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Der nationaldeutsche Jude · 1925-10-01 · Nr. 10 (Oktober 1925) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 10 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Groß-Logen erfreuen. Auch die auf humanitärem Gebiete in ihrer Art. vortrefflichen svezifisch jüdischen Loaen-Vereine (Bne Brith) sollen hier nicht mit besprochen werden, ebenso wenig der Druiden-Orden und die Odd Fellows. Da die deutsche Freimaurerei „natürlich" nicht einheitlich organisiert, sondern echt deutsch in allerlei Parteien und Konventikeln „entbrüdert" ist, so müssen wir zunächst zwei Hauptrichtungen der Freimaurerei hier anführen. Die verbreitetst« Lehrart beruht auf I christlicher Dogmatik und christlichem Ritual: selbstverständlfch können Juden hier nur ausnahmsweise, z. B. als Ehrenmitglieder Vorkommen. Man kann darüber streiten, ob die Freimaurerei berufen ist, sich mit konfessionellen Dingen zu beschweren. Aber wir haben selbstverständlich kein Recht,: Einwände dagegen zu erheben, wenn anerkannt kluge Männer von gutem Rufe und in gehobener bürgerlicher Stellung nur in solchem Gebrauchtum Befriedigung finden, das mit der christlichen (evangelischen) Kirche zusammenhängt. j Jüdische Brüder finden! sich also fast ausschliehlich in den sogenannten humanitäres Logen, die aufgebaut auf den Grundsätzen des deutschen! Idealismus (Lessing. Goethe, Herder, Friedr. Ludwig Schroeder), das Bekenntnis zur Gottesidee (jum Baumeister aller Welten) und zuni Unsterblichkeitsglauben ohne jeden dogmatischen Charakter als Bedingung der Aufnahme! stellen. Die Stellung, welche die Juden in diesen Logen cinnehmen, scheint mir derjenigen zu gleichen, die sie in den verschiedenen Sektionen des Deutsch-Ocsterreichischen Alpenvereins innehaben. Gerade die Aufsätze über die Gegensätze im Alpenverein, die fn dieser Zeitschrift veröffentlicht wurden, haben mich veramaht, darüber nachzudenken, ob zurzeit eine Betätigung der jüdischen Freimaurer in ihren Logen angebracht oder ob es bei der antisemitischen Stimmung. die wie durch den f Alpenverein so auch durch die deutschen Logen geht,' nicht ratsamer sein sollte, vorläufig aus den verschiedensten Gründen den Logenbesuch einzustellen. Welche Juden kommen nun für unsere Betrachtung überhaupt in Rechnung? , Orthodoie Juden habe ich in meinem langen Logenleben nur äuherst selten angetroffen. Wenn derartige strenggläubige Persönlichkeiten dejc Loge beigetreten waren, so erfreuten sie sich immer einer besonderen Achtung aller Brüder, der christlichen wie der jüdischen. Die wenigen orthodoren Juden, die ich in der Loge kennen gelernt habe, waren nach jeder Richtung hin freie und in sich gefestigte Naturen, die durchaus in den Rahmen der Freimaurer-Logen hineinpatzten. Zionisten (essentielle oder funktionelle) habe ich als Freimaurer glücklicherweise nicht kennen gelernt. Sie haben ja auch nicht die Eigenschaften, die dam erforderlich sind, um inder Loge festen Fuh zu fassen. Denn die humanitäre Freimaurerei — echt deutsch und vaterländisch — kann Persönlichkeiten mit doppelten Vaterländern unter keinen Umständen bei sich dulden. Am zahlreichsten scheinen mir die bekannten Zwischenschichts-Typen nach Mar Naumann unter den jüdischen Freimaurern vertreten zu sein.! Schwankende Gestalten! Meist brave