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Der nationaldeutsche Jude · 1926-03-01 · Nr. 3/4 (März/April 1926) · p. Seite 10

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 3/4 (März/April 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 ihrem einzigen Gotte erhob. Anderersei^ kennen wir aus der Bibel einen Rückfall derJuden in die alte Abgötterei schon zur Zeit ihrer Wanderung: die bisher ..legendäre" Anbetung des ,Goldenen Kolbes" wird voll verständlich, wenn wir wissen, dah Sapdu-Jahu au? Sinai zugleich mit der knhgestaltigen Haihor- Mana verehrt wnrdc. Aber noch in persischer Zeit finden wir in der jüdischen Militär- und Hanbcls-ttolonic Elefantin« am eriten Nil-Katarakt einen Tempel, den der <sö bczcichnete, Jahn mit zwei weiblichen Gottheiten teilte. Dieser Kamvf zwischen Vielgötterei tind Monoiheisinus ist indes nicht „jüdische Eigenart", sondern jn Aegypten selbst zeigt nch zur selben'Zeit eine monotheistische Bewegung. Man leie nur den gewaltigen Ammons-Hymnus (jetzt deutsch von A. Ermann iy „Die Literatur der Aegyvter", Leipzig. I. E. Hinrichs», in dem es heißt: „Animon >var vor der Welt, die er aus dem llrwaficr Nun geschallen hat. Er ist zu geheimnisvoll, um ihn zu ergründen, zu groß, um ihn zu erfassen." Die Götter Re und Ptba bilden zivar init ihm eine Dreieinigkeit, sind aber nur Teils von ihm; km Grunde ist nur ein Gott — Ammon. Vollends zum b i l d l o s e n Monotheismus ging der ägyptische „Ketzcrkönig" Ainenophis IV. zu derselben Zeit über, wo die Ariden Palästina eroberten. aber seine Resormakion konnte fich gegen den Reichsgott Ammon nicht behauplcn und brach mit seinem Tode zusammen. Ter Unterschied zwischen dem jüdischen und äguplischen Monotheismus ist also nur der, daß jener durch Moses zur Dollsreligion erhoben wurde und uw gegen alle Rückfälle in die Abgötterei behauptete, während dieser .wie später der griechische — auf philosophische Spetulation der Gebildeten beschränkt blieb und so der alten Vielgötterei unterlag. , | Schließlich erklärt sich auch die von «tirimmc gelesene 1 Doppelsorm Mosc-Manalle daraus, daß Leute von Rang in j biblischer Zeit oft Doppelnamen führten si Jakob-Israel): daß > auch MoieS selbst den Nebennaiken Manasse geführt hat.! scheint noch aus Richter ls, .SO durch. Auch hier also wurde i die biblische Ileberlieferung fich mit den Sinaiinschriften decken. ■ Die Hauptsache aber bliebe doch, .daß Moses, gemfiß der : biblischen lleberlieterung. von der „Tochter Pharaos" aus dem i '-’iil gezogen und adoptiert worden ist. Daß eine Frau aus dem Phgraonei.thron gesessen hat. ist, einer der seltensten Ausnahmesalle der ägyptischen Geschichte, und er trifft gerade für die Zeit die nach biblischer Tal^ning dem Auszug aus Aegypten vorangeht. Diese wohlbekannte Pharaoni» Haticbep- - int, deren gewaltiger Totcntcmvel noch heute ain Westnfer des Nils gegenüber von Lnror in Oberägyten steht, muß auch in i einem der Sinaisphinrc dargcstcllt sein, denn in Aeonpten war! der Sphinr sonst männlich, das Bild eines Mannlöwen.! d. h. des Pharaos selbsterst die griechische Sage hat die -weibliche Sphinr geschaffeis Nach dem Tode der Hatschrpsut wütete ihr bisheriger Mitrcgent und Gälte gegen ihre Denkmäler und Inschi