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Der nationaldeutsche Jude · 1926-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1926) · p. Seite 11

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
1/2 (Januar/Februar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Besonders peinlich ist, daß dtt Verfasser seiner Erzählung die Form einer Autobiographie gegeben hat. Es erscheint mir völlig belanglos, ob diele! Einileidung der Wirklichkeit entspricht oder nicht, denn der Auto ' wußte, datz er, indem er tzch mit der Person seines Helden identifizierte, für dessen Taten und Lebensanschauungcn (verantwortlich zeichnete und datz er sich damit eines literarischen Erhibitionismus schuldig machte, mit dem verglichen der des genialen Paranoikers Rousseau keusch und zahm ist. In dieser Bekennerwonne, die ihre Geilheit, ihre Gemeinheit, ihie Amoralität vorüber ganzen Welt ausbreitet, verkörpert sich «ne der furchtbarsten Folgen der Ghetto-Unkultur, der Zersetzung jüdischen Selbstbcwutztscins. Nur ein Jude konnte so über sich und seine Stammesgenossen schreiben. Von solchem Erhibitionismus führt ein gerader Weg über gewisse jüdische Witze hinweg zu jener Form der Selbstironie, die sich schamlos vor Juden und Richtjuden prostituiert. Wahrhaftig, wenn der Verband nationaldeutscher Juden nur das eine Verdienst hätte, derartige Auswüchse „jüdischer- Geistigkeit" zu bekämpfen. er hätte seine Ernten,zhejrechtigung nachgcwicscn. Datz der Verfasser des „Fetlwansts" mit wachen Linnen und scharfer Beobachtungsgabe durchs Leben geht, ist schon hervorgehoben. Aber ist damit a rch gesagt, das; seine Schilderungen der Wahrheit entsprechenr Ich glaube, nein. Jeder einzelne Zug, den er gibt, kann ein getreues Abbild der Wirklichkeit sein, ohne datz dadürch der Vorwurf der Verlogenheit oder mindestens der objektiven Unwahrhaftigkeit entkräftet wird. Wenn ich eine Flechte schildere, die das Glied eines Menschen entstellt, und seine sonstigen körperlichen und geistigen Eigenschaften nur als ein unwesentliches Nebenbei seiner Krankheit behandle, so hijbe ich die Wirklichkeit verfälscht. mögen auch alle Einzelheiten meiner Schilderung der Wahrheit entsprechen. Künstlerische Wahrheit entsteht nur durch Zusammenfassung und Betonung des Wesentlichen. Ich kenne weder das Ostjudentum an seiner Geburtsstätte, noch die Juden New Parks aus eigner Anschauung. Aber ich Imbe durchaus nicht judenfreunvliche deutsche Offiziere mit Rührung von jüdischer Frömmigkeit, von der ergreifenden Feierlichkeit jüdischer Religionsgebräuche sprechen hören, die sie während des Krieges in Polen kennen lemten: und ich kann nicht vergessen, datz der ideale Aufschwung des Zionismus, den wir ehren, auch wenn wir ihn aus nationalen Gründen auf Tod und Leben bekämpfen, größtenteils aus dem ostjüoiichen Becken gespeist wird. Wesentliche Züge der Judenheit also sind nicht geschildert worden, die, wenn sie auch damals — >wie z. B. der Zionismus — noch nicht in die Erscheinung traten, immerhin wurzelhaft vorhanden j gewesen sein müsse». Das hindert nicht/ datz der Verfasser Spürsinn für Strö- > mungen gehabt hat, die durch dqs New Porter Ostjudentum hindurchgingen, und die offenbar! im kleinen nur ein Abbild derjenigen Strömungen waren, die in der Wcltjudenheit sich regten. Da ist das stumpfe, hoffnungslos unzufriedene »no dennoch untätige Ghettotum, da in das bedenkenlose Schiebertum, das nichts anderes kennt, als materielles Gedeihen um jeden Preis, da ist der Drang zum Sozialismus und politischen Radikalismus, die Sehnsucht nach religiöser Reform, der Trieb zum Weltbürgertum und endlich die Erkenntnis, datz das Judentum nur dann