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Der nationaldeutsche Jude · 1926-03-01 · Nr. 3/4 (März/April 1926) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
Nr. 3/4 (März/April 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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abgetan, ihre Verkünder nach Synthese gilt als Koni einzig lohnende Ziel. Abc» bedinguugcn. Tie erste ify Ter jugendliche Schwärmer, „polaren Gegensätzen". «Ntbenfrage: Wie kam man bisher nur ohne das Wort „polar" aus?> In Gottes Namen denn hinein in diese Polarität: Hier der drahtige Gcgenivartsmensch. Parole: Gesunder Menschenverstand, Marschrichtung: Geordnete Zustände. Gegner: Ter verstiegene Ideologe. Tort der begeisterte und begeisternde Zukunftsschivürmer. Losungswort: „Ten lieb ich. der Unmögliches begehrt". Marschrichtung und Gegnerschaft ergeben sich danach von selbst. Und nun wähnen sie, die Entweder — 57 der-Leute, man habe sich zu dem einen zu bekennen oder zu dem anderen. Man höre, wie auf der einen Seite nüchterne und harte Mitarbeit am Wiederaufbau mit dem Rufe abgelehnt wird: „Was soll uns das Kärrnerwcrk? Gebt uns hohe Ideale!", auf der anderen große gcistize Strömungen als Hirisgespinnste lächerlich gemacht werden. Streben gpromißlerei. Und doch ist sie das es fehlt vielfach an den Vorsich gegenseitig kennen zu lernen, dem alles Reale zu nüchtern erscheint, sollte erfahren, welcher schweren inneren Kämpfe und. harten äußeren Erfahrungen Schlußstein solch ein Sachlichkeitsstandpunkt bilden kann. Der Gegenwartsniensch aber lerne mehr Ehrfurcht vor den großen Morgigen, die seinesgleichen bisher so selten verstand. > In dieser letzterwähnten Hinsicht Verständnis zu vermitteln, ist ein prachtvolles Buch van Stefan Zweig ganz besonders geeignet: „Ter K a m p f I in i t d e m T ä m o n ". Lest es, ihr Alten, lest es, ihr Jungen! Eine Besprechung, eint: Rezension? O nein, nur einige Gcdankenrcihcn aus den vielen. die cs auslöst, möchte ich hier entwickeln und sie in, wenn auch lockere, Verbindung zu bringen suchen mit Problemen und Erfahrungen, die sich ergeben, wenn man um die Seelen künftiger Geschlechter für eine so gute Sache ringt, wie wir sic il» Verband nationaldeutscher Juden verfechten. f Stefan Z ive i g spricht von drei Gipfelmenschen, von Hölderlin. Klei st und Nietzsche. Sie sind ihm Sinnbilder, die »me der tragischsten Erscheinungen jeder Kulturgeschichte augenfällig machen. Aus dem Ucberweltlichen, Ucbermenschlichen tauchen sic auf. „Unverbunden mit der Zeit, unverstanden von ihrer Generation, schießen sie meteorisch mit kurzem strahlenden ^Lickst in die Nacht ihrer Sendung". „Kaum streifen sie in jähem Stprz und Aufstieg ihres Seins an die wirkliche Welt". Ties Käsinische, Ehaotische, Elementare, das im bürgerlichen Menschen zwar gleichfalls angedeutet ist. von dessen erdhafter Gebundenheit aber durch Moral, Arbeit und Lrdnung unterdrückt wirdj, nennt Zweig in einer sehr glücklichen Inspiration da, wg es überwiegt, wo cs erdhastc Bedingtheiten ignoriert und sich gleichsam als ein losgelöstes Stück Ehaos mitsamt seinem Träger gewaltsam wieder zurück zur kosmischen Heimat zu reißen sucht, das Dämonische. Er schildert die Lebcnsunruhe dieser drei großen Dämonischen, ihren Heldcnkampf mit ihrem Dämon, das flammenhaft Aufschießende in ihnen, das da führt zu „Rauschkunst, eralticrtem fieberhaftem Schaffen, spasmischen, überwallcndcn Aufschwüngen des Geistes: Krampf und jErplosion, Orgiasmus und Trunkenheit." Wohl weist auch Zweig darauf hin, daß ohne ein gut Teil solcher Begeistertheit ein produktives, zumal ein künstlerisches Schaffen überhaupt nicht möglich ist; Goethe ist ihm der große Gegenspieler der Dämonischen. Neben der guantilativen Mischung zeigt Stefan Zweig ein Unterscheidungsmerkmal auf, dchn wir Beiveiskraft zuerkennen dürfen: Der Dämonische nämlich zielt einzig ins Unendliche; so ist er vollkommen richtungslosh sein genialer Widerpart dagegen bemeistert die Urmacht menschlich. indem er „ihr Maß im Irdischen und Richtung nach seineist Willen gibt". Wir wissen, daß diese großen Dämonischen ihr tragisches Schicksal erfüllen m ü s s 611: handle es sich nur um eine neue Kunstauffassung, die siebringen, oder sei es gar eine revolutionäre llmgestaltung geistiger oder sittlicher Grundlagen — immer sind sie ihrer Generation weit veraus, noch immer sind sic unverstanden zu Grunde gegangen. Darum ist es auch eine müßige Frage, ob cö je möglich gewesen wäre oder möglich sein wird, ihnen solch Geschick zu ersparen. Als Arzt möchte ich sie außerdem deswegen verneinen, weil stets organische Abweichungen ihren Kampf mit dem Dämon und