Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 10 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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einkapselte? In den Zeiten deS griechischsprachigen GotteSdiensteS dagegen gab eS in Rom z. B. viele Proselyten bis zu den höchsten Kreisen hinauf. Nachher hörte man nichts mehr davon. Wie sollte man auch-! Im Gegenteil, die fremde Sprach« und die fremden Schristzeichen mutzten abstotzend auf die Umgebung wirken, und ich glaube, datz sogar die blutigen Berfolgunden des Mittelalters zu einem gewissen Teil auf diese Fremdartlgkeit zurückzuführen sind. Kleine Ursachen, grotze Wirkungen. Hätte man sich beim Gebet, beim gottes. dienstlichen Bortrag, der Vorlesung aus der heiligen Schrift, bei den Grabinschriften usw. der jedermann verständlichen Landessprache bedient, so wäre ein viel engerer Kontakt mit der übrigen Bevölkerung gegeben gewesen. T>cr nur ausgleichend und versöhnend hätte.chirken können- Wie fremd wirkte z. B. die jüdische Abteilung auf der Kölner Jahrtausend-AuSstellung I Man wurde einfach erdrückt von der Unmenge hebräischer, also fremder Schriftzeichen, und kam gar nicht auf den Gedanken, datz das alles eigentlich nur eine Attrappe war! Denn von den guten Leuten, denen da die hebräischen Gedenksteine gesetzt wurden, verstanden 99 von 100 diese Sprache gar nicht — die niemals etwas anderes war. seit ihrem Erlöschen, alS eine Gelehrtensprache. Man konnte höchstens die Gebete lesen, aber nicht in die Muttersprache übersetzen, welches natürlich unser gute» altes Deutsch war. Schon zu Chlodwigs Zeiten waren die Juden am Rhein völlig germanisiert. Sie dienten in seinem Heer, wie die übrigen Franken, betrieben Ackerbau, Weinbau. Viehzucht und Grobhandel. Sie befuhren auf eigenen Schiffen den Rhein, die übrigen Flüsse und daS Meer. Und ich bin fest davon überzeugt, datz die guten Leute in Worms, Mainz. Köln und anderswo, denen man diese Hieroglyphensteine setzte, zu ihren Lebzeiten friedliche, altfränkisch« Spietzbürger waren, die genau so ihre Mainzer oder Kölnische Mundart sprachen, wie ihre andersgläubigen Mitbürger auch, da sie doch daran seit Jahrhunderten gewöhnt waren und keine andere Sprache genügend kannten, um sich in ihr zn unterhalten. Und wenn selbst ihre Umgangssprache eine besonder« Färbung gehabt hat, so war sie doch kein Hebräisch. Wie viel näher würde man sich diesen alten Herrschaften auS Mainz. WormS, Köln usw. fühlen, deren mit Hieroglyphen bedeckte Grabsteine ein Rabbiner mit so viel Mühe zusammengeschleppt hat, wenn die Inschriften in ehrwürdigem alten i Deutsch, ihrer Muttersprache, deren sie sich bei ihren Lebzeiten ja auch bedienten, abgefatzt wären. DaS HebräUche ist und bleibt eine tote Sprache, genau wie alle anderen toten Sprachen auch, und es ist ein grotzes Unrecht gegenüber den etwa 99 v» der jüdischen Glaubensgenossen, die kein Hebräisch verstehen, diese unverstandene Sprache im Gottesdienste beizubehalten; eS wäre vahrlich an der Zeit, hier einmal nach den» Rechten zu sehen und wieder — wie bereits früher viele Jahrhunderte lang mit bestem Erfolg geschehen — die Landes- und Muttersprache, die von allen verstanden wird, in ihre geheiligten Rechte, auch beim Gottesdienst, wieder einzusetzen. DieS wird sehr dazu beitragen, der grenzenlosen Unwissenheit und moralischen Verrohung, die wie unter Christen so auch unter Juden in Stadt uvd Land herrscht, zu steuern, und eS wird auch mancher Nichtjude dann mit leichter Mühe sehen können, wie wesensgleich dom, im Grunde genommen, alle Religionen im Kern einander sind. Auf diese Weise wird manches Vorurteil im Keime erstickt, und Friede und Freundschaft unter den Anhängern der verschiedenen Bekenntnisse gefördert werden zum Heil des gemeinsamen deutschen Vaterlandes. Soviel von der Schädlichkeit einer von der grossen Mehrzahl einer Gemeinschaft nicht verstandenen Sprache in kultischen Dingen. Nun aber gar, wenn auch nur in Palästina, die tote hebräische Sprache auch ins bürgerliche Leben wieder einführen zu wollen — man denke an den Wahnsinn einer »hebräischen- Universität (der arm« Einstein, der dort »hebräische- Mathematik dozieren soll!) —, ist etwas so Unnatürliches und Gekünsteltes, datz dieser groteske Versuch ganz sicher schlietzlich elend scheitern wird, auch wenn man heute schon an Eisenbahngebäuden und sonstigen Oertlichkeiten banale Aufschriften in der Sprache sieht, die einst die Sprache der Heiligen Schrift war. - . Bon diesem ganzm Spuk wird, meine