Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 12 (Dezember 1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 Die wohlverdiente Gattin Sabine, welche 18 Jahre 3 Tage lebte. ffermanus der wohlverdienten Gattin, welche mit ihrem jungen Gatten 3 Jahre 3 Tage verbunden lebte. Alexandros, der Wurstmacher, liegt hier, welcher 30 Jahre lebte. Gute Seele, von Allen geliebt. Dein Schlaf unter den Rechtschaffenen! Flavia Antonina, Gattin des Dativus, zum ewigen Leben, von der Synagoge der Augustenser. Leider verbietet mir Her Raum, noch weitere Grabschriften hier aufzuführen, doch dürften die vorstehenden schon genügen, sich von dem gesamten Jnschriftenmatcrial ein ungefähres Bild zu machen. Wie bereits erwähnt, ist keine der Inschriften auf Hebräisch. Sie sind zu etwas über 2/, auf Griechisch, und zu etwas weniger als "3 auf Lateinisch abgefaßt. Merkwürdiger, -weise gibt es auch solche, die wohl in griechischer Sprache abgefaßt, jedoch mit lateinischen Lettern geschrieben! sind, und umgekehrt solche auf Lateinisch mit griechischen Buchstaben. (Man denkt dabei unwillkürlich an bas sogenannte Jüdisch- Deutsch.) Auch orthographische Fehler, die möglicherweise mit dem lokalen Dialekt zusammenhingen, sind nicht selten. Dieser Umstand dürfte vielleicht für Alt-Philologen von einigen» Interesse sein. Fast alle Inschriften sind mit den Emblemtn des jüdischen Goitesdiestes, als da sind: siebenarmiger Leuchter, Lulab. Esrog, Gesetzesrollen uslv. versehen. Beigaben, wie in heidnischen und hier und da auch in christlichen Gräbern, fehlen dagegen völlig. Auch sind sie von letzteren durch eine etwas anders stilisierte Schlußforinel unterschieden. Hier heißt es nämlich stets: ..meta ton dikaion“ (er ruhe) unter.den Rechtschaffenen, mährend bei christlichen Gräbern durchiveg die Formulierung: „meta ton hagion“ (er ruhe) unter den Heiligen bevorzugt wird. Die unterirdischen Gänge der Katakombe an der Via Appia dürften im ganzen etwa einen Kilometer lang sein, und die Zahl der hier Beigesetzten kann man auf . ein paar Tausend veranschlagen. Ihre Gebeine liegen in den geöffneten Grüften allenthalben offen zutage. Beim Anfassen laffen sich die Ueberbleibsel in der Hand leicht zerdrücken. Ich habe nirgendwo auf Erden. Palästina nicht ausgenommen, einen so starken und geschlossenen Eindruck jüdischer Vergangenheit gehabt, wie hier in diesen römischen Katakomben, und zwar gerade wegen der Inschriften, die in ihrer lebendigen Natürlichkeit und Einfachheit so ungemein ansprechend sind. Daß die Hinterbliebenen sie in der Muttersprache, die zuerst griechisch und nachher lateinisch war, verfaßten, erhöht noch ihren Reiz. Tie Verwendung des Hebräischen, als einer auch damals schon längst toten Sprache, hätte notgedrungen konventionell geivirkt und hätte nie den Eindruck der Lebendigkeit hervorgebracht, wie diese rührenden Nachrufe in der Muttersprache. Eins ist sicher: Rom war nicht nur die Zentrale der heidnischen und christlichen, sondern auch der jüdiich-abendländischen Welt. Die Weltstadt Rom ist sozusagen der „Rangierbahnhos" geivesen, den alles passieren mußte, was von einem Ende des Riesenreiches zuin anderen wollte. Nur auf dem Wege über diese Zentrale ist die schon so frühzeitig — sicher aber bereits zur Zeit der Cäsaren — erfolgte Ausbreitung der Juden in alle Teile des »veiten Reichs, bis an die fernen Ufer des Rheins und der Donau, zu erklären. Es sind sonach die Gebeine der direkten Vorfahren der abendländischen Israeliten, die wir hier erblicken, und diese, als ihre Nachfahren, hätten eigentlich eine Pflicht der Pietät an ihnen zu erfüllen, die anscheinend bis jetzt vernachlässigt worden ist, demnächst aber hoffentlich nachgeholt werden wird: denn, während sämtliche christlichen Katakomben in kirchlichem Besitz und dadurch vor Profanierung geschützt sind, sind alle jüdischen in privaten Händen, und während man zu den christlichen Grabstätten vo<i sachkundigen Patres geleitet wird, besorgt dieses Gcschäst>in unserm Falle irgend ein ad hoc von der Arbeit herbeigerufenes Mitglied der Bauernfamilien, die auf den betreffenden Grundstücken ihrem Beruf als Lbst- oder Gemüsegärtner obliegen. Es könnte und müßte hier eigentlich etwas geschehen, damit diese einzigartigen Denkmäler jüdischer Vergangenheit der Nachwelt ebenso pietätvoll erhalten bleiben und vor Entweihung und Untergang bewahrt werden, wie dies bei den christlichen Katakomben der Fall ist. i/t Die Sinai-€afeln. (Bericht üper eine Diskussion zwischen 'Geheimrat Professor Sethe und > Professor Grimme in der vorderasiatisch ägyptischen Gesellschaft zu Berlin am 6. Dezember l9l!5.) Bon Reichswirtschaftsgerichtsrat vr. Joerges. Die semitologische Wissenschaft ist heute unter den Disziplinen, die sich mit dem alten Orient befasst n. die beliebteste. Jedenfalls hört man von Assvriologen bewegliche Klagen darüber, daß sie ganz durch die Semitolögey verdrängt werden.