Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 9 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die C. D. -Zeitung wehrt sich gegen diesen Angriff ihres eigenen Vorstandsmitgliedes mit einer Notiz (Nr. 35 vom 28. August 1925), dtze sich darauf beschränkt, die Einleitung der Erklärung Foerders als „recht unfreundlich" zu bezeichnen und im übrigen „die öffentliche Erörterung dieser internen Angelegenheit abzulehne n". ' W i r sind der Ansicht, datz der Centralvercin schliehlich doch nicht umhin können wird, in die öffentliche Erörterung einzutreten. Was wir über Herrn Rechtsanwalt Ludwig Foerder denken, brauchen wir nicht nochmals darzulegen. Er ist von uns in zahlreichen Fällen der wissentlichen Lüge und der » grob leichtfertigen Aufstellung unwahrer Behauptungen geziehen worden. Die Leitung des Eentralvereins hat die groben Abweichungen von der Wahrheit, die sich dieses ihr Vorstandsmitglied geleistet hat, 'bisher nicht zum Änlatz genommen, Herrn Lzchwig Foerder aus dem Hauvtvorstand zu entfernen, trotzdem^ ihfXdas geradezu handgreifliche Beweismaterial seit langer J^Mporliegt. Allerdings bezogen sich diese Lügen des Herrn^Rechtsanwalts Foerder „nur" auf den Verband nationaldeutfcherJuden und insbesondere seinen Vorsitzenden. Im vorliegenden Falle stellt Herr Foerder Behauptungen über den Centralverein s e l b st auf. und zwar Behauptungen, die jedes Mitglied dieses Vereins auf's Höchste interessieren.müssen. Die Mitglieder des Centralvereins, insbesondere die ' deutschfühlenden Mitglieder', haben ein Recht darauf, zu erfahren, ob cs wahr ist, was Herr Rechtsanwalt Foerder behauptet, datz sich „unter den Mitgliedern des C. V.. sogar unter Vorstandsmitgliedern mehrerer Ortsgruppen. eine ganze Anzahl «im Prozesse Naumann gegen Foerder sagte Herr Foerder wörtlich „Hunderte") deutscher Juden befinden. die sich zum Zionismus bekennen". Und die C. V.-Mitglieder haben auch ein Recht darauf, dah der C. V. - Vo-rstand endlich einmal Stellung nimmt zu der von Her'rnFoerder w.i e früher von »ns selbst — au fge st eilten Behauptung. eine ganze Reihe leitender Per - iönlichkeiten des Centralvereins setze sich in a Iler Oeffentlichkeitüber die gegen den Keren Hajessod gerichtete Resolution des Hauptvorstandes hinweg und werde dabei ruhig weiter in Führer st ellungen belassen. Heraus mit der Wahrheit! Die Stellung des Centralvereins ju Zionisten und Zionisten Genossen muh endlich einmal geklärt werden. Will der Centraloerein im Sinne des Herrn I)r. Fritz Foerder nichts als ein' jüdischer Ve-rein zur Abwehr des Antisemitismus sein, so hat er. gewih als solcher Daseinsberechtigung und mag für diele im Interesse aller Juden zu leistende Arbeit auch jüdischnationale Mitglieder aufnehmen oder behalten. Nu r sej er dann auch konsequent genug,- aus seiner Satzung die Bestimmung zu streichen, dje von d er ..un be irr t e n P fl eg e deutscher Gesinnung" spricht, denn dah ein Zionist oder ein Rechtsanwalt Ludwin Foerder die deutsche Gesinnung unbeirrt pflegen könne, wird kein ernsthafter Mensch glauben. Will ber Centralverein aber — und wir hoffen noch immer, dah er diesen Weg gehen wird — aus der Pflege deutscher Gesinnung eine positive Aufgabe statt einer inhaltlosen Redensart machen, so trenne er sich endlich von den jüdischnationalen Beitragzahlern, mögen sie „nur" ein jüdisches oder daneben zur Auswahl ..auch" ein deutsches Vaterland für sich in Anspruch nehmen. Es wird Zeit, dah der Centrolverein aufhört, „nach beiden Seiten zu hinken". l~ügc und Läfterung. Eine Flucht in die Oeffentlichkeit. I. Vorbemerkung. Aus dem Kranze der Verleumdungen: Verdrehungen und Beschimpfungen, die jüdische Gegner uns unablasssig ..in's irdische Leben flechten"', pflücken wir ein paar besonders duftige Blüten, die geradezu den letzten Wochen zur Entfaltung gekommen sind. Die Schimpfereien - find lediglich Beiwerk. Wir würden über sie nur lachen, wenn sie nicht fast stets mit Lügen auf tatsächlichem Gebiet Hand in Hand gingen. Die Lügen aber, die von unseren Gegnern nach einem wohldurchdachten System ausgestreutwerden, finden selbst in anständigen und an sich wohlmeinenden Kreisen vielfach Glauben, weil harmlose Menschen sich einfach nicht denken