Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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aufgefordert rojube, dem Sektionrvorsitzenden Herrn Kommerzienrat vr. Hauptner mit Rücksicht auf gewisse Presseangriffe, die gegen ihn gerichtet worden sind, ein Vertrauensvotum zu erteilen. Bei dem Vorstand unseres Verbandes ist von einer ganzen Reihe unserer Mitglieder, die gleichzeitig Mitglieder der Sektion Berlin sind, angefragt worden, welches Verhalten ihnen gegenüber dieser Anregung empfohlen würde. Unser Verbandsvorstand ist nicht in der Lage, diese Fragen „ex cststeclra" zu beantworten: der Vorstand steht nach wie vor auf dem Standpunkt, datz in derartigen Fragen lediglich das! einzelne Mitglied nach seinem persönlichen Ermessen entscheiden kann. Mit Zustimmung unseres Hauptvorstandes wird jedoch nachstehend das Schreiben in seinem wesentlichen Teile oekanntgegeben, das unser Verbandsvorsihender in seiner persönlichen Eigenschaft als Mitglied der Sektion Berlin des D.-Oe. A.-D. an den Obmann der Gruppe gerichtet hat, von welcher die Anregung zu dem Vertrauensvotum ausging. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Auf die von einigen Mitgliedern der Alpenvereins- Sektion Berlin gegebene Anregung, Herm Kommerzienrat vr. Hauptner das vollste Vertrauen auszusprechen, erwidere ich ergebenst, datz ich zu einer derartigen Kundgebung keine hinreichende. VeranlMung sehe. Ich füge ausdrücklich hinzu, daß ich zu einer Mitztrauenskundgrbung genau so wenig Veranlassung sehen würde. .. Was ich zu den Presseangriffen, die in neuerer Zeit gegen Herrn Kommerzienrat vr. Hauptner erfolgt sind. $u sagen habe, ersehen Sie aus der Notiz „Alpenverein und Parieipolitik" in der von mir redigierten Zeitschrift „Der nationaldeutsche Jude" (Nr. 11 vom November 1925), von der ich ein Eremplar in der Anlage beifüge.Ich habe also persönlich keine Veranlassung, mich an Kundgebungen irgendwelcher Art zu beteiligen. Darüber hinaus aber kann ich mir nicht versagen zu bemerken, datz ich es für durchaus unzwcckmähig ansehe, eine solche Kundgebung gerade jetzt herbeizuführen, und zwar mit Rücksicht auf den Frieden innerhalb der Sektion. Ich würde es für sehr bedauerlich halten, wenn Herr Kommerzienrat vr. Hauptner sein Amt als Vorsitzender niederlegen würde, denn nach meiner Ueberzeugung würde eine derartige Amtsniederlegung nur diM führen, datz von radikalen Elementen innerhalb der Sektion, die den Frieden gar nicht wollen, neue Versuche gemacht werden, die Gemüter zu erhitzen. Ebensowenig aber kann, ich es billigen, datz jetzt ohne jede Notwendigkeit eine Kundgebung eingeleitet wird, die praktisch keinen anderen Erfolg haben kann, als wieder einmal die Gegensätze zu verschärfen. Die Sektion Berlin braucht Ruhe, damit sie wieder das werden kann, was sie sein soll, nämlich eine Gemeinschaft der an alpinen Fragen interessierten Mitglieder, die bereit sind, sich auf dem Boden der aemeinsamenJnteressenüberpolitischeundsonstige Gegensätze, die autzerhalb des Alpenvereins ausgefochten werden mögen, hinwegzusetzen. Wer diese Ruhe und damit die Wiedergesunbung der Sektion wünscht, sollte unliebsame Dinge, über denen schon Gras zu wachsen beginnt, nicht gewaltsam wieder ans Tageslichtziehen. Ich bin--überzeugt, mit diesem Schreiben die Ansicht sehr zahlreicher nichtjüdischer und jüdischer Mitglieder der Sektion Berlin auszudrücken. und würde es freudig begrüben. wenn Sie, sehr geehrter Herr Geheimrat, und die anderen Herren: von denen die Anregung zu der Kundgebung ausgeht, sich meiner Ansicht anschlietzen und die Aktion fallen lassen 1 würden. Ich möchte fast annehmen, das; Herr Kommerzienrat vr. Hauptner selbst auf dem gleichen Standpunkte steht. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. l)r. Naumann. Vom Keren Hajessod. Dem „Wochenblatt jfür den Synagogenbezirk Erfu rt", das jich wiederum auf die zionistische ..Jüdische Rundschau" beruft, entnehmen wir eine Zusammenstellung über die Ausgäben des Keren Hajessod in der Zeit vom 1. April 1921 b?q 31. Män 1925. Es heiht dört wörtlich: , „Besondere Ausgaben für nationale Organi fationen. 63938 Pfund: Für Misrachi-Organisation -.46778 Pfund: Für Jüdischen Nationalfonds. 26 575 Pfund. Das Wochenblatt für^den Synagogenbezirk Erfurt knüpft daran die treffende Bemerkung: „Der unparteiische Charakter des Keren Hajessod erfährt durch diese Zahlen eine!neue Beleuchtung." Interessant ist übrigens, daß gerade jetzt zwischen dem Centralverein und der^ Zionistischen Organisation wieder einmal ein! Bruderzwist über die Keren Hajessod-Frage ausgefochten wird: diesmal scheint die Parole des Eentralvereins zu lauten: mit Entschiedenheit gegen den Keren Hajessod. damit unsere nichtzionistischen Mitglieder auch einmal eine Freude haben! Entwrechend diesem Feldzugsolane wird in Nr. 3 der C. V. -Zeitung der Dortmunder Rabbiner vr. Jacob vorgeschickt, und zwar mit .... Organ Ausführungen, die auch in einem nationaldeutschen stehen könnten. In seinem Aufsatz heitzt es wörtlich: , „Es ist seiner (des Keren Hajessod) Leitung gelungen, eine Reihe führender jüdischer Persönlichkeiten und elir viele arglose Gemüter dadurch zu gewinnen, das, sie ihn als eine nichtzionistische neutrale Angelegenheit ausgab. Das entspricht nicht den Tatsachen. Nach diesen wird das Geld zwar auch von Nichtzionisten gesammelt, aber verwendet wird es in nistischem Sinne." Es ist sehr anerkennenswert, datz hier von einem führenden Mitglied des C. V. einmal der Keren Hajesfod-Zaubär beim richtigen Namen genannt wird. Aber wie steht den anderen führenden Centralverein-mit gliedern, die nach wie vor unentweg denselben Keren > Hajessod werben, die Herren Justiz rat vr. Cohn, Rab vr. Baeck. Rabbiner vr. Goldmann und andere? Gehören nun diese Herren nach des Herm Rabbiner . Vr. Jacob nicht zu den . den jüdischen Persönlichkeiten" oder gehören sie zu den nki t für -um biner viele Ansicht „führen- .vielen arglosen Gemütern"? Uns scheint, datz die^Arg losigkeit hauptsächlich auf seiten der Central Vereinsmitglieder ist, diesich von sülchen Leuten führen lassen und es dulden, datz man in d-en Veröffentlichungen dieser ihrer u „unbeirrte Pflege des Deutschtums" so bemühten Führer nach dem Rezept des fe Schmock „schreibt rechts und schreibt link;". >m d i e heitz ligen Hirschfeld Oskar und die Wahrheit. Von der „Jugendgruppe der Union deutsch österreichischerJuden" ging uns unmittelbar vor ' 7 ‘ des Blattes eine schon vom „5. Jänner" datierte sog« nannte „Berichtigung" zu. Die eine der Unterschriften ist unvserlich, di« andere