Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 10 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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- 6 — Feinde zu strafen. Wir fennen das Wort: Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott! Aber um Eines «ollen, wir Gott bitten, den parteilosen Gott, den unsere jüdischen Propheten zuerst in seinerReinheit erkannt haben, dah er unsere Waffen reinhalten möge von Schmutz — und auch rein von Rost. Denn noch brauchen wir das Schwert, um einen ehrlichen,' dauernden Versöhnungsfrieden zu erkämpfen, statt eines faulen Waffenstillstands, aus dem nur von neuem Hatz und Unvrrsöhnlichkeit erwachsen. 'Juctenfrage und l^ensckenliebe. Von l)r. S. Breslauer. Man blättert zuweilen, wenn des Tages Drang und Arbeit es einmal zulätzt. in alten Büchern und stötzt dabei unversehens auf Gedanken und Zusammenhänge, die wie aus der gegenwärtigsten Gegenwart herausgegriffen zu sein scheinen. So fiel mir kürzlich eine Sammlung kleinerer Schriften von Gottfried Keller in die Hand. Bei ihm hätte ich am wenigsten erwartet, an die Misere unserer Judenfrage. die anscheinend auch zu den ewigen Fragen der Menschheit gehört und gehören 'soll, erinnert zu werden. Aber da fand ich. in einem jener Bettagsmandate, die er Jahr für Jahr als Ttaatsschreiber der Kantonsregierung von Zürich zu verfassen und mit einem Rückblick auf das öffentliche Leben des jeweils letzten Jahres äuszustatten hatte, plötzlich eine Betrachtung über die soeben im Kanton vollzogene gesetzliche Gleichstellung der Juden mit den Christen: „Wir haben," bemerkt hierzu der grohe Schweizer Dichter, „keine Stimme vernommen, die sich aus Eurer Mitte dagegen erhoben hätte. Ihr häbt Euch dadurch selbst, geehrt, und Ihr dürft 'mit diesem Gesetze, das eben so sehr von ber Menschenliebe, wie aus Gründen der äuheren Politik endlich geboten war, am kommenden Bettage getrost vor den Gott der Liebe undder Versöhnung treten.! An Euch wird es sodann sein, dgss geschriebene Gesetz zu einer fruchtbringenden, lebendigen Wahrheit zu machen, indem Ihr den Entfremdeten und Verfolgten auch im gesellschaftlichen Verkehre freundlich entgegen gehet und ihrem guten Willen, wo sie-solchen bezeugen, behilflich seid, ein neues bürgerliches Leben zu beginnen. Was der verjährten Verfolgung und Verachtung nicht gelang, wird der Liebe gelingen, die Starrheit dieses Volkes in Sitten , und Anschauungen wird sich lösen, seine Schwächen werden'sich in nützliche Fähigkeiten seine mannigfaltigen Begabungen in Tugenden verwanbeln, und Ihr werdet eines Tages das Land bereichert haben, anstatt es zu schädigen, wie blinder Verfolgungsgeist es wähnt." Ob oder wie weit die Eidgenossen des Kantons Zürich m der Folge diese Zuversicht ihres groben und berühmtesten Staatsschreibers wahrgemacht haben, kann ich nicht sagen. Von Deutschland dagegen wissen wir zur Genüge, datz das geschriebene Gesetz der Freiheit und Gleichberechtigung der Juden mit den nichtjüdi'chen Volksgenossen bis zum heutigen Tage noch keine „fruchtbringende lebendige Wahrheit" geworden ist. Im Laufe der Jahrzehnte find wir. seit dem Beginn der Judenemanzipation. schon wiederholt durch Wellen und Täler der antisemitischen Gegenbewegung hindurchgeganqen, und wenn man uns dann und wann im gesellschaftlichen Verkehr freundlich entgeqengekommen und unserem güten Willen, ein neues bürgerliches Leben zu beginnen, behilflich gewesen ist. so ist doch auf solche Perioden der Mens^enliebe und der Rücksichtnahme auf Gründe der äuheren Politik immer wieder ein Rückschlag eingetreten, der die Juden erneut .der Verfolgung und Verachtung aussetzte. Dafür bedarf es keiner Beweise und keiner Beispiele, nicht für die Vergangenheit und nicht für die Gegenwart. Rur an die dauernden Anstrengungen sei hier erinnert, die seit jeher von ein^lnen wie von besonders 'hazu geschaffenen Organisationen gemacht werden, um den jüdischen Rachwuchs nach Möglichkeit produktiv er Arbeit zuzuführen. Die Fälle, in denen es gelang, jüdische Knaben oder Mädchchi in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben oder bei tüchtigen Handwerkern als Lehrlinge oder nach abgeschlossener Lehrzeit als Gesellen unterzubrinqen, waren immer an den Fingern berzuzählen. Eine wirkliche Bereitwilligkeit zur Aufnahme jüdischer Gehilfen war selten anzutreffen: entweder traute man ihnen keine gehörige körperliche Arbeit zu. oder man konnte nun einmal die Abneigung gegen die andersgläubigen .und andersgearteten Menschenkinder nicht überwinden. auch wenh sie mit noch so gutem Willen ihrem bäuerlichen oder handwerklichen Beruf ergeben waren. Die Liebe, der es nach Gottfried Keller gelingen sollte, die Starrheit des jüdischen Volkes in Sitten und Anschauungen Hu lösen, seine schwachen in -nützliche