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Der nationaldeutsche Jude · 1926-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1926) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
1/2 (Januar/Februar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 bewegung, auch nicht über diejenige, die ihrer Tendenz nach antizionistisch ist. Der Weg geht nur über die Gemeinschaft mit nichtjüdischen Kameraden. Mag uns auch heute das Aufgehen in der groben deutschen Jugendbervegung noch vielfach verschlossen sein. Der Umgang mit ein paar mchtjüdischen Kameraden wird besser wirken, als die Mitglied schaft in einem jüdischen Jugendbund. . Alles dies bezieht sich, wie ich ausdrücklich' noch einmal hervorheben will, nur auf die Jugendbewegung in dem oben bezeichnet«» engeren, dem stark gefühlsmähig erfahren Sinne. Es bezieht sich nicht auf den Verein. In einem Verein oder Verband, der eine solche enge Lebensgemeinschaft, wie die Jugendbewegung, nicht bedingt, dafür aber das Wissen und Rüstzeug' für die Aufklärung?- und Erziehungsarbeit liefert, mögen wir uns mit Juden, sofern sie nur nationaldeutschen Empfindens sind, gefahrlos und mit Nutzen zuiammenschliehen. Darum haben die Jugend-' gruppen unseres Verbandes nationaldeutscher Juden ihre Berechtigung., Eine jiddische Jugendbewegung, auch wenn sie eine Jugendbewegung nationaldeutscher Juden wäre, hätte diese Berechtigung nicht. Geh. Medizinalral Prof. Dr. Passow t- (öehcimrat Passow. ordentlicher Professor der Ohrenheilkunde an der Universität Berlin, ist im 68. Lebensjahre plötzlich und unerwartet einem tückischen Leiden zum Obfer gefallen. Unser Verband, der auf die Verständigung lmit christlichen Deutschen von Anfang an so groben Wert gelegt hat. erfüllt eine Dankespflicht, wenn er seiner an dieser Stelle gedenkt. Erweist sich doch guade an den Beziehungen zwischen dem Verbände und Passow, auf wie richtigem und cn'olgversprechendem Wege wir sind. Passow war aus der militärärztlichen Kaiser-Wilhelms-Akademie hervorgcgangener aktiver Sanitätsoffizier gewesen, akademischer Lehrer, Arzt des Kaisers geworden, durch FamÜienbeziehungen mit mitteldeutschen Höfen und hanseatischen Patriziern in gleicher Weise gesellschaftlich und verwandtschaftlich verbunden: Grund genug, dah er in deti Kreisen lüdisch'er, Aerzte von vornherein als Antisemit galt. Diese Meinung wurde wankend, als er aus den Kreisen jüdischer Fachärzte Mitarbeiter für seine Klinik auswählte und diesen jede mögliche Förderung angcdeihen lieh. Ich selbst muhte meine vorgefahte Meinung gründlich revidieren, als ich mit dem damaligen Generalarzt;i h suite Passow während des Krieges fällig einmal im Felde zusammentraf und er mir im Laufe einer Frühstücksuntcrbalrung Ansichten über die sogenannte Judenfrage entwickelte. wie ich sie in solcher Vorurteilslosigkeit bei ihm nicht vermutet hätte. Nach dem Kn'eqe kam die Gründung unseres Verbandes, und zu meinem Erstaunen rief eines Abends Passow m.ich ganz spontan telephonisch ckn, um mir in langem Ecwräch und geradezu begeistert auseinanderzusehen. dah Naumann nach seiner Ansicht den einzig richtigen Weg eingeschlagen habe. Don da ab bestanden rege Beziehungen zwischen Passow und uns. Als wir unseren Aufruf an die akademische Jugend versandt hatten, rief Passow an. forderte ein Dutzend Eremplare, da. der erste Anschlag vom schwarzen Brette abgerissen worden sei. Er werde dafür sorgen, dah jedesmal^iy neues Eremplar anqeklebt werde, „bis der Gesellschaft die