heitzt ..Hirschfeld Oskar". Es dürte sich also um denselben jungen Mann handeln, von dem in der Dezember-Nummer unseres Mitteilungsblattes unter „Vcrbandsnachrichten" (Wien) berichtet war. Hirschfeld Oskar und sein unleserlicher Mitschriftsteller sind sehr ungehalten darüber, datz wir einen Satz des Äufmfs der „I u gendgruppeder Union deutsch-österreichischer Juden". in dem von der Ablehnung einer .nationalen' Bewegung die Rede war, auf uns bezogen haben, während die Herren von der Jugcndgmppe diesen Satz jetzt nur auf die Jüdischnationalen bezogen wissen wollen. Diesem Auslegmigskunststück! geben Hirschfeld Oskar und der andere Herr die Form, datz sie kurz und schlicht aussprechen, unsere Angabe sei „unwahr": es schwebte ihnen anscheinend vor, damit eine Berichtigung im Sinne des Pretzgesetzes vollbracht zu haben, lieber die Formal- ~ frage ist hier nicht zu reden: die jungen Leute mögen sich darüber von einem Rechtsverständigen belehren lassen. Aber auch mit der sachlichen „Unwahrheit" hat es einen Haken- Wir haben schon in der Dezember-Nummer unseres Mitteilungssblattes darauf hingewiesen, datz gerade dieser Satz des rufes eigenartigerweise in einer späteremFassuchz ändert worden ist. Diese Aenderung ist sehr bezeichnend. In Aufg g.ebeit" BederursprünglichenFassun g (siehe „D i e W a h r Nr. 42) lautet der Absatz: „Wir lehnen aber auch jene andere .national^' wegung ab. welche die BaNdc, die uns mit dem Lande verbinden. in dem wir geboreä und aufgewachsen sind, zu lockern sucht. Unsere Vereinigung bekämpft den jüdischen Nationalismus und tritt dieser Propaganda entschieden entgegen." In der zweiten Fassung („Die Wahrheit" Nr. 45) lautet der Absatz wie folgt: „Wir lehnen aber auch jene andere Bewegung c d, die neben der Wiederaufbauarbeit in Palästina, die gewitz Anerkennung verdient, auch in Oesterreich „nationale" Politik seitens der Juden betreiben will. Unsere Vereinigu ig bekämpft daher den jüdischen Nationalismus und tritt dessen Propaganda entschieden entgegen." Der Unterschied ist in die Augen springend, sonders bezeichnend ist das „daher", mit dem in zweiten Fassung die beiden Sätze untereinander knüpft lind, während ' sie in der ersten Fassung verknüpft hintereinander stehen. Es kann demnach Zweifel darüber bestehen, datz die Wahrheit von eine andere war oder doch anders erscheinen sollte, Wahrheit von Nr. 45. Die erste Fassung sollte zurj wendung in geeigneten Fällen mindestens die- Deutung lassen, datz die>„Jugen dg kuppe der Union de ö st e r rer chi scher Iu d en" sich auch vondennati deutschen und grostdrutschen Bestrebunge wende. Dieser Schlutz wird zwingend, wenn man sich di grammrede ansieht, die nach Nr. 43 der „Wahrhei .Präsident" der Union deutsch-österreichischer Juden selb ein Erwachsener, gehalten hat. wohlverstanden zu « Beder uerunkein r. 42 s die Beroffen tsch n a I - a b - Pro " der ..also i N e r Zeit.zu welcher der Aufruf nochnicht geändert war. Auch in dieser Programmrede findet sich neben allerlei pflaumenweichen Redensaüen von österreichischem Ätaatsbürgertum und Heimatliebe und kaum beiläufiger Verwendung des Wortes „deutsch" ein ganzer Absatz, der mit den üblichen Schimpfreden gegen unseren Verband loszieht uäd uns nachsayt. nur „betonten unser Deutschtums» einer ...a