können, dah eine mit gröhter Bestimmtheit aufgestellte Behauptung glatt erlogen sei- Wir haben uns bisher nur in einzelnen Fällen die Zeit und die Mühe genommen. Verleumder und Schimpfer an dieser Stelle festzunageln. Dieses Verfahren hat sich als unzureichend erwiesen. Auch das schärfere Mittel. ,u dem wir uns mehrfach notgedrungen entschliehen muhten, die Lügner und Lästerer vor das Strafgericht zu ziehen, führt nicht immer zu dem Aufklärungs-Erfolge, auf den es uns bei derartigen Prozessen natürlich allein ankommt, denn die auf der Gegenseite beteiligten Herrschaften sind gewöhnlich Meister der Prozehverschleppung und. wenn es nach vielen Monaten wirklich gelingt, eine Verurteilung zu erzielen, wird sie gerade von der in jüdischen Kreisen gelesenen Presse totgeschwiegen oder durch verdrehende Zusätze und irreführende Weglassungen bis zur Wirkungslosigkeit abgeschwächt. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als die Flucht in die Oeffentlichkeit zu ergreifen. Wir werden in Zukunft regelmähig in der Rubrik „Lüge und Lästerung" eine Reihe besonders krasser Fälle aus dem jeweilig vorhergehenden Zeitabschnitt in der Oeffentlichkeit festnagelnundzwarmöglichst ohnejeden Kommentar. Wenn wir so die-Tatsachen für sich sprechen lassen und wenn wir dabei, wie es nach den bisherigen Erfahrungen zu erwarten ist, allmonatlich in der Lage sind, mit einer ganzen Blütenlese von Verleumdungen und Verunglimpfungen aufzuwarten, wird doch vielleicht das Gefühl für Reinlichkeit manchen bisherigen Gegner zur Nachprüfung seiner Anschauungen veranlassen. Die Schriftleitung, j ' Der Fall Speiet. Der Kaufmann Mai Speier zu Verden an der Aller. Mitglied und bis vor einigen Monaten O rtsgru p p e n - V o r si h en d e r des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. hat in Gegenwart mehrerer Zeugen dir unglaublich« Behauptung aufgestellt, vr. Mar Naumann habe an General Ludendorff eine Ergebenheitsadresse gerichtet. Die Behauptung ist selbstverständlich erlogen. Gegen Speier ist die Verleumdungsklage eingereicht. III. Der Fall Badt. Der Preuhische Ministerialrat vr. Hermann Badt. Abgeordneter der (zionistischen) „Jüdischen Volksp'artei" im Landesverband jüdischer Gemeinden, hat im Juni d. I. in einer Sitzung der Landesverbandes die Behauptungen aufgestellt a) vr. Naumann habe in einem Zeitungsartikel ..b e - dauert, dah man die deutschen Zionisten nicht ausweisen könnt e", b) Herr Lehrer Gerson, Mitglied unseres Verbandes. habe in unserem Mitteilungsblatt „die Zionisten des Landesverrats, des geheimen Einverständnisses mit landfremden Männern und Regierungen sowie des Hinarbeitens auf staatlichen Umsturz und Bürgerkrieg denunzier t". Beide Behauptungen sind geSbliche Verdrehungen und Entstellungen der Wahrheit. Wenn Herr Di. Badt. wie wir es an seiner Stelle tun würden, diese Feststellung als ehrenrührig betrachtet, mag er gegen den Schriftleiter dieses Blattes Klage erheben, damit diesem die Möglichkeit des gerichtliihen Wahrheitsbeweises gegeben werde. Auch ein Schiedsgericht nach dem Vorschläge des Herrn vr. Peyser (siehe den Aufsatz: „Meine Streitschrift usw." in dieser Nummer) würde bereitwilligst angenommen werden. IV.! Der Fall „Jüdische Rundschau"-. In Nr. 7-8 unseres Mitteilungsblattes haben wir unter der Ueberichrrft „Deutsche Behörden und Keren H aj e sso o-R eklam e" von einer Eingabe, die wir an Herrn Autzenminister vr. Stresemann gerichtet haben, und von der darauf erteilten Antwort berichtet. Da wir die Zustimmung des Auswärtigen Amtes zur Veröffentlichung des Wortlautes nicht hatten, mutzten wir uns s. Zt. mit dem Hinweis begnügen, die Antwort des Auswärtigen Amtes habe so gelautet, datz wir „aus' ihr entnehmen durften, unsere Vorstellungen seien nicht ohne Eindruck geblieben". Die .^Jüdische Rundschau" behauptet demgegenüber in Nr. 61 vom 4. 8. 25. ein „günstiger Wind" habe ihr den „Bericht eines führenden Mitglieds des Verbandes nationaldeutfcherJuden" zugetragen, aus dem sich die Unrichtigkeit unserer Darstellung ergebe. Sie behauptet weiter, in dem Schreiben des Herrn Autzenministers sei dre Erklärung enthalten, das Auswärtige Amt stehe noch jetzt bezüglich des Keren Hajessod auf dem gleichen Stand-