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Der nationaldeutsche Jude · 1926-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1926) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1926
Issue
1/2 (Januar/Februar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 gegenüber einer Entwickelung, die für das deutsche Volk in seiner Gesamtheit ebenso wenig zuträglich sein kann wie für die Juden selbst. Daß der Weg der Zionisten kejue Lösung der Judenfrage bedeutet, folgt aus den Realitäten, die kein noch so bewundernswerter Jdealisinus der zionistischen Jugend umzubiegen vermag. In dein „Lande Israels", wie die Zionisten gern die englische Kolonie und militärische Lperatiorssbasis Palästina nennen, können im Laufe der Jahre bestenfalls _ ein paar Tausend deutsche Juden untergebracht werden. Das ' Volk lim Volke, zu dem'sich Ider verbleibende Rest allmählich zurückzuzüchten scheint, wird in dem Deutschland der Zukunft weder selbst viel Freude haben," noch anderen" Freude bereiten. Deutschland braucht, um sich seiner äußeren und nicht zuletzt seiner inneren Feinde zu erwehren, die gefühlsmäßige Geschlossenheit aller derer, die an Deutschlands Zukunft glauben und diese Zukunft wollen. Eine Gemeinschaft,, die den Wahn der Besonderheit und, was unausweichlich ist, in weiterer Folge des Besserseins in sich züchtet, muß trotz bestem Willen zum sogenannten Staatsbürgertum vom.Volte als ein Pfahl im - Fleisch empfunden werden, denn ein Volk ist nun einmal etwas anderes, als eine Ansammlung von Stqatsbürgern innerhalb willkürlich gezogener Grenzen. Entscheidend für das Volkstum ist nicht die .blutsmäßige Abstammung, sondern die Gemeinsamkeit der Kiiltur, die daraus sprießende Gemeinsamkeit des Empfindens.und nicht zuletzt der Wille zu dieser Gemeinsamkeit. Wer es gut meint mit dem deutschen Volke und mit den deutschen Juden, muß dafür sorgen, dyß den Juden die deutsche Kultur nicht verloren geht und daß ihr Wille zuni Deutschtum nicht durch Ueberwertung der eigenen Art geschwächt. sondern zum Wunsche. der restlosen Eindeutschung gestärkt wird. Eindeutschung ^bedeutet selbstverständlich nicht Aufgabe des Glaubens; die Judenfrage 'ist. niemals eine Religionsfrage gewesen, wenn sie auch zeitweise im Gewände einer solchen erschien. Eindeutschung bedeutet auch nicht würdelose Verleugnung der eigenen Abstammung und äußere Nachäffung 'derer, die aus anderem Stamnie sind. Sin ■ ö e nit'i d) u n g heißt: s i ch eingliedern in die deutsche Volksgemeinschaft mit dem Willen, nicht nur einem Zweckverband beizu treten, sondern sich mit voller Seele hinzugeben. Diesen Willen -zu stärken und zu pflegen ist die Aufgabe des Ver.bandes nationaldeutscher Juden. Die Mitglieder dieses Verbandes sind sich bewußt, daß sie nicht etwa die Gesamtheit derer darstellen, die man im Sinne der vorstehenden Begriffsbestimmung als nationaldeutsche Juden bezeichnen darf, sondern'daß der Verband nur ein Kristallisanonspunkt für die künftige Entwickelung sein kann. Wieviel nationaldeutsche Juden cs in Deutschland gibt, kann keine Statistik melden, denn abgesehen von den vielen, die sich aus äußeren Gründen fern halten, gibt es zehntausend«, vielleicht hunderttausende von Juden, die. nationaldeutsch in unserem Sinne find und es nur selbst nicht wissen, die sich aus Gewohnheit. Selbsttäuschung und vor allein aus Verbitterung über vieles Unrecht, das ihnen die nichljüdische Umwelt angetan hat, zu Kn Zionisten oder der Zwischenschicht, halten. Diese und ihre Kinder innerlich frei zu machen, ihnen das Bewußtsein zu geben, daß ihre Zukunft nur die deutsche Zukunft sein kann und daß die Zukunft nur dem gehört, der sie will — das ist das Ziel, auf das hin wir seit fünf Jahren arbeiten und, , wir wiffen es wohl, noch Jahrzehnte lang werden arbeiten müssenehe der Erfolg uns recht gibt. Tie Frage der deutschen Juden ist n i ch t eine Judentumsfrage, nicht eine Frage, die mit spitzfindigen Erörterungen über das' Wesen des Judentums gelöst oder auch nur gefördert werden kann. Es gibtlein „Wesen des Judentums" im allgemeingültigen Sinne. Es gibt einen jüdischen Glauben in seinen verschiedenen Formen, aber der hat mit -der Judenfrage als solcher nichts zu schaffen, denn auch der wildeste Antisemit würde den Juden nichts zu leid» tun wollen, wenn sie nichts täten, als Gott in ihrer Weise verehren. Im übrigen gibt es nicht „den Juden" in dem Sinne, wie antiseniitische und zionistische Verallgemeinerung ihn konstruiert, sondern es gibt Juden, die untereinander so verschiedensind, wie Menschen überhaupt und Deutsche insbesondere. Die deutsche Judenfrage heißt: aus dieser Fülle verschiedener Erscheinungen das Brauchbare herauszunolen und dem Deutschtum so einzugliedern, daß es unserem deutschen Vaterland« zum Segen ist. Ties kann nur geschehen, wenn hie deutschfühlenden Menschen nichtjüdischen und jüdischen Stammes zusammen arbeiten. An der Einheitsfront des deutschen Empfindens mutz jeder Angriff zerschellen, mag er von jüdischen oder nichtjüdischen Schädlingen'geführt werden. 