Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1926-03-01 · Nr. 3/4 (März/April 1926) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 3/4 (März/April 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6682492-5438659-5438794--183-4871398
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

geschlossen aus der Gemeinschaft der nationaldeutschen Juden, die sich ehrlich als Juden wie als Nationaldeutsche bekennen, llin unserer selbst willen und um der ehrlichen Christen willen sagen wir ihm: Bleibe uns fern! Die Linaifunde. i Von Friedrich v.?O p p e ln - B r o »i k o w s k i. Während konfessionelle.Unduldsamkeit Abgründe zwischen Judentum und Christentum, Katholizismus und Protestantismus aufreibt und in früheren Zeiten sogar solche zwischen Kalvinismus und Luthertum aufgerissen hat, bin ich stets bestrebt gewesen, das Einigende in den verschiedenen Bekenntnissen zu betonen, deinen gemeinsame Wurzel die mosaische Religion ist. und umgekehrt darauf Hinzumeisen, daß der Antisemitismus keine religiöse Einheitsfront bildet, daß sich in seinen Reihen in buntem Durcheinander Christen finden, die die Juden, als Nichtchristen anfeinden, Bewunderer, ja Anbeter bcr, altgermanischen Göttcrwelt. religiös Jndifiercntc und unverhüllte Atheisten. Die beiden letzten Gruppen aber kann man, neben einer ganzen Reihe getaufter Juden, auch auf der Gegenseite finden. Herrscht hier also größte Zersplitterung, so haben alle Nichtjuden, die in unserer niaterialistischen Zeit noch gläubig sind, mit den religiösen Juden die Bibel und ihre Sittenlehre, die Sabbat-loder Sonntags-sheiligling und die zehn Gebote gemeinsam, d. h. die Grundlagen unserer sittlichen Kultur seit dem Untergang der Antike. Und dies Gemeinsame überwiegt m. E. die Unterschiede gewaltig. Ich will dabei gar nicht auf die krampfhasten Versuche antisemitischer Halbwissenschaft eingehen, die Christus zum „Arier" stempeln möchte. Selbst wenn! dies im Gegensatz zu den unzweideutigen Angaben des Neuen Testaments gelänge, haben doch die christlichen Ideen den jüdischen Monotheismus und die jüdische Messiasidee zur Vor- - aussctzung: Christus selbst hat betont, daß er nicht gekommen sei, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen, und jedenfalls ■ waren seine Jünger rassereine Juden, allen voran der Teppichwirker Saul aus Damaskuls. der aus einer jüdischen Sektenbewegung eine Wcltreligion gemacht hat. Im Gegensatz zu der liberalen Theologie und der „aufgcklärten" weltlichen Geschichtswissenschaft;/ die ihrerseits religiös - zersetzend gewirkt haben, ist es mir daher stets eine Herzensfreude gewesen, wenn gerade die Wissenschaft ohne religiöse Hinterabsichtcn dahin gelangt, die Wahrheit der biblischen „Erzählnngcn" zu bestätigen, s Der Spaten ist, um ein Wort Mommsens zu gebrauchen, häufig klüger gewesen als die Gelehrten, und die Steine haben die Wahrheit verkünd« t. Seit der Auffindung des Gesetzbuches des Königs Hammurabi ist der biblische König Amraphdl, aus dessen Land der Erzvater Abraham auswanderte, keine „legendäre" Gestalt mehr, sondem ein höchst konkreter Herrscher; seit Koldewey die Stätte des Turms von Babel bestimmt und sogar nachgemiesen hat, infolge welches Konstruktionsfehlers er zusammengestürzt ist, seit wir die „babylonische Sprachverwirrung" aus Urkunden kennen, seit der Einmarsch der Chabiri (Hebräer) in Palästina durch die Amarnabriefe belegt ist. können Skepsis und Unglauben au, so vielen Angaben der Bibel nicht mehr rütteln. Die Listb^ ließe sich durch alle Zeitalter der jüdischen Geschichte leicht fortsetzen. Auch der jetzt um die Sinaisunde entbrannte Kampf gehört hierher. Er ist kein bloßer Gelehrtenstreit, sondern er dreht sich um die Zentralfigür des mosaischen Glaubens selbst, um Moses, der die zehn Gebote gegeben hat. Auch in dieseiw Kampfe hat es. wie in dem ganzen jüdischen Fragenkompler, nicht an antisemitischer Begleitmusik gefehlt, aber zur Ehre der deutschen Wissenschaft muß doch betont werden, daß die beiden Protagonisten in diesem Kampfe. Sethe und Grimme, die beide keine Inden sind, dies Mittel völlig verschmäht haben, ja daß unter den Gegnern von Grimme sich auch jüdische Gelehrte befinden. Das Problem hat zwei Seiten, die beide gleich wichtig sind, eine geistesgeschichtliche und eine religionsgeschichtliche, beide von europäischer Tragweite und Tiefenwirkung durch die Jahrtausende. Die Sinaiistschriften zeigen uns erstens die Schriftzeichen des semitischen Uralphabets, der ältesten Buchstabenschrift der Welt, der Mutter des phönizischen, griechischen und römischen Alphabets und somit aller heute im Gebrauch befindlichen Alphabete. Auch die Zeichen, die ich hier schreibe, wurzeln in denen der Sinaiinschriften. Diese haben sich ihrerseits aus der komplizierten ägyptischen Silbenschrift entwickelt, die bereits einige Buchstabenzeichen kannte, aber auf halbem Wege stehengeblieben war. Beide