Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 11 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Tij Abgebauten. Kennt ihr den Sinn dieses furchtbaren Wortes? Ein Wort, das vor dem Weltkrieg niemand in Deutschland kannte. Auch damals gab es Arbeitslose: — aber wer wirklich arbeiten wollte, fand nach kurzer Zeit an anderer Stelle wieder Arbeit. H e ut e gibt es in Deutschland nicht mehr Arbeit für alle! Und Arbeit füllt doch das Leben aus: nicht umsonst heiht es: „Wenn das Leben köstlich gewesen ist. so ist es Mühe und Arbeit gewesen." — Wisst ihr, was es heitzt. wenn der Vater plötzlich ohne Arbeit ist oder der Sobn oder die alternde Tochter., die Muttes oder Vater mit ernähren müssen? Habt ihr schon gehört, das; gerade die .Verheirateten, die Alternden ..abgebaut" werden — weil die jungen Menschen „billiger" arbeiten können? Sie können es eigentlich auch nicht, denn fast' jeder junge Mensch hat die moralische Verpflichtung, für Eltern oder Geschwister zu sorgen. — aber danach fragt niemand in-dieser gewissenlosen Zeit! Gibt es überhaupt etwas. Traurigeres als einen armen Menschen, der arbeiten möchte und keine . Arbeit findet? Glaubt mir. in allen Schichten der Bevölkerung ist diese grenzenlose Arbeitsnot! In anderen Ländern soll sie auch und oft noch gröber sein — aber roir müssen jetzt zuerst an unser Volk denken. — Wie kann, ehe der Winter einsetzt, dem grenzenlosen Leid abgeholfen werden? 1. Schafft ein-en Hilfsfonds! 2. Tut eure Augen auf und gebt nicht blind an der Not des Nachbarn vorüber. . 3. Ueberlcgt es euch zehnmal, ehe ihr jemand entlaszt — und dann bemaltet ihn —es wird Segen darauf ruhen! 4. Macht wieder Volksküchen auf und sorgt für Brennmaterial. Es hat ein bekannter frommer Mann vor einiger Zeit gesagt: „es mutz ein Wolkenbruch der Liebe über unser Volk hereinbrechen." Setzt dielen köstlichen Sah in die Tat um! , . Wer in seinem Kreise einen dieser armen „Abgebäuten" kennt, der möge ibm in taktvoller' Weise helfen, mit Rat und Tat. ' . Wer mit Glücksgütern gesegnet ist — und im Sommer und' Winter verreiien kann —. der bringe ein richtiges Opfer, ehe er verreist. für die ..Abgebauten". Von dem Gelde. welches an einem Tage beim Wintersport ausaegeben wird — kann eine „abgebautc Familie" eine Woche leben! — Wer im Ausland als Deutscher wieder festen Futz gefasst hat und sein gutes Auskommen hat. der sende Geld an die ..Hiliska'sen". W e r im freien Beruf oder in fester Stellung, ist — der denke mit der T a t an die „Abgebauten". ' Und wer gar nichts neben kann, verrichte diese Unglücklichen mit freundlichen Worten aut lind weise sie an Den, Der die Vögel unter dem Himmel nährt. Er will nicht, datz einer ohne Brot und Arbeit fei. und es ist Sache der Menschen untereinander, dah sie sich gegenseitig halfen und fördern, - damit die Verzweiflung und deren Folge, -die Selbstmorde, aufhören, denn sie sind eine Schande für ein Land. Helft mit, jeder an keinem Platz, damit die. Welt endlich erkennen muh — in Deutschland ist man nicht mützig in der Nächstenliebe. Deutschland muh voran gehen, arm, wie es ist — muh es reich an Nächstenliebe werden! Auch «in deutscher Seelsorger. Von einem Mitalied erhalten wir folgendes Schreiben: „In einer aröher.en jüdi'chen Gemeinde der deutschen Grenzmark ist Mädchen-Konrirmakion. Von altersher erhalten die Konfirmandinnen als Geschenk des Gemcindevorstandes besonders schöne d t u ticke Andachtsbücher. Der seit einigen Jahren dort amtierende, beim Anmtsantritt frilch aus dem Osten importierte Rabbiner überreicht den Mädchen die Bücher mit der Mahnung, sie recht wenig zu benutzen und lieber, wie es lick gehöre, hebräisch zu beten! So geschehen in einem Ort. dessen jüdische Bürger zur Zeit der Volksabstimmung, als die adligen Magnaten großenteils für Polen votierten durch aufovfcrnde Tätigkeit wenigstens einen Teil der kür un'er deutsches Vaterland lebenswichtigen Provinz dem Deutschtum retteten." Geistige Nahrung. Einem Inleraten-Werbeschzeiben der C. V. - Z e i t u n g, das an Verlagsunternehmungcn gerichtet ist. entnehmen wir folgenden Satz:, „1l n f e r e Leier find fast ausschließlich als Aerzte. Juristen. Kaufleute. Unternehmer,. Kultusbeamte ukw. tätia und sind auf Grund ihrer