Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 11 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6682492-5438640-5438788--129-4871344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aeußerungen führender, in ihrtt Art durchaus ehrlicher Zionisten, die gerade diese Zustände als unnormal bezeichnen und mit ihrem Hohn die beiden beteiligten Gruppen überschütten, die halbfremden Juden, die vom Standpunkt des konsequenten Zionisten bei aller Deütschfremdheit noch immer nicht jüdischnational genug sind, und das sogenannte Wirtsvolk, das sich die Durchsetzung mit dem Einfluß dieser Leute gefallen läßt. Bekannt ist das böse Wort des Herrn Nah um Sokolow von den „jüdischen Arabern*, das jetzt die Runde durch alle judenfeindlichen Zeitungen macht. Und schließlich weist man „drüben* daraus hin, daß im Laufe der Jahrtausende. seit dem Beginn der Zerstreuung, die Juden sich auch dort zur Einheitsfront zusammengeschloffen haben, wo sie von außen her nicht bedroht wqren. Man weiß bei den Antisemiten zu werten, was bei den Juden höchstens als statistische Kuriosität betrachtet wird, daß im „freiesten Lande der Welt* in einer einzigen Stadt mehr als eine Million Juden, fast der zehnte Teil' der gesamten Weltjudenheit, im : freiwilligen Ghetto lebt. Gegenüber solchen Argumenten, die 1 gewiß meist in verzerrter und übersteigerter Form vorgetragen! werden, aber doch nicht ganz ohne sachlichen Kern sind, kann man sich nicht den Anschein geben, als! sei die „jüdische Kriegs- 1 schuldfrage* längst einwandfrei im Sinite der Juden entschieden! und nur ein Böswilliger oder Idiot könne sie alö noch offene > Frage behandeln. ■ Wir können und wollen diese Frage hier nicht entscheiden.; Kriegsschuldfragen zu erörtern hat nur dort einen Sinn, wo ' der Kriegszustand offen oder versteckt fortbesteht. Wir wollen, j daß er nicht fortbestehl, wir wollen den Frieden, i Einen Frieden in Ehren. — selbstverständlich. Aber hier ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Wir deutsch- | fühlenden Juden sollten uns endlich freimachen von der inner» > lich unwahren Vorstellung, die uns die ewigen Kriegstreiber! auf beiden Seiten, Deutschvölkische wie Jüdischvölkische, immer wieder aufzuzwingen versuchen, daß es unserer Ehre zuwider- 1 laufe, unseren Platz im deutschen Volke dort zu suchen, wohin unser deutsches Empfinden uns weist. Die Ehre gebietet, sich dem eigenen Volke hinzuoeben, und daS eigene Volk i ist für uns das deutsche Volk. Folgen wir diesem Gebot unsere» Herzens, so wird auch der Erfolg sich einstellen, denn i praktisch ist letzten Esides immer nur daS. waS innerlich gesund ■ ist. Solange wir mit jüdischnationalen und internationalen Schwarmgeistern in der Einheitsfront stehen, wird kein Slppell an das „Recht" unsere nichtjüdischen, nationaldeutsch gesinnten : Volksgenossen veranlassen, ihre eigene Einheitsfront aufzulösen. Sie werden stets, berechtigt oder unberechtigt, des Glaubens sein, ihre Front sei nur eine Organisation notwendiger Abwehr und Selbstbehauptung. Erst wenn bei uns Juden die Parole lautet: „Deutsche zu Deutschen, Fremde zu Fremden*, wird auch bei Nichtjuden das heute vergebens erflehte und niemals zu ertrotzende Verständnis dafür erwachen, daß Deutschtum und Fremdtum nicht blutsmäßig, sondern nur kulturell'und gefühlsmäßig bestimmbare Begriffe sind. Ist X aber dieses Verständnis einmal erzielt, dann ist es nur noch ein Schritt zu der einzig gesunden und einzig praktischen Lösung, daß die Nationaldeutschen, gleichviel welchen Stammes, sich zur Einheitsfront gegen die Fremden, mögen sie „Arier* oder Juden sein, zusammenschließen. Dann wird auch die Rechtsgrenze respektiert werden, ohne daß es der ewigen Beschwörungen und Proteste bedarf. Man wird den Fremden, mögen sie „arischen" oder jüdischen Blutes sein, von ihrem verfassungsmäßig verbrieften Staatsbürgerrecht nicht ein Jota rauben, aber auf dem Boden des Rechts wird die geschloffene Front der Deutschfühlenden ihre Anmaßung zurückweisen, wenn sie die Hand nach Aemtern und Stellungen ausstrecken, in denen ihr ündeutscher Geist eine Gefahr für das deutsche Volkstum ^bedeutet. Denn Deutschland lenken darf nur. wer sich zu Deutschland bekennt, mit ganzem Herzen, ohne Vorbehalt uud Rückversicherung, nicht auf Zeit bis zur erhofften Festigung deS neuen Zionsreiches, sondern auf alle völkische Zukunft. | In der Protestkundgebung des K. C. verwies der letzte Sprecher auf das Wort der Schrift von dem „Gott, bdr die Zeiten ändert*. Ein gutes Wort, aber nicht so gut. wie das andere, daS lautet: „Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott!* Um unserer Jugend willen dürfen wir nicht tatlos auf beffere Zeiten warten, die eines Tages sich von neuem in schlechtere wandeln könnten. Wir wollen das Unsere tun, um der äußeren Freiheit würdig zu werden, indem wir uns zunächst innerlich freimachen von einem Gemeinschaftsgefühl, das mit Religion nichts zu tun hat, mag man ihm auch oft genug ein religiöses Mäntelchen umhängen, und dessen völkische Vertiefung wir jenen überlassen, die bereit sind, auS ihrer Deutschfremdheit die Konsequenzen zu ziehen. Nicht Protestkundgebun.g en tun not. sondern Erziehung zum Deutschtum, Arbeit an uns selbst und Ar-beit vor allem an dem jungen Geschlecht. Nur wer den Willen zum Deutschtum pflegt, hat ein Recht auf die deutsche Zukunft. 1 Bücher über Juden und von Zuden i. Die Umwälzung in Rußland und das Bcbtchfal der rulTircben Juden. Ein Sammelwerk. Osnowa-Verlagsgesellschaft m. b. H., Berlin 1925. Dieses Buch, herausgegeben vom „Vaterländischen Verband russischer Juden im Ausland", wendet sich un die Juden aller Länder. Es besteht aus 6 Aufsätzen verschiedener Autoren und wird zur Einheit zusammengeschweißt - durch den glühenden Haß gegen die Bolfche - wisten und durch leidenschaftliche Liebe zu Rußland. Der Parallelismus mit den Zielen unseres eigenen Verbandes ist groß, wenn man > unsere deutschen Empfindungen auf russische Verhältnisse überj trägt. Aber eben wejl wir diesen Parallelismus erkennen und! freudig begrüßen, halte ich es für notwendig, vorweg diejenigen - Momente hervorzuheben, mit denen wir uns nicht einverstanden i erklären können. Wir liefen sonst Gefahr, wieder einmal von! unseren Gegnern für parteipolitisch reaktionär erklärt zu werden. . ] Auch ich bin der Ansicht, daß der Bolschewismus ver- , hängnisvoll, und feine Art, sich mit Gewalt durchzusetzen, unzulässig ist, auch ich glaube, daß er inS materielle und kulturelle! Verderben führt. Trotzdem erscheinen mir moralische Verdam» i mungSurteile über eine Zeitströmung, die Millionen und aber Millionen Menschen umfaßt, und deren welthistorische Bedeutung nicht abzuschätzen ist, unzulässig oder zum mindesten überflüssig. Niemand wird mich davon überzeugen, daß alle Bolschewisten Barbaren und ihre Führer Elende, Verbrecher und Feiglinge seien, wie dies die russischen Autoren behaupten. Selbst der Vorwurf des Sadismus fehlt nicht. Ich bedauere diese Form der Polemik, die sich hauptsächlich gegen Lenin und Trotzki richtet, um so Mehr, als mir ein Haß größer und menschlich würdiger erscheint.der seine Spitze nicht gegen bestimmte Personen als solche kehrt, sondern vom persönlichen Erleben absieht und feine Nahrung nur aus der Unvereinbarkeit zweier Weltanschauungen zieht. Der Bolschewismus kann seinem ganzen Wesen, nach nicht anders als universell sein, und er wird ans blutigem oder unblutigem Wege zusammenbrechen, wenn eS ihm nicht gelingt, seine Universalität zu verwirklichen. Diese eine Tatsache genügt, um alle, die seine Grundanschauungen nicht teilen, zu seinen unversöhnlichen Feinden zu machen. Was aber die Persönlichkeit der Führer betrifft, so sollte doch nicht vergeffen werden, daß sie für ihre politischen Träume gekämpft haben, als kein Nüchterner es für möglich hielt, daß diese jemals Gestalt gewinnen würden, und daß auch sie die Kost der Gefängniffe und das bittere Brot der Verbannung genoffen haben. Es ist doch nicht so, wie Unwiffende eS nach der Lektüre dieses BucheS annehmen könnten, daß sie einfach vom Weltunglück deS Krieges cmporgehoben und in die Paläste hineingetragen worden sind, um null ihren dunNen und verbrecherischen Trieben nachzugehen. Auch sie haben gekämpft, auch sie haben gelitten. Aber weil das Ziel, dem sie zusNeben, in der Welt unserer Anschauungen keinen Platz hat, weil sie — und darin haben die russischen Autoren Recht — letzten Endes genötigt sind, das wertvollste Gut deS Einzelnen, die Persönlichkeit, durch die Maschine ihres politischen Schematismus zu schicken, bis es als formloser Brei daraus hervorgeht, und