ich. in einigen Jahrzehnten keine Spur mehr übrig sein. Nur wird dieser »völkische- Irrsinn höchstwahrscheinlich bis dahin noch viel Unheil anrichten, und da», leider!, nicht nur in Palästina! Zum Schlutz ein Dichterwort, denn Dichter find ja auch Seher: »Was war, das,schauten einmal nur die Zonen — Die Erde stöhnt und lätzt in ZeugungSmühu Ein neu Geschlecht umS andere erblühn — Doch nie erstehn die toten NationenI“ (Henry WadSworth Longfellow: ■ v Der Judenfriedhof von Newport.) Verfobming im innerjüdücbcn' Kampf. Don Drj. Mar Naumann. Die Jüdisch-liberale Zeitung hatte rum Der- . söhnungstaqir «ine Reihe von Persönlichkeiten, die ttn innerisidischen Kampfe in vorderer Linie stehen, zur Aeutzerung unter obiger Themastellung aufgefordert. Die Aeutzerungen sind in Nr. 39 , des bezeichnet«!! Blattes vom 25. September 1925 abgedruckt. Zu den Aufgeforderten ge- 1 hörte auch der Vorsitzende unseres Verbandes. Seine Aeutzerung wird hier wiedergegeben. Die Schristleitung. Versöhnung im Kampf, — ist das nicht widersinnig, grotesk? ' i Und doch: mir scheint, wir hätten solches schon einmal durchlebt. Vor Jahren war es. drauhen an der Front, wo jeden Augenblick die Geschütze des Feindes aufbrüllten, wo der Tod bei Tag und Nacht uns lauernd umschlich. Der Feind war für uns «ine lebende Drohung, eine Drohung vor allem für unser Vaterland, das wir gegen seine List und Gewalt zu schützen hatten. Und doch — wir hassten ihn nicht. Wir wutzten: der andere drüben tut nichts anderes als das. war wir selbst tun, er tut seine Pflicht, er schützt seine Heimat, wie wir die unsere, er handelt nach tiefstem Gefühl und in der Ueberzeugung seines guten Rechts, genau wie wir selbst. Wie konnten wir diesen Feind hassen? Wir schlugen ihn tot, wo er uns entgegentrat, denn das Totschlägen war' damals unsere Pflicht und es kam schliesslich nur darauf an, wer die Macht hatte, den anderen totzuschlagen. Jedoch wir schlugen ohne persönlichen Hah. Hätten wir Rüstzeug und Kampsart der Ritterzeiten gehabt, wir hätten achtungsvoll das Schwert vor, dem Feinde gesenkt. ehe wir es zum Schlage gegen ihn erhoben. Aber wenn wir dann einmal zurück ins Hinterland kamen, in Etappe oder Heimat, dann fanden wir dort den Hatz, den wir selbst nicht fühlten. Hatzgesänge, erklangen, Tingeltangel-Komiker schütteten Hohn und Spott auf den Feind, und Klebezettel flehten, datz Gott ihn sttafe. Wie fern war der Gottesbegriff dieser Menschen von jenem, der uns im Lärm der Gefechte lebendig war! Wie fern dem Gott des Buches Jona, der Ninive schonte, und wie fern auch dem Gott der Bergpredigt Jesu,' der das Gebot der Feindesliebe verkünden hietz. Und dort, wo dieser Hatz gedieh, dort, weit vom Schutz, fanden wir auch die llnversöhnlichkeit. die am Tage des damals noch von uns allen erhofften Sieges den Feind absttafen wollte, wie sie es vorläufig von ihrem Gott erwartete. und die kunstvolle Pläne der Zerschmetterung- und ewigen Vernichtung schmiedete. Wir vo>> drautzen hörten verständnislos zu. Wir wollten siegen. .— das war uns Selbstverständlichkeit. Aber der Hah gegen den' Besiegten von morgen lag, stins Iso fern wie der gegen den, Feind von heute. Der ehrenvolle, versöhnliche Friede, mit dem uns später listiges Diplomaten zu ködern wussten, war schon damals für uns Kämpfende so selbstverständlich wie der Kampf selbst. Der Krieg ist vorbei und wir leiden an dem, was er uns gebracht hat, von Geschlecht zu Geschlecht. Aber den Kampfesmut haben wir nicht verloren. Nur ein anderer Kampf ist es jetzt, den wir führen, der Kampf um die innere Gesundung -des geliebten deutschen Vaterlandes, der Kampf um die Niederlegung der Mauem. die Unverstand und Voreingenommenheit von beiden Seiten her zwilchen deutschen Volksgenossen verschiedenen Stammes und Glaubens aufgerichtet haben. Auch in diesem Kampfe setzen wir uns mit Leib und Seele ein. wie damals vor Jahren^ aber auch heute hassen wir die anderen nicht, di« sich uns als Feinde entgegenstellen. Wir kämpfen auch heute nicht um die Verewigung des Hasses, sondern um die Bereitung des Bodens, auf dem die Versöhnung gedeihen kann. Und wir kämpfen mit blanken Waffen auch dann, wenn der Gegner uns mit dem Schmutz der Lüge und Lästerung überschüttet, statt uns mit dem ehrlichen Stahl der Ueber- ^ugung «ntgegenzutreten. Versöhnung im Kampf, das ist's. was wir wollen. Nicht Ausweichen vor dem Kampfe selbst, aber ein ehrenhafte«, ritterliches Kämpfen. Nicht Gott wollen wir nach dem Muster der Heimkrieger von dazumal bemühen, unsere