Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 Weike, dah man daran vergibt, dahman es m i t Juden zu tun hat". Vergleicht man die Rede dieses Herrn, desselben l)r. Orn stein, .der seinerzeit das Wahlbündnis mit den Zionisten abgeschlossen hat, mit der ersten Fassung des Aufrufes, die vorder Rede erschienen war, und sieht man sich dann die spätere Acnderung gerade dieses Absatzes des Aufrufes an, so weih jeder, der verstehen will, was er von den Ausführungen ' der Herren HirschfeId Oskar und Genossen zu halten hat.. Die Wahrheit von Rr. 42. die Wahrheit von Nr. 43, die vorläufig endgültige Wahrheit von Rr. .4b und schlichlich die Wahrheit des Verichtigungsichreibens «von einer kleinen Schimpfnoliz. die inzwischen in der „Wahrheit" erschienen i't, ganz abgescizcni lassen sich mit dem beiten 'Willen nicht unter eine» Hut bringen: sie sind nur jeweilige Konjunktur-Wahr heilen, aber keine in Fleisch und Blut sitzenden Gefühls-Wahrheiten. Plan muh auf dune Gattung von, „Wahrheit"- iuchern schon anwenden, was Hermann Bahr «ichliehlich^aüch ein Wiener und zurzeit sogar ein Zionistcnfreund» bcm Sinne nach von den Tbeaker-Lculen geiag^ hat. dab man ihnen unrecht tut. wenn man He ernkt nimmt, da sie ielbit doch sich nicht ernit nehmen. Fm übrigen enthält HirschfeId Oskar' s Berichti gungsschreiben auch die Angabe, das; der Central verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an unserer Vereinigung, „die eine Mitgliedschaft, der Union deutsch-österreichischer Juden Ht", überhaupl^nicht beteiligt ici. Vielleicht übersetzen die Herren diesen <-atz einmal in gemeinverständliches Deutsch. Wollen sie behaupten, dab weder die Union noch ihre Jugendgruppe G e l d u n l e r «t ü tz n n g von dem r e i ch s d c u t s ch e n Cenlralver>ein bezieht oder bezogen hat? Deutsches Bekenntnis. . Angeregt durch das «bedicht „Deutschland", das wir an der Spitze unserer Dezember Nummer brachten, sendet uns ein Perbandsmitglied das nachstehende «bedicht mit dem Bemerken. dab es vor langen wahren entstanden iit. D e u t i ch e S u b e iu 'Mag bitt're Feindschaft noch so mit uns hadern. Ruit blinder Hab auch, blinde Torheit „Rein". Flieht kein germanisch Blut in unser» Adern. — Wir sind doch Deutsche, wollen Deutsche fein. Erzogen wurden wir in deutscher Sitte. 'Rur deutsche Muttersprache kennen wir. Verbannen wollen wir aus unsrer Mitte. Was fremd iit uni'rer deutschen Heimat hier. Ob auch aus Asien kamen einit die Ahnen, In Deutschland schlugen feste Wurzeln wir. «Geschlechter lang schon treu des Deutschtums Fahnen. Nickt fremde Gälte, Bürger find ufr hier.. rErnit Sainicr. Zionismus und Asiatismus. . Tie „Frankfurter Leitung" bringt itt< Leitartikel ihrer Rr. 55 vom 21. Januar 1926 im Anschlüsse an eine Reihe von Reiseberichten die irachfolgenden bemerkenswerten Sähe: Wie «ich auch die Auseinandersetzung Englands und Frankreichs mit Äiien gestalten mag, —* eine Volkschaft, die dort leben will, wird erfahren, dah iie nicht anders kann als für Gelb zu optieren. Dab aber die europäischen Juden, zumal die. der Mitte und des 'Weitcns, darauf verzichten würden, sich zur weihen Rasse zu zahlen, glauben wir nicht. Die ^.'age der Zionisten iit Iflar genug. Die palästinensischen Juden mögen noch io sehr bestrebt' fein, 'ich nicht als dlohe Figuren im politischen Spiele Englands