Puste ausgeht". Passow hat Veranstaltungen unseres iVerbandes besucht, sich regelmähig unsere Veröffentlichungen t kommen lassen und sie in seinen Kreisen verbreitet. Er war ein Schwager von Eucken und hat auch diesen und seine Familie auf unsere Bestrebungen aufmerksam gemacht. Die Broschüre des Herrn Märr und i meine Entgegnung hatte er genau gelesen und hat mich im > g.urchhaltcn im Kampf gegen unsere Lästerer mehrfach und ausdrücklich bestärkt. Und endlich: Als seine Korporation, > einst ein studentischer Verein an der militärärztlichen Akademie, > um Corps werden zu können von den .Alten Herren' die , Erklärung einer blutmähigen ..Rassereinheit" verlangte, hat! Passow dies, obwohl ihm diese Erklärung ein Leichtes ge- > wesen wäre, weit von sich gewiesen, und zwar mst Worten,; die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig liehen und die | ich hier nicht wiederholen möchte. Man folgere aus diesen Tatsachen nicht, dah Passow j nun etwa begeisterter Philosemit gewesen sei oder in seinem Leben der sogenannten Judenfrage einen breiten Raum zugemessen habe. Ursprünglich lagen ihm diese Dinge wohl ziemlich fern. Als aber die Zeitverhältnisse sich so gestalteten, dah niemand an diesen Problemen vorübergehen konnte, hat er mit der Selbstverständlichkeit, die eine vornehme Gesinnung verleiht, seine Stellung genommen, und wir.können uns als Verband nationaldeutscher Juden das > Verdienst zuschreiben, ihm ein tieferes Verständnis für das Wesen des jüdischen Deutschen, wie wir ihn verstehen, ver-! mittelt zu haben. Ebenso,aber danken wir diesem Mann« auch über das Grab hinaus, denn wir können an seinem Beispiel beweisen, dah unsere Berständigungsarbeit richtige Wege geht. So iperden wir P a s s o w' s als eines Förderers .unserer Bestrebungen stets in Treue gedenken. Dr. Alfred Penser. | Vermischtes. Der Zionist und das Vaterland. In der vorigen Nummer (Nr. 12 von 1925) unseres Mitteilungsblattes war unter ..Verbandsnachrichten" und „Echo der Presse" von dem Auftreten eines Zionisten die Rede. ’ der sich an der Aussprache nach dem Vorträge des Herrn l)r. P e n s e r in Breslau auf seine Weise beteiligt und dabei Bemerkungen über das deutsche Vaterland gemacht hatte, die den lebhaften Widerspruch unseres Vorstandsmitglieds De. Cohn hervorriefen. Die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" hat diesen Vorgang zum Anlah genommen, Herm Dr. Cohn als „nationaldeutschen Lästerer" anzurempeln. Wir bringen im folgenden ein Schreiben, das von einem nichtjüdischen Gast der Veranstaltung, dem in Breslau hochangesehenen Pfarrer und Privatj dozenten Lic Dr. Haack an uns gerichtet worden ist. Diese Aeuherung eines Unparteiischen stellt nicht nur gegenüber der Darstellung des Zionistenblattes den wahren Sachverhalt klar, sondern sie hat über den Einzelfall hinaus grundsätzliche Bedeutung. Die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" hat anschlichend an den Vortrag von Dr. P e n f* r über „Falscheund wahre Freunde unserer Jugend" unter »em Titel „Ein nationaldeutfcher Lästerer" einen Artikel gebracht, den ich um der Gerechtigkeit willen, nicht unwidersprochen lassen möchte. Es dürfte wohl bei der scharfen «Gegnerschaft der Zionisten und des nationaldeutschen Verbandes eines „Neutralen", d. h. eines Nichtjuden, Beurteilun« des Eindrucks der gefallenen Aeuhcrungen für beide Teile von Interesse sein. Ders feindisponierte und in klaren Strichen durchgeführte Dortram Dr. P e y s e r s hatte durch seine