- i^rschcinung baisse der ich rin die bnijfe der daß mit isdung aus aufpflegt. Für dke nationaldeutschen Juden dürfte diese nicht ohne besonderes Interesse sein. Die Ergib Wissenschaft sickem erfahrungsgemäß doch allmähli breiteren Volksmassen hinab, und gerade die Erg scmitologischen Wissenschaft können dazu beitragen manchen antisemitischen Vorurteilen, deren Begrü der jüdischen Vorgeschichte hergelcitet zu werden geräumt wird. r Die Frage der sogenannten Sinai-Tafeln ist H» neuester Zeit durch die Hypothesen des Professor G r i m tw-c zu Münster in ein neues Stadium getreten. An fi<j datieren die Flinders-Petrie'schen Sinaifunde schon vom Juhre 1905. In diesem Jahre war eine englische Erpedition nach dem. Sinai entsandt worden, um nach den Uebcr:estcn altägyptischer Kultur auf diesem Gebirge, in dem di, Aegypter von ältester Zeit Kupferbergwerke unterhielten, z» forschen. Diese Erpedition entdeckte in den Tempclruinen dsrei fremd artige Rundplastiken, die sich wohl an ägyptische anlehnen, .aber doch wesentlich roher als die Plastiken sind. Auf diesen Skulpturen finden sich mit fremdartigen Zeichen, die wie barbarisierte Hieroglyphen anmuten. Dieselben Zeichen finden sich ferner in sieben Felsinschriften. Schon Petrie hatte sofort erkannt, drß es sich um eine Buchstabenschrift * handeln müsse: er br »chte -diese Schriftzeichen mit' den altphönizischen in Verbind» ng. Diese Winahme fand durch die weiteren Forschungen Bestätigung. Zorn» des Vorbilder ägyptischen. Inschriften Man erkannte, daß es sich hier um die älteste phönizischen Alphabets handelt, also um das stnggesuchte Zwischenglied zwischen den ägyptischen, den hebrä schen und den modernen Alphabeten, die letzten Endes alles aus das phönizische Alphabet zurückgehen. Dem letzteren waren von den Griechen durch Benutzung von Zeichen, die füi sie überflüssig waren, die Vokale eingefügt. Professor Sethe führte in seinem Vor trag über ..Die wissenschaftliche Bedeutung der Flind ers-P et ric'schen Sinaifunde" seb» eingehend und interessant die Geschichte der Schrift im eiin lnen aus. Er wies aus inneren Gründen nach, daß die Mutter der phönizischen Schrift nicht die babylonische Keilschrift sein kann. Er legte dar, daß die Hyksos wohl sicher, als sie aus Aegypten » verdrängt wurden, die Kenntnis der Schrift mitzenommen haben. Als sicher entzifferbar sieht Sethe von d:n Sinai- Inschriften nur das Wort „Baalath" (Herrin) an, das die ägyptische Göttin Hathor in semitischer Bezeichnung wiedergibt. Alle anderen Deutungsversuche lehnte Sethe als unerweislich unter scharfer Polemik gegen Grimme's Deutungen ab. Er wandte sich insbesondere gegen Grimme's Versuch, aus den Inschriften sehr.viel mehr herauszulesen, . B. den Satz: „Ich, Moses (oder' Manasse), durch die 6 nade der Hatschepsut, die mich in einem Kasten im Nil gefunden hat. Tempclvorsteher." Nach Professor Sethe nahm der Angegriffene. Professor Grimme, das Wort zur Gegenerkläiung. Er bezeichnet« den Setheffchen Standpunkt als einer einseitig ägyptologischen und betonte das Recht der Semito oaen, die Frage auf breiterer Basis zu behandeln. Bemi rkenswert war. daß er das Recht der Forscher äuf Ph intasie betonte. Er benutzte noch Schriftzeichen anderer Sprachen, als der von Sethe herangezogenen, zur Vergleichhng. und zog auch noch andere Inschriften heran. Gelch Eine Entscheidung der zwischen beiden örterten Fragen ist unmöglich, solange von d inschriften sich nicht Abgüsse in Europa befinden, möglich ist. daß an dem bisher offenbar nur flächlich durchforschten Sinai sich noch andere finden, die zur"Aufhellung des bisher noch dunklen wvrrenen Bildes dienen rönnen. Mein persönlicher ist allerdings, daß nicht alle Blütenträume Gr Deutungskunst reifen werden. Ich habe mich Grimme'schen Deutungen nie des Gefühls erwehrej» als ob der Wunsch, eine gewisse Bestätigung für alt: liche Erzählungen zu finden, manchmal der Vater dankens gewesen ist. In allgemein menschlicher Hinsicht war die deren sachlichen Einzelheiten natürlich nur der Fc überall folgen konnte, dadurch interessant, daß »Ti rten er» m Fels- Durchaus ober- Hnschriften und ver- Eindruck mme'scher bei den können, estamentdes Ge- Diskussron, chgelehrte an schon