Schriftsysteme find rein konsonantisch, wie später das phönikische: die Vokale mußte man sich hinzudenken. Erst die Griechen haben gewis e Zeichen des semitischen Uralphabets. die für sie überflüssig naren, als Vokalzeichen benutztOj undeso eine völlige Buchstabenschrift geschaffen. Immerhin ^war die Erfindung einer bloß konsonantischen Buchstabenschrift schon ein großer Fortschritt gegenüber allen damals gebräuchlichen Alphabeten; sie bedeutete eine solche Vereinfachung des Schreibwesens, datz sie von t ein semitischen Kulturkrcis aus ihren Siegeszug über die gonze Welt antrat, genau wie später die arabischen, also , ebenst lls semitischen Ziffern. Der Mann, der sie erfand, war zweifellos ein Genie, und zwar eines der bleibendsten der Menschhei. Dieser Semit — wie Grimme wahrscheinlich: macht. Mojes — kann sich mit dem Deutschen .Gutenberg dje Hand reichet!, lieber diese neue Schrift hemcht bis auf Einzelheiten der Deutung Uebereinstimmung zw schen den feindlichen Brüdern lxrAegyptologie und Semitologie. Um so erbitterter ist der K impf um die Deutung der.Sinaiinschriften selbst, in denen der Kritizismus Sethes als lesbar nur das eine Wort daalat, (Herrin) auf einer Weihinschrift zugibt, das sich zweifellos auf den dortigen Tempel der Göttin Hathor bezieht, während Grftnme aus ihnen den des M-j-s-^h (Moseh) oder M—n—s—h (D anasseh), den der regierenden.Phäraonin Hatschepsut und de! Gottes Jahu (Jahwe)als Mitinhaber des Hathor- (hebr. Maua- Tempels Herausliesl. Mehr noch, dieser M—s^h nennt sich uif einer Weihinschrift einen L ohn der Pharaoiun Hatschepsut, die ihnaus dem Nil gezogen und zu n Vorsteher des Tempels und der Bergwerke astf Sinai gesetzt )at. Andere Inschriften wieder deuten auf öiy Strafgericht unter Thutmose III nach Hatschcpsuts Tode.; ja eine ist auf Befehl dieses n nnentlich genannten Herrschers 1 ausgetilgt. In allen diesen I ischriflen will Sethe nur „Bandwürmer und Krähenfüße der Verw tterung" sehen, und so hat die Gegenpartei denn den eillzig richtigen Vorschlag gemacht,'die Inschriften ducch eine SinaieSpedition - .nach Deutschland zu > bringen, damit sie der Wissens Haft allgemein zugänglich weihen und eine re tlose Lösung fiudeiu Es braucht nicht betont, zu »verheil, daß diese Inschriften, wenn Grimmes Lesart einigermaßen ..utrifft, von ur geheurer religionsgeschichtlicher Bedeutung und -ür die Glaubwürdigkeit der Bibel entscheidend . sind. Jnsbes »idere für jeden noch religiös empfindenden Menschen, mag er Christ oder Jude sein. Es war mir daher einje große Freude, a s Professor Griinme mir vor kurzem das Zeugrns ausstellte, das ich als einer l er ersten die Bedeutung dieser Frage erkannt und durch einen l or Jahr und Tag von mir veröffentlichte» Zeitungsaufsatz „bei Anstoß gegeben hätte, den Plan einer SinaijErpedition zu erwägen und dann" (nach einem vielbeachteten Vortrag Grinimes in Berlin) „das Komitee der Freunde her Sinaiforsch ing ins Leben zu rufen". Es sind die gleichest großen geistes >eschichtlichen Zusammenhängt, die mich auch zu diesem Arssatz bestimmt haben. In d^r Erwartung, daß. die Sinai-Ei pedition bald zum Ereignis wird und daß dann die Wissens Haft ihr letztes Wort sprechen k!ann, möchte ich hier nur einiges hervorheben. was für die Deutung Grimmes spricht. Fest steht jedenfalls, daß spätestens um 1500 v. Chr. Hebräer im Sinaigebiet sitzen, wo sich schon zur Zeit dds „Alten Reiches" ein: Kupfer- und Tärkisbcrgwerk > nd ein Tempel der kuhgestaltigen Göttin Hathor, der „Heirin der Türkisen", und des Eottes Sapdu, d^s „Herin der östlichen Reiche" „Herin der Wüste" befand, der nach der Hyksosinvalsion im „Reuen prächtig erneuert wurde. Durch diesen Name in Grimmes Lesung Jahu (Jahwe) lautet, stai engen Beziehungen zu! der unterägypti dem biblischen Wohstsitz der Juden, mi der Stadt Pi der „Residenz des Sapdu". Der Gotl hat im „Alter ein fremdländisches Aussehen, lange Haare, Bart und kröne; als sein Wohnsitz und Symbol galt der biblisch« strauch; erst im „Netten Reich" wur>e er dem ägrptische» Olymp angepatzt. Nach der Bibel riß sllloses die Hebräer nicht nur von der ägyptischest Zwingherrschaft den Jahu. der zweifelt 0 Epsilon von He. von Jod, Omikron von pierte sie auch von der ägyptischen Vielgötterei, in >em er os ein uralter se Epsilon von Warst, Elba von Hau h, Jota Ajin. Damit mir ) auch die bishe i«e Annahme hinfällig, datz das griechische Alpha iet au« dem phcnikischen abgeleitet sei. Selbst die Abfolge und Benennung der griechischen Buchstaben, die bisher ganz, willkürlich un! unerklärlich schü n, wird au« dem von Grimme aufgestellten Sy tem der Sinaiir schriften (Aleph, Beth, Gimel, 4«keth, He, Zajin. bcwth, Teth, Jots, Kaph, Lamed, Mem. Run usw. bi« Taw) völlig klar. Gott, dessen he iräischer chen Landschaft los. sondern er mtischer Gott tiar, zu i. d er in Gosen, Sapdu. Reich" Feder- Dorntmanzl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.