Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 11 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 3tt Lachen" Matx. Von vr. Alfred Peyser. Herr Rechtsanwalt l)r. I a k ob Marx in Karlsruhe hat wiederum einen Monat ver st reichen lassen, ohne sich zu meinem Vorschlag eines- Schiedsgerichtes zu äußern. Eine nichtssagende kurze Mitteilung in den C. V.-Blättern, es werde zu gegebener Zeit auf unsere Angriffe die Antwort gegeben werden, hat in diesem Zusammenhang gar keine Bedeutung und soll wohl nur dazu dienen, die Sache hinzuhalten und allmählich versanden zu lassen. Dazu ist fte_ uns aber zu ernst, denn wir werden nicht eher ruhen, als bis der Kampf der verschiedenen Richtungen innerhalb des deutsch fühlenden Judentums von sachlichen Gegnern ausgefochten werden kann. Dazu müffen aber zunächst die Lästerer und Wirkungsschreiber systematisch mundtot gemacht werden. So ungern ich also zu solchem Mittel greife, es geht nicht anders, als daß Herr l)r. Marx aus seinem Bau hervorgelockt wird, und da ^r bisher auf nichts anderes reagiert hat, so beschuldige ich ihn hiermit in aller Form der Fälschung. Kundgebungen oder Arbeit? Von Max Eine Veranstaltung, die am Sonntag, den 15. November, im ehemaligen Herrenhaus zu Berlin stattfand, fordert zu einigen grundsätzlichen Bemerkungen heraus. Ter K. (i. (K a ist e l l - C on v e n t der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) hatte zu einer „Kundgebung gegen die Beschimpfung der deutsch.jüdischen Studenten" geladen. Anwesend waren hauptsächlich Mitglieder des K. C. und des Cent.raloerejns deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, doch wurden auch einige Gäste, darunter Beamte des Kultusministeriums, bemerkt. Die Kundgebung bestand aus zwei Referaten und einem Schlußwort. Ter erste Vortrag, gehalten von dem jugendlichen Geschäftsführer des K.. C.. im ganzen völlig eindruckslos, brachte immerhin einige weniger bekannte Einzelheiten tatsächlicher Art über Zurücksetzungen und Beschiinpstingen jüdischer - Akademiker auf deutschen Hochschulen. Der zweite . Hauptredner, Vorstandsmitglied des Eentralvereins, trug nur J die üblichen „Abwehr".Betrachtungen mit lehrhafter Kühle vor. In der Form wirksamer war das Schlußwort dxs Centralvereins-Tirektors, der die Veranstaltung leitete und sich wieder, wie oft zuvor, als geschickter Sprecher erwies. Sachlich oder gedanklich Neues wußte auch er nicht vorzubringen. Er erhob wie seine Vorredner Protest gegen das den jüdischen Studenten angetane Unrecht, und spxach den Wunsch aus, daß die nichtjüdischen Deutschen dieser Vergewaltigung deutscher akademischer Bürger größere Aufmerksamkeit zuwenden möchten, als bisher. Eine Aussprache fand nicht statt. Entschließungen wurden nicht gefaßt. Ohne tiefere Bewegung ging man auseinander. Wir würden über diese „Kundgebung" kein Wort verlieren, wenn aus ihrem Verlauf nicht Grundsätzliches abzuleiten wäre. Veranstaltungen nach diesem Klischee kennen wir seit vielen Jahren. Sie gehören zum ständigen Repertoire des Centralvereins und anderer Organisatiomen, die mit diesem Verein durch weitgehende Personalunion, durch gemeinsame Geldquellen usw. verquickt sind und die mit dem Central- > verein zusammen praftischdie berühmte „jüdische Einheitsfront" — einschließlich der Zionisten — ergeben. Ld im Gnzelfalle die Kundgebung von dem Centralverein selbst, ausgeht oder von dem K. C. oder von dem (ganz offiziell mit Zionisten durchsetzten) Reichsbund jüdischer Frontsoldaten oder von einer ähnlichen Organisation es ist immer nach Form und Inhalt das Gleiche und die Wirkung! ist immer gleich negativ. Sie muß negativ sein, denn alle diese Kundgebungen, in denen nichts als protestiert wird, gehen an dem Kern der Dinge vorbei. Tie Sonntags-Veranstaltung des K. C. zeigte mit be- . sonderer Deutlichkeit, woran es fehlt. Keiner der drei Redner fprach ein Wort, das nicht jeder Anwesende hätte vorbehaltlos unterschreiben können. Aber keiner der drei Herren gab auch nur einen Fingerzeig dafür, wj^ aus der' Unerquicklichkeit der geschilderten Zustände herauszukommen sei. Die beiden gereifteren Redner meinten gottergeben, daß später einmal auch wieder bessere Zeiten kommen würden. Aber »oenn sie