Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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daß diese Heilsbotschaft von Leuten gepredigt wird, die sich sonst gar nicht leidenschaftlich genug für Fortschritt und nichts als Fortschritt inS Zeug legen kötinen. An der Erörterung des Palästinaproblems nehmen auch ivir trotzdem lebhaften Anteil, die einen, weil ihnen auS Gründen der Humanität ».der der Religiosität oder aus beiden Gründen das Schicksal der jüdischen Menschen, die dort eine neue Heimat suchen, nicht gleichgültig bleiben kann, die anderen, weil sie die weltpolitische Bedeutung der zionistischen Versuche zur Begründung eines neuen Judenstaates auf altem historischen Boden sehr wohl zu würdigen wissen. Aber weil diese Arbeit, ob gewollt oder nicht, in ihren Wirkungen unweigerlich eine Entwurzelung der deutschen Juden zur Folge haben mutz, lehnen wir sie ab. müssen wir sie ablehnen, wie unsere Väter sie abgelehnt htztten, wenn der Zionismus zu ihrer Zeit schon das gewesen wäre, was er heute'geworden ist. Wenn in diesem Zusammenhang von persönlichen Erinnerungen gesprochen werden darf, so weiß ich mich heute noch auS meiner frühesten Jugend sehr wohl der hehren Begeisterung zu erinnern, mit der dort in meinem Vaterhause — wie in befreundeten jüdischen Familien — von «Zion" geschwärmt, wie auch der ehrfürchtigen Bewundenmg, die gelegentlichen Besuchern aus dem Heiligen Land entgegengcbracht wurde. Man sammelte damals schon, vor 40 oder 50 Jahren, als es noch gar keinen Zionismus Herzlicher oder gar Weizmann'scher Färbung gab. für Palästina, und war sich bewußt, damit ein gottgefälliges Werk zu tun. Wer aber diesen mir sehr werten jüdischen Menschen mit der Idee gekommen wäre, daß man in Palästina einen neuen Judenstaat aufrichten und zu diesem Zweck auch uns deutsche Juden mobilisieren müsse, der hätte bei diesen sehr frommen Leuten gewiß eine recht ungläubige Aufnahme gefunden und mit leeren Händen weiter wandern i müssen. Und um von der Vergangettheiit auf die Gegenwart zu kommen: ich kannte einen anderen guten Juden, der seinen mühseligen Lebensweg in den letzten Jahren schon ziemlich beendet fühlte und in dessen Herzen der sehnsüchtige Wunsch lebte, seinen Körper im gelobten Lande zur ewigen Ruhe betten zu können. Er ist von dieser Sehnsucht zurückgekommen, als er sah. was dort in Palästina vor sich ging: daß alle Arbeit darauf gerichtet wurde, einen neuen weltlichen Staat auf-, zubauen zu den vielen weltlichen Staaten, mit denen die Erde bis dahin schon gesegnet war, anstelle des Gottesreiches, das seine Seele erfüllte. Er hat hiejr in Deutschland seine Tage beschlossen. Ich bin überzeugt, daß es so wie ihm vielen gläubigen Juden geht und gegangen ist. Aber was für unS nationaldeutsche Juden das Wichtigste ist: unsere Jugend! Auf! sie hat es die zionistische Agitation in erster Reihe abgesehen. Sie bringt ihr zwar kein Geld,! um das sie sonst auf allen Wegen und Stegen so stürmisch wirbt, sie kostet sie sogar aller- Hand Summen vor der Reise nach „drüben", auf der Reise und nach der Reise. Aber sie' bedeutet ihr natürlich dos Leben, die Zukunft, den Sieg, und deshalb ist sie hinter ihr her wie der Teufel hinter der Seele. Wir aber wollen unsere Jugend hier in Deutschland behalten, wollen sie zu guten Deutschen erziehen und wollen sie arbeiten lassen für Deutschlands Macht und Herrlichkeit, wie wir selber r;ns mit allen Kräften für dieses unserVaterland eingesetzt haben. Für unS ist das Deutschland-Lied, daS seit Ebert offiziell zum Range des deutschen Nationalliedes erhoben ist, nicht nur ein Lippenbekenntnis, das man im Chorgesang mit oblegen kann, ohne deshalb verhindert zu sein, im Leben draußen für ein anderes, für ein neues Vaterland zu kämpfen. Eine solche Zwiespältigkeit verabscheuen wir, weil sie am Ende aller Dinge zur Entfremdung führen muß. Vor ihr unsere Jugend zu bewahren, ist unsere erste, unsere heiligste Pflicht.! Sollen die nationaldeutschen Zirden den Buei-Büss-Logtzu beilrelen? Von Obserbator. Wir betonen, daß die Aussätze, jbie wir über die Logenfrage veröffentlichen, zunächst lediglich die persöntichen Ansichten der! betreffenden Verfasser wiedergeben. Der». Verband als solcher bebätt sich seine Stellungnahme für einen späteren Zeitpunkt vor. Die Aorlsetzung der Erörterung zum Zweck« der Klärung de» Problem» ist jedenfalls wünschenswert. ' / Die Schriftleitung. ES muß fteudig begrüßt werden, daß man endlich einmal beginnt, sich im „Nationaldruts/chen Juden" auch mit den Logen deS Bnei-BriSS-Ordens, zu beschäftigen. Diese Organisation stellt meines Erachtens eine sowohl an Zahl bedeutende