Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 7/8 (Juli/August 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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? — 6 — Haben wir nicht schon längst fast in jeder Nummer der ..Jüdischen Rundschau", des offiziellen zionistischen Organs, ebenso in anderen Zionistenblättern und in der Wiedergab« der Äcuherungen maßgebender Pianisten dasselbe lesen können? Der Zionismus hat in Ausführung dieser Idee nur folgerichtig gehandelt, indem er dauernd bestrebt war. Trennendes zwischen deutschen Juden und deutschen Richlinden zu betonen, um so vor Nichtjuden und Juden die „nationale" Besonderheit der Juden hervortreten zu lassen. Es muhte geradezu ein Leckerbissen für Herrn Mulle ulkd seine Gesinnungsgenossen sein, als z. B. Herr vr. Radin, Zioniiteuführer in Breslau, verkündete, dah die Juden als Teuerstes und Höchstes ihre eigene Kultur pflegen mühten. Alle' übrigen Kulturwerte. darunter auch die deutsche Kultur — so gestattete es gnädigst der erst kürzlich aus dem Osten cingewanderte Herr Rabin — sollen natürlich ebenfalls, d. h. sozusagen als Nebenfächer Berücksichtigung finden. Wann werden endlich die deutschsühlenden Juden wie «in Mann sich erbeben und dagegen wehren, dah in der Oeffentlichkeit von einem Fremdnationalen behauptet wird, der Kulturbesitz des deutschen-Volkes sei füreinendeutschen Juden ein fremder und nicht sein eigener Kult» rbesitz? Man kann dem Antisemitismus nicht mehr m die Hände arbeiten, als rvenn man dauernd die Jnternalionalität des Judentums in die Welt h:nau»schreit. die für deutschfühlend« Juden — abgesehen von rein religiösen Bindungen — nicht besteht. „E i n jüdisches Volk von O st u n d W e st", so verkündet es das schlesische Zionistenblatt, bleibt das erstrebenswerte Ziel. Ein einiges deutsches Volk „von der Maas bis an die- Memel, von der Etsch bis an den Belt" iit der Gedanke, den wir deutschfühlenden Juden dieser Auffassung entgegensetzen.» Und wie die Zionisten schreiben, so handeln sie auch. Anlählich der „D o n a u l a nd" - An.g e l e g e n-h e i t im Deutsch-Oeiterrcichischen Alpenverein wurde der „Vossischen Zeitung" von einem nichtjüdischen Gegner des Ausschlusses der Sektion Donauland geschrieben, dah „für den Auss-chluhgegner in dem Augenblick jede Hoffnung auf Verständigung geschwunden war. als Herr Ministerialrat Ba-t" — einer der bekanntesten deutschen ZicnUten — „seine von A bis Z provozierende und ir^cht einmal sachliche Rede vom Stapel lieh". Und Herr Badt handelte im Sinne seiner jüdischnationalen Ideen durchaus folgerichtig, denir jede Versöhnung mit Nichtjuden, jeder Versuch, die Brücke zum anderen Ufer u schlagen oder wiederherzustellen, muh vom Standpunkt des heutigen Zionisten' dieses Schlages aus bekämpft werden. .'Nur im Sumpfe des Hasses zwischen Nichtjuden und Juden kann die Blüte dieses National-Judentums gedeihen. Würden die Jüdischnationalen nur für sich selbst sprechen, würden sie für ihre Personen auch die praktischen Folgerungen aus ihren Ideen ziehen, würden sie nicht immer in der Oeffentlkchkeil ihre Ideale qls die des gesamten Judentums hinstellen und würden sie nicht versuchen, die unselige Verallgemeinerung und unterschiedslose Beurteilung des deutschen Judentums seitens nichtjüdischer Kreise ihren Zwecken nutzbar zu machen, so konnten die deutschfühlenden