Leute, in vielen Beziehungen, oft auchfür Logenzwecke brauchbar. Ihre echte Vaterlandsliebe kann nicht angezweifelt werden. Viele von ihnen gehören eigentlich gar nicht zur Zwischenschicht, sie halten sich zu ihr nur aus Gewohnheit. Diese guten Brüder fürchten sich aber, den folgerichtigen Schritt zu tun, de« sie eigentlich ihrer vaterländischen Gesinnung schuldig wären, nämlich sich dem Verbände nationaldeutscher Juden anmschliehen. Sie glauben, sich dadurch parteipolitisch (natürlich nach rechts hin) zu binden, was bekanntlich ein Irrglauben ist. In allzugroher Harmlosigkeit lassen sie sich durch die bekannten kitschigen jüdischen Familienblätter und deren greuliches Ost-Juden-Deutsch graulich machen. Da nun tatsächlich die freimaurerische Jugend auch in den Humanitären Logen oft antisemitischen Stimmungen zuneigt, so sind unsere jüdischen Brüder, wenn sie überhaupt noch im Log^nhaus erscheinen, auf das äuherste schokiert, wenn das Wort „Jude" oder „jüdisch" von einem Nicht-Juden irgendwie — wenn auch völlig harmlos — ausgesprochen wird. Die antisemitischen Neigungen auch in den Humanitären Logen werden in den zahlreichen Uebertritten von Einzellogen aus den Humanitären zu den christlichen Grohlogen offenbar. Aber auch die scheinbar den Humanitären Grundsätzen treubleibenden Logen stellen immerfort Anträge auf Aenderung der Verfassung, die zwar die Judenfrage nicht erwähnen, im Grunde aher nichts anderes bezwecken, als zu dem hohen Grade einer „judenreinen" Loge aufzusteigen. Es soll und kann also nicht geleugnet werden, dah die frühere harmonische Stimmung in den Logen »wischen Christen und Juden — Namentlich in der jüngeren Generation — toft wesentlich gestört ist. Das ist der Grund, weshalb man jetzt in gewissen Logen bei den maurerischen Arbeiten und mehr noch bei den geselligen Veranstaltungen auffallend wenige Brüder jjüdischer Herkunft siebt. Ich kenne auch Fälle, in denen sich; jüdische Brüder völlig von ihrer Loge zurückgezogen haben, da sie — wohl mit Unrecht — fürchten, von dem antisemitischen Nachwuchs belästigt zu werden. Ich kann diesen Standpunkt begreifen, aber nicht billigen. Unter denselben Gesichtspunkten, unter denen in diesen Blättern aufgefordert wurde, den noch nicht mit dem Arierparagraphen behafteten Sektionen des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins treu zu bleiben, trotz offenbarer Mihstände vom jüdischen Standpunkte aus, möchte auch ich hier raten, den antisemitischen Brüdern recht oft zu begegnen, um die maurerischen Gesetze gegen sie zu verteidigen. Wir haben ja auch keinerlei Veranlassung, diesen Elementen den Platz zu räumen, was ihnen sicher nicht unangenehm, sein dürfte. Und wenn in den Debatten, die Verfassungsänderungen zum Ziele haben, die gegnerischen lieben Brüdet immer schamvoll das Wort ..Jude" verhüllen, so sind wir dazu da. Klarheit zu schaffen, das Wort „Jude" immer wieder anzuwenden, wenn es am Platze ist, und immer recht deutlich zu werden. Für den Freimaurer jüdischer Herkunft, der.in diesem Sinne bestrebt ist, die humanitären Grundsätze in seiner Bauhütte aufrecht zu erhalten, ist es sehr betrüblich, von seinen jüdischen Brüdern nur sehr. zaghaft, meist aber gar nicht "unterstützt zu werden. Die guten Zwischenschichtler und Mitläufer der Zwischenschicht wagen auch hier nicht — wenigstens nach den Erfahrungen in meinem engeren Bruderkreife —. herzhaft Farbe zu bekennen. — Wie ich es nicht unterlasse, gelegentlich bei vaterländischen oder geselligen Veranstaltungen meiner kameradschaftlichen Offiziers-Vereinigung oder meines Krieger- Verbandes zu erscheinen, so lasse ich es mir auch nicht nehmen, dann, wenn es mir nützlich, passend und angenehm erscheint, in meiner Loge anzutreten, um dort meine maurerischen Pflichten auszuüben. Wenn mich ober heute ein Mann jüdischer Herkunft fragt, ob ihm der Beitritt zur Freimaurerei unter den zeitigen Verhältnissen anzuraten sei, so rate ich vielfach^ganz entschieden ab. Nur wenn es sich um einen aufrechten nationaldeutschen Juden handelt, der gute Gründe hat. seinen Beitritt zu bewirken, so würde ich nicht zögern, ihm nach einer offenen Aussprache den Weg zu zeigen. Denn nur solche Juden werden das Wagnis, das in ihrem Beitritt heute liegt, bestehen. ' Im übrigen, noch dies zum Schluh! «Die wahre Freimaurerei hat in jedem Kultur-Zeitabfchnitt bestanden, ehe es organische Logen-Gebilde gab. Die freimaurerische Gesinnung ist völlig unabhängig von der Zugehörigkeit zur Loge, deren Formen vergänglich, veränderlich und schliehlich für den wahren Freimaurer entbehrlich sind.! Die Begründung dieses letzten Satzes möge der verehrte Leser in den Freimaurer-Gesprächen Lessings suchen. Sckiedsgerickt oder nickt? Von Dr. Alfred Peyf!er. Herr Rechtsanwalt Dr. Jacob Mau aus Karlsruhe hat bisher zu Meinem Vorschläge geschwiegen, die Frage, ob er die Wahrheit oder 'Unwahrheit gesprochen habe, als er unserem Verbände gegenüber schwer beleidigende Behauptungen aufstellte, einem unparteiischen Schiedsgericht zu unterbreiten. Wie bekannt, gibt es derzeit in allen Ländern der Welt Millionen von Menschen, die daran arbeiten, Differenzen zwischen den Völkern, mögen sie noch so schwerwiegend sein, einzig und allein durch Schiedsgerichte entscheiden und schlichten zu lassen. Herr Dr. Man scheint der Ansicht zu sein, dah diese Einrichtung nicht einmal für den literarischen Stteit zwischen uns ausreiche. Geduldig wie ich bin, gebe ich ihm noch einmal Frist, und zwar vier Wochen, bis zum jkrfcheknen der nächsten Nummer dieses Blattes. Ist auch diese ergebnislos verstrichen, so muh ich die von mir widerwillig aber mit klarem Blick auf das Ziel unternommene Aktion mit veränderten Mitteln fortsetzen. Nichts wirh mich davon abbringen, die Angelegenheit so lange zu verfolgen, bis sich unsere Lästerer überzeugt haben, dah nicht jeder beliebige schriftsteliernde Privatmann ungestraft dem Verbände nationaldeutscher Juden öffentlich einen Makel anhängen, nicht un-. gestraft eine 'Körperschaft verleumden darf: an deren Zielen mitzuarbeiten ich wie viele andere mir zur Ehre anrechne. fierr Dr. Badt und die Alakrkeit. __ Don Professor Dr. Ginsberg. Herr Dr. Badt hat auf den ihm in Nr.-9, Seite 10 »unseres Mitteilungsblattes gemachten Vorwurf gröblicher Verdrehung und Entstellung der Wahrheit jtn Ausführungen geantwortet, die in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" Nr. 41 und in der „Iüpischen Rundschau"" Nr. 79/80 (beide Zeitungen vom 9. Oktober) obgedruckt sind. Er lehnt das von Dr. Naumann zur Feststellung der Wahrheit vorgeschlagene Schiedsgericht ab.

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