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Der nationaldeutsche Jude · 1926-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1926) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
1/2 (Januar/Februar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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zu werden, so, darf man sicher sein, wenig Beifall zu sinken, dafür aber auf energischen Widerspruch zu stoßen. Daß die Logen eine sehr geeignete Stätte sein würden, den Ghetiogcist abzubauen und ihn zu ersehen durch eine Atmosphäre, die wirklich echt deutsches Gefühls und echte nurdcutsche «nicht auch-deulsche) Gesinnuirg verspüren läßt, ohne daß die sonstigen Ordensaufgaben irgendwie zu ihrem Nachteil beeinflußt werden konnten, daß dies eine schöne, große und erhabene Aufgabe ivüre, ist hier schon gesagt worden. Leider aber kann man nach meinen Erfahrungen nicht sagen, daß der Crbeti sich bisher diesem Problciii in ausreichendem Maße gewachsen gezeigt hätte, inan kann vielmehr in dieser Hinsicht nur ein völliges Versagen konstatieren. Ich würde daher wünschen, daß der Orden sich endlich auch in dieser Beziehung' an den amerikanischen Urlogen eins Beispiel nehmen möchte. Ob unter den geschilderten Vtrhällninen den natioualdeurschen Juden zu raten ist, in die Logen des Ordens B- B. eiiizuiretcu. darüber ivird mau verschiedener Meinung sei» können. Ich selbst Halle die- Rücksicht aus die fehlende vorbehaltlose freudig-deutsche Einstellung nicht für „kleinliche Bedenken" und möchte, wie die Tinge gegenwärtig liegen, den Rat zum Beitritt nicht gern erteilen. Andererseits bliebe aber zu überlegen, ob die n a t i o n a l d e u l s ch e u Juden, tie bereits im Orden und, nicht zu einer A r h c i t sg e m e i n - schaft verbunden werden könnten, ' ltm den Versuch ■ il m a ch,e'n , dem nationaldeutschen Gedanken eine n g r ö ß e r en Einfluß zu v e r sch a f f c u. Deutsche Rabbiner!, Bon Studienrat l»r. F. Wachs« er. Ein? Nachricht ging vor kurzem durch die jüdische Presse, die geeignet ist. höchste Beunruhigung unter allen deutsch empfindenden Juden, nicht bloß den Mitgliedern unseres Verbandes. ui erwecken. Tie Berliner Jüdische Gemeinde, so heißt es, beabsichtige, einige Herren aus der Tschechoslowakei, die sich in ihrem Vaterlande als ortbodore Rabbiner und Zionisten- > «ihrer bewäbiiten. als «Gemeinde-«geistliche bei uns anzuitcllen. Taß in diei'e'r jüdischen Gemeinde solches möglich ist, dunen wir leider nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht bezweifeln. Gilt doch ihren Organen Parleipolitik über alles. Tie Trägheit des liberalen, fast' durchweg deutsch empfindenden aber ungeheuerlich indifferenten Teiles der Gemeindemitglieder hat jenes schmähliche Kompromiß zustande kommen lanenj das den stets vereinigten Zionisten und Orthodoren die gleiche Trimmenzahl in der Repräsentantcnvcrsammiung einräumli, wie den Liberalen. Tie Wahlen zum Landeso'erbandsiage zeigten dann nachträglich, daß nach dem wirklichen Zablenverbältnis der Anhänger den Ortliodoren und. Zionisten nur ein geringer Bruchteil der Sitze in der Repräsentanz zugekommen wäre. Jetzt, da eine Neuwahl der Repräsentanten beoorstebr, wollen die Herren Zionisten und Zionisten-Genoisen ihre Macht noch schnell benutzen, um ihre östlichen.Gesinnungsfreunde in den Gemeindcdienst zu ziehen, bevor — falls die braven Liberalen sich etwa doch aufraffen sollten — die Wahlen 'ihren Tlern -um Linken bringen. Und warum >oll schließlich auch nicht ein Ausländer bei uns als Teeliorger wirken'? Wir hören schön die üblichen Redensarten: „Ist er nicht unser lieber Glaubensgenosse'? Tollen