1 Was gehl uns Palästina an? Von Dr. S. Breslauer. Dank ihrer unausgesetzten Agitationsarbeit ist es den Zionisten gelungen, die allgemeine Aufmerksamkeit in steigendem Maße für ihre kolonisatorische Tätigkeit in Palästina zu gewinnen. Der Fanatismus, der sie beseelt, hat schon manche , Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt, die zunächst unüberwindlich schienen, und von der entschloffenen Ernsthaftigkeit ihrer Bestrebungen geht eine Anziehungskraft aus, deren sie sich mit Stolz rühmen. Diese ermutigt auch die zionistische Organisation zu immer neuen Vorstößen in Kreise hinein, die ihnen, wie sie wiffen. gefinnungsgemäß mehr oder weniger fremd sind und fremd bleiben müssen; bis sie schließlich zu dem Standpunkt gelangten, daß ihre Sache von jedem Juden, sei es aus religiösen, sei es aus nationalen Gründen, zu seiner eigenen gemacht werden, ja, daß die gartje Welt sie als eine Frage der Menschheit unterstützen müffe.^veil nur durch den von ihnen betriebenen Aufbau Palästinas als einer nationalen Heimltätte der Judenheit auch das Judenproblem als solches, mit dem beinahe alle Völker der alten wie der neuen Welt sich seit undenklichen Zeiten abzuplagen haben, einfür allemal gelöst werden könne. Wir alle kennen den Phrasenschwall, der sich auf die Zuhörer zu ergießen pflegt, sobald ein zionistischer Versammlungsredner diese Seite seines umfangreichen Werbeprogramms aufschlägt. Gewöhnlich ist er intelligent genug, um zu wiffen, daß ihm besonders bei diesem Kapitel die nicht von vornherein zionistisch eingestellten Zuhörer entweder überhaupt nicht oder nur mit starkem inneren Widerstreben folgen. Aber steter Tropfen, denkt er, höhlt den Steinl Nur auf uns nationaldeutsche Juden setzt er keinerlei Hoffnungen. Wir kommen für ihn gleich hinter den völkischen Antisemiten, wenn er uns in seinem Herzen vielleicht nicht noch bitterer haßt als jene; wenigstens muß er sich, wenn wir im großen beisammen sind, so stellen, als ob-wir für ihn beinahe der leibhafte Gottseibeiuns in Person wären. Unter vier Augen freilich klingt es manchmal ganz, ganz anders. Denn, ip Grunde genommen, wissen ja die Herren zum mindesten in ihrer Mehrzahl recht gut, daßauch wir „Naumaimigner", wie sie zu sagen pflegen, Juden sind; der eine mit mehr,- der andere mit weniger ausgeprägtem Stammesgefühl, der eine mit engerem, der andere mit loserem Festhalten an den Grundanschauungen der jüdischen Religion, an den überlieferten Formen des Gottesdienstes, an rituellen Gebräuchen. Und so bedarf es gewiß keines besonderen Scharfsinns von ihrer Seite,- um zu erkennen, daß auch in unserem Verband in der Einstellung gegenüber dem Zionismus mancherlei i Abstufungen zu finden sind, soweit dieser heute noch . als eine religiöse Bewegung gelten, oder soweit er als ein Mittel zu dem Endziel dienen kann, hunderttausenden von Juden, die unter schrecklichen Daseinsbedingungen zu leben verurteilt sind, B e - freiung aus schreiendem Elend, Sicherung einer menschenwürdigen Zukunft zu bringen. Wir müßten nicht jüdischen Stammes sein und wir müßten kein Herz in der Brust haben, wenn wir nicht um dieser Möglichkeiten willen den opfervollen Anstrengungen der Zionisten für die Fruchtbarniachung des Heiligen Landes den besten Erfolg wünschen sollten. Aber die nationalen Aspirationen der Bewegung lehnen wir ab, weil wir kein neues Vaterland brauchen, weil wir d i e Arbeit unserer Väter und Großväter fortsetzen wollen, diie hier auf deutschem Boden mit dem Ziele voller gleichberechtigter Einbürgerung seit Generationen geleistet worden ist und der wir es mit zu danken haben, daß wir aus Juden in Deutschland zu deutschen Juden geworden sind. Wir lehnen den Zionismus als eine nationaljüdische Bewegung um so entschiedener ab, je ängstlicher er sich an die Abhängigkeit vom englischen Weltreich gebunden fühlt, je unwiderruflicher er in das Gewebe der vorderasiatischen Macht- Politik verstrickt wird, die von London aus getrieben wird. Wenn Herr Kurt Blumenfeld, das Haupt der zionistischen Organisation in Deutschland, den großen Bannfluch gegen uns „Naumannianer" schleudert und seinen Gläubigen dann vorerzählt, die Juden hätten die Aufgabe, sich in den vorderapatischen Kulturkreis einzugliedern, eine geistige und Kulturgeineinschaft mit den Arabern und sonstigen intereffanten Völkern zwischen Jerusalem und Bagdad anzustreben, so möge er diese Rückwärtsentwicklung in die Lebensverhältniffe von vor 2000 und mehr Jahren als eine Erlösung aus dem „Galuth" begrüßen. Wir deutsch fühlenden Juden bedanken uns für eine so geartete Reaktion — und können uns nur baß darüber wundern,

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