Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 7/8 (Juli/August 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Deutschland einigermabcn bekannt geworden ist. war der röiderlich geschmacklose Zukunftsroman „Die Stadt ohne Juden", und gerade dieses Machwerk' hat der Vorsitzende des Verbandes nationaldeutscher Juden. Herr 0r. Mar Naumann, geraume Zeit vor dem Tode Bettauers in aller Oeffcntlichkeit auf das schärfste gegeitzelt, zuerst in der Berliner Bönenzeitung und demnächst durch Zweilabdruck des gleichen Artikels „Wahlkampf und Judenfrage" im Mitteilungsblatt des Berbandes nalionaldeuischcr Juden «fetzt „Der nationaldeutschc Jude"» Nr. 5 vom Nov. 1924." Spaltung im Zionismus? Der bevorstehende vierzehnte Ziönistenkongreh in Wien wirft feiste Schatten voraus — genau so-wie es vor zwei Zähren der 13. Kongreß in Karlsbad getan hatte.. Damals ging es irm die Zuziehung oder, richtiger gesagt, um die Zulassung von Nicht-Zionisten zur zionistischen Organisa'ion und ihrer Aufbauarbeit in Palästina, die schliehlich von Weizmann nach heftigen Debatten und Konflikten durchgesetzt wurde. Danach schien zunächst alles wieder ein Herz und eine Seele zu sein. Doch nun, wo der neue Kongreß herannaht, kündigt sich abermals ein wahres Scherbengericht über den armen Präsidenten der berühmten Weltorganisation an. Die Rebellion kommt diesnial aus Palästina, wo man begreiflicherweise über die Ablösung Sir Herbert Samuels durch eine militärische Größe der sogenannten Mandatsmacht. Feldmarschall Plumer, im höchsten Grade entsetzt ist und nicht darüber hinwegkommt, daß diese Mahnahme in London ohne Befragen und ohne Porwissen der zionistischen Eiekutive beschlossen wurde. Unter dem Eindruck dieser niederschmetternden Tatsache gewinnen die von Jabotinski, dem Führer der jüdischen Legion im Weltkrieg, gesammelten Radikalen im zionistischen Lager mehr und mehr die Oberhand. Wer ist schuld daran, daß England es wagt, Palästina, die nationale . Heimstätte der Judenhrit, als britische Kronkolonie zu behandeln? Präsident Weizmann mik seiner nachgiebigen Politik. Also soll er, das wird bereits offen angekündigt, in Wien zur Demission gezwungen und Jabotinski als lein Nachfolger präsentiert werden. Aber auch in Europa deuten die zionistischen Wetterzejchen j aus Sturm. Dah die .Jüdische Rundschau' aus Jabotinski j nicht gut zu sprechen ist, der die deutschen Zionisten als .Lands-! knechte' verspottet, der die zionistische Politik als Paarung von Albernheit und Hysterie, von Prahlerei und Liederlichkeit, von politischer Unerzogenheil und krankhafter Reklamesucht kennzeichnet, kann man s«ch denken. Trotzdem nimmt die Rundschau in ihrer Nummer vom 3. Juli in einem langatmigen Leitartikel .Nach zwei Fronten" zu den neuesten Vorgängen im zionistischen Lager in einer Weile Stellung, die einer Sekundantenrolle zum Brsten der Gegner Weizmanns verzweifelt ähnlich sieht. Hier ist von neuen Konstellationen und Gruppierungen die Rede, die sich mit Erklärungen und Gegenerklärungen in immer hitzigerem Gefecht gegenübertreten,.von der überaus unerwünschten Hineintragung rein persönlicher Momente, Affekte und Stimmungen, von der mossenpsychologüchen Wirkung des politischen Parteiwesens bei dielen Auseinandersetzungen. .Für derartige Parteikämpfe ist der Zionismus zu klein und zu schwach. Es steht diesmal zu viel