Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 12 (Dezember 1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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J 4 Hebraifierung und Tälmudisierung im wesentlichen vollendet gewesen zu sein, wenigstens in Italien. In Deutschland fing ne dagegen damals erst an. da die Uebersiedlung der Gelehrten- ' I fdinilic Aalonymos aus üiicca nach Mainz, die dort zum ersten Male in Deutschland die neue Wissenschaft lehrte, erst zur Qttonciizeil, also in der zweiten Hälfte des zehnten JahrbuiidcrtS enolgte. .Bis dahin bcdieliten fich die fränkischen Juden — wie aus den Schriften deS Bischofs Gregor von Tours und Agdbard's hervorgeht—bei ihren gottesdienstlichen Vorträgen der allgemein verständlichen Landessprache. Die Einkapselung des gesamten Kultus in die — (vom Gros der jüdischen Be- ’ völkernng nicht verstandene — hebräische spräche wird man > somit für Frankreich unh Deutschland mit dem Beginn des Talmudstiidiums in diesen Ländern, also ums Jahr 1000 an* znsetzen Habens Von da an' legen sich die Juden in diesen Länderst auch alttestamentliche Namen bei,- was bis dahin dort nictn üblich war. Jsaac Judäus. der 'wackere Dolmetscher und naciiherilge alleinige Führer der Gesandtschaft Karls des Großen an Harpir as Raichild, ist deshalb wohl sicher kein fränkischer Jude gewesen, eben wegen s^ncs Namens. Tie Bezeichnung „Katakomben" war im Altertum nicht gebräuchlich. Man nannte die unterirdischen Begräbnisplätze emfach ^Coemetcrien", vom griechischen ,,Roimeteriou" -- Schlafoüer Ruhestätte. ' Der etwas gruselige Beigeschmack, den man da und dort heute mit dioier Bezeichnung verbindet, hat keine Berechtigung, denn es war weiter nichts als die der Qertlichkeil angepatzle,' aligcivovntc, orientalische Bestattungsart' die Toten in Felsengräbern beizuseven. lMan vergleiche Höhle Machpelah. Königsgräbcr, hie pbönizischcn Fclsnekropolen im Lrient, in Sizilien, i Sardinien, usiv.». Wenn überirdisch keine brauchbaren Felien giisiaiiden, so gürg man eben unter die Erde. Jedenialls war.es in Judäa unvergleichlich viel beschwer- | sicher gewesen, Felsengräber ans dem dortigen harten Kalkstein / Hel aus;i,sprenge», ass die Katakomben in Rom .anzulegen, denn , hier 'and man dicht ümcr der Lberfläche ein Material, wie; man es!sich für die'en Zweck gar nicht bFner wünschen konnte: näurlich f>c» von den Albanerbergen herstämmenden vulkanischen ' Tum de^ ebenso widersiandskähtg. wie leicht zu bearbeiten war. 1 Die, Katakomben bestehen/ wie man weiß, aus langen, ziemlich engen und etiva 3—4 Meter hohen Gängen, die sich manchmal überichneiden, io daß mehrere Stockwerke entstanden. Im allgemeinen sind die jüngsten Gräber unten und die älteren mehr oben. Manchmal reichen sie 10, 15 und mehr Meter unter die heutige Oberfläche hinab. An den Seiten der Oni»gc befinden sich, meistens wagerecht ringcschnitten, und zu zweien oder dreien übereinander, die einzelnen Grabstätten, die nicht' großer sind, als zur Aufnahme einen Leiche — ohne —i notig war. Tie Grabstätten sind mit Mauerwerk verichlosisn geivesen und teilweise noch verschlossen, und in dicies xnitgelasien, findet man bei manchen Gräbern, doch bei weiiem^iuckn bei allen. Inschriften auf Marmortafeln. Eitrige! .hundert solcher Inschriften sind auf uns gekommen. Sie stammen : nicht allein Niiis dein oben erwähnten Loemeten'um an der Via; Appw. idnbcsn zum Teil auch aus anderen Katabomben, wie z. B. ■ völligoistio Yordr (in Trastevere. heute nicht mehr zugängj sich!, vois den Via I.aliicana, der Via Xomevtana, der Porta | IWtu< n>j>' u. V Im ganzen hat man bis heute sieben jüdische! Katatomben, d« alle so ziemlich rund um Rom herum liegen, : wieder chtfgefuvden. Während die vom Monte Verde schon länger bekannt waren, Hai man die übrigen erst in den letzten fünf odet sechs utahrzehnten entdeckt. Sehr verdient hat sich in dieser! Beziehung der gelehrte 'Vater Raffaelo Garrucci gemacht. der die kusher größte und an, leichtesten zugängliche *— eben hie