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Der nationaldeutsche Jude · 1926-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1926) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
1/2 (Januar/Februar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 — mubifdkn Tchrifttumes lenkt die Saldierenden weit ab von den wirklichen Aufgaben des künftigen! Amtes, vom Studium des Lebens der Volks- und Einzelseele, der sie später dienen sollen. So versinken sie im alten Orient und büßen das Verständnis ein für das [ neuzeitliche Deutschland. Das Universitätsstudium aber bleibt schon aus Zeitmangel gegenüber dem auf der Hochschule oder dem Semcnar stets Nebensache. Auch die sonstigen Umstände unseres theologischen Studiums sind alles eher als verlockend. Schon vor dem Krieg war selbst die als liberal verschrieene Hochschule für die Wissenschaft des Judentums eine Domäne der Ostiuden, die sich schon damals mit bewundernswertier Dreistigkeit ganz der in ihrer Heimat üblichen llmgangsfonnen bedienten. Wer heute diese Stätte als aufrechter Deutscher besucht, dürfte sich — trotz der über jeden Zweifel erhabenen Wissenschaftlichkeit der Vorlesungen — wegen des Publikums mit Grausen wenden. Und doch sollte er das lieber nicht tun, sondern sich klar machen, daß man hier nur Wandel schaffen kann, wenn man die fremdländischen Einflüsse dadurch zurückdrängt,. daß man sie durch verstärkten deutschen Einfluß ersetzt. - Auf jeden ostjüdischen Rabbinatsbeflissenen zwei deutsche, dann wird sich schon der Charakter der Hochschulen ändern, dann wird auch die Ausrede haltlos werden, man müsse ausländische Bewerber anstellen, da es an deutschen mangele. Denn eine Ausrede bleibt es doch, wenn man glaubt.! daß Leute ein Amt befriedigend versehen werden, für das ihnen die innere Eignung fehlt. Noch gibt es eine Ätenge Deutscher, die, ohne die vorgcschriebene Rabbinerprüfung abajelegt zu haben, für dies Amt unendlich eher geeignet wären, als ein Ausländer. Unter unseren Lehrern aller Gattungen gibt es genug, die wenigstens vorübergehend als Seelsorger wirken können. Die kleinen Gemeinden haben sich ihrer als Prediger stets bedient, wenn sie die Besoldung eines Rabbiners nicht aufbringen konnten, und auch in größeren Gemeinden haben sich Lehrpersonen als Hilfspredigcr an den hohen Feiertagen oft genug bewährt. Einen besonderen Priesterstand kennt das Judentum seit Zerstörung des Tempels nicht mehr. Die Heranziehung von Laien dürfte begründeten Widerstand nicht finden, wenn sie uns mein' geben können, als der diplomierte Ausländer, der weder Willen noch Fähigkeit mitbrinat, unserem deutschen Empfinden Rechnung zu tragen. Die religiöse Ehrlichkeit verlangt sogar die Bevorzugung derer, die j uns mit dem Herzen nahe sind und es daher verstehen, unsere Herzen Gott nahe zu bringen.! Natürlich ist diese Maßnahme nur csls Notbehelf gedacht, wo auch bei gutem Willen kein deut ~ zutreiben ist. Wichtig ist es. daß sie bleibt. Darum muß alles getan werden, nur. _ . Zahl deutscher Juden stets dem theoloeischen Studium zuzu führen. Der Religionslehrer soll die Kinder für dies hohe Amt begeistern und seinen Einfluß auf die tkltcrn geltend machen, geeignete Jünglinge Theologie studieren zu lassen. Die Gemeinde sollte solchen, aber auch nur olchen Studierenden, denen das Deutschtum ebenso heilig ist, w ie der jüdische Glaube, durch reichliche Stipendien die Wege ebnen, damit wieder ein Rabbinersland entsteht, der sich allgemnner Achtung erfreut und sich dem christlichen Seelsorgcrstant in seinen sämtlichen