auf dem Spiel'. Was ist geschehen? Welches sind die Gefahren, von denen der Zionismus', wie die Leute von der Jüdischen Rundschau ihn ausfasjen, sich plötzlich bedroht sieht? Die Regierungspartei soll auf dem vorjährigen Kongreh zwei Fehler begangen haben; sie habe es verabsäumt, einen zielbewuhten Maioritatsblock zu bilden, der eine aktive Politik selbst entfaltet und damit auch der Erekutwe Stütze und Antrieb geboten hätte. Sie habe ferner eine Eiekutive eingesetzt, die als Körperschaft nicht lebensfähig war. Dieser Eiekutive wird vorgeworfen. dah sie es der Jabotinski-Gruppe gegenüber nur zu einer Abwehr gebracht habe, die an Kläglichkeit nichts zu wünschen übrig lieh, und dah sie die Bewegung desorientiert und zum Spielball alter balbwahren und demagogischen Postulate gemacht habe. Die Rrformbedürsiigkeit des heutigen Systems müsse anerkannt werden, trotz Jabotinski. Auf dem Wiener Kongreh müsse gegen zwei Fronten gefachten werden: Gegen die Opposition und — gegen die Eiekutive, die auf einer ganzen Anzahl von Gebieten versagt, die es vor allem nicht vermocht habe, wirkliche Leitung zu lein, eine Beziehung gegenseitigen Vertrauens herzustellen, Geld und Mitarbeiter keranzuschaffen. Die Jüdische Rundschau jagt, dah das Konferenzprogramm der deutschen Zionisten, indem es wieder die Frage der Jewish Agency in den Vordergrund schiebe, diesen Fehler nicht nur rächt beseitigen, sondern noch qerschärfen mü»se. Die Hauptsache, wenn die Gestaltung des jüdischen Palästina Fortschritte machen solle, sei die Werbung eines groß konzentrierten nationalen Kapitals. Wo aber sei das Finanzprogramm, der Konferenzgemeinschaft? Wie denke man sich die grobe nationale Anleihe, das gröhte und zentrale Erfordernis der nächsten zionistischen Entwicklung? Die Rückkehr zur Selbstbeschränkung der ausgesprochenen zionistischen Kreise wird als Etablierung eines neuen Ghetto zurückgewielen, während die angestrebte .Umgestaltung der jüdischen Lebensform' bei den Persönlichkeiten der Jewilh Agency besonders lebhafte innere Anteilnahme finde. Im Gegensatz dazu ist von .persönlichen Interessen' die Rede, die lich mehr und mehr in Palästina engagieren und den innerzionistischen Gegensatz verschärfen würden. .Roch ist es Zeit, dah dem Rollen der Lawine Einhalt geboten wird und alle sich besinnen, was weiter zu wollen und zu erreichen ist.' Wie man sieht, ein regelrechter Alarmruf. Das Vaterland, sozusagen, ist in Gefahr. Vickeant counsules. Und daneben halte man einen Schmerzensschrei in der gleichen Nummer der Jüdischen Rundschau, der .mit ernstester Besorgnis' darauf verweist, in welch unverhältnismäßiger Weise die bisherigen Schekel-Ergebnisse hinter denen des Jahres 1923 zurückstehen. Daneben halte man ferner einen Ausruf des Hechaluz. der die zionistischen Einwanderungssorgen behandelt und folgendes seststellt: .Während sich einerseits die Zahl der Einwanderer nach Palästina progressiv in den letzten Monaten mehrte, hat sich der Charakter dieserEinwanderung wesentlich geändert. An Stelle junger, unverheirateter und an schwere körperliche Arbeit in Stadt und Land gewöhnter Menschen tritt die Zahl kinderreicher Familien, deren Ernährer, dem Kleinhandel und Kleinhandwerk entstammend, nicht im Besitze der zur Gründung einer Eristenz notwendigen Kapitalien sind ' Also man bedarf deshalb noch umfangreicherer