Juden die Tätigkeit des Zionismus ruhiger mit ansehen. Dem konsequenten, auf Auswanderung hinslrebenden Zionismus mag man menschliche Achtung entgegenbringen. Aber dieser.Zionismus, der demgeniäh auch sich taktvoll von den deutschen politischen und iulturellen Fragen zurückhält, iit.leider selten, Ueblich ist der falsche Zionismus, der in Deutschland alle Rechte verlangt, aber dabei dem konsequenten Deutschtum der Nationaldeut chen nichtjüdischen oder jüdischen Stammes das ewige Bekenntnis der.Zugehörigkeit zu einem Fremdvolke entgegensetzt. Gegenüber diesem Zionismus muh endlich das deutschgesinnte Judentum aus seiner Lethargie erwachen uitd die Dinge ohne jede falsche Sentimentalität so ansehen. wie sie wirklich sind. Gerade die Vorgänge, der letzten Zeit müssen besonders ju denken geben. Mit bewundernswerter Energie fördert der Zionismus seine Palästina-Propaganda in jüdischen und nichtjütischen Kr.eisen. Er versucht es mit allen Mitteln unter dem Deckmantel sogenannter Neutralität, die er ja immer oorschiebt,'wo es ihm günstig erscheint, seine Ideen in jüdische Vereinigungen zu tragen, die es bisher abgelehnt haben, sich mit ihnen zu beschäftigen. Es zeugt nicht von politischer Reife weiter jüdischer Kreise, dah es immer noch notwendig ist. darauf hinzuweisen, wie unvereinbar die Beteiligung deutschfühlender Juden an dem sogenannten Palästina-Aufbau mit ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Nation ist. Es ist eigentlich beschämend, dah man es überhaupt wagt, der Oeffentlichkeit Argumente vorzusetzen, wie: die Hergabr üon Geldmitteln für Anschaffung von Maschinen oder dergleichen für Palästina komme der deutschen Volkswirtschaft zugute. Als ob nicht jeder Schüler wühte, dah es für die Volkswirtschaft eines Landes gleich schädlich ist. ob Geldmittel oder Sa chwerteohne entsprechende Gegen lei st ung ins Ausland ausgeführt werden. Es ist für die deutschen Juden eine schwere Anklage, dah Deutschland mit seinen Leistungen für den Palästina-Aufbau in den Ausweisen des Keren HajessodinirerhalbderganzenWelt an zweiter oder dri Dt er Stelle steht, unser Deutschland. ein Land, das unter dem schwersten wirtschaftlichen und politischen Druck steht, in dem Millionen von Menschen nicht das Nötigste zum Leben haben, in demTausende von jüdischen und nichtjüdischen Wohlfahrtseinrichtungen nicht wissen, wie sie die bitterste Not lindern sollen. Merkwürdig muh es auch erscheinen, dah in letzter Zeit in 'Deutschland amtliche und politische Persönlichkeiten — Nichtjuden — sich in den Bann dieser Bestrebungen haben ziehen lassen. Uns deutschfühlenden Juden muh aber die zionistenfreundliche Einstellung dieser nichijüdischen Kreise zu denken geben. Mag sein, dah viele dieser Damen und Herren, die jetzt so lebhaftes Interesse für den Zionismus zeige», durch die rein idealistischen Momente dieser Bewegung sich angezogen fühlen. Mag sein, dah viele auch über die Trag-! weite dieser Dinge infolge der einseitigen Orientierung sich ] nicht genügend klar sind. Hier täte Aufklärung dringend not.! Wir deutschsühlenden Juden sehen jeden- > falls in dieser Beeinflussung eine schwere. : eine ungeheure Gefahr. Den» immer meht muh so : in nichtjüdischen Kreisen — psychologisch durchaus verständlich — die Anschauung sich festsetzen, dah die Heimat der Juden, auch der deutschen Juden, das fremde