Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 11 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6682492-5438640-5438788--137-4871354- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
11 ©«letbtffUngsfktae erhoben. 2n der Verhandlung vom 12. November 1925 ist Bachrach zu 300 Mark Geldstrafe ob e r 100 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Unseren Vorstandsmitgliedern ist das Recht gugesprochen. das Urteil im Hamburger Familienblatt bekanntzu machen. VerbanclsnacdricKten. 1. München. Die erste Mitgliederversammlung der Ortsgruppe fand am 30. Oktober 1925 statt. Der Vorsitzende Amtsrichter 0r. Dispeker erstattete Bericht über die Tätigkeit der Gruppe und hielt demnächst einen Vortrag über das Thema: „Sind wir nationaldeutschen Juden Antisemiten?" Er ging von den an Zahl und Schärfe zunehmenden Angriffen aus, die auch aus Kreisen, die uns in der Gesinnung durchaus nahestehen, gegen den Verband gerichtet werden. Die Broschüre des Rechtsanwalts Mari in Karlsruhe kritisierte der Redner dahin, dah sie wegen ihrer gehässigen und matzlosen Form auch von demjenigen, der nicht jedt^ Wort Naumanns unterschreibe, nur mit gröhtem Widerwisien gelesen werden könne. Eine Reihe der immer wieder gegen unseren Verband erhobenen Vorwürfe wurde von denf Redner im einzelnen gewürdigt. Unsere Bezeichnung „n a ti o n a l de u ts ch" stelle, wie immer wieder betont werden müsse, den Gegensatz zu „nationaljüdisch" dar. Keineswegs matze sich der Verband an, dah nur feine Mitglieder gute Deutsche seien. Trotz des Mitzbrauchs, der in manchen Kreisen mit dem Worte „national" getrieben werde, sei es notwendig, datz wir deutschfühlenden Juden unser deutsches Natzonalgefühl immer wieder betonen, denn selbstverständlich sei dies Gefühl nur für uns selbst, nicht für die anderen. Auch das Abrücken von gewissen Persönlichkeiten und Kruppen, die uns als Schädlinge des Deutschtums erscheinen, sei unumg>inglich notwendig, und zwar nicht etwa nur im Interesse unserer Verbandsmitglieder, sondern in dem der gesamten deutschen Juden, denn die Gesamtheit der Juden werde ja für bas Verhalten dieser die Gefühle der nichtjüdischen Deutschen besonders stark verletzenden Persönlichkeiten und Gruppen verantwortlich gemacht. Wenn auch vielleicht das eine oder andere antisemitisch« Blatt aus unserer Bekämpfung dieser Schädlinge Kapital zu schlagen versuche, — auf den ruhig und objektiv denkenden Nichtjuden könne sie nur günstig wirken. Es wäre vielleicht auch in München manches anders geworden, wenn die eingesessenen Münchener Juden in der Rätezeit ihr Fühlen und Denken auch öffentlich ausgesprochen hätten. >Jn der Ostjudenfrage müsse man sich vor Uebersteigerung hüten: eine Mitarbeit an dieser Frage komme in Betrachts wenn sic das deutsche Interesse ' wahre. Dagegen müsse dw vielfach befürwortete Solidarität aller Juden abgelehnt werden, wie ja auch die „andere Seite" die Rücksicht auf die deutschqesinnten Juden durchaus vermissen lasse. Von den politischen Parteien könne ein nationaldeutscher Jude diejenigen Unterstützen, welche die bürgerliche und politische Gleichberechtigung der deutschen Juden anerkennen. Zusammenfassend kam der Redner zu dem Ergebnis. die Bezeichnung der Mitglieder unseres Verbandes als „jüdische Antisemiten" sei so lächerlich, dah nicht einmal Mari diesen Vorwurf zu erheben wage. Es bestehe kein Zweifel, datz-gerade durch unsere Bestrebungen, den Antisemitismus „abzubauen". für die Gesamtheit der deutschen Juden mehr erreicht werden könne, als durch die unterschiedslose Abwehr jedes berechtigten oder unberechtigten Angriffs gegen Einzelne oder gegen die Gesamtheit der deutschen Juden. In der Diskusiion, die!sich an den Vortrag schloh, wurde insbesondere die neue Entwickelung des Zionismus erörtert und die Notwendigkeit des Ausbaues unserer Jugendorganisationen betont. 