Geldmittel, als sie bisher für die Siedlungsarbeit, für den Keren Hajessod, von der zionistischest Vereinigung für Deutschland und — von der Berliner jüdischen Gemeinde geliefert wurden. Zu diesem Zweck ist ein .Freundeskreis des Hechaluz' gegründet worden, in den Zionisten und Nichtzionisten, Gemeinden ur d Einzelne eintreten sollen. Ein .neutrales' Kuratorium aus repräsentativen und prominenten Männern und Frauen wird zum Beitritt ausgesordert; die Dummen, denkt man. r »erden ja doch nicht alle! In Berl n ist inzwischen, wieder'durch öffentlichen Säulenanschlag, von den radikalen Zionisten eine grobe öffentliche Virsammlung einberufen worden zwecks Aussprache über .unser,' Forderungen für den 14 Zionistenkongreß. Unsere?- Zn der Versammlung sprechen: Soloweitschik, Benzion Fett Brutzkus und so. Sollte hier etwa die berühmte Einheitsfront der Zionisten doch endlich versagen? Was soll dann aber aus der ebenso-berühmten Einheitsfront der deutschen Juden, ja, des Alljudentums, werden? Deutsch: Behörden und Keren-Hajessod-Reklam«. Die rührfgcn Keren Hajessod-Werher, die nicht es Geld ins Ausland locken kbnnen. pflegen chit Vorliebe deutsche offizielle Pere n (Nichtjuden), wie Minister usw.. vor ihren zu spannen. Sie laden die Herren zum Tee ihnen etwas vor, meist mit Lichtbildern, und genug deutsck neuerdings s v nl i ch k e t Reklamewage« i ein, schwefeln verbreiten am nächsten Tage in den Zeitungen, dah „auch Herr Minister X. mit grober Spannung den Darlegungen gefolgt sei und' sein lebhaftes Interesse bekundet habe . Der zu Anfang d. 3. inszenierte Weizmann-Rummel ist noch in aller Gedächtnis, bei dem es tatsächlich gelang, den Anschem zu erwecken, als sei das deutsche Auswärtige Amt der Schirmherr des Zionismus. Wir haben aus Anlab dieser Vorgänge an den Herrn Auhenminister >. Zt. eine Eingabe gerichtet und eine Antwort erhalten, aus der wir entnehmen durften, dah unsere Vorstellungen nicht ohne Eindruck geblieben sind. 2m Mai d. 2s. erschien nun in der „Breslauer Zeitung" (demokratisch), die bisher stets bchanptet hat, über jüdische« Angelegenheiten mit Rücksicht auf ihre „Neutralität" üherhcutpt nichts bringen zu wollen, eine Notiz unter der Ueberschrift „Deutsche Interessen in P a I ä st i n a". die offenbar von zionistischer Seite veranlabt worden ist. Sie enthält die übliche irreführende Darstellung über den Keren Hajessod,. den selbst der famose Centralvereinler Marr ein „unter falscher Flagge segelndes Schiff" nennt. Mitten dann steht der Satz: „Die deutsche Regierung steht daher der Beteiligung deutscher Juden am Gründungsfonds durchaus fördernd gegenüber." Unser Verband hat daraufhin an das Auswärtige Amt eine neue Eingabe gerichtet, die folgende Sätze enthält: . . 2n dieser unzweifelhaft von zionistischer Seite lanzierten Notiz wird zunächst einmal zugestanden, dah die für das in Deutschland gesammelte Geld angeschafften Gegenstände „nach Palästina ausgeführt" werden, selbstverständlich ohne wirtschaftlichen Gegenwert für Deutschland: dadurch wird bestätigt, dah durch die Keren Hajessod-Sammlungen Teile1 des deutschen Volksvermöaens ohne Gegenwert ins Ausland abgeleitet werden. Die Aussichten der deutschen Industrie, mit Palästina Geschäfte zu machen, werden natürlich durch dies« Verhältnisse nicht beeinfluht. Der Palästinenser kauft, wenn er überhaupt entgeltlich er-