Land Palästina sei. dah der deutschen Juden Denken und Fühlen diesem fremden Lande als ihrem eigentlichen Vaterlande zugewandt sei. Die Unterschiede, die innerhalb dis deutschen Judentums bestehen, werden leider in nichtjüdisck.en Kreisen selten gekannt, weil man sich noch viel zu wenig oder meist nur oberflächlich mit diesen Fragen besaht. So leistet der Zionismus der anti- I semitischen Verallgemeinerung Vorschub. Was ist dagegen zu tun'? Die Antwort lautet: auf-! klären und immer wieder ausklären! Noch | können wir aufklären, noch können wir mit aller * Macht, der Macht der Liebe und unlöslichen Verbundenheit mit dem deutschen Volke, mit unserem Volke, dieser Gefahr - entgegentreten. Wehe, wenn wir er st warten, bis es zu spät ist! Dann werden auch d i e Nichtjuden in Deutschland, die heute noch durchaus nicht - antisemitisch sind, erklären: Ihr habt es so gewollt. Eure Heimat ist dort. , nicht hier. I Noch ist es Zeit. Darum hinaus in die Oeffent-; lichkeit. deutschfühlende Juden! Der Zionismus! scheut sich nicht, für seine Ideen in breitester Oeffentlichkeit. > vor allem vor dem Forum der Nichtjuden zu arbeiten. Sollen! wir uns unseres deutschen Bekenntnisses schämen? Und rn diesem Kampfe, der ein schwerer Kampf sei» wird, muh unser Verband nationaldeutscher Juden choran gehen. Wir wissen, dah wir auch auherhalb der Reihen unserer Organisation zahlreiche deutschfühlende Juden als Kampfgenossen haben werden. Das deutsche Judentum wird es uns einmal danken, dah wir geholfen haben, ihm seine Heimat, die deutsche Heimat zu retten. Vermischtes. t Sie erste Tagung de» preuhftchen Landesverbander. Ueber den Zusammentritt und den Verlauf der ersten Tagung de» Preuhischen Landesverbandes in der zweiten Hälfte . des Monats Juni werden unsere Leser bereits aus anderen Quellen unterrichtet sein. Es konnte niemand überraschen, dah die sogenannte Jüdische Volkspartei auch auf diesem neu geschaffenen Kampfplatz sofort die Agitation für ihre sattsam dekannten Ziele aufnahm. Die Vorstand»- und Ratswahlen vollzogen sich auf Grund einer Verständigung unter den Parteien. Lei der Auswahl der Rabbinervertreter für den Rat indessen unternahmen die Herren Dr. Klee und Dr. Goslar einen Vorstob in ihrer Richtung, wobei sie sich indessen die erste Z u - rückweisung hollen. Dann lieh Herr Dr. Klee eine seiner bekannten »gehaltvollen" Reden vom Stapel, aus der das Bekenntnis zu erwähnen ist. dah, wie-die preuhische Judenheit, so auch die deutsche Jude nch eit für seine Partei kein Begriff sei, mit dem sre etwas beginnen könne. Dr. Klee kennt nur ein Judentum, das nicht Halt macht vor einzelnen Landesgrenzen. Das Wort »O st - juden" bezeichnet er als ein unglückseliges: für ihn und seine Leute gibt es keinen Unterschied zwischen Ost- und Westjudenlum. Folgte ein wahrer Hymnus auf die Oftjuden, mit dem uneingeschränkten Bekenntnis zur jüdischen Schule und mit der Forderung, dah wir zurückkehren müssen zur hebräischen Sprache. Also rückwärt», rückwärts zum mittelalterlichen Ghetto ist die Losung der jüdischen Volkspartei! Herrn Dr. Klee trat zunächst Herr Dr. Reumann von der Mittelpartei polemisch entgegen, und dah nach ihm unser Vorstandsmitglied, Sanitätsrat Dr. Peyser. mit dem Redner der Volkspartei scharf ins Gericht ging, versteht sich von leibst. Versuche, ihn durch Erregung und Unruhe um sein Wort