dcnn^ »icht wenigstens auf dem Gebiete der Religion endlich die Tchranken fallen, die die Völker trennen'? Und ist nicht gerade das Judentum dazu berufen, diese Völkerveriöhnung einzuleiten. das Judentum, das doch auf der ganzen Erde sich, gleich bleibt'?" Gewiß, die Idee des Judentums kennt keine völkischen Tchranken. sie hat, teils in ihrer ursprünglichen Form, teils in der Gestalt des Christentums die Welt erobert. Tas Sittliche ist eben, auch wo es sich nicht unmittelbar im religiösen Gewände zeigt, nicht an Raum und Zeit gebunden. Und doch, welch gewaltiger Abstand besteht zwischen dem Christentum des deutschen Protestanten und des Abessiniers, welcher Abstand- >benio zwischen dem Judentum des orthodoien Osteuropäers und des amerikanischen Reformjuden! Besuchte einer den «Gottesdienst des fremden Glaubensgenossen, sie stünden sich iremd gegenüber als Menschen zweier Welten, und das Bewußtsein des gemeinsamen Glaudens wäre nicht stark genug, die tiefgreifenden kultischen Verschiedenheiten zu Überdrücken, die ebsn nur die Ausdrucksform kultureller Ver- 'chiedenkeiten sind. Glaubensenhalt und form stehen einander gegenüber als «stein und Körper der Religion, elfterer frei, letzterer ge-' Hunden an das! Volkstum. Es ist kein Zufall,-daß uns der Kultus des Ostjuden abstößt, selbst wenn wir uns bemühen, in ihm den Glaubensgenossen zu achten. ' Sind es doch gerade die Völker des- Ostens, die dem Teutichen im Wesen meist iremd bleiben und auch selbst nicht selten die Gelegenheit benutzen, dem Deutschen die gegenseitige Abneigung fühlbar zu machen. Selbst wenn es einem aus der Tschechoslowakei be-' ruicnen Rabbim r gelingen sollte, mit der dent Ostjuden eigenen Schmiegsamkeit «ein Gedrauchstum soweit pirückzudrängen. daß er in einer der hauptsächlich von Dolksfremden besuchten orthodoien Synagogen bei uns amtieren kann, so würde der deutsche Jude in ihm stets den Fremden sehen, der aus Vorteilsgründen sein eigenes Vaterland wechselte, weil er ihm innerlich offenbar auch nicht gerade fest verbunden war. Ob er Wert darauf legen würde, in unser Vaterland einzuwachsen, muß, besonders wenn er zionistische Interessen vertritt, stark bezweifelt werden. Als Mittelpunkt einer Menschcngruppe vorwiegend undeutschcn Charakters bliebe er den Teutichen stets verdächtig, als Beamter der jüdischen Gemeinde aber den Juden eine Gefahr als lebender Beweis für den heute noch herrschenden Mangel an Verständnis gegenüber den Voraussetzungen, die für die Anstellung eines deutschen Seelsorgers maßgebend sein müssen. Ein deutscher Seelsorge^! Ter gottesgelehrtc Elaubensbruder aus dem Lande der Sokols würde ja wohl in der Gemeinde die gleichen Rechte beanspruchen dürfen, wie seine deutschen Kollegen, er würde mit ihnen in den gleichen Körperschaften sitzen und über das Seelenheil der merkwürdigerweise noch immer die Mehrheit der Gemeinde bildenden Deutschen schwerwiegende Beschlüsse fassen halfen. Tic Folgen muß man sich einmal ausmalcn: Tie rednerische und stimmliche Begabung der Herren aus dem Osten haben wir schon oft' genug in zionistischen Versammlungen achten gelernt, auch die amtliche Niederschrift der Sitzungen unserer Gemcindeorgane zeigt, uns des öfteren, mit welchen Mitteln die hinter diesen Herren stehenden Parteien religiöse Fragen entscheiden. Schon jetzt zeigen die Erörterungen über Mißständc auf >cm Friedhof und in den Wohkfahrlsei'nrichtungen, daß wir uns immer mehr von den Richtlinien des prophetischen Judentum .'ntferncn, das die Welt besiegte, — daß wir uns astatischen Zuständen nähern, in denen Kultus alles. Kultur nichts bedeutet. Toch diese