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Der nationaldeutsche Jude · 1925-11-01 · Nr. 11 (November 1925) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 11 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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7 Muttersprache ist, nicht so viel Einfluß auf unser Leben einräumen, dah wir sogar seine Sprachunarten übernehmen. Wenn es trotzdem geschieht, ist es eine Gedankenlosigkeit, und zwar eine solche der gefährlichsten Art. Dies jtiflt sich gerade in drm von Herrn U. gerügten Mitzbrauch des „2üdelns" auf der Bühne. Wärum halten denn manche geschäftsgewandteLheaterleiterund Schauspieler es für angebracht, uns auf der Bühite bei den unpassendsten Gelegenheiten ein solches Kauderwelsch vorzusetzen? Doch nur deshalb, weil sie Grund zu der Annahme haben, dast ein gewisser Teil des Publikums für diese Sprechweise besonderes Verständnis hat und sich amüsiert fühlt, wenn ihm etwas vorgejüdelt wird. . . . Die Gefahr des Mihbrauchs besteht dgrin. datz der Widerwillen, der auf diese Weise bei den nichtäntisemitischen Christen hervorgerufen wird, sich schlietzlich, wenn derartige Vorfälle sich wiederholen, in echten Antisemitismus umsetzen kann, datz also zu den vielen Antisemiten, > die wir schon in Deutschland leider haben, weitere hinzukommen. Wendies geschieht. liegt die Schuld in dem unwürdi.^n Verhalten derjüdischen Unternehmerund Schauspieler, die sich für derartige Dinge hergeben. daneben aber auch gerade bei dem jüdischen Publikum, das sich Derartiges gefallen lästt. Wir deuischfühlenden Juden wollen selbst auf Abstellung derartiger Mistbräuche dringen und nicht darauf warten, dah von nichtjüdischer Seite Protest erhoben wird, der dann von manchen Kreisen der Juden .womöglich wieder als „antisemitisch" aufgefastt wird. — Parteipolitik und Antisemitismus. Ein politisch rechtsstehendes Blatt bringt folgende Notiz: Der antisemitische „Vorwärts". Am 31.Oktober 1925 ist der „Vorwärts" mit wehender roter Fahne ins antisemitische Lager übirgegangen. Er hat diesen Uebergang mit einem Bilde besiegelt, auf welchem man Herrn Seidenstrumpfhändler Nathan Meier (bitte, es steht am Ladenschild!) und sein üpvig wogendes Zubehör vor ihrem Laden neben einem beinlosen Kriegskrüppel sieht, dem er gerade ein Geldstück schenkt. Unterschrift: „Junger Freund, stellen Sie sich wo anders hin. Sie sind keine guto Reklame für mich!" Den parteipolitischen Schwanz, den das rechtsstehende Blatt diesem sachlichen Referat anhängt, wollen wir weglassen. Dagegen können wir uns den Hinweis nicht versagen, datz Herr Reichswehrmini st er Dr. Getzler. der sich selbst zu den Demokraten zählt, erst kürzlich bei seiner Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller vr. Emil Ludwig den ursprünglichen Namen dieses seines Gegners, der Emil Ludwig Cohn lautet, mehrmals mit besonderem Nachdruck hervorgehoben hat. Auch datz der Reichspräsident Friedrich Ebert für den braven Herrn Barmat. als dieser ihm lästig zu fallen beaann, keine geeignetere Bezeichnung gefunden hat, als „verfluchter Jude", dürfte noch unvergesien sein. Warum wir diese Dinge!anführen? Lediglich deshalb, um wieder einmal denjenigen Juden Stoff zum Nachdenken zu geben, die von der Vorstellung nicht loskommen können, der „Antisemitismus" sei eine parteipolitische Angelegenheit. Israelitischer Familienhumor. In 8er illustrierten Beilage des Israelitischen Familienblattes vom 12. November 1925 findet fick unter „Sumor" folgende Notiz: Ein neues Korps. Nach Zeitungsmeldungen haben sich eine Anzahl studierender nationaldeutscher Juden zu einer farbentragenden Verbindung zusammengeschlossen. Dem Korps wurde mit Stimmeneinheit der Name „Toifonia" gegeben. Leser, die diesen hervorragenden Witz nicht verstehen sollten, mögen sich auf Kosten des Israelitischen Familienblattes an den gerichtlich beeidigten Ostiuden wenden. Vielleicht geb-n auch einige preutzilcht Staatsbeamte kostenlos Auskunft. Wenn freilich die jüdischen Schulpläne der Zionisten und gewisier „Liberaler" sich durchsetzen, wird bald jedes jüdische Schulkind diesen „Humor" verstehen. Alpenoerein und Parteipolitik. Bei Einweihung einer Ged-nktafel. di« in der Nähe der Berliner Hütte für die im Weltkrieg gefallenen