istcn, wovon der eben genannte Totentenipel zahlreiche'Zengniffe^gibt: cs'ist also'durchaus in der Ordnung, ivenn er auch im Sinaigcbiet ihre Inschriften ausmcißeln ließ und ihre Anhänger verfolgte. Somit ist er als der Pharao der Bedrückung anzunchmen: erst nach seinem.Tode gelang es j den Juden unter Führung des Mv'es. sich den, ägyptischen! Joch zu entziehen, indem sie eine nliaiöse Wallfahrt in die > Wüste Vorgaben, von der sie nicht zurückkehrten. Auch daß sie ' 2°hr und Tag iin Sinaigebiet rasten konnleu, ist durchaus wahrscheinlich, dem, es war keine Einöde wie heute: die von Grimme gedeuteten Inschristen bezeugen vidlmehr Weideland. Schließlich gibt Grimme auch für die Erfindung der Buchstabenschrift eine plausible Erklärung. Der geniale Mann, der sie erfand, also vermutlich Moses, der Vorsteher des Tempels und »er Bergwerke aus Sinai — schuf mit ihr aus der ägyptischen i Silbenschrift eine für Aegypter unverständliche Geheimlchri't, ' indem er die Anlaute bestimmter hebräischer Worte (z. B. Beth — Haus, mit Zeichen schrieb, die den Silben Zeichen für das entsprechende ägnptische Wort nachgebildet waren. Das; diese Schrift aber nicht schon bestand, sondern erst zu jener Zeit auf Sinai entstand, ergibt sich aus ihrer Unferligkeit «Dubletten) und anderen Willkürlichkeiten «wechselnde Zeilennchtung usw. >, die bei einer schon mn Gebrauch befindlichen Schrift fich längst abgeschliffen hätten. Wir stehen hier also tatsächlich an der Entstehnngsstätte düs Uralphabets und sehen es in seinem Werden. Mehr noch,-wir stehen wahrscheinlich an der Geburtsstätte der jüdi'chen Religon. als welche die Bibel das Sinaigcbiet von jeher bezeichnet hist. Tos alles sind Gründe genug, um den Sinaiinschriften und Figuren eine epochemachende Bedeutung zuzuschreiben und zu wünschen, datz sie aus der Sinaiivüste nach der deutschen Hauptstadt überführt werden, damit die Wiffenschaft sie völlig aufklären kann. Wenn Grimmes Deutung zutrifft, so sind unliebsame Schlußfolgcrnngen jüdisch-nationaler Fanatiker vorauszusehen, die der in diesen Blättern vertretenen Richtung stracks znwiderlaufen. Man wird mit einem Schein von Recht darauf hinweisen, daß die Hebräer damals, unter dem Druck unerträglicher Not und unter der Führung eines genialen Mannes, eine in der ägyptischen Kultur hr ablöstc und zu einem :r ganzen abendländischen ß zu, aber es stinimt nicht uden sind kein einheitliches Eigenart entwickelt haben, die zwo ivurzcltc, sich aber bewußt aus Kulturfattor ersten Ranges in d Welt wurde. Dab alles trifft gcw für die Gegenwart. Die heutigen 3 zusammengefaßtes Volk inehr, das auf einem geschlossenen Siedlungsgebiet Patz hat. Sie sind ohne eigenen Staat über die ganze Welt verstreut und in dein Kreise weltenwcitcr Wirkungen aufgcgangen, der sich aus der nationalen Tat des Moses ergeben hat. Sie bilden das knltur- und religionsgeschichtliche Bindeglied zivischen deni alten Aegypten und der heutigen abendländischen Welt und können sich daher nicht mehr ghettoartig in einer „völkischen Eigenart" verkapseln noch hoffe», aus ihr heraus eine neue schöpferische mosaische Kultur zu gebären, zumal sie ja selbst an dem alten mosaischen Glauben festhaltcn. Aber sie können mit Stolz, wenn auch ohne Dünkel, auf