Vertretern ebenbürtig an die Seite stellen kann. Das Judentum glaubt an die Auswärtsentwicklung der Menschheit bis zur Höhe des messianische r Zeitalters, das ihm in ferner Zukunft vor Augen steht. Doch der Weg zu diesen Zeiten, zu der alle Menschen, alle Völker Gott gemeinsam anbeten werden, führt über die einzelnen Nationen. Israels Auserwählthcit besteht ja gerade in seiner Verteilung auf die Nationen, dnen allen es diese frohe Botschaft bringt, die Botschaft ron dem fernen Ziel, dem jedes Volk auf seinem Wege zuzustreben hat. Unser Volk ist das deutsche. Darum rufen wir den verantwortlichen Leitern unserer Gemende die Worte des Propheten zu: „Warum hinket ihr nach leiden Seiten?" Bekennet Farbe, ob es auch euer Volk ist! Stellt ihr euch außerhalb desselben, so werden wir wissen, was wir .zu tun haben, — wo nicht, so gebet unserem deutschen Volk sein Recht und seine deutschen Rabbiner! Zur Zugendfrage. Von stuck, jur. Kurt Machol. In der Dezember-Nummer unseres Mitteilungsblattes fordert ein Angehöriger des „Deutsch-jüdischen Wanderbundes Kamcrade»" unseren Verband auf, „aus seiner Abgeschlossenheit gegenüber jeglicher Jugendbewegung" herauszutreten. j Wir dürfen annehmen, daß damit nicht gemeint lei. der Verband solle sich um die deutsche Jugendbewegung im allgemeinen kümmern, d. h. die Bewegung, die mit diesem besonderen Namen bezeichnet wird und an sich national gerichtet. jedoch nicht konfessionell oder rasscmäßig gebunden sein soll. An dieser Jugendbewegung nimmt wohl jedes Verbandsmitglied inneren Anteil, wie es sich gegenüber Bestrebungen von selbst versteht, die auf Heranbildung eines für die deutsche Zukunft brauchbaren Geschlechts hinauslaufen. Leider wird für uns Juden dieser Anteil im großen und ch e r Rabbiner aufein solcher Notbehelf um eine ausreichende ganzen nur ein „innerer" sein können, denn es ist ja bekannt, daß ein erheblicher Teil der zur Jugendbewegung in di fem engeren Sinne gehörigen Bünde sich heute gegenüber Juden grundsätzlich ablehnend verhält und daß es nur selten im gen Deutschen jüdischen Stammes möglich ist, in solchen .Bünden Aufnahme zu finden. Was der Einsender der in der Dezember-Nummer unseres Mitteilungsblattes abgedruckten Notiz verlangt, ist über offenbar etwas anderes. Er meint, unser Verband solle der jüdischen Jugendbewegung Interesse entgegenbringen, soweit sie nicht zionistisch sei. Ich glaube, daß dieses Verlangen auf einer Berkenrung unserer Bestrebungen beruht, vielleicht auch auf einer! Verkennung dessen, was Jugendbewegung — im engeren S nne des Wortes — bedeutet. Eine Jugendbewegung" muß Menschen umfassen, die durch eine durch und durch gleiche Weltanschauung miteinander verbunden sind. Jugendbewegung verlangt nicht nur den sbeist, sondern die Seele. Nur wo Seelen sich verbinden, um gemeinsam eine Höhe zu erreichen, zu der sie einzeln nicht gelangen könnten, nur dort chann eine Jugendbewegung bestehen., So verlangt der Bund der Jugend eine viel ticfere innere Bindung, als der „Verein". Eine jüdische Jugendbewegung im Sinne des jui g«n Menschen, der den „Kameraden" angehört, müßte also eine Bewegung sein, die auf j ü d i s ch e r Seelengemeinschaft beruht. Eine solche Seelengemeinschaft können wir von unserem nationaldeutschen Standpunkte nicht als erstrebenswert ansehen. Wir sind uns bewußt, daß infolge der gemeinschaftlichen Abstammung, des gemeinsamen Durchgangs durch das GH tto, der gemeinsamen Verfolgung und des gemeinsamen Lebens noch zu einer Zeit, als die Ghettomauern schon gefallen waren, zwischen den Juden auch noch