der Umwelt zu erschweren scheinen. Aber Ehrfurcht zu erwecken gilt es vor scheinen diesen großen :i»r d) t ji Tragischen L und vor ihrem Werk. Noch selten has ein Mensch aus der Reihe ier Ewig- Heutigen die Welt so gefördert wie die großen Unzeit zemäßen. Aber die Umsetzung in die Tat war nie1 erplosiv, plötzlich, revolutionär, wie das Auftreten der Verkünder selbst. DaS Gesetz der Evolution hat actch hier gewaltet, die langsame Entwicklung auch hier ausnahmslos ihren Lauf gcnoinmen. Gewaltsame Versuche hcjben noch stets retardierend g mirffc Zweig spricht, wih gesagt, von drei Gi selinc n s ch c n und wir'danken ihm, daß er, ohne zu werten, Verstär dnis und Mitleid mit ihnen zu eijwecken gewußt hat. jjtin abc: kommen unsere jungen jüdischen Deutschen, heiße Sehnsucht nah besserer Zukunft im Herzen, und vom Rednerpult herab "spr:chen, da wo man um sic wirbt, hinreißend Männer! oder F:aue» zu ihnen, sprechen von hohen Idealen, vonl fernen, künftigen Dingen, weltfremd,-"schwärmend, opfermutig. Wie ne doch manchmal an die; großen Tämonisckten gemahnen, die man stets so schnöde verkannt hat! Anders wissen sie zu »acken als jene energischen und besonnenen Führer, dis harte Arbeit auf dem Wege zu erreichbaren Zielen verlangen. Wir herrlich' müßte es doch sein, später einmal als früher Jün, er solcher Propheten genannt zu werden, die ihre Zeit so lange verkannt hatte. Gewiß, diese Lage kann aintrcten, und spießbürge lich wäre es/ echte Begeisterung für echte Größe eiudämmcn , u wollen. Aber, ihr Jungen jeglicher Herkunft, 'merkt cs->euch, solche Echten, solche Großen sind seltest, stets nur ganz wenige bringt ein Jahrhundert hervor. Daran denkt, wenn sie euch, dutzendwris, rudclwcis auftrcteud, in slaiNmrnden Worten, mit trunken m Blicken, äußerlich ganz in der Art d^r großen Dämonisch n. zu nie erreichbaren schwindelnyen Höhen zu verlocken suchet — auch in der . R ich t un g s l o s i g ke i t und Unwirklichkeit jenen Echten gefährlich ähnlich. ES ist ganz uninö stich, daß ganze Rednergarniturest aus solchen Echten besteh m sollen. Nein, hier handelt cs sich neben Narren und Phantasten überwiegend um eine halhechte Spielart, die sich zu len Ganzgroßen verhält wie die > schlechte Kopie zum Meistern erk. Wir kennen unter ihnen astch kluge Berechner und gestuckte Taktiker. die selbst „in Däistonie und Begeisterung machet " können, wenn es Erfolg verspricht. Und ferner: Der echte Genius kennt nur seine Sendung; irhische Bindungen, Heim und? int liegen hinter ihm und unter ihm in wesenlosem Scheine, er will ja nicht sein Glück, er will nur sein Werk. ' Sjuflbcr inertrug keine Bindung durch ein Pfarramt, Nietzsche (feine durch sein Lehramt, Kleist irrte ruhelos umher: Ganz andere jene, die aus Sattheit und Wohlbehagen heraus änderest in fl nninenden Worten Selbstentäußernng. Lpier oder gar Heimi tpreiSgabe predigen. Mißtraut ihnen und haltet euch \an solch:, die mit beiden Füßen fest auf idem Heimatbodon stehen, bei ruhigen Blick auf eine schönere! Zukunft geheftet, füj: die sh Baustein um Baustein herbeitragen! Und dann noch eines. Nietzsche hat das -Motto, das ich diesen meinen Ausführungen voransetzte, ein^weuig anders genreint: das weiß ich! wohl.?lber es schicin mir k ut. gerade mit seinen ehernen Watten darauf hinzuwcisen, daß alles seine Zeit hat. selbst das Miltleid mit den höhereit, mit du höchsten Menschen in ihrem trajgifchen Kampf mit dem Däim ui. Unsere Zeit, in der es von Hfilsbringern ivimmelt, braucht sie nicht viel mehr das Mitleid mit den Millionen vpn schlichten TageSkämpfern, die den Dämon nicht in sich trpgen soidern ihre Feinde rings um sich sehen: Hunger, Lbdhchlosigkcit. Unfreiheit, Seelennot? Wollt ihr denen helfen, so vertrösi et sie nicht auf ein zukünftiges! Zion oder aus Wotans Wiederkehr! Schärft euren Blick' für das, was der Gegenwar! und der nächsten Zukunft nottut. Ehrt und achtet, was hie großen Unzeitgemäßen jeder Evoche für eine ferne Zukunft prophezeihen, aber seid euch stets bist Verantwortung bewußt, die ihr sowohl von Führern verlangen dürft alS auch selbst für die Mitlebenden zu tragen habt. Emen „f,e st-e n S t a rs ) p u n t t" gibt es nicht und rann es nicht geben, not tut einzig beständige gegenseitige Durchdringung. In welchem Verhältnis sich dabei Ideal und Wirtlichkeit zu mischen haben, ras zu ergründen sei die Aufgabe einer täglich neu geschär ten Wachsamkeit. Griebels Reiseführer iitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiliimiiiiiiiit miimtiiiimiiiHiiiiiiiiimiiiiiHiMMUiiiHimiMHiiimiiiiHii niimiimiiiim ' 3u begehen Lurch alle Buchhandlungen.

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