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Der nationaldeutsche Jude · 1925-09-01 · Nr. 9 (September 1925) · p. Seite 12

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 9 (September 1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 I „Wir bitten Euer Erzellenz ganz ergebenst um Auskunft. welche von beiden Darstellungen dir richtige ist. Soll es sich um eine Btzhne handeln, die tatsächlich nicht eine „politische Tendenz- oder Kampfbühne" sein, sondern allen „Deutschdenkendcn" offenitehen soll? «Die in Anführungsstriche cingeschlossenen Worte sind einem Zestungsaufiatz entnominen. Die Schrift!. > Sn diesem Falle würden selbstrerständlich die Werte deutscher Schriftsteller jüdisch,'! Abstammung und jüdischen Klaubens nicht ausgeschloksfn fein tonnen, sofern nur die Werke selbst von echt deutschem Keiit erfüllt sind. Ebensow.mig würden nationaldeutsch fühlende jüdische Künstler usw. ausgeschlossen sein können. Oder soll die Bühne, wie von der S. T. Ä. angenommen wird, der für Wien beabsichtigten „arischen Bühne" nachgebildet und demgemäß ein Mittel zu dem Zwecke werden, auch die deut'chfühlenden Juden von der Mitarbeit an deutschen, auf Stärkung des deutsches Nationalg-sühls hniauslaufenden Aufgaben auszusch'.iehen?" Die Antwort des Herrn S t a a t s m i n i st er von Loebell lautet wörtlich! ' „Auf das gefällige Schreiben vom 31. v. Mts. erwidere ich ergebenst, bah ich nicht zu den «Gründern, der Deutschen Rationalbühne gehöre solcher» nur einen Aufruf zur Bildung einer shlchen Vereinigung m. W. vor einiger Zeit unterschrieben habe, weil ich mit den in dem Ausruf entwickelten Anschauungen einverstanden war. Sch würde es aber keineswegs billigen, wenn grundsä h I i ch v o n der 'Rationalbühne Werke von Süden deutscher Zunge ausgeschlossen wer den sollten. Es kommt nicht auf den Autor, sondern auf das Stück, dessen Snhalt und Keilt a.n. Ob die Rationalbühne ins Leben getreten ist, weih ich nicht. Auf die Leitung habe ich jcdentalls keinen Einfluh." Auch wir haben seither von dem Stande des Kründungs Unternehmens nichts weiter gehört. Sollte die Bühne überhaupt ins Leben treten, so wird jedenfalls zunächst abzuwarten sein, ob sie im Sinne der kehr begrühenswerten Anschauungen, die in dem Schreiben des Herrn van Loebell ausgedrückt sind, .aufgebaul und geleitet werden wird. Wer ben Z u s a m - menichluh derdeutschsühl'emhen Volks genosien jüdischer und nicktjüdischer Abstammung will und nicht darauf bin arbeitet, das die Süden sich selbst äus der deutschen (Gemeinschaft ausichliehen, kann nichts Törichteres tun als vorschnell ei» llntcrnehmeir zu einem „antisemitischen" stempeln, ehe einwandfrei festgestellt ist, dah es wirklich judenfeindlich sein will. Der Fall Kindermann. Wir setzen als unseren Lesern bekannt voraus, dah in Moskau gegen deutsche Akademiker Todesurteile ergangen sind, weil das sowjetiltische Kericht die Angeklagten für überführt angekehen hat^ als Abgesandte deutscher nationalistischer Kreise Terror-Akte gegen di: derzeitige russische Regierung und insbesondere einen Mordversuch, gegen Trotzki in die Wege geleitet zu haben. Auf die Sache selbit wollen wir zurzeit noch nicht eingehen. weil' hierdurch 'die zu Künsten der Verurteilten von beutscher Seite eingeleitet:» Mahregeln in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden könnten. Dagegen müssen wir uns mit einer in ber jüdischen Presse lebhaft erörterten Seite der Angelegenheit schon heute beschäftigen. Einer der Verurteilten. Dr. K i n d e r m a n n , ist Sude: er ist nach einer von seinem Vater veröffentlichten Erklärung auch nicht getauft, wie zunächst fälschlich gemeldet wurde. Die „Südilche Rundschau" hat diese Tatsache zum Aniah genommen, einen Artikel veröffentlichen. in dem der Versuch gemacht wird, bas Verhalten des Dr. Kindermann zu einem Angriff gegen die religiös-liberalen und— selbstverständlich — gegen die nationaldeutschen Süden aus zu nutzen. Der nach Form und Snhalt gleich widerliche Artikel schlicht mit den Worten: „Die Ideologie, die das Judentum, das lebendige Judentum, totlagte, iit der Nährboden, auf dem der Typ des nationaldeutschen Juden entheben konnte, denen logische Fortsetzung derdeutsch-völkische Sude ist. Kindermann ist ein Enkel des deutsch-jüdischen Liberalen und ein Sohn des naLional - d e u tsch.e n S u b e n." «Von uns gesperrt. Die Schrift!.) Wir wissen natürlich genau, dah diese Sätze nicht wörtlich zu nehmen sind, dah also nicht positiv behauptet werden sollte, der Grohvater Kindermanns sei religiös-liberal und ber Vater kei ein Anhänger unserer Bestrebungen. Gemeint ist, dahchie religiös-liberale und die nationaldeutsche Gefühlsrichtustg innerhalb der deutschen Iudenheit die Entstehung des „Typs", als dessen Vertreter das Zionihenblatl den