wie auch in gesellschaftlicher und geistiger Beziehung höchst beachtenswerte Zusammenfassung deutscher Juden dar, so daß es vielleicht sehr nützlich seist kann, ihr eine größere Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Natürlich wolltet die' Schriftleitung dieses Mitteilungsblattes, als sie die Verbandsmitglieder, die gleichzeitig auch Angehörige des Ordens sind, um ihre Anschriften ersuchte, den Logen U. O. B. B. keine Propagandaarbeit leisten. Der Zweck der Umfrage war offenbar zunächst einmal rein statt nscher Natur mit dem Vorbehalt,; späterhin dem Ergebnis irg< ndwie eine praktische Verwertung zu geben. Es entzieht sich meiner Kenntnis, welchen Erfolg die Umftage gehabt hat; ich will aber einmal annehmen daß— Her weitaus größte Teil. der Angehörigen beider Organisationen der Bitte der Schriftleitung entsprochen hat. Jedenfalls glaube ich kaum, daß die Zahl der Meldung! n — wenigsten aus einzelnen Orten — beträchtlich gi wesen sein wird. Dieser Auffassung muß ich mich hinzeben, weis ich aus meinen Eriahrungen heraus weiß, da; der Logengeist im allgemeinen, »wenn man ihn_vom nationaldeutschen Standpunkte ans betrachtet, nur schwer vereinter ist mit den Ideen, die wir im Verband' nationaldeutscher Zuden pflegen. Infolgedessen stehen auch die meisten Sogenmiti [lieber unseren Bestrebungen ablehnend oder verständnislos gege rüber. Mit dieser Behauptung befinde ich mich allerdings im Ge >ensatz zu dem Verfasser des in der Dezember-Nummer dieser Zei schrift abgedruckten Aufsatzes: aber dieser ist öffenbar in der glm llichen Lage, einer Loge anzugehören, in der die vorbehaltlos! rutsch empfindenden Mitglieder wenigstens einen nennenswerten Teil ausmachen und infolgedessen auch einen Einfluß auf die üogenarbeit auszuüben vermögen. Wenn es sich so verhält, so scheint diese Tatsache aber nur die erfreuliche Ausnahme darzustellen, welche die Regel bestätigt: im übrigen aber muß einmal offen ausgesprochen werden, daß in nationaldeutscher Hinsicht an den Logen herhe Kritik'zu üben ist und vie es zu verbessern sein würde. Die Zwecke und Ziele der Logen sind in dem! vorigen Aufsätze bereits erwähnt worden, und es hieße ein Unrecht tun. wollte man nicht deren hohen Wert an sich rückhaltlos anerkennen. — Der Versuch, die Logenmitglieder selbst zi veredeln, sie als Glieder der Gesamtbeit so wertvoll wie möglich zu machen, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Die Woh ltätigkeitseinrichtungen und -arbeiten verdienen^unbedingt größtes Lob; der Wille zur Pflege von Freundschaft soll gern die gebührende Beachtung finden. Und — last! not least —* ist die Auffassung über Dinge der Ehre, die bei den Logenangehörigen vertreten ist, gewiß zu würdigen. — Aber die Geister müssen sich scheiden, wenn man dieHal ung derLogen in bezug auf d i e P f le g e sp ezi fis ch deutscher Gesinnung betrachtet. Hier kam man als national Deutscher Jude leider oft traurige Feststellungen machen. Dies braucht uns aber nicht mehr in Erstaunen zu setzen, - wenn wir unS die Zusammensetzung einer Loge einmal näher ansehen. Nach meinen Erfahr rngen ist ein großer Teil offene Zionisten, die ihre Gefiimung gar nicht verbergen. Der größte Teil aber besteht aus jenen ewig Lauwarmen» die wir auch in anderen Verbinden wiedertreffen: Wir kennen sie und ihre eigenartige Auffuffung vom Patriotismus und' Deutschtum. Hätten nicht die e die Mehrheit in den Logen, wie könnte es/dann z. B. gest sehen, daß man sich dort offiziell mit dem Zionistenkongreß beschäftigt und daß bedeutende Zionistenführer zu Vorträgen nsch - nur zugelaffen, sondern auch eingeladen werden? Wie könnte es sonst geschehen, daß die'Behandlung dieser oder jener Zrage in demselben.Geiste erfolgt, den wir anderswo leider. Io oft genießen müssen und der keiner Einstellung — wed r der nationaldeutschen noch der nationaljüdischen — gerecht vird? Der Orden will „über den Parteien" stehen und betont mmer seine Neutralität. ES ist aber eine Neutralität, wie die Sogen „sie verstehen". Gewiß, die Redner ^befleißigen sich ein rr gewissen Zurückhaltung und betätigen sich nicht so hemmurgSlos agitatorisch. als ob sie in öffentlichen Versammlungen spiechen, aber immerhin verstehen fie es doch, die"Arbeitssitzungen des Ordens ihren Zwecken dienstbar zu machen, und sie! ürfen sicher sein, begeisterte Zuhörer zu haben. Die strengste^ Neutralität wixd nur dann gewahrt, nenn irgend jemand versuchen wollte, Gedailken Ausdruck zu geben, welche wirklich bewißtbetonten deutschen Geist atmen. Sind diese Aeußerungen gar verdächtig, in gleicher oder ähnlicher Form beim Verband nationaldeutscher Juden gefinden mm ^-*