sachlich ruhige Klarlegung von vornherein eine Basis geschaffen, die jede gehässige Debatte schlechthin ausschlieszen mutzte. Gerade die Ächtung!vor dem Gegner und die Erziehung der Jugend zur Sachlichkeit hatte er in ernst mahnenden Worten in ben Mittelpunkt seines ersten Teiles gestellt. Dem Einfluh dieser benihigenden Atmosphäre konnten sich auch die Diskussionsredner aus dem gegnerischen Lager nicht ganz entziehen. Der erste Redner — wohl ein Student oder gar noch Schüler — wirkte freilich mit seinen Belanglosigkeiten sehr blatz nach dem anregend geistvollen Vortrag, hielt sich aber in Ton und Redcform durchaus ruhig. Es ist bedauerlich, dah so vielfach in Versammlungen reichlich junge Leute herausgestellt werden, von ihren Gesinnungsgenossen dann ihren sicheren Beifall haben und nie darüber aufgeklärt werden, wie sehr sie — gelangweilt haben. Der zweite, entschieden geistvollere Redner, ein Herr Rechtsanwalt 2 a k o bis o h n . versuchte dann, auch in durchaus ruhiger Art, Drs P e n s e r kritisch zu entgegnen. Ein Teil seiner Ausfühnmgen weckte in mir so starken Widerspruch, dah mich nur die schon sehr vorgerückte Zeit daran hinderte, als Deutscher gegen diese Herabsetzung unseres Volkes energisch zu protestieren. ,.D a s deutsche Volk steht nach dem Kriege moralisch auf einem niedrigen Niveau", wurde schlechthin behauptet. Schon die Tatsache, dah der Diskussionsredner von dem deutschen Volke mehrfach sprach und so sich selbst aus diesem gesunkenen Volke ausschloh, berührte recht eigenartig. Auch die anderen Ausführungen zeigten eine so voll-' kommene Unfähigkeit, sich in die Lebensprobleme unseres deutschen Volkes einzufühlen, dah man hier als Nichtjude eine unüberbrückbare Kluft fühlte. Wenn man als Nichtjude, im öffentlichen Leben stehend Nichtantisemit ist — auch die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschl a n d" hat gelegentlich der dort besprochenen Streitigkeiten im Euckenbunde meine gerecht sachliche Einstellung gegenüber dem Judentum betont —, hat man soviel mit gegensätzlichen Meinungen zu kämpfen, dah man vielleicht die Wurzeln des Antisemitismus besser als mancher Jude durchschaut. Meines Ermessens stärken derartige, eben doch stark auf zionistischer Ueberheblichkeit stehende Acuherungen wie die des Dr. Jakobsohn den Antisemnismus viel mehr als irgendeine deutschvölkisch-antisemitische- Brandrede. Nur im Deutschtum können sich deutsche Juden und deutsche Nichtjuden finden. Sonst wird der Jude stets in Deutschland als Fremdkörper empfunden werden. Die Zeilen der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" irren darum sehr, wenn Jie meinen, dah nur ein späterer Diskussionsredner, den ich leider nicht mehr hören konnte, gegen Herm Dr. Jakobsohns Worte etwas einzuwenden gehabt habe. Ich glaube, dah aste wirklich deutschempfindenden Anwesenden sie mihbilligen muhten und nur die zuvorkommend mhige Art des Diskussionsredners wie die ganze durch Dr. P e n s e r geschaffene Atmosphäre eine stärkere Beunruhigung nicht nach auhen hervortreten lieh. Dr. H a ä ck. Pfarrer und Privatdozent. Breslau. Nochmals: Die Sektion Berlin des D.'-O«. A..V. Die Vorgänge, die wir in unserer November-Nummer unter „Alpen verein und P arte i v o li t ik" streiften, lassen manche Mitglieder der Sektion Berlin noch immer istcht schlafen. In neuerer Zeit ist von einer Reihe nichtjüdischer Sektronsmitglieder ein Rundschreiben versandt worden, m dem'

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