unserer Zeit Zusammenhänge bestehen, die einen gewissen Gegensatz (Gegensatz nur im Sinne des Andersseins, nicht der Feindseligkeit» zur nichtjüdischen Umwelt bedingen. Dieses Anderssein prägt sich aus in Eigenschaften, die, um es grob auszudrücken, teils „gut", teils „schlecht" sind. Gewiß darf niemand von uns verlachten, daß wir das „Gute" in Uns ertöten, weil es die nichtjütstsche Umwelt nicht oder nicht ein diesem Maße hat. Wir werden im Gegenteil bestrebt sein müssen, unsere deutschen Vplksgcnossen in dieser Hinsicht uns anzugleichen und sie, ^um cs parador auszudrücken, „jüdisch" zu machen. Aber andererseits müssen wir alles .'.Schlechte", d. h. das für unsere deutsche Umwelt nicht Brauchbare,, das Undeutsche in uns unbarmherzig und ohne Rücksicht auf „Tradition" ausrotten. Nur wenn wir uns zu diesem Ausrottcn entschließen, können wir innerlich ganz und gar deutsch sein und diejenigen, > auf die wir Einfluß haben, unsere jüngeren Kameraden und später unsere Kinder, zum Deutschtum erziehen. Wir selbst fühlen uns heute schon ganz und gar als Deutsche, und wir sind es geworden nicht nur durch die Liebe zu unserem deutschen Volke, sondern auch durch das Zusammenleben, Zusamtnenleidcn und Zusammenstehen mit unseren njchtjüdischen Volksgenossen in Freude und Not. Wollen wir auch die Kommenden zu Deutschen. Nationaldeutschen im gleichen Sinne machen, so müssen wir dafür sorgen, daß auch sie dieses Zusammenlebens mit nichtjüdischen Kameraden teilhaftig werden. Selbstverständlich macht es einen großen Unterschied, ob das Kind ein ganz und gar deutsches Heim gehabt hat. Dies mag bei vielen der Fall sein, bei anderen ist es zweifellos nicht der Fall. Aber jeder junge Mensch, auch wenn er aus der deutschesten Umgebung hervorckegangen ist. muß lernen, wie man mit allen Fasern des Herzens Deutscher ist und — was gerade bei uns Juden sehr wesentlich ist — gegenüber illen Anfechtungen Deutscher bleibt. Kann eine nur jüdische Jugendbewegung etwas tun, um in diesem Sinne das Deutschtum zu lehren und zu erhalten? Die Jugendbewegung, der Jugendbund verlangt ein Aufgehen des Einzelnen im Ganzen und einer soll den anderen innerlich bilden. Der eine soll an dem anderen hochgezüchtet > werden. Die nur jüdische Jugendbewegung mag alles 1 bies leisten, soweit es sich nur umdas Ethische handelt. Aber eines kann sie unmoplich erreichen: das Eindringen der Seele in das Deutschtums Denn die Reifen, die Wissenden., dir Wollenden müssen nt einem Bunde der Jugend selten sein. Aber selbst wenn sie zahlreicher wären und starken Einfluß ausüblen, sie könnten doch nicht dgs erzielen, was nur durch engstes Zusammenleben mit Deutschen, die nicht unseres Stammes sind, erzielt werden kann., Stets wird gerade in den Punkten, in denen es um das Deutschtum geht, bei einer nur jüdischen Seelengemeinschaft die dauernde, scharfe, in jedem Falle sofort einsetzende Kritik fehlen, die unbedingt erforderlich ist. Auch Stahl fchleift ven Stahl, aber besser schleift ihn der härtere Stein. So muß die ständige Res >ung an nichtjüdischer Jugend den jungen Deutschen jüdischen Stammes besser zum Deutschtum erziehen, als die enge Gemeinschaft mit nur Juden, mögen sie auch von Hause, aus noch so deutsch gesinnt sein. * Wir dürfen, wenn wir Deutsch« sein und bleiben wellen, nicht in einer festbindenden jüdischen Gemeinschaft, wir dilrfen nicht in einer nur jüdischen Welt leben. Darum geht der Weg der jungen Deutschen jüdischen Stammes zum Deutschtum nicht über die jüdische Jugend-

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