an dev^Via Appia — anfangs der sechziger Jahre des vorigeü Jahrhu'rK>erls autfand und. eingehend beschrieb. (Iti scrizibne del ciine<oro i-braieo di Yigila Randanini sulla via App|ai._ C'iv. CatCN^erie V. vol. 111. Roma, 1862, pag. >7 -!97. . Xuov'e epigiXki giudaielie. Civ. Catt. Serie V, vol. VI.; 186), 'pag. 102—119.) , Dieiij Gräberstätte ist auch dadurch besonders bcmerkenswert, daß in ihr hübsche farbige Malereien, darunter auch D a rsteslu i> g efi von in enschlichenFiguren sich befinden, i Män nahm es damals offenbar nicht so genau mit dem diesbezüglichen mosaischen Verbot. Diese Malereien befinden sich in seitlich der Gänge aus dem Tuff ansgehauenen größeren j Kammern von meistens annähernd quadratischem Grundriß! die zum Teil wohl als Familiengräber anzusprechen, zum Teil stber auch zur Aufbahrung der Leichen und zum Verrichten der Totengebete benutzt worden sein mögen. So sieht man z. B. in einer der Kammern ein Deckengemälde mit einer männlichen und einer weiblichen Figur in der Mitte, in einer anderen sind die vier Jahreszeiten personifiziert dargestellt, wohl mit Bezug auf die verschiedenen Lebensalter, u. dgl. mehr. Am chisprechendsten sind aber ohne Zweifel die Inschriften. Sie haben so gar nichts Mittelalterlich-Düsteres an sich, sind vielmehr, einfach, innig und natürlich gehalten; ja, es entströmt ihnen gewissermaßen eine antike Heiterkeit und Seelenruhe. Man ist anfangs ein bißchen überrascht hierüber, denkt man doch an die zeitlich noch so nahe liegenden furchtbaren Ereignisse in Palästina, wodurch man geneigt ist, sich die der Katastrophe Entronnenen als gebrochene Menschen vorzustellen, die. gleich ihren Ahnen in Babylon, hier „an den Ufern des Tibers saßen und weinten, wenn sie Zions gedachten". Doch ist dem offenbar nicht so gewesen, und das war auch gut so. Ter Untergang des Vaterlandes ist von ihnen sicher als ein großes nationales Unglück angesehen worden, das den einzelnen aber doch nicht so schwer traf, wie die späteren persönlichen Verfolgungen des Mittelalters, die bekanntlich auch auf die Gemütsverfassung der Juden verhängnisvoll cinwirkten, so daß Spuren davon heute noch, mehr als man ahnt, vorhanden sind. Judäa war allerdings besiegt und dem römischen Reich einverleibt worden, dafür waren aber die einzelnen Juden römische Bürger geworden, die mindestens in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit persönlich durchaus nicht belästigt wurden, denen vielmehr das ganze Reich offen stand. Ihr Schicksal war gewissermaßen mit dem der Buren zu vergleichen, die ja auch ihre staatliche Unabhängigkeit verloren, dafür aber Bürger des britischen Weltreiches geworden sind. Nachstehend einige Proben der Inschriften (in Uebersetzung): T Dem Archonten und Archisynagogus Sakulus, mit allen Ehren, bekleidet, dem wohlverdienten Galten, Restituta: Tein Schlaf in Frieden! Zotikus. der Archont, liegt hier nach einem schönen Leben, Allen lieb und befreundet, Allen wegen des Anstandes, der Mannhaftigkeit und Tüchtigkeit bekannt. Er ruhe bei den Rechtschaffenen! Hier liegt Zosimus, zum ewigen Leben, Archont der Synagoge der Agrippenser. In Frieden sein Schlaf I Hier liegt der Maler Ludoxins. In Frieden sein Schlaf! Rutvelietes, ihrem Sohne, der 19 Jahre lebte, Akrodisia, die,Mutter. Iw Frieden Tein Schlaf! Ouleitia, der jungfräulichen Braut, seiner Tochter. Pancarius,. der Geruiiarch. In Frieden Tein Schlaf! Hier liegt Irene Parthenike, Gattin des Clodius, Bruders des Quintus Claudius Synesjus, Vaters der Synagoge der Eampenser zu Rom. Friede. (Dieses Wort auf Hebräisch, in Quadratschrift. Es ist dieses das einzige Wort auf Hebräisch, was auf all den wiederaufgesundenen Inschriften vorkommt.) Ter Schwester Chryside, der sehr anmutigen Proselytin, von Mannacius. Crispina, Tochter des Procopius, fleißig und gesetzliebend, liegt hier. In Frieden ihr Schlaf!! ' .1 Hier liegt Xicodemus, Archont der Siburenser, bei Allen beliebt, 37 Jahre/42 Tage alt. Sei getrost, lieber Allabius, Niemand ist unsterblich!