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Der nationaldeutsche Jude · 1925-11-01 · Nr. 11 (November 1925) · p. Seite 6

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 11 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 '«Judith" in. der Volksbühne eine glanzvolle Wiederauferstehung ' feierte, liest er seine „ Iüdische Witwe " im Theater am Schiffbauerbamm über die Szene gehen, — ein Machwerk, dein viel zu viel Ehre angetan wird, wenn man es als eine Satire auf die biblische Legende von der tragischen Helden- , graste der Witwe Manaffe's bezeichnet. Ter Theaterbesucher von heute ist ja manchen Kummer gewöhnt, aber die Heimsuchung mit diesem „Bühnenspiel in fünf Akten" hat er ganz gewitz nicht verdient. Die Judith-Legende ist Georg Kaiser gerade gut genug, um an ihr' die Sexualnot eines 13 jährigen jüdischen Mädchens zu demonstrieren. Auf dem Grunde einer widerwärtig-parodistlschen Verzerrung jüdischen Volkslebens rollt sich die Geschichte dieser angeblich jüdischen Witwe ab, die in ihrer Bninst nach dem Mann von Mord zu Mord schreitet, bis endlich der Hohepriester, der gekommen ist, um sie vor allem Volk' dem Dienst des Ewigen zu weihen, mit ihr zu irdischer Beglückung auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Am Abend der ersten Aufführung spielte sich dieser Schlußakl so. wie man ihn in der Buchausgabe Nachlesen kann, in den Räumen und Vorräumen des Heiligen Tempels ab — eine unerhörte Blasphemie, deren Schimpflichkeit mit keiner irgendwie gearteten dichterischen oder künstlerischen Interpretation gemildert werden kann. Inzwischen hat mau sich aber doch am Schiffbauerdamm — ob aus eigener Einsicht oder nach entsprechender Einwirkung von außen her, sei dahingestelll — eines besseren besonnen und der letzten Szene durch Streichungen und Zusammenfassungen wenigstens einen Teil ihrer Anstöhigkeit genommen. Was übrig bleibt, reicht aber 'mmer noch vollkommen aus. um jeden Protest gegen die Aufführung eines solchen-Stückes zu rechtfertigen. Tie Judith-Legende als solche mag man. wenn man will, > dichterischer Ilmdeutung würdig oder bedürftig finden, wie andere biblische Erzählungen auch. Wenn aber diese Umwandlung sich von der Vorlage so weit entfernen soll, daß aus einer heroischen Frauengestalt von untadeligem Lebenswandel eine lüsterne Tirne gemacht und eine nationale Befreiungstat zu einem Gewaltstreich sexueller Verzweiflung erniedrigt wird, dann soll ein Dichter von diesen Graden gefälligst jede Anlehnung an die biblische Ueberliefernng aufgeben, die er nicht umdeutet oder modernem Empfinden näher bringt, sondern die er schändet, nur um seinen Witz daran zu üben. Georg Kaisers „Witwe" ist so „jüdisch", wie man es wohl yon ihm selber behaupten kann: nicht e i n Zug ihres Wesens verdient diese Kennzeichnung, — oder wenn der Dichter mit der Schilderung ihres störrischen Benehmens vor der Verheiraiung mit Manasse, mit der Wildheit ihres sexuellen Begehrens nach rascher Beseitigung diests impotenten Greises etwa einen gewiffen Typus heuriger Erziehungsprodukte zur Darstellung bringen wollte, was berechtig^ ihn dazu, dieses Geschöpf alS eine jüdische Aktive zu bezeichnen? Der Titel dieses Bühnenspiels ist ja überhaupt ein Kapitel für sich, aber das Aergste an hem ganzen, Stück ist doch die schamlose Verspottung, die hier mit jüdischen Einrichtungen und Gebräuchen, mit dem jüdischen Gesetz und jüdischer Gottesverehrung getrieben wird. Angefangen von den Narrcnspossen im Tempel, unter denen die Vorbereitungen für die Vermählungsfeier zwischen Judith und Manaffe sich abspielen, bis zu der burlesken Gerichtsszene des fünften Aktes und der Kurfürstendammpointe des Schluffes, man mag sie nun in der Gestaltung der Buchausgabe oder nach der Regieleistüng der> ersten Aufführung oder nach der „Verbefferung", die inzwischen für notwendig befunden worden ist, genießen. Tie Buchausgabe trägt als Motto Nietzsche's bekannten Kampfruf: „LH, meine Brüder, zerbrecht, zekbrecht mir die alten Tafeln.'" Man braucht gewiß kein Orthodoxer zu sein, um sich über diese Form der Tafel-Zertrümmerung zu empören. Aber wem schon die Bibel nicht heilig genug ist gegen solche Verunstaltung, der braucht natürlich auch vor Friedrich Nietzsche keinen Respekt zu haben, und man wird nicht verlangen dürfen, daß er auf der Suche nach einem Feigenblatt für seine Entweihungen und Entkleidungen wählerischer fein soll, als bei seiner Art von Dramatisierung einer biblischen Legende. Und ein Zeichen der Zeit ist e8. daß ein Bühnenstück wie dieses heute auf die Bretter gebracht und unter Aufbietung umfang, reichster Ausstattungskünste einem in seiner Mehrheit durchaus unkritischen Publikum dargeboteM-werden kann. Wenn schon Georg Kaiser es für wichtiger halten mag. alte Tafeln zu zerbrechen, als auf die Empfindungswelt seiner deutschen Volksgenossen jüdischen Glaubens auch nur die mindeste Rücksicht zu nehmen, so sollte er in diesem Vergnügen wenigstens allein gelaffen werden. Auf dem Markt unseres TheaterlebenS hat ein Stück wie