gesunden könne, wenn es mit seiner Kritik bei sich selbst anfanqe und im nationalen Boden" seiner ..Wirtsvölker" Wurzel fasse. Datz die Vertreter auch dieser letzten Anschauung nach Darstelltzng des Verfassers — wenigstens teilweise — daraus ein politisches Geschäft machen, ändert nichts an der Tatsache, datz er Bestrebungen, die sich im Judentum der Gegenwart ztz gleicher Zeit in Amerika. Rußland, Deutschland auswirken und deren Träger in Deutschland der Verband nationaldeutscher Juden ist. richtig ooraussieht. So finden wir denn sonderbarerweise in diesem Buche, das wir als Ganzes venirteilcn, Sätze und selbst Seiten, die programmatisch mit unseren eigenen Zielen übercinstimmen. wenn wir auch an ihrer gehässigen Fonnulierung Anstotz nehmen. „Die Juden selbst werden in Amerika eine Judenfrage heraufbeschwören. so lange sie auf ihrer bizarren Judenhastigkeit bestehen. Was die unmittelbar neugierige Haltung , dem Juden gegenüber veranlaßt, sind fremdartige Sitten und Kleidung....... Er ist immer der abstoßende Ausländer, der unangenehme Erinnerungen an den geschichtlich verleumdeten Juden erweckt. seine nachlässigen Kleider oder seine übertriebene, juwelcnbedeckte. anmatzende Eleganz: seine Anmaßung und Pöbelhaftigkeit.seine antipathische Aufdringlichkeit.! sein verrücklmachender, unfehlbarer Glaube an sich selbst als besser, gescheiter, sauberer, moralischer, gerissener, größer: der Ausgewählte des Emen, Einzigen Gottes, den er auf die allein richtige Weise anbetet. seine Verachtung für alle anderen, für ihre Sitten und Lebensgewohnheitenj ihren Glauben, ihre Blödheit. und so wird er verhaßt, unerträglich, unerwünscht." - . „. v v » « „Ich aber werde ihn diskutieren. Ich werde das kranke Ich meines Volkes in die Klinik tragen. Ich weiß, man wird mich einen Feind meines Volkes schimpfen, ich werde gehetzt, verflucht und bespien werden, werde auch von meiner eigenen Familie enterbt, lächerlich gemacht, ein Renegat, ein Opportunist, das bezahlte Werkzeug der Antisemiten genannt werden." > Das ist die Ansicht eines Juden, dem" freilich spater nachgesagt w rd, datz er infolge des Angebots eines „Pöstchtns" seine Meinungen modifiziert hätte. Es ist belanglos, ob diese Nachrede den Einzelnen mit Recht trifft. Es ist oft genug vorgekommen, datz einer, her die Wahrheit kannte und «zuerst auch sagte, später persönlich schwach wurde. Das ändert» an der Wahrheit selbst nichts. Und wer erkennt nicht in den Worten des Reformers grundlegende Anschauungen des V erbandes nationaldeulscher Juden wieder, wer findet nicht darin auch die Vorwürfe, die uns selbst gemacht werden? Und ein anderer Jude, der es ehrlicher meint, sagf in dem Buch: mit „Wir wollen die Frage der russische^ Pogrome eil mgl nüchternen Augen und ruhigem Verstände ansehen. Wir Ist dem wissen, daß die Regierung die Hetzen inspiriert, das aber rlles, was uns angeht? Wie steht es mit Volke, dan sich so leicht gegen uns aufhehen läßt... Wo sind wir im Unrecht, wie tragen wir selbst dam >bei7 die Pogrome möglich zu machen? Ich bitte nur um ein üciit wenig gesunden Menschenverstgnd, empfehle ein paar ein ache Hausmittel, die mehr nützen werden, als alle leidcnsc! Mlichen Reden im Kongreß...!.... Ich glaube, datz es der zaristischen Regierung gar nicht mehr so leicht fallen wi rde, Pogrome zu veranstalten, wenn wir uns erst einmal den guten Willen, das Vertrauen rfnd die Zuneigung unserer zricht üdischen Nachliarn erworben haben. Wir chüssen un ercn Leuten sägen, dätz diese Händler und. Wucherer, die«Führer und Leiter unserer Gemeinden, diese Minderzahl von Profitaciern, die Wurzel allen Uehdls der Pogrome sind,.. Unterbinde das Ukbel, das