Verhältnisse interessieren uns nationaldeutsche Juden nur als Symptom für den langsamen, aber sicheren Verlust des deutschen Volkstums, für das die älteren Generationen der deutschen Juden bis in die jüngste Zeit hinein begeistert und erfolgreich kämpften, und das uns nun nicht nur durch die Böswilligkeit und Tummhcit nichtjüdischer Volksgenossen, sondem vor allem durch die Anmaßung und Verblendung jüdischer-Glaubensgenossen entwunden werdest solb. Es würde ju weit führen, das Bild eines deutschen Seelsorgers zu entwerfen, wie er sein soll und wie er unter unseren Rabbinem in gleicher Weise, wie unter den christlichen Geistlichen ju finden ist. Wie soll ein Mann uns zu Herzen reden können, der aus Kein Lager der erbitterstcn Feinde unseres deutschen Volkstums kommt, wie soll er unserer Jugend den Glauben an die Größe unseres Vaterlandes einpflanzen können, das $u lieben uns religiöse Pflicht ist'? Wird er überhaupt willens sein, die hingebende Arbeit im Tienste unseres Volkes zu leisten, die man von jedem Geistlichen ohne Unterschied des Bekenntnisses und der politischen Partei bisher erwarten durfte'? Man wende nicht ein. daß die gedachten Herren vornehmlich für die Betreuung der hiesigen Ostjuden verwandt werden sollen. Was haben denn wir Deutschen überhaupt für ein Interesse daran. Fremde, die ihr Gastrecht in vielen Fällen dazu mißbrauchen, den Gastgeber zu schädigen, die nur in Ausnahmefällen daran denken, durch bescheidene Mitarbeit an den Aufgaben unserer Kultur bei uns Heimatsrecht zu erarbeiten, auch noch amtlich zu fördern'? Sollen wir sie wirklich bei ihrem Streben, ein Volk im deutschen Volke zu bilden, noch unterstützen, indem wir von unseren Steuern ihnen, denen das Rehmen oft seliger ist, als das Geben, geistliche Mittelpunkte schaffen'? Mögen sie sich in ihren Separat-Gemeinden Geistliche ihrer Wahl auf eigene Kosten halten! Berlin, muß eine deutsche Gemeinde bleiben oder richtiger: wieder w e r d e n. Sollen wir deutschen Juden uns mit vollem Bewußtsein den Untergang selbst bereiten, indem wir dem Antisemitismus durch die Förderung dieser heute fast durchweg nicht mehr assimilierungsfähigen und vor allem nicht aisimilicrungs willigen Elemente eine scheinbare Begründung schaffen'? Tie Beantwortung dieser Fragen müßte jedem einsichtigen Meirichen zeigen, daß die Berufung undeutschcr Rabbiner eiste .innere Unmöglichkeit darstellt. Vielleicht aber sind es äußere Gründe, die unsere wciskn Gemcindehäupter nötigen, von dem früher sogar durch die staatlichen Aufsichtsbehörden sanktionierten Grundsätze abzuwcichen, der es ihnen verbot. Ausländer anzustellen. Wie bereits früher einmal in dieser Zeitschrift ausgctührt wurde, besteht ein erheblicher Mangel an wirklich deutschen Rabbinatsanwärtcrn. Tie wenig sichere, von der poli- -tnchcn Anschauung des aus Laien gebildeten Vorstandes vielfach abhängig- Stellung des Rabbiners erfordert starke Persönlichkeiten mit prophetischem Schwung, und die sind an sich selten. Führernaturen haben wir gegenwärtig unter den deutschen Rabbinern verschwindend wenig, und unter den Rabbinern der Berliner Gemeinde sind solche, die es wagen, ihre wahrhaft liberale, d. h. auch in kulttschen Dingen deutsche Ge- 'mnung tatkräftig zu bekunden, erst recht selten. Daß solche ^orb'lder den Nachumchs nicht gerade günstig beeinflussen, „t selbstverständlich. Auch das reichlich weltfremde Studium aut unicrcn theologischen Hochschulen reizt den deutschen Jüngling selten. Ein Wust philologischen Kleinkrams, eine viel zu weit gehende Berücksichtigung der Haarspaltereien des tal»

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