Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 11 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 5 - chützt. Ist die Zielrichtung ihrer Bestrebungen, von den nationalen Verschiedenheiten abgesehen, auch die gleiche wie die unsrige. die Aufgabe, vor die sie gestellt find, ist die unendlich schwerere. Helfen können wir ihnen kaum. Nichtkann unS vergeffen machen, daß fie Russen find, wir aber Deutsche, und daß wir. praktisch gesprochen, nur einen einzigen gemeinsamen Feind haben; den Zionismus. Aber nichtkann unS hindern, diesen tapferen Männern unsere Sympathie auszusprechen, und wenn eS die Kräfte stählt, sich durch Andere bestätigt zu sehen, so mögen fie auS dem Bestehen unseres Verbundes schließen, daß sie auf dem richtigen Wege find, wie wir unsererseits auS ihren Bestrebungen die gleiche Gewißheit schöpfen. Denn dies ist der Grundsatz, in dem beide Teile einig find und für den beide Teile kämpfm: Die Juden hei t kann nur bestehen, wenn sie bodenständig wird, und sie kann nur bodenständig werden, wenn sie sich'ohne Rücksicht auf vermeintliche jüdische A ll g em ein i n t ere s s en mit Kopf und Herz in Gegenwart und Zukunft ihres Vaterlandes, heiße dies nun Deutschland oder Rußland, verankert. B. R. U. „Berlin ohne 'Juden“. Roman von Artur Landsberger. Verlag Paul Steegemann, Hannover, 1925. AIS wir vor 2 Monaten uns anheischig machten, dieses Luch zu besprechen, waren wir geneigt, eS für eine Gefahr zfl halten. Inzwischen hat der buchhändlerische Mißerfolg und daS Achselzucken der Prefie gezeigt, daß die Sorge übertrieben war. Der Verfasser selbst hat sich den Verhältnissen angepaßt. Er hat sein Wert dem Israelitischen Familienblatt zum Abdruck in der Unterhaltungsbeilage überlassen und damit den Verzicht auf ernsthafte Leser besiegelt. Immerhin, — wer weiß, ob nicht nach Jahr und Tag ein wilder Deutschvölkischer daS Buch einmal vom Wagen kauft und nach altgermanischem Gerichtsbrauch das „Gerüste" erhebt. So kann es nicht schaden, wenn schon jetzt aktenniäßig festgrlegt wird, daß nicht, wie die Hakenkreuz-Presse in solchen Fällen zu behaupten pflegt, „ganz Alljudaan" dieses Werk mit Entzücken begrüßt hat. Auf Seite 229 dieses RomanS lesen wir die klassischen Worte: „Möglich, daß diese Entrüstung ein klein wenig unecht und mit Mentalität verbunden war". Wäre das Buch nur als Kunstwerk zu würdigen, so dürste man die Besprechung hier schließen. Zur Ergänzung wäre höchstens zu sagen, daß man schon in die tiefsten Schichten der Kolportage-Literatur hinabsteigen muß. um eine so unglaublich liederliche Mache, eine so kitschige Sentimentalität, eine so ungeschickte Mischung skrupelloser Sensationshascherei mit ödester Langweile, und eine so peinliche Geschmacklosigkeit in der Nachbildung lebender Modelle zu finden. Ein Hintertreppenroman übelster Art und. ein Schlüsselroman dazu. Aber Landsberger will mehr erschließen, als den Zugang zur Hintertreppe. Er gibt sein Buch alS eine vaterländische Tat und weiht es „dem Retter Deutschlands". Sein Vorwort „pro domo“ steht unter dem Zeichen der Furcht, daß man ihm die Reinheit seiner Absichten nicht glauben und ihn auch diesmal nach seiner höchst unerfreulichen literarischen Vergangenheit beurteilen könnte. Also gut, — unterstellen wir als richtig, daß hier ein durch daS Leben geläuterter Mensch nach bestem Können den deutschen Juden und dem ganzen Deutschland za nützen sucht. Lassen wir nur daS „Werk" auf unS wirken. ES wirkt dergestalt, daß wir die künstlerische Unfähigkeit preisen., durch welche dieses vielleicht gut gemeinte' Buch un> die böse Wirkung gebracht wird, die es bei besserer Mache etwa hätte auSüben können. ' Der Verfasser wehrt sich gegen den Vorwurf, daß sein Roman nur ein Abklatsch von Bettauer's „Stadt ohne Juden" sei. Er hat sich, wie er sagt, die Aufgabe gestellt, zwei Fragen zu untersuchen: 2) Wie wäre es möglich. Deutschland zu entjuden? d) Wie sähe es in Deutschland ohne Juden auS? Als Ergebnis seiner tiefgründigen Forschung sei festgestellt: zu 2) Die „Entjudung" wäre möglich, wenn deutschvölkische Politiker sich zum Werkzeug deS Bolschewismus machen ließen und durch gewaltsame Austreibung der Juden unwissentlich den Boden für Moskau ebneten. Diese höchst originelle politisch« These wird so bewiesen^ daß ein echt russischer, nichtjüdischer. aber zweckmäßiaerweise jüdisch aussehender Bolschewist sich an die — als