gebrauchen zu lancn.. — solange England in Palästina herrscht, sind auch - ihre Interessen irgendwie an «England gebunden. Wenn England eines Tages genötigt iit, «'ich zurückzuziehen, melden die palästinensischen Juden Asiaten werden oder schon sein müssen, um sich unter den Arabern behaupten zu können. Die'er Aspekt erleichtert sehr die Frage, auf die Ichlichlich alles ankommt. Rur Phantastik kann meinen, dah es möglich «ei. die gesamte Judenhcit in Palästina untcrzubringcn. Das iit ganz ausgeschlossen, ' auch wenn man Transjordanien hinzunimmt, wozu ja noch kommt, dah die meisten Juden gar nicht, daran denken, ihren Wohnsitz nach Palästina zu verlegen. Es wird nur ein verhältnismähig kleiner Prozentsatz in Palästina Platz finden, der gröhte Teil der Juden wird in den Ländern bleiben, wo sie sind. Wenn es daher richtig wäre, dab Palästina schlechthin die nationale Heimstätte der Juden ici. dann wäre die Frage zu beantworten, ob cs angehe, dah der Jude zwei Vaterländer habe? Etwa die Frage ob man gleichzeitig Deutscher und Aiiate sein könne? Die jüdischen Gegner des Zionismus, haben den richtigen Instinkt. Denn dies geht in der Tat nicht. Das Leben kümmert sich sehr wenig um die Floskel der Balfour-Deklaration, nach der nichts, getan werden solle, was geeignet wäre, die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem ^Lanve zu beeinträchtigen. „Heimstätte" ist eben Heimstätte, und wer sich zu ihr bekennt, der kann auch den Konsequenzen nicht entgehen. Einem einzelnen, der mit besonderen Geistesgaben ausgestattet ist, mag es möglich sein, Gcburts- und Wunschland mit gleicher Liebe zu umschlichen. Aber die Reyel kann das nicht sein, und jedenfalls kann man dieser Emzelncn wegen nicht verlangen, dah die Richtjuden eine solche Doppelheit anerkennten. Diele Ausführungen, die in jedem Worte den Nagel auf den Kopf treffen, sind um so beachtlicher, als sie von einem gewih des „Antisemitismus" nicht verdächtigen Blatte ausgehen. ° _ Biicherfchau. I ' i. . Hexr Fettwanst; eine amerikanische Autobiographie «Kurt Wolff Verlag: Münchens. ' Ein kluges, bisweilen selbst geistreiches Buch, von einem : scharfen und begabten Beobachter geschrieben, aber zugleich; ein Buch ohne Architektur und Melodie! Nur einmal schluchzt i die Ballade eines ekstatischen Sterbens aus dem nüchternen! Parlando seiner Seiten. Kein grohes Kunstwerk also, aber eines, das sich als K u l t u r d o k u m e n t gibt und von Antisemiten mit breitem Behagen als ein solches bewertet wird. Auf der Eait-Side New Yorks, im Judenviertel, wirb Mener Hirsch als Abkömmling eingewanderter Ostjuden ge-; borcn. Sein Vater ist Konfektionsarbciter. stirbt an Hunger und Schwindsucht. Sein Onkel, dem die erhofften Segnungen des Sozialismus nicht schnell genug 'Wirklichkeit werden, beschlicht kurzerhand, selbst Fabrikant zu werden und seine bisherigen Kameraden noch gründlicher und grausamer aus- : zusaugcn, als dies bisher schon geschah. Er gedeiht zu Reichtum und groher Stellung. Meyer Hirsch selbst zieht als Knabe umher mit einer Bande verluderter jüdischer Tascheni dicbc, ernährt sich als. Kellner und Vortragskünstler in einem Bordell-Cafe, arbeitet' aber ' zugleich an seinen juristischen . Studien, wird Anwalt, erreicht durch eine glatte Erpressung! seine Ernennung zum Richter, benutzt auch diese Stellung zu den