Fähigkeiten, seine mannigfachen Begabungen in Tugenden zu verwandeln, wollte sich in Deutschland nicht finden, obwohl damals, in den Zeiten vor dem Kriege und vor dem Erwachen der modernen Jugendbewegung. der Andrang jüdischer Kinder zu diesen Berufen naturgemäh noch sehr gering war. Jetzt ist es damit anders geworden. Wie die deutsche Jugend im Ganzen, so streben auch grohe Teile des jüdischen Nachwuchses heutzutage mit wahrem Ungestüm aus den städtischen Betrieben und Gewerben hinaus. Keine Arbeit ist ihnen zu niedrig und zu anstrengend, kein Bauerngut, keine Gärtnerei zu entlegen, als dah sie von ihnen nicht jeder sogenannten „geistigen" oder gar jeder mechanischen Tätigkeit in Läden und. Fabriken, in Schreib- und Rähstuben vorgezogen würden. Eine wahre Sehnsucht nach der Natur hat diese Jugend ergriffen, und man darf ganz gewih der Zuversicht leben, datz es sich hier nicht etwa nur um eine vorübergehende Modeerscheinung handelt, sondern datz die jetzt Heranwachsende Generation, soweit sie bemüht danach trachtet, ihr Leben zweckvoll zu gestalten, an diesem ihrem selbstgewählten Ideal beharrlich festhalten wird. Die christlichdeutschen Knaben, die christlich-deutschen Mädchen brauchen, wenn ihre Lehrzeit beendet ist, um Arbeit und Anstellung nicht besorgt zu sein., Bei aller Ungunst der Zeiten werden tüchtige schaffensfreudige junge Leute in Deutschland doch immer noch gern in Haus und Werkstatt ausgenommen — nur nicht, wenn sie jüdischen Stammes sind! Da erheben sich plötzlich Schwierigkeiten, da gibt es Bedenken und Ausflüchte, und das Ergebnis ist zumeist eine mit Ausdrücken des Bedauerns verbrämte Absage: Es ginge wohl, aber es geht nicht! Diesen Bescheid holt man sich, selbstverständlich, nicht etwa von Leuten, die als Antisemiten bekannt sind: bei ihnen wird man nicht erst anpochen. Auch solchechristlichen Arbeitgeber, die frei sind vo «ausgesprochenem Judenhah. die sogar die Notwendigkeit einer Umschichtung der jüdischen Jugend von Stadt -auf Land -und Handarbeit ohne weiteres anerkennen, vermögen sich zur Einstellüng nicht christlicher Gehilfen nur sehr schwer oder gar nicht zu entschliehen. Bleiben also in der Hauptsache nur die wenigen jüdischen Gutsbesitzer, die es in Deutschland zurzeit gibt, deren Aufnahmefähigkeit aber naturgemäh rasch erschöpft ist, neben den zionistischen Lehr- und Allsbildungsfarmen, die für ausgesprochen deutsch fühlende. in Deutschland wurzelnde und mit dem deutschen Boden für immer verwachsene Knaben und Mädchen indessen nicht in Betracht kommen. Wo sind, wo bleiben die deutschen Gutsbesitzer. die! deutschen Bauern, die es mit Gottfried Keller als ihre Pflicht erkennen, dem guten Willen der deutschen Juden, ein! neues bürgerliches Leben zu beginnen, zu Hilfe zu kommen. Und damit ihr deutsches Land zu bereichern, anstatt es zu schädigen, wie blinder Verfolgungsgeist es wähnt? Soll auch dem jungen deutschen Juden von heute trotz seins heihen Verlangens nach freier Arbest in Held und Wald das gesunde Schaffen in freier Natur verwehrt und er statt dessen in den ohnedies übervölkerten städtischen Berufen fest gebannt bleiben? Auf dah man nachher um so überlegener über deit unausrottbaren Hang der Juchen zum Schieben und Schachern, über ihr unreelles Gebahren. über ilhr Asphaltdasein spötteln kann? Lassen wir die Gründe der äuheren Politik beiseite, obwohl von ihnen heute mehr als je zuvor geredet wird, sprechen wir nur von der Menschenliebe, die in Keller's Bettagsmandat den Schweizer Bürgern attestiert wurde, weil er von ihnen' erwarten zu dürfen glaubte, dah sie das geschriebene Judenbefreiungsgesetz auchzu einer fruchtbringend eP-, lebendigen Wahrheit machen würden, -soll diese Menschenliebe in Deutschland wirklich schon ganz und gar er - storben sein, auch da. wo das Werk der Liebe und Versöhnung jungen Menschen zugute kommen kann, die der deutschen Muttererde mit Herz und Hand dienen wollen? Wenn dem so wäre — dann verhülle Dein Haupt, Germania, und frage Dich, ob Du heute, nach einem verlorenen Krieg und nach gleichfalls verlorener Revolution, darauf verzichten d a r f st. Dein Land zu bereichern, das dazu bestimmt ist. das deutsche Volk zu ernähren und zu erhalten. Wäre Gottfried Keller heute Staatsschreiber von Deutschland, er würde um die Antwort auf diese Frage keinen Augenblick im Zweifel sein. ' Der Jude und die Freimaurerlogen. Von Dr. Mort> ar. Wenn ich von Freimaurer-Logen spreche, so meine ich nur die gerechten und anerkannten, in Grohlogen zusammengefahten, die bis vor verhältnismähig kurzer Zeit den Deutschen Grotz-Logenbund gebildet haben. „ tNicht in Betracht kommen die sogenannten Winkellogen, wie z. B. die monistenbündlerisch-pazifistisch-sozialistischen Sonnenlogen, die sich der Anerkennung und des Schuhes der franzSsischen