erste Uebel, und ihr wirdet gleichzeitig das letzte Uebel verhindern. Hatz zeugt Hatz. Liebe führt zu einer-glücklichemFamilie." — —. . Zum Schluß noch einmal, um Mißverständnisse zu vermeiden: Ich verurteile das Merk und den Verfasser, insöfern er seinem Werke gerade diese Form gab. Aber ich spreche kein Werturteil aus über die Absicht, die ihn dabeigeleitet hat. Im Gegenteil: Ich persönlich glaube, hatzi der Verfasser reformierend wirken wollte, datz es sich nirfjti um eine wirkliche Autobiographie,, sondern nur? um me künstlerische Fornt einer solchen handelt, und datz der Autor (trotz seiner scheinbaren Identifizierung mit seinem Helden ein durchaus ehrenwerter Mensch sein tonn. Aber eben deshalb erscheint mir seine freiwillige. Selbsterniedrigung um so grauenhafter. sein datz um so verabscheuungswürdiger, jein Irrtum um io grötzei, — ein Irrtum, der da glaubt, Memchen bessern zu können, indem er ihnen nicht nur den Spiegel mrer schlechten Eigenschaften vorhält, sondem auch alles, was ihnen heilig ist, in den Kot zieht oder lächerlich macht. Man wirft dem Verb ind na ti o n a l d eilt sch c r Juden vor.!datz er den Antis nnitismus fördere, indem er am Judentum Kritik übe: man wird vielleicht auch mir die Behauptung, daß nur ein Jude de art über seine Stammesgenossen schreiben kömne. als antisemitfch vorwerfen. Ich wiederhole sie trotzdem. Und ich bin mir iiewutzt, damit das Gegenteil eines Anti iemiten zi sein, denck ich sehe in diesem schamlosen DrangezurSelbsterniedrigung nicht eine konstituierende Eigenschaft des jüdischen Charakters, andern einen schmachvollen Ueberrest nicht abge st reiften Ghcttotums, der nur verschwinden wirb, wenn man ihy immer und i.m m e r w i der an den P r a n g c r st t II t. II. Gedanken in Israel B. R. (Verlag von eile & Gehein iral Meyer. Geftalteit und Prof. I)r. ^R. Kittel. Leipzig.» Ein Buch, das mehr hält, als sein bescheidener 3 itel verspricht. Ein Buch von jüdischer Geschichte, das für 'Juden gerade deshalb lesenswert ist. weil es von einem Nichtjuden und Christen!stammt. Ein Tendenzbuch, wie es jedes wahrhaft lebendige Gelchichtswerk sein mutz, aber die Tendenz'ist w>der antisemitisch noch philosemitisch, sie greift hinaus über r»as Eintagsfliegei-Dasein,der Völker und ihre zeitgebundenen f men der Gottesverehrung. Für Rudolf Kittel ist »a Judentum „seit mehr als zwei Jahrtausenden Problem ui Schicksal der Menschheit". Die Juden waren ein Volk, »äs „der Weih etwas zu sägen hatte, solange es mit den Geschicken des heimatlichen Bodens verwachse > war". Deshalb verfolgt der Verfasser »en Werdegang dieses Volkes, der sich ihm in den Schickselen „starker Persönlichkeiten" (von der. Urzeit bis zu Juda nein Hämmerer) offenhart, mit' der Gründlichkeit des echten J orschers, dessen kritisches Auge dje ganze Fülle des wissenschlftlichen Stoff« überblickt.. gleichzeitig aber mit . der Eingeb mg des Dichters, dem aus dem ewig Menschlichen, aus den Be ob achtungen un > Erkenntnissen der Gegenwart, das Wissen um die Vergangenheit erwächst und dessen schöpferische Phantisie Burgen und Tempel erstehen lätzk. wo der trockene Mater alsucher nur Trümmer im WüsteNsand findet. Mit War en, wie sie nur einem wahrhaft religiösen Menschen gegeben s nd, würdigt der Verfasser das Külturwerk des kleinen asiatischen Misch-Dolkes, das sich aus der barbarischen Vielgötterei der Vorzeit zum Begriff des einzigen Gottes, des übersinnlichen Weltgottes, durckkämpft und schließlich seinen Gottesglau den der ganzen Welt als Geschenk darbringt. Dann aber, im Nachwort, zieht Kittel das Ergebnis seiner geschichtlich-i eli-

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