2. Berlin. Am 4. November 1925 hielt Herr Reichswirtschaftsgerichtsrat vr. Joerges einen Vortrag über „Dip Zukunft des Judentums". Eine ausführliche Wiedergabe des gedankenreichen und von Einern hervorragenden historischen Wissen zeugenden Referats bleibt Vorbehalten. Heute können nur die Grundgedanken angegeben werden. Der Redner führte aus. dah Schlüsse auf die Zukunft nur auf Erkenntnisie aus Vergangenheit und Gegenwart gegründet werden können., Nur die fernere Zukunft ziehe er in' Betracht, denn die Entwickelung der nahen Zukunft werde oft durch Momente vorübergehender Natur gestört. In der Vergangenheit seien den Juden durch lange Unterdrückung mancherlei unangenehme Eigenschaften angezüchtet worden. Die Rücksichtslosigkeit in der Bekämpfung der Konkurrenten, die man ihnen noch heute zum Vorwurf mache, beruhe darauf, dah sie durch die „Wirtsvölker" zur Beschränkung auf^ den Geldhandel gezwungen worden seien. Die gewaltige wirtschaftliche Entfaltung, die das Judentum im 19. Jahrhundert genommen habe, stehe wiederum in engem Zusammenhang mit der gesamten damaligen Zeitströmung und den völkischen! Verhältnissen dieser Epoche. Der Zionismus und der Antisemitismus geben gleichermahen van dem Gedanken aus, das« Judentum müsse sich unaufhaltsam weiter in die Breite wie in die Höhe entwickeln. Gne objektrvo Betrachtung der heutigen Zustände beweise die Unrichtigkeit dieser Ansicht. Wirtschaftlich haben di» „arischen" Völker den Vorsprung'der Juden zum grotzen Teil eingeholt: ebenso haben sie sich die geistige Beweglichkeit der Juden zum grotzen Teil angeeignet. Andererseits habe das westliche Judentum seine völkischen Reserven durch die Ereignisse in Ruh land zum grotzen Teile verloren. Dazu korpme die Zusammendrängung der Juden in den Krotzstädten, von Uebertritten und Vsiuchheiraten ganz abgesehen. Den Untergang des völkischen Judentums werde auch der Zionismus nicht aufhalten können. Nur denjenigen Teilen der Judenbeit sei esbeschieden, in die Zukunft einzugehen, di es ich wie die nationaldeutschen Juden gefühlsmähig den Völkern, mit denen sie leben.völlig angliedernund mit ihnen zu einem gemeinsamen Volkstum verschmelzen. Dagegen möge das religiöse Judentum noch eine grohe Zulun f.t saufgabe zu erfüllen haben, da es sich den reinen Moitotheismus bewahrt habe, der von dem Christentum schon durch das Konzil von Nicaea im Ergebnis aufgegeben sei. Der Vorträg löste starken Beifall aus. In der Aussprache wurden die Hauptgedanken des Referats von Mit- Tgliedern sowie von jüdischen und nichtjütiischen Gästen weiter (gesponnen. Besondere Beachtung fanden die Ausführungen (unseres Mitgliedes Herrn Justiz rat vr. Cohnbetg und »Urseres Gastes, Herrn vr Cohn-Linde. diö beide auf Grund ihrer persönlichen Erfahrungen in Ostdeutschland unb an der „Wass^kante" den^Gedanken stark herausarbeiteten, datz durch Ableitung der jüdischen Massen aus den Grotzstädten und durch Abkehr von den rein! „geistigen" Berufen das Bodenständigkeits-Gefühl gestärkt und gleichzeitig jede gegen das agskchlietzlich deutsche Vaterlandsempfinden .gerichtete Bestrebung bekämpft werden müsse.- Ein Schlußwort -des Hauptredners, in dem er nochmals hervorhob, datz für die nähere Zukunft der deutschen Juden der Sieg des na ti o n a l d eu t s ch en Empfindens entscheidend seinswerde, gab dem wohlgelungcnen und sehr gut besuchten Vortragsabend den Abschlutz. ■ , ' v Am 10. Dezember (Donnerstag), abends 8 Uhr, findet im Restaurant Rheingold, Pots-- damer Straße 3, (Ebenholzsaal) unser nächster Vortragsabend statt. Unser Mitglied Herr llniversitätsprofessor vr. Mar Herrmann spricht über das Thema: „Der deutsche Gelehrte". Durch Mitglieder eingeladene oder eingeführte Gäste sind willlommen. Es ergehen noch besondere Einladungen. . 3. Wien. Am 23. Oktober 1925 fand in der „Scholle" der schon einmal durch Machinationen unserer Gegner vereitelte Vortragsabend statt. Schon vorher war bekannt, datz von zionistischer Seite versucht werden wüfdc. die Versammlung zu sprengen^ Der Verlauf des Abends entsprach der Erwartung. Herr Schriftsteller Robert Peiper eröffnet« die Veranstaltung mit einer Begrützungsansprache. Er-wendete sich insbesondere, an die erschienenen Gegner-mit der Bitte, den Abend nicht zu einer politischen Ravauversammlung werden zu lassen, zumal mit Rücksicht auf die Gastfreundschaft des Schriftstellcrvereins „Die Scholle". Dann begann Herr Fred Hornik-Harden seinen Vortrag über das Thema: „Nationaldeutsch — nichtdeutschnationaI. Das Programm der deutschfühlenden Juden Oesterreichs." An der Hand unserer Verbandsschriften legte er Wege und Ziele der nationäldeutschen Juden dar. Aber nur 10 Minuten konnte er ruhig sprechen. Dann erhoben sich Zwischenrufe „Jüdische Hakenkreuzler!" und in unverkennbarem Dialekt „W oher sennen Sic?" Bei dem Satz des Redners: „Immer mehr greift unsere Bewegung um sich, und wir sind sicher, datz viel«/ die rfo fühlen und denken wie wir. sich uns anschlietzen werden", — fiel der Zwischenruf:! „Da können Sie lange warten", den Herr Hornik-Hqrden schlagfertig mit „Auf Sie warten wir nicht" beantwortete. Ein Orkan von gehässigen