Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1925-11-01 · Nr. 11 (November 1925) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 11 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6682492-5438640-5438788--135-4871352
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 9 unerfAttliAei Raubgier sich nicht damit begnügt hat. ein polnischer Nationalftgat zu sein. Allerdings wird es in Deutschland niemal «zu ge geben werden können, datz rein deutsche Gebiete oder zum mindesten Gebiete, die in ihrer Mehrheit deutsch sind, wie Oberschlesien, der Korridor und weite Teile onn Posen und Westpreutzen, zu Polen gerechnet werden können. Es ist doch stcher nicht nötig. Ihnen auseinanderrusehen. in welcher Weise z. B. die Teilung Oberschlesien» vorgenonnnen worden ist. Einem polnischen Staate, der einmal nur ein polnischer Staat sein will, wird das deutsche Volk durchaus BerftLndnis entgegenbringen. Für einen sogenannten polnischen Staat aber, der gewaltsam deutsche Gebiete an sich gerissen hat. wird das deutsche Volk solange kein-^Sympathien aufbringen, als bis die ihrem Wesen, ihrer Kultur und ihrer Wissenschaft nach deutschen Gebiete aus ihrer heutigen Knechtschaft erlöst und dem' deutschen Daterlande wieder angegliedert sind. Diese Gedanken werden es wohl auch gewesen sein, welche die Deutschen beherrscht haben, die in ihren llntew Haltungen mit Ihnen für Polen keine Lanze brechen konnten. Anders denke auch ich nicht. Alle Ackbina vor einem Volke, das für seine nationalen Ideen kämpft. Das polnische Volt aber kann diese Achtung nicht verdienen: denn es hat nicht, um seinen Staat überhaupt zu schaffen, sondern um unberechtigte Gebietserweiterungen vorzunehmen. fremde Völker geknechtet. \ 2ch hoffe, datz Sie meinen Ausführungen Verständnis entgegenbringen werden, und es würde mich freuen, wieder einmal etwas von Ihnen zu hören. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener gez. vr. Rudolf Cohn. Auf dieselbe Frage bezieht sich ein Schreiben, das wir von einem anderen Mitglied unseres Verbandes erhielten. Wir geben das Schreiben im folgenden wörtlich wieder: ,.Jn dem Oktoberheft der „Neuen Rundschau" schreibt Herr Professor Louis Eisenmann in einem Aufsatz über „Deutschland und die Slawen" u. a. das Folgende: „Die Genfer Lösung der oberschlesischen Frage war ein im grotzen und ganzen annehmbares Kompromiß, mit einem gewissen Plus auf Konto Deutschlands'). Das berechtigt zur Hoffnung, datz mit der Zeit Ruhe sich einstellt, wenn anderwärts die Leidenschaften wieder auflodem. Da ist aber die m'el schwierigere Weichselfrage. Gibt sich Deutschland mit dem international gewährleisteten Durchgangsreckt nicht zufrieden, dann fragt Polen, mit welchem Grunde man von chm verlangt, datz es in einen Umtausch der Rollen willige und für seine Verbindung zum Meer gerade die Lösung annehme, die Deutschland für seine Landwege als ungenügend und schlecht verwirft? Wird auf das nationale Recht der Daiyiger deutschen Bevölkerung hinaewiesen. so betont es das gleiche Recht der polnischen Bevölkerung im Korridor. Weist man schließlich auf das unerträglich Demütigende der Bresche durch das deutsche Staatsgebiet hin, so hält es dem entgegen. datz Deutschland doch der freie Seeweg zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reich offen bleibt, die Herstellung der territorialen Kontinuität Deutschlands dagegen einem Staat von rund 400000 Quadratkilometern und 30 Millionen Einwohnern durch die Verdrängung vom Meer jeden Weg ins Freie unterbinden, ihn vom belebenden Blutkreislauf des grotzen Weltverkehrs ganz abschneiden würde." Der Herausgeber der Zeitschrift. Herr Geheimer Leaationsrat Professor vr. Saenger, der frühere deutsche Gesandte in Prag, hat »war dem Aufsatz Eisenmann's ein« Bemerkung vorausgesckickt. wonach dessen Ansichten über Probleme der praktischen Politik oft «inseitig und befangen seien. Im übrigen hat er aber den Aufsatz mit seiner Verantwortung gedeikt. Es ist geradezu ungeheuerlich, datz eine führend« oeutsch« Zeitschrift einem fanatischen Deutschenfeind gestatten kann, solche Ausführungen zu macken. In keinem anderen Land der Welt wäre dies möglich. Man mutz es für dkrektunwürdig bezeichnen,datz Deutsche ihrem eigenen Land in dieser Weise in den Rücken fallen. Gerade wir haben allen ■*) von mr» gesperrt. Die Schriftleituug. > " i Ankatz festsustellen, datz Herr Prof. Saenger den schärfsten Widerspruch