Dr. Kindermann ankieht, erst ermöglicht habe. Aber wir i wissen auch, dah die Leser der „Jüdischen Rundschau"! im allgemeinen viel zu wenig Deutsch verstehen, um vor > wörtlicher Auffassung der angeführten Sätze geschützt zu sein. Dementsprechend ift auch der Erfolg des Artikels gewesen. Sn zionistischen Kreisen wird bereits munter behaupten, dah Dr. Kindermann Mitglied unseres Verbandes sei. Wir haben an eine Anzahl jüdischer Blätter und Korrespondenzen die nachfolgende Erklärung versandt: ' „Von zionistischer Seite wird die Nachricht verbreitet, der in Moskau verurteilte Dr. Kindermann habe Beziehungen zu dem Verband nationaldeutscher Juden unterhallen. Wir st eilen fest, dah an dieser Behauptung kein wahres Wort ist. Unser Verband bpsteht aus Deutschen, joie bei Ausübung ihres Rechts Und ihrer Pflicht, an den nationalen Aufgaben des Deiltl'chtums mitzuarbcite», ihre jüdische Abstammung und Religion auf das Entschiede n st e b e t o n e n. Dr. Kindermann hat nach den vorliegenden Nachrichten seine Zugehörigkeit zum Sudentum jahrelang geflissentlich versteckt und sic erst in dem Augenblicke zur Sprache gebracht, in dem er sich von seiner Eigenschaft als Sude — freilich zu Unrecht — eine Verbesserung« seiner Lage versprach. Wer unsere Best'rebuijgen kennt, muh wissen dah ein solche r M a n n nirgends weniger am rechten Orte wäre, als im Verband nationaldeutscher Süden." Sntereisant ist das Verhalten der jüdischen Presse zu dieser Erklärung. Die E. V. - Z c i t u n a h a t s i e natürlich totgeschwiegen. Sn der Jüdisch liberalen Zeitung, dein Wochenblatt fürden Snnagogenbezirk Erfurt, den Mitteilungen der Südi, schcn R e f o r in g e m c i n d e z u Berlin ist der Abdurck in volle)» Wortlaut erfolgt, teilweise ntit zustimmendem Kommentar. Auch das orthodor jüdischnatioitale „Jüdische Wochenblatt" bringt wenigsten-; einen verständlichen Auszug mit Einseitunqsworten. in denen die Erklärung als „durchaus smnpathisck" bezeichnet w'rd. Das „Ssraelit i sch e F am i li e n b ka t t", in dem allmählich der Geist der Herren Sonas, Bachrach und Steinhardt wieder herrschend ju werden scheint, bringt bezeichnenderweise nur die beiden ersten Sähe unter der Ucberschri'ft „Kindermann und Naumann" <!> und mit einem Einleitungslatze. in dem sich das Blatt wegen seiner eigenen „Lonalität" -Komplimente macht. Turnerschaft und Antisemitismus. . Sn jüdischen Blättern und Korrespondenzen fanden sich vor einiger Zeit Nachrichten, aus denen der Leser entnehmen muhte, die Deutsche Turnerschaft sei auf dem besten Wege, mit fliegenden Fahnen in das Lager der Hakenkreuzler überzugehen. Wir haben an mahgebcnder Stelle Ermittelungen angestellt. Diese haben ergeben, dah zwar van einer kleinen Kruppe Treibereien, die auf eine „Arisierung" der D. T. hinzielten, ins Werk gesetzt worden sind, dah aber gegenüber der festen Haltung der Leitung und des gröhta:n Teiles der Mitglieder nicht die geristgste Aussicht auf Verwirklichung dieser Bestrebungen besteht, 'Unter diesen Umständen halten wir es für die Pflicht der deutschfühlenden jüdischen Turner, nicht in ähnlicher Weise, wie cs in Bezug auf ändere Organisationen auf zionistisches Betreiben geschehen ist, durch freiwilligen Austritt den „deutschvölkischen" Hetzern das Feld zu überlassen, sondern gm Gegenteil durch Verbleiben in . der Turnerschaft, durch einwandfreies persönliches Verhalten und vor allem durch gute turnerische Leistungen die Leitung und die Mehrheit der Turnerschaft gegenüber dem zersetzenden Einfluh der ..deutschvölkischen Zellen" zu stä rken. Ein in der Deutschen Turnerschaft besonders bekanntes und angesehenes Mitglied ist Herr Bankier Julius Blanck <Hannovers, Vorstandsmitglied unseres Verbandes. Anlählich des „H e r i» a n n s l a u f s" ist aus seiner Feder am 18. August 1925 im Hannoverschen Anzeiger ein Bericht erschienen, dem wir folgende Sätze entnehmen: Bei dem Lauf jedes einzelnen kam der Gedanke zum Ausdruck: „Wie alle übrigen deutschen Brüder und Schwestern, muh auch ich mein Aeuherstes herqebm, dah das Werk gelingt". Die Ueberaabc ber Stafette war ein Snmbol, ihr lag ein tieferer Sinn zugrunde „Ein jeber echte deutsche Mann soll Freund, soll Bruder Heihen". Bei jeder Weitergabe der Stafette drückte im Geist der Läufer dem nächsten die Bruderhand, die Läuferin der anderen die Schwesterhand, als wollten sie sagen: „Es gilt einer «rohen, hehren vaterländischen Sacke, ich habe mein Aeuherstes getan, tu du das gleiche'" Wir sind der Ansicht, dah durch solche Worte« geschrieben von einem als ausgezeichnetem Turner bekannten Juden, dem Ansehen der jüdischen Turner mehr genützt wird, als durch voreilige, von übertriebener Antisemitenfurcht diktierte Protest- und Austritts-Aktionen. l

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