Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 10 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6682492-5438640-5438786--117-4871333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zionismus und Deutfcbtum. i. Vorbemerkung. Wir brachten in der Juli. August.Nummer (Nr. 7/8) unseres Mitteilungsblattes unter „Stimmen vom anderen Ufer" einen längeren Auszug aus einem Aufsatz des Herrn Richard von Mach, der unter dem Titel „Z i o n i s m u s und Patriotismus" am 1-1. Juli 1925 in der Kölnischen Zeitung erschien. Ter Aussatz hat auch sonst weitgehende Beachtung gefunden und eine ganze Reihe von Zuschriften an die Kölnische Zeitung hervorgerufen, unter anderem von seiten des Zionisten Kurt - Blumenfeld, der in der üblichen, auf den Gebrauch nichtjüdischer Kreise zugeschnitlcnen Form eine an gewiye Geister des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erinnernde „Synthese" zwischen Teulschtü'm und Zionismus zu konstruieren versuchte. Aus dem Schlußwort des Herrn von Mach, das am 18. August 1925 in der Kölnischen Zeitung erschienen ist, heben wir nur die folgenden Sätze hervor, die zum Ausdruck bringen, was jeder deutschfühlende Mensch, Nichtjude oder Jude, zu den Jongleurkunststücken der Herren Blumenfeld und Genoyen zu sagen hat: „Mancher, der in Deutschland mit Herz und Hand Zionist ist, mag noch an seinem Deutschtum hängein Wer indes, wie die leitenden Köpfe des Zionismus, es so verstanden hat und versteht, Begeisterung und Hingebung in ihrer, jungen Generation zu wecken und zu unterhalten, für den kann die Betätigung seines Deutschtums nur die tägliche kleine Münze sein, der Schatz gehört Zion. Das Kleingeld der Gesinnung ist uns zu wenig, wir verlangen Gold." Unter den Schreiben, die damals an die Kölnische-Zeitung gesandt wurden, befand sich auch das folgende, von unserem nunmehrigen Mitglied Herrn Leo.pold Sander verfaßte. Tie Kölnische Zeitung hat damals einige Sätze aus diesem Schreiben zum Abdruck gebracht. Wir geben im folgenden das Schreiben dem vollen Wortlaute nach mit einigen kurzen Zusätzen wieder. Die Schriftleitung. II. Zionismus und Patriotismus. Bon Leopold Sander (Düsieldorf). Ich bin der festen Ueberzeugung. daß die große Mehrheit der Deutschen,- israelitischen Bekenntnisses. die den Zionismus nach wie vor entschieden ablehnt. Ihnen und dem Herrn Lei- .fasser für diesen Aufsatz, de/ einmal geschrieben werden mußte und den ich geradezu für eine befreiende Tat halte, von Herzen dankbar sein wird. Mir persönlich ist er ganz aus dem Herzen geschrieben. Erschölle eigentlich in jede deutsche, jüdische Familie hinein, mit ver Uebelschrift: „Höre Israel!" Ter Herr Verfasser hat in allen Stücken vollkommen recht, besonders auch da, wo er sagt: „Selbst der theoretische Zionismus, der von Deutschland aus wirkt, ist nicht zu herein baren mit dem Gefühl unauslöschlichen Verbundenseins zu Gedeih und zu Verd-erb mit allem, was in den Tagen der Größe und Herrlichkeit und in den Tagen der Leiden und der Erniedrigung das deutsche Herz erfüllt." Das Wort: „Bis hierher und nicht weiterl" müßte den Drahtziehern des grotesken Wahnsinns, als der sich der politische Zionismus jedem Unbefangenen darstellt, zugerusen werden. Unheil ist wahrlich schon genug damit angestiftet worden — und zur Verhütung weiteren, viel größeren Unheils wäre cs dringend notwendig, daß eine autoritäre Stimme ihnen sagte: „Nun Schluß und genugI" Ganz abgesehen von der konfusen Idee, in einem kleinen - Eckchen arabischen Landes — umgeben von den ungezählten Millionen des arabischen Volkes, die bis auf den letzten Mann dem tollen zionistischen Unternehmen in töilicher Feindschaft gegenü verstehen — und nur gestützt auf ein paar Bataillone britischer Soldaten, die sicherlich nicht ewig dort bleiben weiden — die sogenannte „Judenfrage" lösen zu^ wollen, muß es einmal ausgesprochen werden, daß es nicht nur im Zivil- und im Strafrecht, sondern auch in nationalen Dingen eine Verj ä h r u n g gibt und geben muß. Sind, wie im vorliegenden Falle, fast zwei Jahrtausende verflossen. seitdem die Vorfahren heute atomisierter Volkssplitter irgendwo ein Land einmal besessen und eS wieder verloren haben, so ist nach göttlichem und menschlichem Recht die Verjährung eingetreten, und die Splitter, die in alle Welt zerstreut find, haben auf den einstigen Besitz Ihrer Vorfahren keinen begründeten Anspruch mehr. Genau