fortgeschrittenen BNdung auf geistige Nahrung angewiesen." Sehr verständlich. Ein Gegengewicht muh sein. I^üge unä Lärtmmg. I. Der Fall Jakob Marr. Der Rechtsanwalt I>r. Jakob Mqrr zu Karlsruhe hat der Anregung, dick Wahrheit seiner Behauptungen durch ein Schiedsgericht nachprüfen zu lassen, nicht Folge, gegeben. Die darauf bezügliche Erklärung des Herrn Sanitätsrat I>r. PeI, scr finden unsere Leser auf der zweiten «eite dieser Nummer. _ H. per Fall Centtgl-Berein Danzig. Der E e n t r a l - V e r c i n Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens, eine Zweigorqanisation des reichsdeutschen Centralvcreins. hat am 22. Oktober 1925^ zu Danzig einen Vortragsabend veranstaltet, an dem der -Syndikus des Landesverbandes Ostpreußen. ein Herr Ta bah kn, mit Lichtbildern über „Die Arbeit des C. V." berichtet hat. Der letzte Satz der gedruckten Einladungskarten, die, aus diesem Anlaß versandt worden sind, lautet: „Eine Broschüre betreffend den Verband nationaldeutscher Juden anbei." Die Broschüre, die somit allen Eingeladenen kostenfrei übersandt wurde, ist die Schmähschrift des Rechtsanwalts I>r. Jakob Marr. in deren Einleitung es heiht: „Meine Stellung im Vorstand des Centralvereins . . . hat. wie ick glaube, die Fassung meiner Gedanken nicht beeinflußt; i ch habe in dieser Schriftkein Amt und nur eine ganz persönliche Meinung." III. Der Fall Jüdisches Wochenblatt. Das orthodor-jüdischnationale Blatt macht von der Tatsache. dah Herr Mar Speicr seine gegen unseren Derbandsvorsitzenden gerichteten Aeuherungen bezüglich der „Ergebcnheitsadrcsse an Ludmdorff" mit Bedauern zurückgenommen und anerkannt bat. über unseren Verband und vr. Naumann persönlich bisher völlig falsch unterrichtet gewesen zu sein <vgl. unsere Oktober-Nummer unter „Lüge und Lästerung" zu I>, seinen Lesern unter der Ueberschrift „Von der antisemitischen Front" in folgender Form Mitteilung: „Der Verband nationaldeutscher Juden konnte Nachweisen, das; er keinerlei B?; ie - Hungen zu G eileraI Ludendorff unterh ält." IV. Der Fall Foerder und Prinz. Die Beschwerde gegen die Niederschlagung des Verfahrens auf Grund der H i n d e n b u r g - A m n e st i e ist durch die zweite Strafkammer des Landgerichts III Berlin zurückqewiesen worden. Die Begründung, die in grundsätzlicher Hinsicht bemerkenswert ist. lautet wörtlich: Die Beschwerde-ist unbegründet. Denn die angeblichen Beleidigungen sind durch die Presse erfolgt, haben daher den Charakter von öffentlichen Kundgebungen. Es handelt kich beiiden Beleidigungen um den Gegensatz zwischen den zionistischen Juden und den nationaldeutschen Juden. Wenn auch die nähere Veranlassung zu den inkriminierten Artikeln dir Wahlen der Vertreter zum Landesverband jüdischer Gemeinden Preußens war und die Beleidigungen durch den Artikel in Nr. 6 der genannten Zeitung (Jüdische Zeitung für Ostdeutschland) in der Wiedergabe einer Rede des Erstbeschuldiqten (Foerder) in einer zionistischen Wahlversammlung gesehen wird, so st e b t doch im unmittelbaren Hintergründe, der Kampf zwischen nationaler und fremder Einstellung der Anhänge r s ckaft der beiden Wahlperteien. Diese Gegensätze sind aber po litt sw er Natur. Es handelt sich also bei den Handlungen der Angeklagten um Zuwiderhandlungen gegen 8 185 StrGB.. die durch öffentliche Kundgebungen im politischen Kampfe begangen sind. Dieses um so mehr, als der Zweck der Amnestie für die Auslegung, was unter politischem Kampfe zu verstehen ist, möglichst weite Grenzen erfordert, lSperrungen von uns vorgenommen. Die Schriftleitung.) Auch in der Sache gegen Foerder allein, in der bereits Verurteilung des Foerder in I. Instanz erfolgt war. ist die Beschwerde gegen die Niederschlagung des Verfahrens erfolglos geblieben. V. Der Fall Bachrach. Der Zionist Norbert Bachrach, i damals Mitarbeiter. letzt Mitredakteur des Israelitischen F a m i - , lienblattes, hat anläßlich des Wahlkampfes bei der - Hamburger Repräsentantenwahl im Hamburger Familienblatt 'örtlicher Ableger des Israelitischen Familienblattes) einen Attikel veröffentlicht, der von Verunglimpfungen unierer Hamburger Mitglieder strotzte. Die Vorstandsmitglieder der Hamburger Ortsgruppe vr. Julius Jolowicz, Rechtsanwalt Siegel und Kaufmann S. Blogg haben