Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 7/8 (Juli/August 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6682492-5438640-5438782--088-4871306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Arabisch gelehrt, Deutsch fällt au«. Wer in Palästina die Schule besucht bat, wird in Deutschland die Universität meiden müssen, weil er die Sprache nicht versteh«. Die allmähliche Entfremdung de» jüdischen Bolt» von dem deutschen Kulturkrei» wird angebahnt. Die Tatsache, dah heute noch in Palästina Vor. . träge in deutscher Sprache gehalten werden und dah das deutsche Wort in Palästina beständig an unsere Ohren klingt, kann darüber nicht täuschen, dah der Zionismus gerade wegen der Verbreitung der Kenntnis der deutschen Sprache diese für gefährlich hält, weil sie wahrscheinlich mehr verstanden wird als da» Hebräische. Zionisten, die dauernd in Palästina bleiben, legen ihre frühere S'.aatsangehörigkeit nieder und nehmen die paläsii- Nische an. Dagegen ist nichts zu sagen, auber dah diese Auswanderer sich sicher nicht durch Liebe für ihr bisherige« Heimatland auszeichnen, Kein Echo deutscher Freuden und Leiden klingt denn auch von Zion nach Deutschland zurück. Der überzeugte milarbeitende Zionist hat schon im Herzen o u s Deutschland verzichtet, ehe er in Zion eingetrofsen ist. Es ist richtig, man kann nicht zween Herren dienen, und Zionismus schlieht volldeutsche Getinnung aus. Wie soll der national deutsch fühlende Jude in Deutschland es vereinen, kerndeutsch zu bleiben und eine Bewegung zu fördern, die wenn auch nicht in aller Form deutschfeindlich, so doch deutschflüchtig ist. Palästina ist eben von den Zionisten nicht als eine Sammlung jüdischer Kolonien fremder Zungen gedacht, sondern als ein geschlossenes staatliches Gemeinwesen mit einer einnaen Sprache, dem Hebräischen. Arabisch und Englisch sind Not- Wendigkeiten. Der Zionist wird daher stet» als seine erste Pflicht gegenüber der Allgemeinheit betrachten. Zion- Palästina feine Arbeit, seine Intelligenz, sein Leben zu geben, aber nicht etwa Deutschland, das weit hinten in der Ferne liegt und allmählich versinken wird. Wie ein aufrichtiger Zionismus — und der scheint in dieser ersten Zeit der Begeisterung immer aufrichtig zu sein — mit deutschem Patriotismus vereinbar lein kann, ist unerfindlich. Und selbst der theoretische Zionismus, der von Deutschland aus wirkt, ilt nicht zu oereinbaren mit einem Gefühl unlöslichen Verbundensei n s zu Gedeih und Verderb mit allem, was in den Tagen der Gröhe und Herrlichkeit und in den Tagen der Leiden und der Einiedrigung das deutsche Herz erfüllt." Dieses Zeugnis eines durchaus unvoreingenommenen Mannes spricht wohl für sich selbst. Wir brauchen ihm nichts hinzuzufügen. Herr von Mach legt, indem er an den Zeitpunkt erinnert, der den Zionisten die Balfour-Erklärung gebracht hat, und an die Absicht, in der sie erlösten wurde, den Finger auf eine Wunde, die noch heute nicht vernarbt ist. die vielmehr im Herzen jedes deutschsühlenden Juden fortbrennen wird, so lange noch Blut durch seine Adem kreist. Und nur zu wahr ist, daß der Zionismus nicht England, wohl aber dem durch den Kriegsverlust ohnehin zertrümmerten Deutsch, land wertvolle Kräfte entzieht, und daß er ihnen unfehlbar das deutsche Heimatgcfühl aus dem Herzen reifet, — Feststellungen, die für den Verband nationaldeutscher Juden gewitz nicht den Reiz' der Neuheit besitzen, die aber den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und vielleicht auch den Vorstand dpr Berliner jüdischen Gemeinde zu neuem Nachdenken über biei unausbleiblichen Wirkungen der zionistischen Agitation anrcgest könnten. Uns ist der Aufsatz des Herrn von Mach jedenfalls eine wertvolle Bestärkung in unserem nachdrücklichen Kampf gegen den Zionismus. Aufklärung gegen Zionismus. Von 0r. Rudolf Lohn (Breslau). Allen Betrachtungen und Erörterungen, die sich mit der „Judenfräge" in Deutschland befassen, mühte immer wieder vorangeschickt werden, dah das jüdische Problem kein religiöses, dah die Behandlung jüdisch »religiöser Fragen in diesem Zusammenhang nur von sekundärer Bedeutung ist. Wir müssen endlich darüber Klarheit gewinnen — leider ist man in sehr weiten jüdischen Kreisen immer noch nicht zu dieser wirklichen Erfassung des Problems vorgedrüngen —, dah es sich lediglich darum handelt: sind die deutschen Juden Glieder der deutschen Volksgemeinschaft? Wir müsten dabei im Auge behalten, dah die Ausübung rein formaler Staatsbürgerrechte völlig zu trennen ist von der innerlichen Verbundenheit und Zugehörigkeit rum deutschen Volk. Kein Volk, das seine innere nationale Geschlossenheit wahren will, wird es auf die Dauer dulden können, dah fremdnationale Minderheiten, die sich einem anderen Volke verbunden fühleir auch wenn sie staatsrechtlich Bürger «hres Wohnstaates sind, über ihren engeren Kreis hinausareifen und führend oder auch nur