz es im.allgemeinen den Autoren ernst iit mit der Bemühung um Erkenntnis. Manche der Aufsätze können die Grundlage für fruchtbare Diskussion abgeben. Aber wenn Zionisten über die Judenfrage sprechen, geht es natürlich auch nicht ohne Geschimpfe ab. Herr Arnold Zwei g. seines Zeichens Dichter und zionistischer Apostel, bemüht sich sogleich im Anfang des Heftes mit bestem Erfolg, das Niveau zu senken. Zweiq, der sich ja in besonderem Matze als Lberästketischer Tchriftstcller betätigt hat, der besonders in seinem Gerede „um Elaudia" diese sensible Aesthetif so weit treibt, datz den Leser gelegentlich ein gelindes Uebeljicin befällt, vermittelt den Ecnietzern seines Aufsatzes „D e r Hude im 'b c t deutschen Gegenwart"! das tlebelsein diesmal ohne jede Beimischung von Aesthetik. Er zeigt nicht zum ersten Male das Bild, datz istn als Künstler besonders zartbesaiteter Mensch in der politischen Wirksamkeit nicht darüber hinauskommt, Gasten-Argumente im Gassenton oorzntragen. Es kann im allgemeinen gleichgültig sein, was ein Mann' von diesem politischen 2chlage über den Juden und die deutsche Gegenwart denkt: cs kann im speziellen gleichgültig^ sein, wie er den „jüdischen Geist" formuliert und wie er denen Rückwirkung auf die nichtjüdische Umwelt deutet. Es wäre also kein Grund vorhanden, gerade seinen Auslastungen mehr Beachtung zu widmen, als den üblichen Artikeln, wie ne täglich in der „Jüdischen Rundschau" zu finden sind, wenn er nicht, anscheinend in einem schwachen Augenblick, von dem Takt geredet hätt-. der das Verhältnis der deutschen Juden zu den deutschen Nichtjuden bestimmen lost. Eine sehr theoretische Liebhaberei des Herrn Zweig, denn Jeder, der seine öffentliche Wirksamkeit auch nur ein wenia verfolgt hat, weitz datz in ihr von dem gerühmten Takt nicht gerade viel zu finden ist. Erheiternd aber wirkt, was er in der Charakterisierung der Diskustion mit den Gegnern über die nationaldeutschen Juden zu sagen weitz. Es kann keine bessere Polemik gegen ihn geben, als den wörtlichen

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