Angehörigen der Alpenvereins-Sektion Berlin stattfand, hat der Sektions- - Vorsitzende Herr Kommerzienrat vr. Hauptner eine Ansprache gehalteif, die in der Tagespress« lebhaft erörtert worden ist. Anlatz der Erörterung war, dah der Redner seine persönliche parteipolitische Anschauung stärker hat durchblicken lasten, als auch nach unserer Ansicht mit Rücksicht auf den Anlast der Rede hnd die parteipolitisch gemischte Zusammensetzung der Sektion angebracht war. Insoweit handelt es sich jedoch um eiste innere Angelegesthett der Alpenvereins- Sektion. Dagegen findet sich in der Rede des Herrn vr. Hauptner ein Satz, der gerade von jüdischer Seite beanstandet worden ist. Er lautet: Der Glaube an Deutschlands Zukunft und unsere wahre Vaterlandsliebe echtem National >efühl erfüllen und wieder freimachen von den Irrlehr Deutschland ein Müssen uns wieder emporführen. uns mit n Fremder, die unterjochtes gemacht laben. aus dem siegreichen Kreise haben aus diesem Satz eine „antig" herausgelesen, indem sie ohne weiteres mit den „Fremden" könnten nur Juden Vorsitzende unseres Verbandes, hat Veransich deswegen mit Herrn Kommerzien- Gewiste jüdisch: ache Entaleisuh eilt haben, gemeint sein. Der lassung genommen. rat vr. Haupt her in Verbindung zh setzen. Er hat von Herrn vr. Haup ner das nachfolgende Schreiben erhalten: geehrter Herr Recht: ianwalt! A«iseVzurückgekehrt. beste ich mich meinen.Sohn an msch Seh Von einer auf Ihre durch meine Denkmalrfde betreffend, folgendes Mit den Worten „Irrlehren ich den Marrismus, den Bolschewismus gemeint. Lehren, die zumeist aus deist gekommen sind, und zwar durch C h r i st e n. Heiden. Ich erlaube mir, Ihnen anheimzugrben, von dieser (Er klärung'beliebig« n Gebrauch zu machen. Ihnen gerichtete Frage, zu antworten: Fremder" habe und den Pazifismus Auslande zu uns Juden und Rudolf Hauptner. Angelegenheit, soweit 'ii ist, zur Zufriedenl«m Wiederaufleben lt sein. Mit hochach^ungsvollem Gruh Ihr sehr ergebener i r Durch dieses Schreiben dürfte die in ihr „Äntisemitiämus" gewittert wordeh heit aller, die nicht ein Jntereste an früherer Unstimmigkeiten haben, tlargeste Im übrigen sei als Kuriosum erwähnt, dah Herr Kommerzienrat vr. Hauptner selbst, wie.sich aus den Mitteilungen der.Sektuon Berlin vom Oktaler b. 3s. ergibt, trt dem Verfasser eines Artikels der V o s s i k ch e n Zeitung, die aus rein parwipolitischen Gründen d r' Denkmalrede »um Ausgangspunkt ül erscharfer Angriffe ger en Herrn Hauptner macht, unter Umkejrung der Chiffre „—.-las", mit welcher der Artikel unterzeichnet ist. einen Herr« Salomo n vermutet. Tatsächlich ist der Verfasser des Artikels der Graf Al brecht Mor tg elas. Woraus sich ergibt, dah die Judenriecherci zst e ten so scherzhaften Ergebnissen führen kann, wie die Antisemit« nriecherei. Theorie und Prarir. In der C. V. »jZ e i tu n g vom 16. Oktober 1925 Nr. 42 wird aus einer amerikanisch-jüdischen Zeitung ein Artikel über dbn Keren hajessod angeführt, in dem es wörtlich heistt: Es ist überraschend, datz Deutschland. Rumänien und Polen.!wo so viel Not und Armut herrschen .... Spenden in solcher Höhe sollten aufbripgen können. Wenn diese Berichte richtig sind, so ist es eiäie Sünde von den Ju.deN dieser Länder, soviel Geld ins Ausland zu senden, wenn es doch so dringend nötig gebraucht wird, um dix Rot in her Heimat zu beheben. Das Centralv« reins-Blatt versieht dieses Zitat mit dem Zusatz: „Wir haben nichts weiter hinzuz u f ü g e n." Es ist höchst l «bäuerlich, dast nichts weiter hinzuzufügen ist. Die deutschfühlenden Centralvereins-Mitglieder hätten sich z. B. sicherlich fehl dafür interessiert, was der Centralverein gegen seine eigenen Vorstandsmitglieder Rabbiner vr. Goldn ann, Rabbiner vr. Baeck und Rechtsanwalt vr. Krön bach (Esten) veranlaht hat. die gerade jetzt in einer oom Keren Hajessod herausgegebenen Bros hüre die Beteiligung an diesem zionistischen Unternehmen, die in der C. V.- Zeitung als .Sünde" bezeichnet wird, dringend bsfürwvrtet haben. Theorie und dlraris sind nun einmal zweierlei, besonders wenn man weniger Wert darauf legt. von. Unterrichteten ernst genommen zu weiden, als darauf, von Nichtunterrichteten Mitgliedsbeiträge m erhalten. .

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