so haben natürlich auch diese VolkSsplitter, nachdem sie ein Jahrtausend oder mehr in einem ihnen früher fremd gewesenen Land ansässig waren, seine Sprache und Kultur angenommen haben und mit lausend Fäden mit diesem Land unlöslich verbunden sind, vor Gott und den Menschen daS unbestreitbare Recht. VieseS Land als ihre Heimat und ihr Vaterland zu betrachten. ES wäre mehr alS grausame Barbarei, dies nicht anerkennen zu wollen.' / Wir deutschen, besonders wir rheinischen Juden, blicken, wie eS ge chichtlich nachgewiesen Zst. auf Vorfahren zurück, die zum Teil seit den fernen Tagen der Römerherrschaft, also seit fast 2000 Jahren ununterbrochen dieses Land bewohnen. Andere jüdische Familien wohnen wenigstens seit Jahrhunderten in Deutschland. Wieder andere mögen erst vor einigen Generationen eingewandert sein, aber mit dem festen Willen, ganz im Deutschtum aufzugehen. Wir alle betrachten eS als unser gutes und heiliges Recht, ja als unsere heilige Pflicht, uns mit diesem unserem geliebten deutschen Heimatlande unlöslich verbunden zu fühlen und Freud und Leib gemeinsam mit allen unseren Mitbürgern getreulich zu tragen, nicht als Fremde, sondern alS Eingeborene. Ebenso aber ist es auch daS gute Recht der Araber, die fast ebensolange schon Palästina bewohnen wie die ältesten unserer jüdischen Familien Deutschland, dieses Palästina alS ihr Vaterland, als einen Teil des großen Araberlandes zu betrachten. Danebenher geht die Tatsache, daß genau in demselben Maße, wie die Araber sich die Eigenschaft als vollgültige Palästinenser erseffen haben, die ehemaligen Besitzer des Landes ihre Eigenschaft als palästinensisches bzw. jüdisches Volk verloren haben. Es gibt heute — und schon sehr lange — kein jüdisches Volk mehr. Dies mildert die Härte der Verjährung, denn die Volkspersönlichkeit, gegen die sich die Verjährung richtet, ist ja verschwunden, und eS ist niemand mehr da, der Ansprüche wider diese Verjährung mit Recht geltend machen könnte. Der Anspruch der Zionisten, vieler Ostjuden und „Orthoboxen", gewissermaßen das alte „Volk Israel" darzustellen, so etwa, als wenn eS gar keine zwei Jahrtausende zwischen Jlavius Josephus oder Bar Kochba und der Jetztzeit gegeben hätte, ist wirtlich zu absurd, um ernst genommen zu werden. Tr ist noch viel einfälsiger als wenn etwa die heutigen mazedonischen Komitadschis oder die Neugriechen sich einbilden wollten, mit den Mannen weiland deS großen Alexander identisch zu sein! DaS alte Hellas ist untergegangen, und die heutigen Bewohner des Landes haben mit den Alten nur noch den Namen „Griechen" gemein, sonst aber wirklich nicht viel mehr. Ebenso bzw. noch viel mehr — da ja bei ihm auch der Boden und die Sprache verloren gegangen sind — ist auch das alte Israel endgültig untergegangen, und was heute auf seine Abstammung von ihm pocht, ist deshalb noch lange nicht das „Volk Israel" oder „das jüdische Volk". Es ist etwas ganz anderes geworden! Ganz abgesehen davon, daß eigentlich der Begriff „Volk" mehr eine geistige Gemeinschüft bedeutet als eine nur körperliche. Denn daß z. B. Goethe ein echterer Hellene war alS etwa der DurckschnittSpflastertreter des heutigen Athen, wird wohl niemand bestreiten. Ebenso haben z. B. die christlichen amerikanischen Quäker mehr vom Geiste,Jesajas und des alten Israel an sich und find ohne Zweifel dessen echtere Erben als irgendein Kafsirnträger des Ostens oder irgendein Börsenjobber oder Ladenschwengel von anderswoher. Aus diesen Gründen ist der polisische Zionismus als etwas Absurdes und Unnatürliches entschieden zu verwerfen. Ebenso unnatürlich Ist der Versuch, die hebräische Sprache, die seit gut und gern 2V, Jahrtausenden tot ist, wieder lebendig machen zu wollen. ES ist ein Versuch, der, unter allen Umständen zum Mißlingen verurteilt ist. ' Es ift^ckkhtig, daß etwas Aehnliches schon einmal stattgesunde»-Pat, und /war> im frühen Mittelalter. Es reichte aber nur zur Hebraifierung deS jüdischen Kultus aus, der, wie man z. B. aus Rom weiß, bis dahin viele Jahrhunderte lang in der Landes, und Umgangssprache auSgeübt wurde. DaS bürgerliche Leben der Juden wurde auch damals nicht hebraisiert. Aber schon die Hebraifierung des Kultus halte ich für sehr verhängnisvoll und auch für unlogisch, denn wie wollte man z. B. die angebliche Mission Israels auSführen. den „Monotheismus zu verbreiten, wenn man sich in eine unverstanden« Sprach« ff