erfahren mutz, wenn er sich durch den Abdruck eines solchen Aussatzes mit ihm identifiziert, wenn er aucheinen lahmen Widerspruch vorausschickt. Wir müssen immer und immer wieder betonen, datz di« Entscheidung in der oberschlesischen Frage die schamloseste Vergewaltigung und der schlimmste Betrug ist, den die Geschichte der letzten Jahrhunderte wohl kennt, und die Schaffung d^s polnischen Korridors ist nicht viel anderszu beurteilen. Es ist ganz unfaßbar. datz in Deutschland überhaupt ein anderer Standpunkt vertreten werden kann. Auf nach Vorderasien l Heber den „Kampf gegen den Zionismus" ereiferte sich der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeld, am Vorabend-des Butztages nn Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses zwei Stunden lang vor einer Hörerschaft, die zum allergrötzten Teil aus den bekannten Iungmannen» und Jungmädchenscharen der zionistischen Bewegung zusammengesetzt war: geladene Gäste aus anderen Kreisen waren nur spärlich zu bemerken. Eine Werberede im üblichen Stil, allenfalls im Grundton etwas optimistischer gestimmt, als man es sonst gewöhnlich in diesem Laaer zu tun für richtig hält. Neue Offenbarungen kamen dabei nicht zutage; datz Herr Blumenfeld, sobald ez auf die „Feinde und Gegner" oes Zionismus zu sprechen kam. gegen den Verband «ationaldeutscher Juden mit ganz besonderer Schärfe vorging, konnte nicht überraschen, ebenso wenig, datz er in» Gegensatz dazu den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit einigen vorsichtigen Redewendungen abtat. die nicht warm, und nicht kalt waren und in ihrer handgreiflichen Sinnlosigkeit wirkungslos verpufften. Die Polemik gegen unseren Verband bediente sich der hergebrachten Verdrehungen und Verleumdungen und hatte also in dieser Versammlung leichtes Spiel: wir haben uns schon zu pft mit ihnen auseinandergesetzt. als datz es nötig wäre, um des Herrn BlumSnfeld willen es bei diesem Anlatz noch einfial zu tun. Wichtiger ist die Feststellung, datz der Redner es bei Behandlung der Araberfrage ausdrücklich als einen Teil des zionistischen Programms verkündete, datz das jüdische Volk sich bewutztund grundsätzlich auf di« Vorst ellungswelt unb auf die Völkergemeinschaft des Vorderen Aliens etnzustellen Hab«, denn man wolle nicht im Konflikt mit dem Arabertum, sondern in friedlicher, geistiger und kultureller Gemeinschaft mit ihm und der gesamten vorderasiatischen Welt zu einer Lösung der Iudenfraqe gelangen. Mit der gleichen dankenswerten Offenheit hielt Herr Blumenfeld an der G a lu t h - T h e o r i e fest, an der Vorstellung also, datz wir deutschen Juden hier zwischen Rhein und Elbe, zwischen Nordsee und Alpen nicht in unserem deutschen Vaterland, sondern in der Verbannung leben, aus der wir uns so rasch wie möalich befreien müßten. Mit Stolz betonte er, Hatz der zionistische. Jude sich die Freiheit wahren wolle, zu seiner Umgebung und zu ihren Anforderungen jeden Tag ebenso Ja wie Nein zu sagen — d. h. also, wenn Worte überhaupt einen Sinn haben, in Deutschland zum Beispiel, dem deutschest Volk heute oder morgen die Gemeinschaft zu kündigen, wenn die Lebensinteressen der zionistischen Bewegung sich mit den Lebensinterefsen des deutschen Volkes nicht vertragen sollten. Datz trotzdem Herr Blumenfeld die völlige Gleichberechtigung der Juden in ihren Verbannungsländern nicht nur allgemein, sondern auch im Staatsdienst dieser Verbannungsländer als eine Selbstverständlichkeit hinstellte. ohne sich auch nur einen Augenblick bei der Frage aufzuhalten. ob diese Selbstverständlichkeit unter den von ihm geforderten Voraussetzungen auch von der anderen Seite ebenso unemgeschränkt anerkannt wird oder nicht, zeuat ganz und gar für die unbekümmerte Denkungsart dieser Kreise: 8ic volo sic jubeo. und damit hat die Angelegenheit auch für die sogenannten Wirtsoölker erledigt zu lein. Wir werden uns. trotz Herrn Blumenfeld, erlauben, den Kampf gegen diesen Zionismus fortnifetzen, als Juden, und werden uns dabei auch fürderhin in guter jüdischer Gesellschaft befinden. Dte Rot der Abgebauten. Von einer christlichen Leserin uitseres Blattes erhalten wir den nachfolgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung. Wir geben dieser Bitte gern statt, wenn wir auch nickt verkennen, datz die Not in anderen Teilen des deutschen Volke, nicht minder grob ist. als in den- Kreisen der Ab- "g «bauten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.