dieses nichts zu suchen. S. B. Vermischtes. Lehrreiches aus der Tschechoslowakei. Ten Juden in der Tschechoslowakei ergeht es verhältnismäßig gut. Dem muß natürlich abgeholfen werden, — meinen die Zionisten und sonstigen Alljuden. Sie haben dazu mit sicherem Instinkt den geeigneten Weg eingeschlagen. Um nur ja zu zeigen, daß Juden in keinem Staate sich schlechtweg in Reihe und Glied mit anderen Staatsbürgern stellen können, haben sie bei den Parlamentswahlen eigene jüdische Kandidaten aufgestellt. Da aber die verschiedenen alljüdischen Gruppen sich auch untereinander vorschriftsmäßig Haffen und verfluchen, haben sie nicht einmal die Einheitsliste zustande gebracht, die ihnen möglicherweise ein paar „jüdische Mandate" verschafft hätte. Erfolg: weder die „Jüdische Partei", noch die „Jüdische Wirtschaftspartci", noch die „Jüdische Gewerbepartei" haben, trotzdem in der gesamten Tschechoslowakei mehr als 100 000 „jüdische" Stimmen abgegeben worden sind, die für die Wahl auch nur eines Kandidaten erforderliche Stimmenzahl aufgebracht. Trotzdem ist die Aktion der „jüdischen" Parteien durchaus nicht vergeblich gewesen. Der greifbare Erfolg besteht darin, daß sowohl die Regierung wie die anderen Parteien sich mit großer Schärfe gegen die Juden gewendet haben, selbstverständlich. wie es immer in solchen Fällen geschieht, gegen die Gesamtheit der Juden, obwohl ein Teil der jüdischen Bürger der Tschechoslowakei vernünftig genug gewesen ist. für die nichtjüdischen. Parteien zu stimmen. Die Zustände haben sich so zugespiht, daß ein jüdischer Vizebürgermeister durch ein Telegramm an Minister vr. Äenesch Protest gegen den von der Regierung ausgeübten „Wahlterror" erhoben und behauptet hat, „gravierende Belege dafür zu haben, daß es der Zivilverwaltung darum zu tun sei, die Wahl eines jüdischen Abgeordneten unmöglich zu machen." In dem Telegramm fehlen selbstverständlich der Appell an die „demokratische" Gesinnung der Regierung und die Drohung mit dem „schlechten Eindruck im Auslande" nicht. Mit anderen Worten: es ist glücklich erreicht worden, daß zwar kein jüdischer Kandidat durchgekommen, dafür aber der bisher in der Tschechoslowakei mäßige Antisemitismus wesentlich gestärkt worden ist. Die Juden des ganzen Landes dürfen den unentwegten Führern, die sie glücklich zu diesem Ziel gesteuert haben, von Herzen dankbar sein. 2m übrigen scheinen sich auch die verschiedenen „jüdisclren" Parteien zueinander in durchaus gesinnunqstüchtiger Weise verhalten zu haben. Daraufhin deutet wenigstens eine Nach-i richt der 5. T. A.. in der ausdrücklich demenffert wird, daß „ein zionistischer Agitator von orthodaren Juden erschlagen worden sei." Die Bühnen-Jüdelei. In der „C. V.-Zeitung" und in dem „Schild", dem Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, finden sich mit bemerkenswerter Gleichzeitigkeit Artikel, in denen gegen die ewige und höchst widerliche Jüdelei auf Bühnen. Kabaretts und dergleichen Kunststätten sowie in „Wktzsammlungen" und ähnlichen Büchern polemisiert wird. Man kann die „ernsten Worte", die von den beiden Organisationen hier endlich einmal ihren Angehörigen gesagt werden, nur mkt größter Freude begrüßen. Aber es muß hinzuqesetzt werden, daß hier doch wieder einmal nur Symptome bekämpft werden, statt daß man den Sitz der Krankheit selbst angreift. Unsere Leser werden sich erinnern, daß schon im Herbst 1924 einmal diese Frage öffentlich erörtert wurde, und zwar eigenartigerweise gerade in der Vossischen Zeitung, wenn auch nur in der für Privatmeinungen der Leser bestimmten Rubrik. Damals hat auch eines unserer Mitgsieder das Wort Senommen. Es war untere damalige Derbandssekretärin E l i s« l n g e r. die uns leider inzwischen durch den Tod entrissen! worden ist. Wir setzen hierher, was sie damals geschrieben hat. und glauben, daß diele Ausführungen den Kern des Hebels bester treffen, als Alles, was in der C. V.-Zeitung und im „Schild" zu dieser Frage gesagt ist: Herr U meint, daß es „im täglichen Leben vielleicht durchgehen könne, jüdische Worte unter deutsche zu milchen und damit ein Kauderm-llch zu schiffen, das jedem Menschen mit Geschmack und Bildung Unbehagen verursacht". Ich bin der Ansicht, daß auch im täglichen Leben ein derartiges Kauderwelsch unter keinen Umständen' durchgehen darf. Der größte Teil der deutschen Juden ist in seinem Empfinden so deutsch, daß für ihn der deutsche Ausdruck in allen Situationen, auch und gerade in denen des täglichen Lebens, das Selbstverständliche sein muß. Ich kann mir nicht vorstellen.Xdatz es ein°>n Deutschen geben sollte, der bei dem Hebräischen oder Jiddischen eine Anl»ihe machen müßte, um seine Kadanken auszvdrück n. Wer mit der deutschen Sprache im tägn-ben Leben nicht auskommt und überall dort, wo er sich besonders prägnant ausdrücken will, zu einem jüdischen Flickwort seine Zuflucht nehmen muß. würdiat unsere deuffch« Muttersprache herab. Wir sollten dem Teil der deuffchen Juden, »em di; deutsche Sprache nicht wie uns

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