entscheidend die Geschicke des sogenannten Wirtsvolke» beeinflussen. Solch« nationalen Minderheiten haben nur "dann ihre innere Berechtigung, wenn t sie sich dem Volke zurechnen, von dem man sie gewaltsam getrennt hat. dem sie sich aber immer! noch zugehörig fühlen, trotzdem ihre staatsrechtlich« Stellung gegen ihren Willen geändert worden ist, und dem sie auch später wieder als ihrem wahren Vaterland« politisch anjzugehören hoffen. Auch der Staat, dem. dies« neuen Gebiete angehören, muhte, als er sie erwarb, mit der kulturellen und politischen Sonderstellung der, nationalen Minderheiten rechnen. Er muhte misten. dah sie nicht ihr wahres Vaterland vergessen würden, dem sie alles verdanken, was sie an ideelleil und materiellen Gütern besitzen. Dies gilt zum Beispiel für die Deutschen in den durch den Versailler Vertrag von ihrem Heimatland« abgetrennten Gebieten. - Ganz anders liegt es bei den Juden, für die alle diese Voraussetzungen nicht gegeben sind. Hier muh es unerträglich scheinen, dah «ine in gewissem Mähe berechtigte Pflege der Tradition zur Empfindung und Betätigung eines Sondervolkstums autzartet. Nur also das wahr« und echt empfundene Bekenntnis uim deutschen Volkstum unter Ausschluß jedes binadonalen iDoppelempfindens rechtfertigt die Forderung des deutschen Judentums. «in innerlich und äuherlich gleichberechtigtes Glied des deutschen Volkes zu sein. Wer dieses deutsch« Bekenntnis nicht oblegen kann, weil er in feinem Herzen sich der jüdischen Nation zugehörig fühlt, der erkennt die Grund-' lagen der anrisemitischen Gedankengänge, die heute immer und immer wieder zu dein. Ausgangspunkte zurückkehren. der deutsche Jude sei nicht Deutscher, sondern Fremder, selbst an. Er hat keine Berechtigung mehr, den Kampf! gegen den Antisemitismus zu führen. Das National-Judentum ist schon durch sein blohes Bestehen dem deutschen Judentum in dem Kampf »m sein Recht, um das Recht, dah der deutsche Jude als Deutscher angesehen werde, in den Rücken gefallen. Nie ist das Wort vom „Dolchstoh von hinten" wahrer gewesen, als hier. Ader noch haben die deutfchfühlenden Juden di« Kraft und die Macht, sich gegen , den Feind zu wehren, der heute nicht mehr nur im Lager der Antisemiten, sondern weit gefährlicher in den Reihen der Juden steht. Führen können sie dielen Kampf nur, wenn si« sich der Gefahren bewuht sinh die ihnen durch National-Judentum und Zionismus täglich in immer steigendem Mähe erwachsen, wenn sie sich endlich zu der Erkenntnis durchdringen, in dem Indem, der das Deutschtum ableugnet und als seine wahr« Hsimat ekn fremdes Land mit fremdem' Volke ansieht, nicht den «jüdischen Bruder" Zu sehen, sondern den Gegner, der tagtäglich — trotz gelegentlicher Versicherungen des kulturellen Zusammenhangs mit Deutschland und der sogenannten ..Staatsgesinnung" — der Wirkung nach das bekämpft, was für den deutsch gesinnten Juden die Grundlage des gesamten Empfindungslebens ist: beri Glauben an das deutsche Volkstum, das kein Doppelvolkstum in demselben Her^n duldet. Mancher deutsch« Jude von zweifellos! deutschem Empfinden steht nur deshalb gleichgültig beiseite, weil er die Gefahren nicht kennt, oder weil er meint, sein deutsches Empfinden als etwas Selbstverständliche» nicht besonders betonen zu müssen. Würde er wissen, wie von zionistischer Seite gerade in letzter Zeit gearbeitet wird, um den jüdisch-«ltionalen Gedanken nicht nur in jüdische Kreise zu tragen, sondern — leider nicht erfolglos — diesen Gedanken auch den; weitesten nichtjüdischen Kreisen schmackhaft zu machen, —! er würde doch vielleicht erkennen, was heute auf dem Spiele steht. Er würde vielleicht doch dazu helfen, dah in den jüdischen Verbänden, die zwar auch das Bekenntnis zum deutschen Volks- . tum in ihren Satzungen stehen haben, die aber im entscheidenden Augenblick nicht den Mut oder die Kraft zur Abkehr von den undeutschen Juden aufbringen. dah sin solche. Verbänden endlich diejenigen Kreise die Führung gewinnen, die den Kampf gegen das National-Judentum; ernstlich aufzu« nehmen gewillt sind.,! > ' Mit erfrischender Offenheit und Klarheit spricht das Kongreh-Proaratnm der Zionistischen Ver» — tiniguna für Deutschland die „eindeutige Be» tonungdes nationaljüdisch'en Gedankens auf qllen Eebieten der zionistischen Arbeit" aus. uDer nationale Gedanke" — so heiht e« i» dem Programm weiter — „bleibt die G-ründlage der zionistischen Bewegung und der Arbeit im Gal u t h. er ist charakteristisch für die zionistische! Auffassung der Judenfräge, er ist für die Entwickelung Dalästmas di« treibende. Kraft". Was werden zu diesem klaren und eindeutigen Programm dip vielen deutschen J»den jagen, die iinmer noch im Zionismus eine Art Wohlfoihrts-Einrichtung Eüt bedürftige und vertriebene Glaubensgenossen sehen? Beurfte es aber erst des Programm» vom Mqi 1925, um Er- > kenntnis über das wahre Gesicht de» Zionismus »u bringen? I