völlig hilflose Idioten gezeichneten — deutschvölkischen Führer heranmacht, von ihnen bereitwillig als Faktotum angenommen wird und mit diabolischer Bosheit zuerst die Juden vertreibt, dann daS Volk gegen die Katholiken aufhetzt und schließlich die Stellung seiner eigenen Brotgeber untergräbt, bis der wirtschaftliche Verfall-und dann das Chaos da sind und der Bolschewismus. triumphierend Einzug halten könnte, wenn nicht zu b) inzwischen daS deutsche Volk, wie auch daS Ausland, den durch die Entjudung Deutschlands verursachten entsetzlichen Schaden eingesehen hätte und die Juden händeringend zur Rückkehr veranlaßte, worauf natürlich allesi gut und der satanische Bolschewist von einer in seinen Mußestunden verführten PortierStochter umgebrungen. die edle Maid hingegen zum Danke von einem bekehrten Antisemitenjüngling mit im Grunde höchst reinem Gemüt geheiratet wird. Gegen Ende dieser durch Broschüren, Briefe und endloses Gerede an den .„spannendsten" Stellen-aufgehaltenen Handlung wird sozusagen im Nebensatze die Judenfrage gelöst, indem die deutschen Juden im Exil, soweit sie nicht inzwischen Geschmack an ihrem neuen Wohnland gefunden haben, unmittelbar vor der Rückkehr nach Deutschland noch rasch sich zu einem „Verband deutscher Juden" zusammenschließen und die anderen, die im Auslande bleiben wollen, als „Rischeßmacher" (buchstäblich!) von sich weisen. Die Zählung ergibt von 586000 aus Deutschland stammenden Juden wohlgezählte 552 000 Verbandsmitglieder und 34 000 „Rischeßmacher". Eine Würdigung dieser Gedankengänge erübrigt sich. Nur das Eine sei gesagt,-daß die verständnislose und snobistische Art, in der Landsberger um die ihm im Kern und sogar in rein tatsächlicher Hinsicht , völlig unklare Judenfrage herumwitzelt, unS nationaldeutsche Juden gerade dort aufs tiefste anioidern muß, wo seine Ideen sich mit unseren eigenen Bestrebungen zu berühren scheinen. Wer unsere Arbeit kennt, wird unS verstehen. Nicht dort, wo man die Juden um ihrer wirtschaftlichen Geschicklichkeiten und Beziehungen willen notgedrungen heranholt, kann die innere Lösung der Judenfriage, die Wandlung des Wohnlandes zum Vaterlande, von der breiten Masse alS müheloser Nebengewinn eingestrichen werden. Wir müssen .diese Lösung auS.dem Kleinsten heraus erarbeiten, müssen sie dort erarbeiten, wo der Druck am stärksten und der Tank der Hunderltausende am fernsten ist. Und weil es uns ernst ist mit dieser Arbeit, deren Frucht wir Aelteren kaum, aber hoffentlich unsere Kinder genießen werden, weisen wir die verantwortungslosen Spielereien eines literarischem Gelegenheits- Juden zurück. Herr Landsberger ist und bleibt, so bejahend er auch posiert, doch nur einer von den! „Geistern, die verneinen". Die deutsche Judenfrage kann nur mit heiligem Ernst gelöst werden: Darum wird unS ein „Schalk" dieses Schlages heute und immer ^zur Last sein". k M. N. III. Die unjUdiFcbe (Uitwe. Der Spielplan unserer Theater wird, nicht erst seit heute und . gestern, zu einem guten Teil von den Musenkindern Georg Kaisers bestritten. Wohin man auch kommt in deutschen Landen, in jedem Wochenrepertoire wird man zum mindesten einmal seinen Namen verzeichnet finden. Dabei denkt er offenbar nicht im entferntesten daran, etwa auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Kaum war seine „Jüdische Witwe" über die Berliner Bretter gegangen, als in Dresden schon ein neues Kaiser-Stück seine Uraufführung erlehte, Die dichterische Fruchtbarkeit dieses Autors scheint also nichts weniger alS erschöpft zu sein, und wir werden vielleicht noch im Laufe dieses TheaterwinterS. der ja eben erst begonnen hat, zu etlichen weiteren Kaiserpremieren geladen werden. Zu den großen Begabungen unserer dramatischen Dichierwelt wird ihn wohl weder die berufene noch die unberufene Kritik zählen wollen. Aber unbestritten ist seine Fähigkeit^ unterhaltsame, derb zufaffende und in ihrer satirischen Schlagkraft zuweilen sehr wirksame Theaterstücke modernen Gepräge« auf die Beine zu stellen, eine Kunst, die heutzutage, bei dem allgemeinen Hunger nach Zug- und Kassenstücken. schon ihren Mann recht gut ernähren kann. Er braucht also nur inS Leben hineinzugreifen und wird eS überall interessant zu machen verstehen. Um so erstaunlicher, daß auch Georg Kaiser ohne eine Anleihe bei der biblischen Geschichte nicht auSgekommen ist. An dem gleichen Abend, an dem HebbelS unvergängliche