ihren Beitrag zur europäischen Kultur zurückblicken, der sich in der Gestalt des Moses verkörpert, und daraus die Ehrenpflicht ablcitcn, airch weiter an der Gestaltung dieser Kultur initzuarbeiten, die ja nicht nur jüdisch-ägyptische, sondern auch babylonische, arabische, griechisch-römische und nicht zuletzt gerinanische Wurzeln hat. Waren die alten Inden das religiöse Genie unter den Völkern, so waren die Babylonier Meister der Mathematik lind der Astronoinic. die Griechen das künstlerische und wissenschaftliche Genie, die Römer das juristische und itaatsmänniiche Genie des Altertums und die Gerniayen die Schöpfer fast aller neueren Siaatsgebilde, in denen auch die Inden wohnen. Ta sie selbst weder ein eigenes Staatsivesen noch geschloffene Siedlungsgebiete besitzen, auch das kleine Palästina stets nur Bruchteile von ihnen wird aufnehmen können, ergeben sich die weiteren Folgerungen von selbst. Der deutsche Kaufmann. Bon Emil S i in o n s o h n. «Auszug aus dem am 25. 2. 26 gehaltenen Bortrag., Nach einigen erklärenden Ausführungen über den Begriff des Kaufmanns als solchen (Inhaber einer eingetragenen Firma, fuhr her Vortragende wie folgt fort: Ich wollte diese Ausführungen deshalb nicht unterlassen, wcil wir, besoriders seit Kriegsbeendigung. von Mitqliedern anderer Bcrufsitände nicht selten hören, sie hätten sich ent schlossen. „Kaufmann", zu werden. In Wirklichkeit werden diese Personen niongels geeigneter Vorbildung überwiegend nichts anderes als Geschäftsleute, oder, wie die offizielle Bezeichnung lautet; „Kleinkaufleute". Zum Vollkaufmann gehört nicht nur eine gewisse Berufseignung. sondern - wie in jedem anderen Beruf — der Besitz gediegener Fachkenntnine. di: nur in jahrelanger Disziplin zu erwerben sind. -- Man ist vielfach geneigt, die Eignung zum Kauf inänn in erster Reihe in einem ausgeprägte» Erwerbssinn zu suchen. Das ist m. E. nur bedingt richtig. Solchen Er werbssiiiii sinden wir in anderen Berufen nicht minder scharf ausgeprägt, z. B. bei den Bauern. Der wirkliche Kaufmann bedarf ferner für den Aufstieg zweier pmchologischer Voraussetzungen: Phantasie und Optimis m u s. Ohne eine reiche Vorstellungs- und Koni binationsgabe, ohne festen Glauben an den Erfolg ist wohl noch kein Führer der Wirtschaft zu Bedeutung gelangt. Dies mag allen denen, welche sich den Kaufmann nur als einen kalten, nüchtern:» Rechner vorstellen, seltsam erscheinen. Es gehört nun aber einmal die Fähigkeit, Ereignisse vorauszusehen — di: sich rein mathematisch nicht im voraus berechnen lassen - dazu, kaufmännisch richtig zu disponieren. Vielleicht erinnern sich meine verehrten Zuhörer der Gcschichte des Lord Clive. der — ursprünglich ein einfacher Angestellter der ostindischen Kompagnie —. getragen von unver wüstlichcni Optimismus, begabt mit Willenskraft und Phantasie. den -Grund gelegt hat zu dem englisch-indischen Kaiser reich! — Welches waren nun die besonderen Eigenschaften, die den deutschen Kaufmann bis zum Kriegsausbruch auszeichneten und beiaetraqen haben zu dem märchenhaften Aufschwung unseres Wirtschaftslebens, vor allem aber auch beigetragen haben zu dem hohen Ansehen des deutschen Namens auf dem weiten Erdenrund?

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