übeliten Praktiken und büht endlich einen Teil seines „sozialen Ansehens" durch eine Mihheirat ein. Es ist uninöglich, im Rahmen einer kurzen Besprechung die Anhäufung von Verbrechen, Zynismus, Geilheit und Betrug zu schildern, in deren Darstellung der Verfasser sich gefällt. Geht über dielen Judenstrahen New Yorks jemals die Sonne auf? Man kann es sich kaum vorstcllen. Alles ist gemein, krank, närrisch, sinnlos, .verbrecherisch: die Religion, die jüdischen Riten, die Rabbiner, die Lehrer, die Kaufleute, die Eltern und Kinder: alles ist ekelerregend. Ilnd am widerlichsten ist Meyer Hirsch selbst, der nicht einmal den Mut seiner Gemeinheit hat, der seine Genossen zu verbrecherischen Taten anregt, um deren Ertrag gaunerisch für sich einzuziehen, und — völlig amoralisch — nur ein einziges Ziel kennt: Karriere zu machen. Charakteristisch für die Lebensanschauung des Verfassers iit das Schicksal der wenigen Personen, die sich inmitten solchen Schmutzes rein erhalten. Da ist die Heilandsfigur eines dichterisch begabten Jünglings, der mit verzeihender Liebe eine Hure zu sich cmporzieht. Er stirbt vor Vollendung seiner Träume an Schwindsucht. ' Da ist ein Arzt, der sich der | Wissenschaft und dem Heil der Menschheit hingibt. Er geht zugrunde an den Folgen eines selbstlos unternommenen Erperiments. Da iit endlich eine junge Jüdin, die trotz gesunder Sinnlichkeit ihre körperliche und seelische Keuschheit wahrt. Sie wird die Frau eines Christen. Es ist, als wolle der Verfasser zu verstehen geben, dah Adel der Gesinnung 'die Lebenskraft schwäche und jedenfalls im Ostjudentum leine Stätte finden könne. Zugegeben, dah auch die Amerikaner nichtjüdischcr Herkunft bei der Schilderung dieser Kloake nicht besser abschneiden. Aber da der Verfasser nun einmal selber Jude ist, da die grohe Mehrzahl der im Buch geschilderten Personen Juden sind und da die Erzählung autobiographisch eingekleidet ist, ändert diese Tatsache nichts an dem Eindruck, dah hier ein Jude ein „Kulturdokumcnt" geschaffen hat, das geeignet ist, auch den schroffsten Antisemitismus zu rechtfertigen. Es ist immer nützlich, Werke, die auf literarische Geltung Anspruch erheben, moralisch zu werten. Das vorliegende Buch ist ohne Frage eine Tendenzschrift, und es scheint mir. durchaus glaubhaft, dah der Verfasser reformatorischc Absichten damit verfolgt hat. Aber selbst diese Absicht kann es vor Verurteilung nicht schützen. Nicht der Hah, nur die Liebe ist fruchtbar:, nur der aus erbitterter Liebe aufqucllende Hah kann durch seinen Tadel rcformatorisch wirken. Auch Heine hat die Juden verhöhnt, hat Deutschlanb beschimpft. Wer aber, der nicht voreingenommen ist. fühlte dahinter nicht die brennend^ und gekränkte Liebe! Auch Platen schrieb: „Du weiht cs längst, man kann hienieden Nichts Schlechtres, als ein Deutscher sein." Aber er meinte mit diesen ohnehin zweideutigen Worten nicht das Volk, in dem sich der Genius des Deutschtums zeitenlos verkörpert, sondern die Träger einer kleinlichen und gehässigen , Gegenwart. Der Verfasser des „F e t t w a n st s". obwohl er Schilderungen gibt,- die Jahrzehnte zurückliegen, zielt mit kaltem Hah in das Herz der Judenheit selbst, und er trifft, indem er seine Waffen auch gegen Religion und Riten richtet, nicht nur die Juden einer gestorbenen Zeit, sondern auch die Frommen der Gegenwart.