dieses tröstlichen Glaubens find und selbst zur Heranführung dieser Zeiten nichts beizutragen wissen, warum ersparen fie ihrem Konzern nicht das Geld und ihren Hörern nicht die Zeit, die in solchen Klagestunden nutzlos vertan werden? Nur einmal fiel ein Wort, das uns aufhorchen ließ. Der Sprecher des Schlußwortes erzählte von einer Unterredung, die er mit dem Rektor einer deutschen Hochschule hatte. Dort, waren mehrmals jüdische Dozenten vom Lehrkörper abgelehnt worden. Gegen ihre Zulaffung hatten jedesmal nur Naumann. einzelne Prosefforen gesprochen, aber bei der Abstimmung ergab sich jedesmal, daß auch solche Dozenten gegen die Zulaffung stimmten, die, wie dem Leiter der Hochschule . bekannt war, keineswegs als Antisemiten betrachtet werden dursten, llnd auf Vorhalt des Rektors gaben -diese Herren die bezeichnende Antwort: „Sie haben ganz recht. Wir haben nicht das Geringste gegen die Juden. Aber wir wollen uns doch der Juden wegen nicht mit geschätzten Kollegen Überwerfen". Der Herr vom Centralverein zog aus diesem Vorgang den Schluß, man müsie das Verständnis der Nichtjuden dafür erwecken, daß der; Antisemitismus nicht nur die Juden, sondern ganz Deutschland angehe. Dieser Satz ist unzweifel- Haft richtig,' aber er erschöpft in keiner Weise die Aufschlüffe, die sich aus dem, sehr bezeichnenden Vorgang gewinnen laflen. Das Verständnis; der Nichtjuden dafür zu wecken, daß die Judenfrage eine' lebenswichtige deutsche Frage ist. muß allerdings^ unsere Aufgabe sein. Aber Protestkundgebungen im reinen „Abwehr".Stil und der formularmäßige Ruf nach „Gerechtigkeitr sind nach den Erfahrungen, die gerade der Centralverein gemacht hat und endlich auch begriffen haben sollte, nicht geeignet, den Weg zum Verständnis der nichtjüdischen Deutschen zu eröffnen, noch weniger den Weg zu ihren Herzen. Jeder Nichtjude weiß, was die Herren jüdischen Einheitsfrontler durchaus nicht wiflen wollen, daß die deutsche Judenfrage so, wie die Dinge nun einmal liegen, nur vom Standpunkte des Rechts aus nicht zu lösen ist. Das geschriebene Recht wird als Unrecht empfunden, sobald es zu dem Rechts g e f ü h l in Widerspruch tritt. Das Gefühl aber jedes deutschfühlenden Menschen, auch des deutschfühlenden Juden, sträubt sich mit aller Entschiedenheit, wenn das Recht der Deutschen auch von Menschen in Anspruch genommen wird, die wohl dem Buchstaben des Gesetzes, aber nicht dem eigenen Empfinden nach . Deutsche find. Mit Fug verwahrt man sich auf jüdischer Seite dagegen, daß von Antisemiten alle Juden in einen Topf geworfen, die Verfehlungen einzelner Juden odtzr einzelner ■ Gruppen auf das Konto der Gesamtheit gebucht werden. Man klagt über unzulässige Verallgeineinerung und man hat recht. Aber ist es nicht eine Verallgemeinerung ganz gleicher Art, wenn man Nichtjuden zumutet, Jüdischvölkische und Zweivaterlands-Jongleure als deutsche Volksgenoffen zu behandeln/ nur weil sie einen deutschen Staatsangehörigkeits-Ausweis beibringen können? Darf man sich wundern, daß ein im Kern gesundes Volksempfinden sich gegen solche Verallgemeinerung wehrt und daß die weniger verständigen oder gefühlsmäßig hemmungsloseren Elemente unter den Nichtjuden, insbesondere die temperamentvolle Jugend, bei dieser Abwehr auch di» Grenzen des Rechts überschreiten? Man wird uns erwidern: wir Juden selbst sind in der Abwehr, sind gemeinsam angegriffen, müffen uns daher auch gemeinsam wehren. Das läuft auf eine Kriegsschuldfrage hinaus. Und. wie bei Erörterung der „großen" Kriegsschuldfrage behauptet jede Partei, in der Abwehr zu sein. Die „Gegner" meinen, daß sie von den Juden, die sie stets in der Einheitsfront sehen, im eigenen Haus» bedroht seien und ohne „Antisemitismus" schon längst überwunden wären. Sie berufen sich auf die bekannten Beispiele „prominenter" Juden in allen möglichen Reichs- und Staatsämtern, in den Chefredaktionen einflußreicher Tageszeitungen, in den Direkttonsbüros tonangebender Theater, die sich selbst als Zionisten bezeichnen oder doch ihr Judentum bei paffender Gelegenheit so definieren, daß es trotz aller staatsbürgerlicher LoyalitätS-Versicherungen letzten Endes nur als bewußtes und gewollteS Volkstum verstanden werden kann. Und man beruft sich auf »